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Warum der Ölpreis nach der OPEC-Entscheidung abgerutscht ist

Öl-Pumpe

Vor der gestrigen OPEC-Entscheidung zeigte der Ölpreis am Mittwoch Schwäche – dies lag neben gestiegenen Lagerbeständen für Rohöl in den USA an der Angst, dass der Iran nach einer möglichen Aufhebung von Sanktionen auf den Weltmarkt zurückkehrt, wodurch die globale Öl-Angebotsmenge steigt. Gestern dann aber in den Stunden vor der OPEC-Entscheidung stieg der Ölpreis um gut 2 Dollar an. Nach der Entscheidung verlor WTI-Öl dann aber mehr als 3 Dollar auf aktuell 79,72 Dollar. Wa ist hier los? Eigentlich hätte es nämlich genau andersrum laufen sollen?

Ölpreis rutscht merkwürdigerweise ab nach OPEC-Entscheidung

Gestern Nachmittag konnte sich die OPEC mit ihren externen Partnern wie Russland (Gesamtgruppe OPEC+) ziemlich schnell einigen. Man bleibt im Monat Dezember bei einer Anhebung der Öl-Fördermenge von 400.000 Barrels pro Tag. So war es schon in den letzten Monaten, und so war es auch für Dezember schon vorgesehen. Also ist es keine Überraschung gewesen. Ganz im Gegenteil. Es war auch eine kalte Abfuhr an die USA, Japan und andere große Öl-Abnehmerländer, die auf eine höhere Fördermenge gepocht hatten. Das Ausbleiben einer stärkeren Fördermengenanhebung sorgt quasi für eine weiterhin vorhandene Verknappung der Angebotsseite. Dies hätte den Ölpreis gestern Nachmittag eigentlich zum Ansteigen bringen sollen – aber der Markt fiel spürbar.

Spurensuche – warum zeigt Öl Schwäche?

Nun, da wäre zum einen die gestern aufgekommene Angst, dass die USA nun ihre nationale Öl-Reserve anzapfen könnten, nachdem die OPEC sich weigert zusätzliche Öl-Mengen auf den Markt zu werfen. Mehr Öl aus den USA auf dem Markt, das würde den Ölpreis runterdrücken. Eine vorsichtige Andeutung in diese Richtung gab es gestern von US-Offiziellen, dass man viele Möglichkeiten in seinem Instrumentenkasten habe.

Aber da gibt es noch andere mögliche Gründe, warum der Ölpreis nach der OPEC-Entscheidung Schwäche zeigt. Die Rohstoffexpertin Barbara Lambrecht von der Commerzbank nennt die Preisschwäche bemerkenswert. Auf der Spurensuche nach dem Grund dafür nennt sie zum Beispiel einen Fernsehbericht, demzufolge Saudi-Arabien im Dezember wieder 10 Millionen Barrels Öl pro Tag fördern wolle. Das entspräche aber ohnehin in etwa dem planmäßigen Produktionsniveau. Auch könne es an Aussagen des saudischen Ölministers liegen, der einen Lageraufbau zur Jahreswende erwartet. Als Argument könnte laut Barbara Lambrecht auch der Hinweis des russischen Vize-Regierungschefs Nowak auf eine Schwäche im europäischen Ölverbrauch im Oktober angeführt werden, den er im Anschluss an das Treffen auf der Pressekonferenz gab.

Sie ist der Meinung, dass der Rückgang im Ölpreis aber letztlich nur ein weiteres Indiz dafür ist, dass die Stimmung am Markt (kurzfristig) gekippt ist. Dieser Umschwung sei auch bei anderen zyklischen Rohstoffen zu sehen. Der Blick auf die Fundamentalsituation, der mit den Monatsberichten der EIA und der OPEC nächste Woche ansteht, könne die Stimmung aber schnell wieder drehen lassen.

Einfache Erklärungen

Man kann auch versuchen einfache Gründe dafür zu finden, dass der Ölpreis nach der Entscheidung der OPEC ziemlich überraschend gefallen ist. Als da wären eine technische Reaktion gemischt mit „sell on good news“ nach einem Ereignis, dass eigentlich für einen steigende Ölpreis spricht. Aber die mögliche Aktivierung der nationalen Öl-Reserve in den USA sollte man als Drohgebärde nicht unterschätzen! Kommt es dazu, könnte der Ölpreis weiter absacken. Die aktuelle Kursschäwche bei Öl könnte abgesehen von diesem Szenario nur eine vorübergehende Schwäche sein. Und der Markt könnte bald wieder auf die Idee kommen, dass die anhaltende Öl-Verknappung der OPEC für den Ölpreis doch eigentlich ein ziemlich positives Signal ist.

Chart zeigt Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Anfang der Woche Kursverlauf im WTI-Ölpreis seit Anfang der Woche.



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