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Puerto Rico: „Ein bisschen“ Staatspleite zum Jahresanfang

Redaktion

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FMW-Redaktion

Das US-Außengebiet Puerto Rico, welches aber kein US-Bundesstaat ist, bleibt nach wie vor in seiner Zwitter-Stellung gefangen und darf auch jetzt nicht in die offizielle Insolvenz für US-Kommunen gehen. Denn nach wie vor gibt es dafür keine gesetzliche Anpassung im US-Kongress, wo Hedgefonds etc. massiv intervenieren, damit die Schulden Puerto Rico´s, die sie aufgekauft hatten, auch weiterhin offiziell werthaltig bleiben. Gelingt es dennoch in den nächsten Monaten an das Chapter 9 zu kommen, könnten große Teile der von den Fonds gekauften Anleihen auf einen Schlag entwertet werden.

Aber kurzfristig hat Puerto Rico erst einmal wieder „ein bisschen“ Staatspleite hingelegt. Die von der Regierung selbst garantierten Anleihen (General Obligation Bonds) werden auch jetzt noch bedient, da diese die am höchsten gesicherten Anleihen darstellen und man im Falle einer Nichtzahlung von einer „totalen Pleite“ des Außengebiets reden könnte. Erst mal nicht gezahlt hat Puerto Rico zwei fällige Anleihen in Höhe von insg. 37,3 Mio Dollar, darunter 35,9 Mio nicht offiziell garantierte Anleihen der „Puerto Rico Infrastructure Financing Authority“ und 1,4 Mio Dollar von der „Public Finance Corp“. Es sind zwar auch staatliche Einrichtungen, aber eben nicht durch die Regierung in höchster Einstufung garantiert. Also wie gesagt, ein bisschen Staatspleite zum Jahresauftakt.

Seitens der Inhaber dieser „defaulted Bonds“ hört man komischerweise noch gar nichts in Sachen Klage wg. Nicht-Zahlung. Tatsächlich dürften die Klage wohl ausbleiben, weil der gesamte Kapitalmarkt dann wüsste, dass dadurch alles nur noch schlimmer wird. Das Vertrauen in Puerto Rico würde noch weiter drastisch sinken, wenn öffentlich in einem Gerichtssaal die mangelnde Fähigkeit der Insel aufgezeigt würde ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen.

Im Augenblick läuft ein verdecktes Rennen um die Entschuldung der Insel. Nach wie vor kann es wie gesagt dazu kommen, dass der US-Kongress doch noch Zugang zum US-Insolvenzrecht gewährt, was derzeit aber durch Lobbyisten erfolgreich blockiert wird. Möglich ist aber auch noch, dass das oberste US-Gericht der Insel zugesteht in Eigenregie ein eigenes Insolvenzrecht einzuführen, mit dem man sich dann quasi selbst entschulden kann. Dies ist eine hochkomplizierte Materie, für die es keine Präzedenzfälle gibt. Das Problem haben die USA sich selbst geschaffen, denn man hat sich Außengebiete zugelegt wie Puerto Rico (auch mehrere im Pazifik), die an die USA angeschlossen sind z.B. über die Währungspolitik, Grenz- und Zoll etc), während diese Gebiete aber keine US-Bundesstaaten sind und ihre Bürger auch nicht an US-Wahlen teilnehmen können. So ist es in diesem Zwitter-Status mehr als unklar, ob und was genau eine Insel wie Puerto Rico selbst entscheiden darf und was nicht. Kommt es tatsächlich dazu, dass man hier eine eigene Insolvenzregelung einführen darf, wäre das wohl das Todesurteil für so manchen Hedgefonds-Manager. Die Inselregierung könnte sich eine Insolvenzordnung quasi für sich selbst schreiben, und zwar genau so, wie man es gerade braucht.

Aber tagesaktuell ist das noch nicht. Im Augenblick schummelt man sich durch, zahlt das was man kann oder meint leisten zu können, erhöht Steuern, fährt Ausgaben zurück, zahlt einiges nicht, und hofft auf bessere Zeiten. Von der Staatsraison her juckt es die USA relativ wenig, was da in Puerto Rico vor sich geht. Man kann immer darauf verweisen, dass die Insel ja nicht richtig zu den USA gehört, und sollten von den insg. 73 Milliarden Dollar Schulden ein großer Teil verloren gehen, wäre das ein Problem von Hedgefonds und ihren Hochrisiko-Investoren sowie von anderen Anleihe-Investoren. Hier hätten anders als beim Fall Griechenland viele private Investoren Zahlungsausfälle in ihren Bilanzen auf der Forderungsseite zu verbuchen – Pech gehabt hieße es dann, und das Leben in den USA geht weiter. So bezeichnete die US-Notenbank Fed noch vor Kurzem die systemischen Risiken so einer Pleite für die USA als minimal.

Für Puerto Rico könnte es zu einer der beiden vorher beschriebenen Entschuldungs-Szenarien kommen, oder es gibt eine ewig lange Hängepartie wie beim Thema Griechenland, nur mit einer anderen Ausgestaltung. Keine Rettung durch den großen Bruder, sondern ein Durchwurschteln mit „mal hier was zahlen, mal hier was nicht zahlen“.


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Einzelhandelsumsätze: Krise vorbei – nur Bekleidungsgeschäfte haben ein Problem

Claudio Kummerfeld

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Frau mit Einkaufstaschen

Erst vorgestern berichteten wir über das veränderte Konsumverhalten der Deutschen im Zuge der Coronakrise. Die Menschen würden den Rotstift zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Und diese Erkenntnis, gewonnen aus Umfragedaten von Creditreform, erkennt man auch in den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen vom Statistischen Bundesamt für den Monat August. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind demnach nämlich die Einzelhandelsumsätze in den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -10,1 % und -2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber abgesehen davon sind die gesamten Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu Februar und auch im Jahresvergleich zu August 2019 inzwischen wieder höher! Damit kann man also sagen: Die Menschen konsumieren wieder mehr als vor der Krise, von daher ist die Konsum-Angst offenbar verflogen – nur das Konsumverhalten hat sich verschoben, zum Beispiel von Bekleidung hin zu Wohnungseinrichtung. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 8,1 Prozent.

Die gesamten Einzelhandelsumsätze sind im August im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen (der August 2019 hatte sogar einen Verkaufstag mehr), und im Monatsvergleich um 3,1 Prozent. Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2020 real 2,6 % und nominal 5,4 % mehr um als im August 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 2,9 % und nominal 5,6 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 0,3 % und nominal 3,7 % mehr um. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 4,5 % und nominal um 5,4 %. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23,0 % und nominal 24,4 % erzielte der Internet- und Versandhandel.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im August

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Das ist die erfolgreichste deutsche Anlegerin – Werbung

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Lieber Börsianer,

vorgestern ist Beate Sander mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Hierzulande wurde sie bekannt als die „Börsen-Oma“, die in den 90er-Jahren völlig unbeleckt an die Börse startete und aus 60.000 DM weit über 2 Millionen Euro machte. Sie gilt zu Recht als die erfolgreichste Privatanlegerin Deutschlands.

Dabei war ihr der Börsenerfolg definitiv nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Rostock auf und hat im Arbeiter- und Bauernstaat sicherlich nicht viel über den freien Markt gelernt. Als Jugendliche kam sie nach Süddeutschland und schlug dort eine Laufbahn als Realschullehrerin ein.

Im Alter von 60 Jahren hat sie dann ihrem Leben eine Wende gegeben und wurde Börsianerin, ohne dabei ihre Aufgaben als Pädagogin zu vernachlässigen. Ich wiederhole mich, ihrem Sohn hinterlässt sie nun ein Depotvermögen von weit über 2 Millionen Euro. Daneben setzte sie sich erfolgreich für die Aktienkultur in Deutschland ein, schrieb einige Börsenratgeber und verfasste regelmäßig Börsen-Kolumnen etwa in der Bild-Zeitung.

Ihre Erfolgsformel: Kaufen, wenn die Welt vermeintlich untergeht

Was war ihr Erfolgsrezept? Frau Sander pflegte einen offensiven Anlagestil und war in besonderem Maße an Technologie und Innovation interessiert. Gewissermaßen war das Silicon Valley ihre zweite Heimat. Daneben zeichnete sie sich durch einen streng antizyklischen Ansatz aus. So nutzte sie die Finanzkrise bzw. den Börsen-Crash von 2008, um ihr Depot nochmals auszubauen. Sie hat damals, als viele Anleger…..

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Arbeitsmarkt im September: Leichte Erholung – aber zwei Probleme gibt es!

Claudio Kummerfeld

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Bundesagentur für Arbeit ist zuständig für Integration am Arbeitsmarkt

Am deutschen Arbeitsmarkt zeichnet sich eine kleine Erholung ab, aber die Lage bleibt instabil. Erst einmal zu den aktuellsten Daten, welche die Bundesagentur für Arbeit vor wenigen Minuten veröffentlicht hat. Im September sinkt die offizielle (!) Arbeitslosigkeit um 108.000 gegenüber August auf 2,847 Millionen Personen. Im  Vorjahresvergleich sind es immer noch +613.000. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 6,2 Prozent nach 6,4 Prozent im August. Die tatsächliche Arbeitslosenquote (offiziell als „Unterbeschäftigung“ bezeichnet) liegt bei 7,7 Prozent nach 7,9 Prozent im August. Die Zahl der „Unterbeschäftigten“ sinkt von 3,69 auf 3,61 Millionen Personen. Die Bundesagentur für Arbeit sagt aktuell, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt nach wie vor deutlich sichtbar seien. Es würden sich aber leichte Zeichen der Besserung zeigen.

Kurzarbeit

Bevor wir zu zwei anstehenden Problemen am deutschen Arbeitsmarkt kommen, besprechen wir hier noch kurz das Thema Kurzarbeit. Die Bundesagentur für Arbeit sagt dazu aktuell folgendes, Zitat:

Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 24. September für 85.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Damit geht die Zahl der Personen, für die Kurzarbeit angezeigt wird, weiter zurück. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis Juli zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im Juli für 4,24 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Damit hat die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds nach dem bisherigen Höchststand im April mit 5,95 Millionen sukzessive weiter abgenommen. Das ifo-Institut sprach gestern in seiner aktuellsten September-Umfrage (die Daten sind ziemlich zuverlässig) von einem Monatsrückgang um 1 Million auf 3,7 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland (hier die Details).

Kurzarbeit als Form der Arbeitslosigkeit

Gut, man könnte jetzt sagen, dass die Kurzarbeit eigentlich nur eine andere Art von Arbeitslosigkeit ist, und dass man die 3,7 Millionen Kurzarbeiter zu den 2,8 Millionen offiziell Arbeitslosen statistisch hinzu addieren sollte. Das würde die Statistik am deutschen Arbeitsmarkt ehrlicher machen. Aber die Kurzarbeit hält die Belegschaft nun mal offiziell im Betrieb, als Angestellte. Auch wenn man nichts zu tun hat und das Geld vom Amt kommt, zählt man weiterhin als im Betrieb beschäftigt.

Konzerne mit Massenentlassungen

Wo die Kurzarbeit rückläufig ist und auch die offizielle Arbeitslosigkeit auch, da verbleiben zwei Probleme, welche diese vordergründige Erholung am Arbeitsmarkt in den nächsten Monaten in einen Albtraum verwandeln könnten (dies kann so kommen, muss es aber nicht). Zahlreiche Konzerne, vor allem Autohersteller und Zulieferer, haben die letzten Tage und Wochen Massenentlassungen angekündigt, oder zumindest einen Stellenabbau, der wie üblich über sozialverträgliche Maßnahmen stattfindet wie Vorruhestand etc. Continental baut massiv Stellen ab, so auch MAN, Daimler uvm. Hier eine kleine Übersicht, wie viel die großen Zulieferer in Deutschland derzeit planen abzubauen. Diese Lawine an Entlassungen ist ja jetzt noch nicht umgesetzt, sondern es folgen nach der Verkündung Verhandlungen mit Gewerkschaften, Sozialpläne etc. Anders als in den USA, wo so ein Stellenabbau sehr schnell vonstatten geht, dürften diese Entlassungen erst nach und nach in den nächsten Quartalen umgesetzt und am Arbeitsmarkt sichtbar werden.

Insolvenzwelle ab 1. Oktober

Das zweite Problem besteht in der monatelang aufgestauten Insolvenzwelle, die nun ab 1. Oktober losgetreten werden könnte. Dies haben wir jüngst thematisiert (siehe hier im Detail). Monatelang wurde die Pflicht Insolvenz anmelden zu müssen ausgesetzt. Für zahlungsunfähige Unternehmen besteht diese Pflicht ab morgen den 1. Oktober wieder – von daher könnte ab morgen eine große Masse von kleinen und mittelgroßen Unternehmen zum Amtsgericht laufen und Insolvenz beantragen. Denn tun sie dies nicht, wären die Geschäftsführer dieser Unternehmen ab morgen auch wieder strafrechtlich wegen dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung haftbar zu machen.

Ab Januar droht dann die nächste Pleitewelle in der Wirtschaft, weil dann auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht ausläuft für die Unternehmen, die zwar noch nicht zahlungsunfähig sind, dafür aber bereits überschuldet. Auch sie müssen dann ab 1. Januar Insolvenz anmelden. Wie groß der seit März aufgestaute Berg an Pleitefirmen ist, der sich erst ab morgen offenbaren wird – das weiß niemand. Aber schon bald dürfte man es wissen. Denn ist der Laden wirklich platt, darf der Geschäftsführer nicht einen Tag warten, sondern müsste eigentlich gleich morgen am 1. Oktober die Insolvenz anmelden! Für den Arbeitsmarkt könnte dies schon für den Monat Oktober einen spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit bedeuten – abwarten wie die Oktober-Statistiken ausfallen werden!

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