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Rally an Italiens Märkten – neue Liebe zwischen Rom und Brüssel?

Aus taktischen Gründen mäßigt die italienische Regierung ihren Ton - und Brüssel ist ganz happy..

Nach der Schlammschlacht plötzlich Annäherung..

Nachdem sich die Vertreter der italienischen Regierung und die EU-Nomenklatur in schöner Regelmäßgkeit mit unschönen Kommentaren bombardiert hatten, hat sich nun die Tonlage offenkundig geändert: so plane die italienische Regierung eine Änderung des Defizit-Ziels für das Jahr 2019, heute treffen sich laut Medienberichten Ministerpräsident Conte, Wirtschafts- und Finanzminister Tria, sowie Cinque Stelle-Chef Di Maio und Lega-Chef Salvini zum Gespräch über das 2019er-Budget.

Vor allem Italiens wirklich starker Mann, Lega-Chef Salvini, scheint nun mäßiger aufzutreten: es komme nicht darauf an, ob man nun 0,1% beim Defizit höher oder niedriger liege – man sei bereit, weniger Defizit in 2019 zu machen und habe dafür „sehr positives Feedback“ aus Brüssel erhalten. Di Maio wiederum sagte in einem Interview mit „radio radicale“ (sic!), dass man offen sei für eine Senkung des Defizitziels, solange die geplanten Maßnahmen umgesetzt würden.

Also jetzt grande amore zwischen Rom und Brüssel? Eher nicht, aber immerhin der Versuch zur Deeskaltion von beiden Seiten. Und das macht sich besonders an Italiens Finanzmärkten bemerkbar: der italienische Bankenindex gewinnt gut +5% und damit so viel wie seit Juni nicht mehr, der „italienische Dax“, der Leitindex MIB 40 in Mailand, steigt um gut +3% und sieht nun auch charttechnisch nach einer Bodenbildung aus:

 


(Chart durch anklicken vergrößern)

Und die Kurse der 10-jährigen italienischen Anleihe steigen – es fallen also die Renditen, sprich die Risikoprämien für Italiens Schulden, der spread (die Renditedifferenz zu deutschen Anleihen) verringert sich auf knapp 300 Basispunkte:

 


(Chart durch anklicken vergrößern)

Und auch der Euro blickt optimistischer in die Zukunft und steht wohl bald vor einer impulsiven Bewegung mit Ausbildung einer „Trompete“ (spitz aufeinander zulaufende Trendlinien), der dann meist ein impulsiver Ausbruch in die eine oder andere Richtung (aus der Verengung der Trendlinien) ankündigt:


(Chart durch anklicken vergrößern)

 

Worum es Rom wirklich gut: erstmal Ruhe reinbringen..

Insgesamt scheint das eher Taktik zu sein der italienischen Regierung: man will den Haushalt sichern und die Marktturbulenzen erst einmal stoppen, so der für Infrasttruktur zustände Staatssekretär Siri in einem Zeitungsinterview recht unverblümt – daher mache man jetzt ein paar „Feinabstimmungen“..

Im Gespräch scheint nun eine Absenkung des Defizitziels von 2,4% auf nun 2,0% oder 2,1% für das Jahr 2019. Da dreht man also ein bißchen an der Zahlen-Schraube, und schon ist Brüssel happy. Ob die neue Liebe von Dauer ist, ist eher zu bezweifeln – aber es geht ja bekanntlich nichts über einen heißen Flirt..

 


Haupteingang der alterwürdigen und maroden Banca Monte dei Paschi di Siena. Foto: Herbert Frank; CC BY 2.0



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1 Kommentar

  1. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Die EU und Italien einigen sich auf einen „gesichtswahrenden“ Kompromiss, die Briten einigen sich auf May´s verzögerte Brexitvariante und Trump verschiebt seine Zollanhebung auf 25% gegenüber China auf unbestimmte Zeit? Unrealistisch? Wahrscheinlich, aber sollte dergleichen Realität werden – Shortsqueeze garantiert. Wie sagte Nobelpreisträger Prof. Shiller: „Es sind nur 20 % der Kursbewegungen kurzfristig fundamental erklärbar. Der Rest ist Psyche.“ Please keep attention.
    Gruß

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