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Schuldenland USA: Ist doch alles bestens? Pro und Contra in Charts

Claudio Kummerfeld

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am

Die USA türmen immer mehr Schulden auf. Egal ob nun der Staat oder Verbraucher. Der Schuldenstand liegt derzeit höher als vor Ausbruch der Finanzkrise 2008. Geht man nur nach diesem Vergleich, dann müsste man sagen: Ja, die Lage ist dramatisch, die USA sind überschuldet, und das System wird irgendwann kollabieren unter seinem immensen „Eigengewicht“. Und dank des noch höheren Schuldenstandes ist die Fallhöhe für die nächste Krise noch höher, und die Krise wird noch schlimmer als 2008 werden? Aber wird es so kommen? Anhand mehrerer Charts der St. Louis Fed (Teil der Federal Reserve) zeigen wird Pro und Contra-Argumente für die schlimme Lage, und für eine andere Sichtweise einer massiven Überschuldung, die dennoch tragfähig erscheint.

Alles ganz schlimm in den USA?

Im folgenden Chart sieht man seit 1986 die US-Staatsverschuldung. Sie explodiert immer weiter. In diesem Gesamtzeitraum ist es ein Anstieg von damals 1,8 auf aktuell 23 Billionen Dollar! Der lange Zeitraum zeigt die enorme Steigerung dieser Summe. Kurz vor Ausbruch der Rezession in den USA im Jahr 2008, welche durch die Finanzkrise verursacht wurde, lag die Staatsverschuldung „nur“ bei 9,3 Billionen Dollar, und Ende 2009 nach Ende dieser Rezession (grauer Balken im Chart) lag sie bei 12,3 Billionen Dollar. Also ist sie trotz einer seitdem zehn Jahre laufenden Aufschwungphase um weiter 10 Billionen Dollar gestiegen. Kein Ruhmesblatt für die USA!

US-Staatsverschuldung seit 1986

Im folgenden Chart sehen wir seit 1986 die US-Konsumentenkredite. Auch hier gibt es einen stetigen Anstieg von 600 Milliarden auf 4,1 Billionen Dollar. Nur während der Finanzkrise 2008 (grauer Balken) gab es eine kurze Pause. Klar, die pleite gegangenen Verbraucher konnten erstmal keine neuen Schulden machen. Aber in der Hausse der letzten zehn Jahre stiegen die Konsumentenschulden immer weiter an.

US-Konsumentenkredite

Der folgende Chart zeigt seit 1986 die gesamten Immobilienschulden in den USA. Lagen sie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 auf dem Höhepunkt noch bei 14,6 Billionen Dollar, so sanken sie durch den Zusammenbruch des Marktes bis 2013 auf 13,3 Billionen Dollar. Bis jetzt sind sie aber auf ein neues Rekordhoch von 15,8 Billionen Dollar gestiegen. Die Fallhöhe ist also höher als 2007. Die systemische Verschuldung bei Staat und Konsument ist also höher als vor der Finanzkrise 2008!

US-Immobilienkredite seit 1986

Ist doch alles nur halb so schlimm?

Aber ist die Lage in den USA nicht ganz so schlimm, wie man denken würde? Wir haben uns für alle Teilbereiche der Schulden die Daten zu Zahlungsausfällen angesehen. Und überall sieht es blendend aus. Hier im folgenden Chart sieht man in Prozenten die Ausfallquote der Kredite bei Banken in den USA seit 1986. Im Zuge der Finanzkrise 2008  kletterte die Ausfallrate von 1,5% auf 7,4% im Hoch. Seit 2010 ist sie nun mehr zehn Jahre durchgehend gefallen auf aktuell 1,46%. Auch im historischen Vergleich seit den 80er-Jahren ist dies ein Tiefststand! Also, extrem geringe Ausfallraten, die Amerikaner bedienen ihre auf Rekordhoch liegenden Schulden. Dann ist das System doch solide, wenn die Raten bedient werden?

Ausfallquoten bei Krediten in den USA

Ja, möchte man sagen. Denn man fährt quasi auf Vollbeschäftigung in den USA. Wer Arbeit hat, kann auch Schulden tilgen? Der folgende Chart zeigt den Leitzins der Fed seit 1986. Auf diesen langen Zeitraum gesehen fällt er immer weiter ab. Seit 2009 quasi auf der Null-Linie, konnte auch die Zinsanhebung der Fed beginnend ab 2016 die brummende US-Konjunktur nicht bremsen, und auch die Ausfallraten bei den Krediten stiegen dadurch merkwürdigerweise nicht an!

Ausfallraten bei Krediten in den USA

Und fairerweise muss man auch sagen: Während die Schulden im gesamten US-Finanzsystem immer weiter steigen, so wächst die Wirtschaftsleistung auch immer weiter an. Lag die Verschuldungsquote des Staates in prozentualer Relation zum Bruttoinlandsprodukt vor der Finanzkrise bei 62%, sprang sie durch die Rezession schnell auf über 80%. Mit derzeit 105% ist sie trotz jahrelanger wirtschaftlicher Expansion in den USA weiter gestiegen. Aber der Chart zeigt es. Seit 2013 ist diese Schulden-Relation kaum noch angestiegen. Von 101% auf 105% ist es seit sieben Jahren eher ein Seitwärtstrend, wenn man diesen Langfristchart anschaut. Das Wirtschaftswachstum hilft also dabei, dass das massive Anwachsen der Schulden in den USA nicht ganz so schlimm wirkt. Fazit: Solange die Konjunktur in den USA weiter brummt, können die Verbraucher ihre Kreditraten weiter bedienen. Aber die systemische Verschuldung in den USA steigt immer weiter an, auf immer neue Rekordstände. Schwächelt die Konjunktur, und werden parallel dazu die Zinsen erhöht, könnte das schnell zum Einsturz dieser Pyramide führen.

USA Staatsschulden in Relation zum BIP

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    15. Januar 2020 10:28 at 10:28

    Ja gut….das BIP ist ja nicht die tatsächliche Wirtschaftsleistung gemessen in Geld, zu mindest in den USA (ausserdem werden zB in der Schweiz auch illegale Tätigkeiten wie Drogenhandel zum Bip gezählt (bzw Geschätzt) in den Usa reicht es ja das der CHIP zB mehr Leistung hat auch wenn der Preis gleich bleibt damit das BIP steigt….und unter diesem Gesichtspunkt sind immer mehr Schulden ein Problem, solange es zu mindest nich irgendwie Zins gibt, wenn dieser immer weiter füllt oder gar negativ ist, ist es ja nicht erstaunlich das die Ausfallqouten sinken….ich meine einen Kredit zu bedienen wo ich noch Geld dafür bekomme ist einfacher als Zinsen zahlen….

    Hätten wir noch Zinsen würde die Exponetialkurve noch viel rascher ansteigen als dies der Fall ist, wenn Geld wieder Kosten verursacht führt dies auch zu Korrekturen an den Märkten, den das würde zangsläufig ja zur Bereinigung führen….

    Aber eben, gerade in den USA wo der Konsum Schuldenfinanziert ist, und die Depots als Bankomautomaten herhalten müssten, hätten Einbrüche zur Folge das man weniger Konsumieren kann was die Negativspirale auslösen würde….Insofern sind wir im Endspiel…die Frage ist nur gibts noch Verlängerung und Penaltyschiessen…

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      TM

      15. Januar 2020 10:57 at 10:57

      Warum sollten illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden? Es geht doch gerade um die ökonomische Messung.

      Und nein, dieses ständige Beispiel mit den Chips/Rechnern… die Auswirkungen der hedonischen Berechechnung sind minimal.

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        BrettonWood

        15. Januar 2020 11:22 at 11:22

        Wie gross sind diese denn weiss man das ? Ich habe zu letzt hier das erstemal gelesen gehabt….

        Wieso sollte man Bereich zum Inlandsprodult einreichen, wo man keine Ahnung hat wie gross die Märkte wirklich sind? Wo man keine Ahnung hat wie die Gewinnmargen aussehen ?

        Das ist für mich absurd, das BIP sollte doch eine tatsächlich Messbare grösse sein.

        Und das man etwas was man den Menschen verbietet, Sie bestraft wenn Es tun dann doch Wirtschaftsleistung sein sollte erschliesst sich mir nicht. Warum zählen Autodiebstähle nicht zu Wirtschaftsleistung?

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        Koch

        15. Januar 2020 12:01 at 12:01

        Warum sollen illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden?Einfach weil die EZB und die meisten Nationalregierungen das nicht wollen!Sie treiben uns ,per se Kriminelle,ja unsere gewohnten gesetzesbrecherischen Angewohnheiten,aus.(Grosse Geldscheine weg,Absenkung von Bargeldgeschäften auf Minimalbasis,Verbot grosser Geldscheine,nicht erfasste Goldankäufe auf jetzt 1999€,usw.)Da es in absehbarer Zeit,zumindest im Normalvolk keine finanziell krummen Dinger mehr gibt,und die Cum Ex und Derivateprofis alternativlos ungeschoren bleiben müssen,ist dieser Posten vernachlässigbar!

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    Quintus

    15. Januar 2020 10:42 at 10:42

    Die Saxobank heute dazu:
    (Übersetzung mit deepl)
    ….Aufgrund der niedrigeren Verankerung und der doppelten Stimulierung von der monetären und fiskalischen Seite können wir nicht ausschließen, dass die Aktienbewertung noch vor Ende der Party neue Allzeithochs erreicht. Aber die aktuelle Bewegung scheint zu aggressiv zu sein, und die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen starken Rückgangs der Aktien könnte jederzeit eintreten….
    https://www.zerohedge.com/markets/saxo-bank-we-are-putting-out-early-warning-sharp-correction-equities-could-be-imminent

  3. Avatar

    TM

    15. Januar 2020 11:00 at 11:00

    Warum bildet ihr nur die Staatsschulden in Relation zum BIP ab und nicht auch die Schulden der Haushalte (oder in Relation zum Verfügbaren Einkommen)?

    Und bei den Statsschulden wäre es sinnvoll, die bei der Fed liegenden rauszurechnen, da die Zinsen direkt in die Staatskasse zurück fliessen.

    Neben der Deliquency Rate wären noch die Debt Service Ratio und das Financial Obligations Ratio hilfreich für die Beurteilung:

    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=lLpv
    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=muQm

  4. Avatar

    Renten-Crash-Prophet

    15. Januar 2020 12:06 at 12:06

    Was natürlich alle Schlaumeier vergessen, was kürzlich ein bekannter U-S Professor erwähnte,
    ist die Riesensumme von Milliarden, die dank den Tiefstzinsen in der Altersvorsorge fehlen werden.
    Im jetzgenSystem müssen diese Anlagen in den USA mit ca,8% jährlich rentieren um tragfähig zu sein.
    Nach Börse- Immo- u.Aktienboom wird das in naher Zukunft nicht mehr möglich sein.Wie wäre da der buchhalterische Ausdruck, Transitorische Schulden? Dieses Problem wird ein weltweites werden. Der heutige Beitrag von FMW von der deutschen Rentenlüge wird sich stark verschlimmern.
    Das Jubelgeschrei wenn die Staaten jeweils einige Anleihen mit Negativzinsen emittieren ist für mich lächerlich, die Kenrseite der Medaille ist, dass genau wegen diesen Zinsen in Zukunht Hunderte von Milliarden fehlen werden.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

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Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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