Folgen Sie uns

Allgemein

Schuldenland USA: Ist doch alles bestens? Pro und Contra in Charts

Avatar

Veröffentlicht

am

Die USA türmen immer mehr Schulden auf. Egal ob nun der Staat oder Verbraucher. Der Schuldenstand liegt derzeit höher als vor Ausbruch der Finanzkrise 2008. Geht man nur nach diesem Vergleich, dann müsste man sagen: Ja, die Lage ist dramatisch, die USA sind überschuldet, und das System wird irgendwann kollabieren unter seinem immensen „Eigengewicht“. Und dank des noch höheren Schuldenstandes ist die Fallhöhe für die nächste Krise noch höher, und die Krise wird noch schlimmer als 2008 werden? Aber wird es so kommen? Anhand mehrerer Charts der St. Louis Fed (Teil der Federal Reserve) zeigen wird Pro und Contra-Argumente für die schlimme Lage, und für eine andere Sichtweise einer massiven Überschuldung, die dennoch tragfähig erscheint.

Alles ganz schlimm in den USA?

Im folgenden Chart sieht man seit 1986 die US-Staatsverschuldung. Sie explodiert immer weiter. In diesem Gesamtzeitraum ist es ein Anstieg von damals 1,8 auf aktuell 23 Billionen Dollar! Der lange Zeitraum zeigt die enorme Steigerung dieser Summe. Kurz vor Ausbruch der Rezession in den USA im Jahr 2008, welche durch die Finanzkrise verursacht wurde, lag die Staatsverschuldung „nur“ bei 9,3 Billionen Dollar, und Ende 2009 nach Ende dieser Rezession (grauer Balken im Chart) lag sie bei 12,3 Billionen Dollar. Also ist sie trotz einer seitdem zehn Jahre laufenden Aufschwungphase um weiter 10 Billionen Dollar gestiegen. Kein Ruhmesblatt für die USA!

US-Staatsverschuldung seit 1986

Im folgenden Chart sehen wir seit 1986 die US-Konsumentenkredite. Auch hier gibt es einen stetigen Anstieg von 600 Milliarden auf 4,1 Billionen Dollar. Nur während der Finanzkrise 2008 (grauer Balken) gab es eine kurze Pause. Klar, die pleite gegangenen Verbraucher konnten erstmal keine neuen Schulden machen. Aber in der Hausse der letzten zehn Jahre stiegen die Konsumentenschulden immer weiter an.

US-Konsumentenkredite

Der folgende Chart zeigt seit 1986 die gesamten Immobilienschulden in den USA. Lagen sie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 auf dem Höhepunkt noch bei 14,6 Billionen Dollar, so sanken sie durch den Zusammenbruch des Marktes bis 2013 auf 13,3 Billionen Dollar. Bis jetzt sind sie aber auf ein neues Rekordhoch von 15,8 Billionen Dollar gestiegen. Die Fallhöhe ist also höher als 2007. Die systemische Verschuldung bei Staat und Konsument ist also höher als vor der Finanzkrise 2008!

US-Immobilienkredite seit 1986

Ist doch alles nur halb so schlimm?

Aber ist die Lage in den USA nicht ganz so schlimm, wie man denken würde? Wir haben uns für alle Teilbereiche der Schulden die Daten zu Zahlungsausfällen angesehen. Und überall sieht es blendend aus. Hier im folgenden Chart sieht man in Prozenten die Ausfallquote der Kredite bei Banken in den USA seit 1986. Im Zuge der Finanzkrise 2008  kletterte die Ausfallrate von 1,5% auf 7,4% im Hoch. Seit 2010 ist sie nun mehr zehn Jahre durchgehend gefallen auf aktuell 1,46%. Auch im historischen Vergleich seit den 80er-Jahren ist dies ein Tiefststand! Also, extrem geringe Ausfallraten, die Amerikaner bedienen ihre auf Rekordhoch liegenden Schulden. Dann ist das System doch solide, wenn die Raten bedient werden?

Ausfallquoten bei Krediten in den USA

Ja, möchte man sagen. Denn man fährt quasi auf Vollbeschäftigung in den USA. Wer Arbeit hat, kann auch Schulden tilgen? Der folgende Chart zeigt den Leitzins der Fed seit 1986. Auf diesen langen Zeitraum gesehen fällt er immer weiter ab. Seit 2009 quasi auf der Null-Linie, konnte auch die Zinsanhebung der Fed beginnend ab 2016 die brummende US-Konjunktur nicht bremsen, und auch die Ausfallraten bei den Krediten stiegen dadurch merkwürdigerweise nicht an!

Ausfallraten bei Krediten in den USA

Und fairerweise muss man auch sagen: Während die Schulden im gesamten US-Finanzsystem immer weiter steigen, so wächst die Wirtschaftsleistung auch immer weiter an. Lag die Verschuldungsquote des Staates in prozentualer Relation zum Bruttoinlandsprodukt vor der Finanzkrise bei 62%, sprang sie durch die Rezession schnell auf über 80%. Mit derzeit 105% ist sie trotz jahrelanger wirtschaftlicher Expansion in den USA weiter gestiegen. Aber der Chart zeigt es. Seit 2013 ist diese Schulden-Relation kaum noch angestiegen. Von 101% auf 105% ist es seit sieben Jahren eher ein Seitwärtstrend, wenn man diesen Langfristchart anschaut. Das Wirtschaftswachstum hilft also dabei, dass das massive Anwachsen der Schulden in den USA nicht ganz so schlimm wirkt. Fazit: Solange die Konjunktur in den USA weiter brummt, können die Verbraucher ihre Kreditraten weiter bedienen. Aber die systemische Verschuldung in den USA steigt immer weiter an, auf immer neue Rekordstände. Schwächelt die Konjunktur, und werden parallel dazu die Zinsen erhöht, könnte das schnell zum Einsturz dieser Pyramide führen.

USA Staatsschulden in Relation zum BIP

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    15. Januar 2020 10:28 at 10:28

    Ja gut….das BIP ist ja nicht die tatsächliche Wirtschaftsleistung gemessen in Geld, zu mindest in den USA (ausserdem werden zB in der Schweiz auch illegale Tätigkeiten wie Drogenhandel zum Bip gezählt (bzw Geschätzt) in den Usa reicht es ja das der CHIP zB mehr Leistung hat auch wenn der Preis gleich bleibt damit das BIP steigt….und unter diesem Gesichtspunkt sind immer mehr Schulden ein Problem, solange es zu mindest nich irgendwie Zins gibt, wenn dieser immer weiter füllt oder gar negativ ist, ist es ja nicht erstaunlich das die Ausfallqouten sinken….ich meine einen Kredit zu bedienen wo ich noch Geld dafür bekomme ist einfacher als Zinsen zahlen….

    Hätten wir noch Zinsen würde die Exponetialkurve noch viel rascher ansteigen als dies der Fall ist, wenn Geld wieder Kosten verursacht führt dies auch zu Korrekturen an den Märkten, den das würde zangsläufig ja zur Bereinigung führen….

    Aber eben, gerade in den USA wo der Konsum Schuldenfinanziert ist, und die Depots als Bankomautomaten herhalten müssten, hätten Einbrüche zur Folge das man weniger Konsumieren kann was die Negativspirale auslösen würde….Insofern sind wir im Endspiel…die Frage ist nur gibts noch Verlängerung und Penaltyschiessen…

    • Avatar

      TM

      15. Januar 2020 10:57 at 10:57

      Warum sollten illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden? Es geht doch gerade um die ökonomische Messung.

      Und nein, dieses ständige Beispiel mit den Chips/Rechnern… die Auswirkungen der hedonischen Berechechnung sind minimal.

      • Avatar

        BrettonWood

        15. Januar 2020 11:22 at 11:22

        Wie gross sind diese denn weiss man das ? Ich habe zu letzt hier das erstemal gelesen gehabt….

        Wieso sollte man Bereich zum Inlandsprodult einreichen, wo man keine Ahnung hat wie gross die Märkte wirklich sind? Wo man keine Ahnung hat wie die Gewinnmargen aussehen ?

        Das ist für mich absurd, das BIP sollte doch eine tatsächlich Messbare grösse sein.

        Und das man etwas was man den Menschen verbietet, Sie bestraft wenn Es tun dann doch Wirtschaftsleistung sein sollte erschliesst sich mir nicht. Warum zählen Autodiebstähle nicht zu Wirtschaftsleistung?

      • Avatar

        Koch

        15. Januar 2020 12:01 at 12:01

        Warum sollen illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden?Einfach weil die EZB und die meisten Nationalregierungen das nicht wollen!Sie treiben uns ,per se Kriminelle,ja unsere gewohnten gesetzesbrecherischen Angewohnheiten,aus.(Grosse Geldscheine weg,Absenkung von Bargeldgeschäften auf Minimalbasis,Verbot grosser Geldscheine,nicht erfasste Goldankäufe auf jetzt 1999€,usw.)Da es in absehbarer Zeit,zumindest im Normalvolk keine finanziell krummen Dinger mehr gibt,und die Cum Ex und Derivateprofis alternativlos ungeschoren bleiben müssen,ist dieser Posten vernachlässigbar!

  2. Avatar

    Quintus

    15. Januar 2020 10:42 at 10:42

    Die Saxobank heute dazu:
    (Übersetzung mit deepl)
    ….Aufgrund der niedrigeren Verankerung und der doppelten Stimulierung von der monetären und fiskalischen Seite können wir nicht ausschließen, dass die Aktienbewertung noch vor Ende der Party neue Allzeithochs erreicht. Aber die aktuelle Bewegung scheint zu aggressiv zu sein, und die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen starken Rückgangs der Aktien könnte jederzeit eintreten….
    https://www.zerohedge.com/markets/saxo-bank-we-are-putting-out-early-warning-sharp-correction-equities-could-be-imminent

  3. Avatar

    TM

    15. Januar 2020 11:00 at 11:00

    Warum bildet ihr nur die Staatsschulden in Relation zum BIP ab und nicht auch die Schulden der Haushalte (oder in Relation zum Verfügbaren Einkommen)?

    Und bei den Statsschulden wäre es sinnvoll, die bei der Fed liegenden rauszurechnen, da die Zinsen direkt in die Staatskasse zurück fliessen.

    Neben der Deliquency Rate wären noch die Debt Service Ratio und das Financial Obligations Ratio hilfreich für die Beurteilung:

    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=lLpv
    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=muQm

  4. Avatar

    Renten-Crash-Prophet

    15. Januar 2020 12:06 at 12:06

    Was natürlich alle Schlaumeier vergessen, was kürzlich ein bekannter U-S Professor erwähnte,
    ist die Riesensumme von Milliarden, die dank den Tiefstzinsen in der Altersvorsorge fehlen werden.
    Im jetzgenSystem müssen diese Anlagen in den USA mit ca,8% jährlich rentieren um tragfähig zu sein.
    Nach Börse- Immo- u.Aktienboom wird das in naher Zukunft nicht mehr möglich sein.Wie wäre da der buchhalterische Ausdruck, Transitorische Schulden? Dieses Problem wird ein weltweites werden. Der heutige Beitrag von FMW von der deutschen Rentenlüge wird sich stark verschlimmern.
    Das Jubelgeschrei wenn die Staaten jeweils einige Anleihen mit Negativzinsen emittieren ist für mich lächerlich, die Kenrseite der Medaille ist, dass genau wegen diesen Zinsen in Zukunht Hunderte von Milliarden fehlen werden.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Donald Trump: Wird er die Corona-Krise politisch überleben?

Gerade weil in den USA vor allem mit dem Geldbeutel gewählt wird, ist die Wiederwahl von Donald Trump alles andere als sicher

Avatar

Veröffentlicht

am

Noch stehen die Amerikaner so stark hinter ihrem Präsidenten Donald Trump wie nie zuvor während seiner Amtszeit. Doch wie lange hält diese Unterstützung an? Kann der 73-Jährige seine Stärken zum Wohle des amerikanischen Volkes einsetzen – oder steht er sich und den USA bei der Überwindung der Corona-Krise selbst im Weg?

Donald Trump kann bisher von der Corona-Krise profitieren

Mitten in der Corona-Krise erreicht der bisher eher unbeliebte US-Präsident die besten Zustimmungswerte seiner Amtszeit. Mit einem Wert von durchschnittlich 47,3 Prozent, resultierend aus den Ergebnissen von 15 verschiedenen Umfragen (RCP Poll Average), zeigen sich nun fast die Hälfte der Befragten mit der Amtsführung ihres Staatsoberhaupts zufrieden.

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass sich die Bürger in den USA in Krisen- oder Kriegszeiten hinter ihrem Oberbefehlshaber (Commander-in-Chief) versammeln. Bewusst nutzt Donald Trump in der Corona-Krise daher gebetsmühlenartig die Phrase vom „Kampf gegen den verborgenen Feind“. Diesen Kampf werde man natürlich gewinnen.

Bis jetzt scheint seine Strategie aufzugehen. Doch es gibt erste Zweifel, ob die Interessen des Amtsinhabers mitten im Wahljahr sich mit denen der Mehrheit des amerikanischen Volkes decken.

Seine Forderung, die US-Wirtschaft schnellstmöglich wieder hochzufahren und generell zur Normalität zurückzukehren, schockiert nicht nur politische Gegner und Mediziner, sondern macht auch immer mehr Bürger wütend. Über Twitter entwickelt sich gerade in Reaktion auf diese Forderung von Donald Trump massiver Widerstand. Unter dem Hashtag #NotDying4WallStreet schreibt ein User, dass „kein einziger Mensch es verdient, für das Aktienportfolio eines anderen zu sterben“. Dies ist eine Anspielung darauf, dass der Präsident seine Wähler wiederholt dazu aufforderte, den Erfolg seiner Amtszeit am Stand des Aktienindex Dow Jones zu messen (DJI). Von Donald Trump wird der Aktienmarkt als ultimatives Wohlstandsbarometer für die USA angesehen. Sah seine Bilanz in dieser Hinsicht noch vor sechs Wochen mit einem Plus des Dow Jones von 48 Prozent seit Beginn seiner Amtszeit glänzend aus, so drehte der Aktien-Index im Zuge der Corona-Krise in der vergangenen Woche zügig ins rote Terrain auf ein Minus von 9 Prozent.

Erst die drastischen Maßnahmen der US-Notenbank (Fed) sowie die Ankündigung eines Billionen-Dollar-Hilfsprogramms, ergänzt um die Versicherung von Donald Trump, dass die Amerikaner bereits an Ostern vereint zusammen in den Kirchen sitzen werden, haben die Aktienmärkte mit knapp 10 Prozent wieder ins Plus gehievt.

Hat die US-Administration zu spät reagiert?

Doch mittlerweile übertrifft die Anzahl der Corona-Opfer in den USA sogar die Chinas. Die Vereinigten Staaten von Amerika führen bereits die Liste der Infektionen weltweit an und die Zahlen steigen mit exponentieller Dynamik weiter an. Mittlerweile hat sich das SARS-CoV-2 über die Staaten New York, Kalifornien, Washington und Connecticut hinaus auf die gesamten USA ausgebreitet. Das war absehbar, nachdem noch vor Kurzem in New Orleans ausgelassen Mardi Gras gefeiert wurde und die Studenten aus dem gesamten Land ihren Springbreak zu Hunderttausenden an den Stränden von Florida feierten.

Mit zu dieser Sorglosigkeit, die sich jetzt in explodierenden Infektionszahlen manifestiert, dürfte auch die Verharmlosung der Corona-Krise durch Donald Trump beigetragen haben. Anstatt sich auf die absehbare Pandemie vorzubereiten, hat der Regierungschef die Gefahr falsch eingeschätzt und wichtige Vorbereitungen auf eine Ankunft des Virus in Amerika unterlassen. Stattdessen setzte er, wie sein mittlerweile an Covid-19 erkrankter Amtskollege Boris Johnson, auf die sogenannte „Herdenimmunität“, bei der sich zwischen 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren und dann Antikörper entwickeln. Dieser Versuch ist in Großbritannien bereits abgebrochen worden. Auch die Entwicklungen in Italien und Spanien zeigen, dass Zögern zu unnötig hohen Opferzahlen führt.

Insofern könnte sich die Stimmung in den USA schnell gegen Donald Trump drehen, trotz Billionen an Dollars für Bürger und Wirtschaft. Das Gesundheitssystem in den USA ist für eine Epidemie dieses Ausmaßes nicht angelegt. Das Beispiel New York zeigt die brutale Realität: Es fehlt an Ärzten, Krankenhausbetten, Test-Kids, Beatmungsgeräten und Schutzkleidung – also an fast allem, was zur Bekämpfung der Seuche medizinisch notwendig ist.

Darüber hinaus gibt es voraussichtlich bis Ultimo dieses Jahres keinen Impf- oder Wirkstoff, der massenhaft eingesetzt werden kann. Trump hatte auch diesbezüglich unbegründete Hoffnungen geschürt. Doch seine Fähigkeit, seine Anhänger, die Wall Street und große Teile der Bevölkerung zu beeinflussen, könnte zu ebenso großer Enttäuschung und zur größten Niederlage seiner Präsidentschaft führen.

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich das Virus verstärkt auch auf die Metropolen Boston, Chicago, Seattle und San Francisco ausbreitet. Der Süden der USA ist mit Ausnahme von Louisiana (New Orleans) noch kaum direkt betroffen. Doch auch die Disney-Parks in Florida und die Spielermetropole Las Vegas in Nevada sind derzeit verwaist. Der Staat Texas hat wiederum ganz eigene Probleme: das einbrechende Geschäft mit Öl und Gas.

Die ökonomische Krise dürfte damit der Corona-Krise auch in den USA auf dem Fuße folgen.

Kann sich die US-Wirtschaft rechtzeitig bis zum Wahltermin erholen?

Der Internationale Währungsfonds hat erst heute bekannt gegeben, dass sich die globale Wirtschaft bereits in einer Rezession befinde. Viele Sektoren, wie der Tourismus, Messen oder die Gastronomie seien regelrecht kollabiert, ebenso wie der Welthandel. Diese Entwicklung rollt mit voller Wucht nun auch auf die USA zu, wie man bereits an den historisch hohen Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung der vergangenen Woche sehen konnte. Die Zahlen für die abgelaufene Woche dürften diese Schreckensdaten sogar noch toppen.

Ökonomen schätzen, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr prozentual zweistellig einbrechen wird. Allein für das zweite Quartal wird eine annualisierte Kontraktion von bis zu 50 Prozent erwartet.

In den USA gilt das Motto „Hire Fast, Fire Faster“. Die sozialen Sicherungssysteme reichen nicht aus, um alle Betroffenen finanziell aufzufangen oder wenigstens medizinisch ausreichend zu versorgen. Selbst wenn im Zuge der heute verabschiedeten Hilfspakete in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar Geld fließt, handelt es sich dabei hauptsächlich um Kredite. Das führt zu noch höherer Verschuldung und löst kurzfristig nicht das Problem der fehlenden Gesundheitsinfrastruktur.

Viele Business-Modelle von Food-Trucks über selbstständige Fitness-Coaches bis hin zu Uber-Fahrern stehen kurzfristig vor dem Aus. Die Erfahrung aus der Finanzkrise lehrt, dass ein Großteil dieser selbstständigen Existenzen und Kleinunternehmen nach der Krise nicht wiederkommen, ebenso wie verloren gegangene Jobs im verarbeitenden Gewerbe.

In der letzten Krise haben sich viele Selbstständige und Unternehmen dafür entschieden, ihr Geschäft mit samt den aufgelaufenen Schulden hinter sich zu lassen, ebenso wie ihre überschuldeten Immobilien. Ein solches Szenario ist auch diesmal wieder denkbar.

Dass vor dem Wahltermin wieder American-Football-Spiele, NASCAR-Rennen, Broadway-Shows oder Gottesdienste mit eng besetzten Sitzreihen stattfinden werden, ist aus der Erfahrung anderer Länder, die spät auf die Corona-Pandemie reagiert haben, eher unwahrscheinlich.

Das schmälert die Chancen einer Wiederwahl von Donald Trump enorm. Zumal bereits jetzt sein wahrscheinlicher Rivale von den Demokraten, Joe Biden, ihn gemäß den letzten Umfragen bei der Präsidentschaftswahl um durchschnittlich sieben Prozentpunkte schlagen würde. Dieser Vorsprung hat sich in den letzten drei Wochen nicht verringert.

Fazit und Ausblick: Es wird eng für Donald Trump

Gerade weil in den USA vor allem mit dem Geldbeutel gewählt wird (Your Wallet, Your Vote) ist die Wiederwahl von Donald Trump alles andere als sicher. Die ökonomische Krise in Amerika beginnt gerade erst und wird viele Geschäftsmodelle, Karrieren, Sparguthaben und Existenzen in Gefahr bringen. Der bereits angeschlagenen und hoch verschuldeten Mittelschicht in den USA droht nach der Finanzkrise von 2008 nun ein weiterer herber Schlag, von dem sie sich nur schwer bis zum Wahltag am 3. November wird erholen können.

Bleibt zu hoffen, dass Donald Trump deswegen nicht die ultimative politische Karte zieht, um seine Wiederwahl zu sichern: Krieg.

Die Wiederwahl von Donald Trump ist durch die Corona-Krise gefährdet

weiterlesen

Allgemein

Coronavirus: Lasst den Markt das Maskenproblem lösen!

Avatar

Veröffentlicht

am

Im Kampf gegen das Coronavirus gibt es ein riesiges Maskenproblem

Schutzmasken stellen weltweit ein knappes Gut dar in Zeiten des Coronavirus. In zahlreichen Ländern können sich selbst Ärzte nicht mehr schützen, weil es keine Masken mehr gibt. Die Preise für verfügbare Masken schießen in die Höhe. eBay und Amazon verbieten den Verkauf. Landesweit empören sich Menschen und Politiker über die bösen Verkäufer, die aus der Krise mit angeblich überhöhten Preisen Profit schlagen wollen. Staaten beschlagnahmen daher lieber Masken, statt den Markt das Problem lösen zu lassen!

Ja, man bekommt ein ungutes Gefühl, wenn man hört, dass ehemals Centartikel inzwischen für mehrere Euro angeboten und auch verkauft werden. Und ja, es wäre natürlich schöner, wenn sich weltweit Krankenhäuser für Centbeträge mit beliebigen Mengen Schutzmasken  zum Schutz gegen das Coronavirus eindecken könnten. Doch die Wahrheit ist, dass die derzeit durch die Decke schießenden Preise für Masken letztendlich dafür sorgen werden, dass die Versorgungskrise schnellstmöglich gelöst wird. (taugt Südkorea grundsätzlich als Vorbild im Kampf gegen das Virus?)

Hohe Preise garantieren schnellstmögliche Deckung des Bedarfs

Gerade jetzt, in diesem Moment, arbeiten wahrscheinlich hunderttausende Menschen daran, schnellstmöglich eine größtmögliche Anzahl Schutzmasken herzustellen im Kampf gegen das Coronavirus. Dafür werden neue Maschinen angeschafft, bestehende Maschinenparks umgerüstet oder auch ganze Armeen von Arbeitern in Asien an die Nähmaschinen gesetzt. In manchen Fällen geschieht dies sicherlich, weil die Anbieter helfen wollen. Doch glauben Sie mir: Der Großteil tut es, weil es ein wahnsinnig profitables Geschäft ist, eine 5-Cent-Maske für einen Euro zu verkaufen. Und das ist phantastisch.

Der hohe Marktpreis der Masken führt zu einer rapiden Aufstockung der Produktionskapazitäten. Das führt zu einer schnellstmöglichen Deckung des kurzfristigen Bedarfs. Und anschließend führt es auch zu einer schnellstmöglichen Reduzierung der Preise, die aller Wahrscheinlichkeit nach weit unter das Niveau sinken werden, das vor dem Ausbruch des Coronavirus bestand. Und ja, dabei werden die Käufer in der Anfangsphase deutlichst mehr bezahlen müssen als vor einem Jahr. Doch dafür kann der Weltmarkt jetzt mit (fiktive Zahlen) 50 statt 5 Millionen Masken pro Tag versorgt werden. Und sobald der akute Bedarf, der um jeden (!) Preis so schnell wie möglich gedeckt werden muss, befriedigt wurde, werden die Käufer genauer auf den Preis achten und nicht jedes Angebot annehmen.

Große Produktionskapazitäten garantieren schnellstmöglich sinkende Preise

Und da derzeit die meisten Hersteller mit enormen Gewinnmargen operieren, werden sie sehr schnell Rabatte anbieten und sich gegenseitig unterbieten, wenn nicht mehr jede Tagesproduktion mühelos absetzbar ist. Auf einem freien Markt wird sich der Preis für eine Maske daher sehr schnell den Grenzkosten annähern – also den Kosten, die durch die Produktion einer zusätzlichen Maske entstehen. Am Ende haben zwar alle für die ersten dringend benötigten Masken mehr bezahlt als früher. Dafür wurde dieser erste dringende Bedarf aber auch schneller befriedigt als früher und kurze Zeit danach waren deutlich mehr Masken zu üblichen oder sogar niedrigeren Preisen verfügbar.

Sollte der Staat nun aber dazu übergehen, Bestände zu beschlagnahmen oder Preisobergrenzen einzuführen, dann wird dieser Marktmechanismus außer Kraft gesetzt. Welcher Zwischenhändler kauft auf eigene Gefahr Masken in Asien auf Vorkasse, wenn er Gefahr läuft, dass die Ware anschließend beschlagnahmt wird? Ebenso dumm ist die Idee von eBay und Amazon, in Zeiten des Coronavirus Angebote für Masken samt der dazugehörigen Accounts zu löschen. Jetzt sitzen tausende Anbieter auf Masken, die sie aber nicht mehr auf den beiden größten Marktplätzen Europas verkaufen können, nur weil die Preise gegen eBays und Amazons „Moralvorstellungen“ verstoßen. So finden Anbieter und Verkäufer nicht mehr zusammen und den Schaden haben beide Parteien. Diejenigen, die Masken benötigen, kriegen keine und diejenigen, die Masken haben, können sie nicht verkaufen.

Ohnehin scheint das Problem der Versorgung mit Schutzkleidung weniger ein Angebotsproblem zu sein, als vielmehr ein Bürokratieproblem in Deutschland. Wer auch im Angesicht der Notlage auf umfangreiche Zertifizierungen und für die asiatischen Anbieter untypische Lieferbedingungen wie Versand auf Rechnung besteht, der kriegt eben keine Ware. Zum Zuge kommt dann eben der Zwischenhändler, der das Risiko der Vorkasse trägt und sich dieses getragene Risiko mit einer üppigen Gewinnmarge bezahlen lässt.

weiterlesen

Allgemein

Achtung vor der zweiten Abwärtswelle am Aktienmarkt!

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Manuel Koch bespricht im folgenden Video die wirtschaftlichen Aussichten in Folge des Coronavirus. Die Regierungen stützen die Volkswirtschaften mit jeder Menge neue Schulden. Was bedeutet das für die Märkte? Im Interview bezieht der Profi Andre´ Stagge klar Position. Die aktuelle Erholung an den Aktienmärkten sei keine Bodenbildung. Die Kurse seien deutlich schneller gefallen als in den vorigen großen Börsenabstürzen. Daher sei es jetzt völlig normal, dass die Kurse erstmal etwas nach oben laufen. Im Sommer gehe da noch was auf der Abwärtsseite. Wer die nächsten Monate in Aktien investiere, werde keine Gewinne erzielen. Den April solle man eher nutzen um Aktienbestände abzubauen. Ab Ende des Jahres könne man überlegen günstiger in den Aktienmarkt einzusteigen.

Der Rentenmarkt wird von Andre´ Stagge sehr kritisch betrachtet. Man müsse die Haftungsfrage stellen bei den gigantischen Aufkäufen der Schulden durch die EZB. Die Anleihemärkte würden signalisieren, dass noch eine zweite Abwärtswelle bei Aktien anstehe! Liquidität sei ein entscheidender Punkt, weswegen die Notenbanken derzeit so aktiv seien. Maredo, Vapiano etc seien aktuell schon pleite. Man stehe am Anfang einer großen Pleitewelle. Und man könne nicht alle Zombieunternehmen retten. In den guten Jahren sei das große Schuldenproblem bei Unternehmen bereits entstanden. Auch im Video gibt es zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Alphabet (Google) könne man jetzt zu aktuellen Kursen kaufen. Auch bei den Aktien von Volkswagen könne man aktuell einsteigen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage