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Schuldenland USA: Ist doch alles bestens? Pro und Contra in Charts

Claudio Kummerfeld

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Die USA türmen immer mehr Schulden auf. Egal ob nun der Staat oder Verbraucher. Der Schuldenstand liegt derzeit höher als vor Ausbruch der Finanzkrise 2008. Geht man nur nach diesem Vergleich, dann müsste man sagen: Ja, die Lage ist dramatisch, die USA sind überschuldet, und das System wird irgendwann kollabieren unter seinem immensen „Eigengewicht“. Und dank des noch höheren Schuldenstandes ist die Fallhöhe für die nächste Krise noch höher, und die Krise wird noch schlimmer als 2008 werden? Aber wird es so kommen? Anhand mehrerer Charts der St. Louis Fed (Teil der Federal Reserve) zeigen wird Pro und Contra-Argumente für die schlimme Lage, und für eine andere Sichtweise einer massiven Überschuldung, die dennoch tragfähig erscheint.

Alles ganz schlimm in den USA?

Im folgenden Chart sieht man seit 1986 die US-Staatsverschuldung. Sie explodiert immer weiter. In diesem Gesamtzeitraum ist es ein Anstieg von damals 1,8 auf aktuell 23 Billionen Dollar! Der lange Zeitraum zeigt die enorme Steigerung dieser Summe. Kurz vor Ausbruch der Rezession in den USA im Jahr 2008, welche durch die Finanzkrise verursacht wurde, lag die Staatsverschuldung „nur“ bei 9,3 Billionen Dollar, und Ende 2009 nach Ende dieser Rezession (grauer Balken im Chart) lag sie bei 12,3 Billionen Dollar. Also ist sie trotz einer seitdem zehn Jahre laufenden Aufschwungphase um weiter 10 Billionen Dollar gestiegen. Kein Ruhmesblatt für die USA!

US-Staatsverschuldung seit 1986

Im folgenden Chart sehen wir seit 1986 die US-Konsumentenkredite. Auch hier gibt es einen stetigen Anstieg von 600 Milliarden auf 4,1 Billionen Dollar. Nur während der Finanzkrise 2008 (grauer Balken) gab es eine kurze Pause. Klar, die pleite gegangenen Verbraucher konnten erstmal keine neuen Schulden machen. Aber in der Hausse der letzten zehn Jahre stiegen die Konsumentenschulden immer weiter an.

US-Konsumentenkredite

Der folgende Chart zeigt seit 1986 die gesamten Immobilienschulden in den USA. Lagen sie kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 auf dem Höhepunkt noch bei 14,6 Billionen Dollar, so sanken sie durch den Zusammenbruch des Marktes bis 2013 auf 13,3 Billionen Dollar. Bis jetzt sind sie aber auf ein neues Rekordhoch von 15,8 Billionen Dollar gestiegen. Die Fallhöhe ist also höher als 2007. Die systemische Verschuldung bei Staat und Konsument ist also höher als vor der Finanzkrise 2008!

US-Immobilienkredite seit 1986

Ist doch alles nur halb so schlimm?

Aber ist die Lage in den USA nicht ganz so schlimm, wie man denken würde? Wir haben uns für alle Teilbereiche der Schulden die Daten zu Zahlungsausfällen angesehen. Und überall sieht es blendend aus. Hier im folgenden Chart sieht man in Prozenten die Ausfallquote der Kredite bei Banken in den USA seit 1986. Im Zuge der Finanzkrise 2008  kletterte die Ausfallrate von 1,5% auf 7,4% im Hoch. Seit 2010 ist sie nun mehr zehn Jahre durchgehend gefallen auf aktuell 1,46%. Auch im historischen Vergleich seit den 80er-Jahren ist dies ein Tiefststand! Also, extrem geringe Ausfallraten, die Amerikaner bedienen ihre auf Rekordhoch liegenden Schulden. Dann ist das System doch solide, wenn die Raten bedient werden?

Ausfallquoten bei Krediten in den USA

Ja, möchte man sagen. Denn man fährt quasi auf Vollbeschäftigung in den USA. Wer Arbeit hat, kann auch Schulden tilgen? Der folgende Chart zeigt den Leitzins der Fed seit 1986. Auf diesen langen Zeitraum gesehen fällt er immer weiter ab. Seit 2009 quasi auf der Null-Linie, konnte auch die Zinsanhebung der Fed beginnend ab 2016 die brummende US-Konjunktur nicht bremsen, und auch die Ausfallraten bei den Krediten stiegen dadurch merkwürdigerweise nicht an!

Ausfallraten bei Krediten in den USA

Und fairerweise muss man auch sagen: Während die Schulden im gesamten US-Finanzsystem immer weiter steigen, so wächst die Wirtschaftsleistung auch immer weiter an. Lag die Verschuldungsquote des Staates in prozentualer Relation zum Bruttoinlandsprodukt vor der Finanzkrise bei 62%, sprang sie durch die Rezession schnell auf über 80%. Mit derzeit 105% ist sie trotz jahrelanger wirtschaftlicher Expansion in den USA weiter gestiegen. Aber der Chart zeigt es. Seit 2013 ist diese Schulden-Relation kaum noch angestiegen. Von 101% auf 105% ist es seit sieben Jahren eher ein Seitwärtstrend, wenn man diesen Langfristchart anschaut. Das Wirtschaftswachstum hilft also dabei, dass das massive Anwachsen der Schulden in den USA nicht ganz so schlimm wirkt. Fazit: Solange die Konjunktur in den USA weiter brummt, können die Verbraucher ihre Kreditraten weiter bedienen. Aber die systemische Verschuldung in den USA steigt immer weiter an, auf immer neue Rekordstände. Schwächelt die Konjunktur, und werden parallel dazu die Zinsen erhöht, könnte das schnell zum Einsturz dieser Pyramide führen.

USA Staatsschulden in Relation zum BIP

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    15. Januar 2020 10:28 at 10:28

    Ja gut….das BIP ist ja nicht die tatsächliche Wirtschaftsleistung gemessen in Geld, zu mindest in den USA (ausserdem werden zB in der Schweiz auch illegale Tätigkeiten wie Drogenhandel zum Bip gezählt (bzw Geschätzt) in den Usa reicht es ja das der CHIP zB mehr Leistung hat auch wenn der Preis gleich bleibt damit das BIP steigt….und unter diesem Gesichtspunkt sind immer mehr Schulden ein Problem, solange es zu mindest nich irgendwie Zins gibt, wenn dieser immer weiter füllt oder gar negativ ist, ist es ja nicht erstaunlich das die Ausfallqouten sinken….ich meine einen Kredit zu bedienen wo ich noch Geld dafür bekomme ist einfacher als Zinsen zahlen….

    Hätten wir noch Zinsen würde die Exponetialkurve noch viel rascher ansteigen als dies der Fall ist, wenn Geld wieder Kosten verursacht führt dies auch zu Korrekturen an den Märkten, den das würde zangsläufig ja zur Bereinigung führen….

    Aber eben, gerade in den USA wo der Konsum Schuldenfinanziert ist, und die Depots als Bankomautomaten herhalten müssten, hätten Einbrüche zur Folge das man weniger Konsumieren kann was die Negativspirale auslösen würde….Insofern sind wir im Endspiel…die Frage ist nur gibts noch Verlängerung und Penaltyschiessen…

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      TM

      15. Januar 2020 10:57 at 10:57

      Warum sollten illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden? Es geht doch gerade um die ökonomische Messung.

      Und nein, dieses ständige Beispiel mit den Chips/Rechnern… die Auswirkungen der hedonischen Berechechnung sind minimal.

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        BrettonWood

        15. Januar 2020 11:22 at 11:22

        Wie gross sind diese denn weiss man das ? Ich habe zu letzt hier das erstemal gelesen gehabt….

        Wieso sollte man Bereich zum Inlandsprodult einreichen, wo man keine Ahnung hat wie gross die Märkte wirklich sind? Wo man keine Ahnung hat wie die Gewinnmargen aussehen ?

        Das ist für mich absurd, das BIP sollte doch eine tatsächlich Messbare grösse sein.

        Und das man etwas was man den Menschen verbietet, Sie bestraft wenn Es tun dann doch Wirtschaftsleistung sein sollte erschliesst sich mir nicht. Warum zählen Autodiebstähle nicht zu Wirtschaftsleistung?

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        Koch

        15. Januar 2020 12:01 at 12:01

        Warum sollen illegale Tätigkeiten nicht mit eingerechnet werden?Einfach weil die EZB und die meisten Nationalregierungen das nicht wollen!Sie treiben uns ,per se Kriminelle,ja unsere gewohnten gesetzesbrecherischen Angewohnheiten,aus.(Grosse Geldscheine weg,Absenkung von Bargeldgeschäften auf Minimalbasis,Verbot grosser Geldscheine,nicht erfasste Goldankäufe auf jetzt 1999€,usw.)Da es in absehbarer Zeit,zumindest im Normalvolk keine finanziell krummen Dinger mehr gibt,und die Cum Ex und Derivateprofis alternativlos ungeschoren bleiben müssen,ist dieser Posten vernachlässigbar!

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    Quintus

    15. Januar 2020 10:42 at 10:42

    Die Saxobank heute dazu:
    (Übersetzung mit deepl)
    ….Aufgrund der niedrigeren Verankerung und der doppelten Stimulierung von der monetären und fiskalischen Seite können wir nicht ausschließen, dass die Aktienbewertung noch vor Ende der Party neue Allzeithochs erreicht. Aber die aktuelle Bewegung scheint zu aggressiv zu sein, und die Wahrscheinlichkeit eines plötzlichen starken Rückgangs der Aktien könnte jederzeit eintreten….
    https://www.zerohedge.com/markets/saxo-bank-we-are-putting-out-early-warning-sharp-correction-equities-could-be-imminent

  3. Avatar

    TM

    15. Januar 2020 11:00 at 11:00

    Warum bildet ihr nur die Staatsschulden in Relation zum BIP ab und nicht auch die Schulden der Haushalte (oder in Relation zum Verfügbaren Einkommen)?

    Und bei den Statsschulden wäre es sinnvoll, die bei der Fed liegenden rauszurechnen, da die Zinsen direkt in die Staatskasse zurück fliessen.

    Neben der Deliquency Rate wären noch die Debt Service Ratio und das Financial Obligations Ratio hilfreich für die Beurteilung:

    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=lLpv
    https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=muQm

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    Renten-Crash-Prophet

    15. Januar 2020 12:06 at 12:06

    Was natürlich alle Schlaumeier vergessen, was kürzlich ein bekannter U-S Professor erwähnte,
    ist die Riesensumme von Milliarden, die dank den Tiefstzinsen in der Altersvorsorge fehlen werden.
    Im jetzgenSystem müssen diese Anlagen in den USA mit ca,8% jährlich rentieren um tragfähig zu sein.
    Nach Börse- Immo- u.Aktienboom wird das in naher Zukunft nicht mehr möglich sein.Wie wäre da der buchhalterische Ausdruck, Transitorische Schulden? Dieses Problem wird ein weltweites werden. Der heutige Beitrag von FMW von der deutschen Rentenlüge wird sich stark verschlimmern.
    Das Jubelgeschrei wenn die Staaten jeweils einige Anleihen mit Negativzinsen emittieren ist für mich lächerlich, die Kenrseite der Medaille ist, dass genau wegen diesen Zinsen in Zukunht Hunderte von Milliarden fehlen werden.

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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