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Europa

Rezession – Krise erfaßt jetzt Mittelstand

Deutschland rutscht immer tiefer in die Rezession –  die Krise erreicht nach der deutschen Bauwirtschaft nun auch den deutschen Mittelstand!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Jahrelang gab es in Deutschland einen Boom, aber nun schlittert das Land offenkundig immer tiefer in die Rezession –  die Krise erreicht nach der deutschen Bauwirtschaft nun auch den deutschen Mittelstand! Das zeigt der heute veröffentlichte KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: erstmals seit viereinhalb Jahren rutscht das mittelständische Geschäftsbarometer unter die Nullinie, die Erwartungen sind nun beinahe so pessimistisch wie bereits bei den deutschen Großunternehmen:

„Die in den Großunternehmen schon länger negative Stimmung greift mit rund einem halben Jahr Verzögerung nun auch auf den Mittelstand über. Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen fällt im August um 4,2 Zähler beziehungsweise das Doppelte einer üblichen Monatsveränderung auf -1,5 Saldenpunkte, das erste unterdurchschnittliche Ergebnis seit Februar 2015. Damit setzt sich der Abwärtstrend seit dem Rekordhoch vor elf Monaten in beschleunigtem Tempo fort.“

Sowohl die aktuelle geschäftslage als auch die Geschäfsterwartungen der mittelständischen Unternehmen deutenn klar auf eine Rezession Deutschland im 3.Quartal:

„Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage verringert sich um beachtliche 5,1 Zähler auf jetzt noch 10,1 Sal-denpunkte. Der anhaltende Verfall der Lageurteile lässtein wirtschaftlich schwaches drittes Quartal befürchten, nachdem die Wirtschaftsleistung schon im zweiten Quartal leicht rückläufig war. Gleichzeitig sinken die mittelständischen Geschäftserwar-tungen um ebenfalls sehr deutliche 3,5 Zähler gegenüber Juli. Mit nunmehr -12,3 Saldenpunkten rutschen sie noch tiefer unter die Nulllinie und nähern sich damit den schon seit dem Frühjahr ausgesprochen pessimistischen Erwartungen der großen Unternehmen an.“

Lange war der binnenwirtschaftliche Sektor in Deutschland robust – sichtbar etwa in den stets deutlich besseren Einkaufsmanagerindex für den Sektor Dienstleistung als für den Gewerbe-Sektor. Nun aber spricht vieles dafür, dass angesichts des Niedergangs der deutschen Exportwirtschaft „die Binnenwirtschaft sich inzwischen ebenfalls an der außenwirtschaftlichen Schwäche angesteckt hat“.

Mit anderen Worten: es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, bis auch der Binnenkonsum von der Krise voll erfaßt wird. Ausschlaggabend für die heftige Stimmungsabkühlung sind laut KfW-ifo „die flaue Weltkonjunktur, die Eskalation der Handelskonflikte und der Brexit“. Es herrscht ein Klima der Unsicherheit:

„Die auf zyklische Investitionsgüter spezialisierte deutsche Industrie hat es auch deshalb schwer, weil viele Unternehmen in Deutschland und weltweit Investitionsentscheidungen zurzeit aufschieben dürften, bis sich der Nebel der politischen Unsicherheit zumin-dest wieder etwas lichtet.“

Und damit rutscht Deutschland aller Voraussicht nach in die Rezession:

„Nicht mehr nur in den großen, sondern auch in den mittleren und kleinen Unternehmen ist die wirt-schaftliche Stimmung nunmehr unterkühlt. Damit fügt sich ein weiteres wichtiges Puzzleteil in das Konjunkturbild für das zweite Halbjahr 2019 ein. Mit zunehmender Deutlichkeit zeichnet sich darin eine technische Rezession ab, also mindestens zwei negative Quartalswachstumsraten in Folge.“

 

Gibt es dennoch einen Hoffnungsschimmer? Ja, meint KfW-ifo:

„Dabei gehen wir davon aus, dass die Brexit-Schäden selbst bei einem noch immer möglichen Ausscheiden des Vereinigten Königreichs ohne Vertrag letztlich begrenzt bleiben und sich die Handelskonflikte im Vorfeld der für den 3. November 2020 terminier-ten US-Wahl zumindest etwas entspannen, weil die Trump-Administration im Wahlkampf sicherlich mit guten Konjunktur- und Aktienmarktzahlen glänzen will.“

Man kann nur hoffen, dass das mehr ist als nur Zweckoptimisus angesichts einer Rezession, die so vor einigen Monaten kaum jemand voraus gesehen hatte..

Deutschland rutscht in die Rezession und die Krise erfaßt jetzt auch den deutschen Mittelstand

20 Kommentare

20 Comments

  1. Pingback: Die Nachrichten vom 9. September 2019 | das-bewegt-die-welt.de

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    Karl Stülpner

    9. September 2019 13:09 at 13:09

    Kaum jemand vorausgesehen?
    In den freien Medien wird die kommende Rezession schon Monate, wenn nicht gar Jahre vorausgesehen und diskutiert.
    Hauptursache ist auch nicht der böse POTUS oder der böse Brexit. Hauptursache ist das ungedeckte Papiergeldsystem, das am Ende eines Zyklus angekommen ist. Nullzins, Negativzins, Euro-Rettung, Gelddrucken ohne Ende; dazu CO2-Klimawahn, Dieselverteufelung und Islamisierung des Westens. DAS sind die Ursachen für die Rezession.

    • Avatar

      tm

      9. September 2019 16:10 at 16:10

      „wenn nicht gar Jahre vorausgesehen“

      :-) Na das ist dann ja eine super Prognose: Irgendwann in den kommenden Jahren wird es eine Rezession geben – tja, wer hätte das gedacht?

      • Avatar

        Karl Stülpner

        11. September 2019 15:07 at 15:07

        Nun, wenn die Rezession mit rechts- und vertragswidrigen Methoden aufgeschoben wird, z.B. „Eurorettung“, Negativzins oder Gelddruck-Orgie, und das in einem kriminellen Umfang, den normal denkende Menschen mit gesundem Rechtsempfinden nicht einmal ansatzweise für möglich gehalten haben, dann kann so eine Prognose auch mal ein paar Jahre zu früh gestellt werden.

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          leftutti

          11. September 2019 19:52 at 19:52

          @Karl Stülpner, bisher war ich immer der Ansicht, Rezessionen wären natürliche und wiederkehrende Phasen in Wirtschaftszyklen. Und dass es die Aufgabe von Notenbanken sei, diesen entgegenzuwirken. Die getroffenen Maßnahmen mögen sicherlich umstritten, ärgerlich, kontraproduktiv oder sinnlos sein. Rechtswidrig sind sie sicherlich nicht. Mit Bezug auf Ihren ersten Kommentar ganz oben würde ich rechtswidrig gerne umformulieren in widerlich rechts.

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      leftutti

      9. September 2019 16:16 at 16:16

      @Karl Stülpner, was die enormen volkswirtschaftlichen Schäden durch den Klimawa(h)n(del) angeht, kann ich Ihnen nur beipflichten. Als Stichpunkte seinen nur einmal Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft, Fischerei, Stürme, Hochwasser, Überflutungen, Erdrutsche, Brände, Trinkwasser, Infrastrukturschäden, Seuchen, Krankheiten etc. genannt.
      Hier einmal eine ganz interessante Studie amerikanischer Behörden, die bekanntermaßen ja nicht unbedingt als tiefgrüne, ideologisch motivierte Umweltschützer bekannt sind:
      https://nca2018.globalchange.gov/

      Warum genau eine sog. „Dieselverteufelung und Islamisierung des Westens“ eine Rezession in höherem Maße herbeigeführt haben sollen, als global wirksame Faktoren wie der Handelskrieg zwischen den zwei größten Wirtschaftsmächten oder die völligen Unwägbarkeiten und Planungsunsicherheiten durch den Brexit, werden Sie uns sicher noch erläutern und belegen.

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        Martin

        9. September 2019 18:02 at 18:02

        @leftutti Das ein Klimawandel mit Folgeschäden stattfindet, ist klar. Die Ursache ist bei weitem nicht im Spurengas CO2 zu suchen, sondern in der steigenden Population „Mensch“, welche durch die steigende Verstädterung, Länderbrauch, Nahrungsproduktion und andere Resourcen dazu beiträgt. Es hilft nichts, wenn Deutschland sich kastaneit und ändere im wesentlichen Umfang weitermachen. Damit ist auch der 2. Punkt adressiert. Migration in die Sozialsysteme durch schlecht gebildete und integrierte Migranten ( ich spreche nicht von Flüchtlingen ) sind Kostenfaktoren, die eine Gesellschaft Schultern muss, und die Geldmittel für Investitionen blockieren. Zudem verfällt das Bildungssystem, so dass absehbarer Zukunft qualifizierte Absolventen Mangelware werden. Somit war diese Rezession vorhersehbar und ist, was den Punkt 2 betrifft, hausgemacht. Hinzu kommt noch die zunehmend technik- und leistungsfeindliche Einstellung eines Großteils der Bevölkerung mit dem Hang zum Sozialismus, der historisch schon öfters gescheitert ist, aber man will es erneut wissen.

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          leftutti

          9. September 2019 19:36 at 19:36

          @Martin, ich fasse Ihre Aussage zusammen: Wir haben unbestreitbar einen Klimawandel. Die Ursache ist eindeutig menschgemacht, durch Verstädterung. Landverbrauch etc. Klimaschädliche Gase wie CO2, Methan etc. haben damit aber nichts zu tun. Der eigentlich signifikante Zusammenhang zwischen Erwärmung und dem explosionsartigen Anstieg von Treibhausgasen ist rein zufällig.
          https://scripps.ucsd.edu/programs/keelingcurve/wp-content/plugins/sio-bluemoon/graphs/co2_10k.png
          https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung

          Ja, aber woran liegt der Temperaturanstieg dann? Weil so viele neue Menschen mit einer Körpertemperatur von 37°C ständig weiterheizen?

          Zu Ihrem Punkt 2: Geldmittel für Investitionen werden seit offizieller Einführung der schwarzen Null im Jahre 2009 und eigentlich schon einige Jahre länger blockiert. Also schon fast eine Generation vor der Flüchtlingswelle. Das Gleiche gilt für Bildung, Qualifikation und Infrastruktur.

          Ein sehr interessanter Punkt ist die zunehmend technik- und leistungsfeindliche Einstellung eines Großteils der Bevölkerung mit dem Hang zum Sozialismus. Auf welchen Quellen beruht diese Einschätzung?

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    asisi1

    9. September 2019 13:54 at 13:54

    Ich finde es richtig gut, das es jetzt die vollkommen verblödeten nicht selbstständig denkenden Mittlelschichtler erwischt. Von solchen dummen Idioten habe ich die Nase voll. Sie ignorieren jede vernünftige Ansicht. letztens erzählte mir so ein mir bekannter VOllidiot: Die AfD will wieder KZs bauen!

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      Michael

      9. September 2019 14:33 at 14:33

      @asisi1, Ihnen ist aber der Unterschied zwischen Mittelschicht und Mittelstand schon bekannt?

      Über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Mittelständler. Sie erwirtschaften mehr als die Hälfte der Wertschöpfung, generieren über 97% der deutschen Exporte, stellen fast 60 Prozent aller Arbeitsplätze und rund 82 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplätze bereit.

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    Politologe

    9. September 2019 15:22 at 15:22

    @ asisi1, Da machen sie es sich ein wenig einfach. Dass Vollidioten hauptsächlich in der Mittelschicht anzutreffen sind ist eine schlechte Erfahrung von Ihnen ,die nicht haltbar ist.
    Meine Erfahrung ist, dass in der Unterschicht viel komisches Verhalten zu beobachten ist,dass teilweise mit Geldmangel zu entschuldigen ist.Was ich eher verurteile ist, dass sehr Begüterte ( eher Oberschicht ) arrogantes u.geldgieriges Verhalten an den Tag legen, was mich abstösst.
    In meiner Umgebung sind die sogenannten Mittelschichtler, meistens kleine KMU ,u. eher vernünftige Leute.
    Übrigens in meinem Land werden über 90% der Arbeitsplätze von KMU Firmen zur Verfügung gestellt, Viele machen auch noch Politik u. sind auch dort viel vernünftiger als Vollprofis.
    Ich komme aus der unteren Mittelschicht, gemäss ihrer Definition wäre ich also nur halb verblödet !

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    Beobachter

    9. September 2019 15:45 at 15:45

    Wenn es den Mittelstand erwischt, dann wird es weltweit keinen Schönredner mehr geben ,der die Rezession wegreden kann. ( Ausser Kudlow )Wie schon die Vorposter erwähnten,sind es hauptsächlich die Mittelständler ,die das ganze Kartenhaus noch zusammenhalten.Nicht nur die meisten Arbeitsplätze stellen sie zur Verfügung, sondern auch ein Grossteil der Steuern wird von „ DEN VOLLKOMMEN VERBLÖDETEN“
    bezahlt, da die Unterschicht logischerweise nicht viel bezahlen kann, u.die Oberschicht ( die weniger Blöden) eher irgendwo ein Schlupfloch finden.

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    Gadsby

    9. September 2019 16:12 at 16:12

    Viele Mittelständer kommen aus der Babyboomer-Generation (Jahrgang 46 – 64) Da diese langsam in die Pension gleiten, wird die letzten Jahre kaum noch investiert, möglicherweise mit ein Grund für die Rezession.

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      Michael

      9. September 2019 17:37 at 17:37

      @Gadsby, nach dem aktuellsten Mittelstandsbericht der KfW-Bank (von 2018 für das Jahr 2017) sind die Investitionen bei den KMU auf erneutem Rekordstand seit 2004.

      Die Investitionen der mittelständischen Unternehmen haben im Jahr 2017 wiederholt Schwung erhalten. Mit dem vierten Anstieg in Folge haben die Investitionen in neue Anlagen und Bauten (Bruttoanlageinvestitionen bzw. Neuinvestitionen) einen Wert von 176 Mrd. EUR erreicht. Das sind 7 Mrd. EUR bzw. 4 % mehr als im Jahr zuvor und der höchste von den KMU gemeldete Wert seit 2004.
      https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Mittelstandspanel/KfW-Mittelstandspanel-2018.pdf

      Die Anzahl der Investoren ist dabei rückläufig, was aber nicht so sehr auf die bevorstehende Privatrente der ursprünglichen Firmengründer, als vielmehr auf politische und ökonomische Unsicherheiten zurückzuführen sein dürfte. Ein Teil der KMU sind zudem Zulieferfirmen der Großindustrie und somit aufgrund der Spezialisierung seit jeher alternativlos von deren wirtschaftlicher Entwicklung abhängig.

      Es wird ganz allgemein nur wenige Unternehmer aus den Jahrgängen 46 – 64 geben, denen nicht das Wohl und Wehe ihres selbst aufgebauten Unternehmens, ihrer erfolgreichen Lebensgeschichte, ihrer Arbeitnehmer und die Nachfolge durch Erben, verdiente Mitarbeiter oder zumindest Verkauf sehr am Herzen liegt.

      • Avatar

        Gadsby

        9. September 2019 20:51 at 20:51

        Es steht oben im Beitrag, dass Investitionsentscheidungen zurzeit aufgeschoben werden.

        • Avatar

          Michael

          9. September 2019 23:28 at 23:28

          @Gadspy, korrekt, aber im Zusammenhang mit weltweiten Investitionsentscheidungen … bis sich der Nebel der politischen Unsicherheit zumindest wieder etwas lichtet.

          Also global, wegen Handelskrieg, Brexit, nicht wegen Rentenalter.

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    Christoph

    9. September 2019 16:29 at 16:29

    Eine Rezession ist die normalste Sache der Welt. Medien und Politiker tun so, als ob der Weltuntergang bevorsteht. Bissel Sachlichkeit würde der Sache gut tun. Und bitte, bitte keine bescheuerten Konjukturprogramme!
    2017 war doch ein super Jahr, wenn wir in 2019 etwas schrumpfen (es geht ja nur um zehntel Prozent), dann sind wir immer noch besser dran als 2017.
    Denke Schumpeter würde mir zustimmen ;) Ob unser Finanzsystem das übersteht, steht auf einem anderen Blatt… vielleicht wird da aber eh schon lange Insolvenzverschleppung betrieben…

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    horsthanau

    11. September 2019 22:23 at 22:23

    Die linksgrünen Sozialisten haben die Briten aus der EU getrieben und demontieren jetzt die Autoindustrie durch den Klimaschutzwahn. Statt sparsamen Dieselautos wird der staatliche Wassertaxi-Dienst für Greta und die Fachkräfte gefördert.

  9. Avatar

    Thomas

    12. September 2019 17:06 at 17:06

    • Avatar

      vendy

      13. September 2019 20:19 at 20:19

      Es geht dabei nur um die blauen gasgefüllten Ballons 😨

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Europa

Großbritannien setzt negativen Schlusspunkt in Quartalsbilanz

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am

Es war das erwartete Katastrophenquartal für europäische Volkswirtschaften, vor allem aber für Großbritannien. Im Frühjahr des Jahres 2020 rauschten die westlichen Volkswirtschaften infolge des Lockdowns in ungeahnte Tiefen. Mit Einbrüchen bis zu 18,4 Prozent in Spanien. Jetzt legt das Vereinigte Königreich noch einen drauf.

Großbritannien und sein historischer Wirtschaftseinbruch

Obwohl Premierminister Boris Johnson schon vor Monaten vor den harten Zeiten warnte, die auf die Bürger des Landes zukommen würden, schockierten die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal in Großbritannien dennoch. Mit minus 20,4% war die Wirtschaft der zweitgrößten Nation in Europa in historischer Dimension abgestürzt, so stark wie seit drei Jahrhunderten nicht mehr und auch mit dem dem stärksten Minus in ganz Europa. Hier noch ein paar Vergleichszahlen:

Spanien: -18,5 Prozent
Portugal: -14,1 Prozent
Frankreich: – 13,8 Prozent
Italien: – 12,4 Prozent
Belgien: – 12,1 Prozent
Deutschland: – 10,1 Prozent
USA: – 9,6 Prozent
Tschechien: – 8,4 Prozent
Litauen: -5,4 Prozent
EU-Durchschnitt: – 11,9 Prozent
Dabei hatte das Minus im ersten Quartal (- 2,2 Prozent) noch auf dem Niveau Deutschlands gelegen.

Die späte Reaktion auf die Pandemie in Großbritannien

Wie oft wurde in den Medien darüber berichtet, wie der Premier anfangs Covid-19 auf die leichte Schulter nahm, bis es ihn selbst erwischte, er beatmet werden musste und man sich aus seinen Umfeld schon auf das Schlimmste gefasst machte. Die Reaktion auf die exponentiell ansteigenden Fälle der britischen Regierung war ein heftiger Lockdown ab Ende März, der das Leben in Großbritannien extrem lahmlegte. Dennoch hat das Land bisher offiziell über 313.000 Infektionen und eine Zahl von über 46.000 Toten, die mit oder an Corona gestorben sind. Ein Umstand, der dafür verantwortlich sein könnte, war (wie in New York), dass Millionen Bürger tagelang noch ungeschützt mit der U-Bahn zur Arbeit fuhren, auch das Personal für Krankenhäuser und Pflegeheime.

Aus diesen Gründen dauerten die anschließenden Vorsichtsmaßnahmen sowie die Folgen auch länger als in anderen Ländern.

Folgen des Lockdowns

Eine Ursache für das Rekordminus ist zweifelsohne die Dominanz des Dienstleistungssektors in der britischen Wirtschaftsleistung. Riesige 80 Prozent – was bei einem Lockdown und dem Social Distancing zweifelsohne verheerend wirken muss. Dann natürlich, wie in anderen Ländern auch, die starke Beeinträchtigung von Branchen, wie der Gastronomie, des Entertainments und der Kultur. Privater Verbrauch sowie die Investitionen fielen in Q2 um 23,1 beziehungsweise 25,5 Prozent.

Als Damoklesschwert hängt weiter die Hängepartie mit den Freihandelsgesprächen mit der EU nach dem Brexit über Großbritannien. Sollte es hier keine Lösung geben, gelten ab Januar die besonderen Regeln der Welthandelsorganisation (WHO), mit weiteren Belastungen für die britischen Unternehmen.

Wie geht es weiter?

Der Bank of England zufolge ist der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise durchschritten und im dritten Quartal soll die Wirtschaft in Großbritannien um 18 Prozent gegenüber Q2 wachsen. Danach könnte es zwar wieder etwas langsamer weitergehen, aber im Gesamtjahr soll es bei einer Rezession von 9,5 Prozent bleiben.

Eine optimistische Sichtweise, aber warum sollten britische Ökonomen eine bessere Glaskugel haben, als ihre Kollegen aus Kontinentaleuropa?

Die Risiken sind auch in Großbritannien wenig anders geartet, als in anderen europäischen Staaten: Die zweite Coronawelle mit regionalen Lockdowns, die Entwicklung der Kurzarbeit und die überall so große Bedeutung der Höhe der Arbeitslosigkeit. Auch die Briten setzen auf das Instrument der Kurzarbeit, die allerdings im Oktober ausläuft. Und auf Rettungspakete, um die Folgen abzumildern, aber alles muss irgendwie finanziert werden.

Fazit

Großbritannien steht in einer doppelten Bewährungsprobe: Da ist zum einen das langwierige und zähe Ringen um die geänderten Wirtschaftsbeziehungen nach dem Brexit und die Eindämmung einer Pandemie, die nach wie vor voller Rätsel steckt. Ob jetzt die Zugehörigkeit zur Europäischen Union in der momentanen Lage nicht doch ein paar Vorteile mit sich bringen würde?

Die späte Reaktion auf das Coronavirus ließ in Großbritannien das BIP stärker einbrechen

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Europa

Verbraucherpreise: Deflation dank Mehrwertsteuer und Energie

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Geld und Waren als Symbole für Verbraucherpreise

Bevor die von einigen kritischen Personen erwartete Hyperinflation über Deutschland hereinbricht, steht aktuell erstmal die Deflation ins Haus. Hatte der Ölpreis-Schock aus dem Frühjahr die Verbraucherpreise eh schon Richtung Null-Linie laufen lassen, so gibt die Mehrwertsteuersenkung, die seit Juli gilt, einer möglichen positiven Preisentwicklung den Rest.

Energie beeinflusst Verbraucherpreise stärker als Mehrwertsteuersenkung

Heute früh hat das Statistische Bundesamt die endgültigen Daten für die Verbraucherpreise für Juli veröffentlicht. Im Vergleich zu Juli 2019 sind sie um 0,1 Prozent rückläufig. Im Monatsvergleich von Juni zu Juli 2020 ist es ein Minus von 0,5 Prozent. Die Verbraucherpreise für Energie gehen im Jahresvergleich um 6,7 Prozent zurück nach -6,2 Prozent im Juni. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Juli 2020 bei +0,8 Prozent gelegen, ohne Energieprodukte und Nahrungsmittel bei +0,7 Prozent. Man sieht also: Energie wirkte sich stärker auf die jüngsten Tendenzen in die Deflation aus als die Mehrwertsteuersenkung. Man darf vermuten: Würde der Einzelhandel in vollem Umfang die gesenkte Mehrwertsteuer an die Endkunden weiterreichen, wäre die Deflation wohl noch viel stärker ausgefallen. Dazu im Wortlaut die Statistiker:

Nachdem die Inflationsrate im Juni 2020 leicht angestiegen war, dämpfte die Mehrwertsteuersenkung zum 1. Juli 2020 als eine Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung nun die Preisentwicklung. In welchem Umfang die niedrigeren Steuersätze an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurden, ist nur schwer nachweisbar, da die Preisentwicklung von vielen Faktoren abhängt. Der Einfluss der Senkung der Mehrwertsteuersätze kann daher nur modellmäßig berechnet werden. Unter der Annahme einer vollständigen und sofortigen Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher ergibt sich im Juli 2020 rein rechnerisch eine um 1,6 Prozentpunkte niedrigere Inflationsrate. Ohne die Steuersenkung wäre die Inflationsrate also maximal 1,6 Prozentpunkte höher gewesen.

Verbraucherpreise aufgeteilt in einzelne Segmente

Großhandeldspreise deutlich in der Deflation

Die Großhandelspreise hängen nun schon den sechsten Monat in Folge in der Deflation! Nach heutigen Daten war es im Juli im Jahresvergleich ein Minus von 2,6 Prozent nach -3,3, -4,3 und -3,5 Prozent in den Vormonaten. Auch hier haben die Importe von Energieprodukten immer noch einen negativen Einfluss auf den Gesamtschnitt. Im Wortlaut von den Statistikern:

Den größten Einfluss auf die Gesamtentwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatten im Juli 2020 die niedrigeren Preise im Großhandel mit Mineralölerzeugnissen (-17,9 %). Nachdem diese von Februar bis Mai 2020 krisenbedingt um rund 30% gefallen waren, konnten seitdem deutliche Preissteigerungen (+16,3 % im Vergleich zu Mai 2020) beobachtet werden. Das Vorkrisenniveau ist aber noch nicht wieder erreicht: Die Preise für Mineralölerzeugnisse lagen im Juli 2020 immer noch 22,6 % niedriger als im Januar 2020.

Kräftige Preisrückgänge gegenüber dem Vorjahr gab es ebenfalls im Großhandel mit Altmaterial und Reststoffen. Insbesondere lagen die Preise für sortiertes gemischtes Altpapier (-43,4 %) sowie für Eisen- und Stahlschrott (-19,6 %) unter denen des Vorjahres. Auch im Großhandel mit lebenden Tieren (-8,6 %) sowie mit Datenverarbeitungsgeräten, peripheren Geräten und Software (-3,9 %) lagen die Preise deutlich unter dem Vorjahresniveau. Dagegen waren unter anderem die Preise für Tabakwaren auf Großhandelsebene höher als im Juli 2019 (+4,2 %).

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Europa

Industrieproduktion in der Eurozone: Ist das die V-förmige Erholung?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Stahlfertigung als Symbol für Industrieproduktion

Die Industrieproduktion in Europa ist kräftig abgestürzt in der Coronakrise. Die Frage lautet: Gibt es eine langsame Erholung, ein Dahindümpeln im negativen Bereich, oder eine schnelle V-förmige Erholung? Im Juni stieg die saisonbereinigte Industrieproduktion gegenüber Mai 2020 sowohl im Euroraum als auch in der EU um 9,1 Prozent, laut heute veröffentlichten Schätzungen von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union. Im Mai 2020 stieg die Industrieproduktion im Euroraum um 12,3 Prozent und in der EU um 11,6 Prozent. Gegenüber Juni 2019 ging die Industrieproduktion im Juni 2020 im Euroraum um 12,3% und in der EU um 11,6% zurück.

Die Frage ist jetzt nur: Geht diese V-Erholung im Juli auch weiter im selben Tempo wie im Mai und Juni? Dann wird es wirklich etwas mit einem klassischen V. Bis jetzt sieht es jedenfalls danach aus. Der folgende Chart von Eurostat sieht doch schon stark nach V-Erholung aus? Er zeigt die Entwicklung der Industrieproduktion in der Eurozone und in der Gesamt-EU seit dem Jahr 2011.

Industrieproduktion in EU und Eurozone seit 2011

Hier die Veränderung im Jahresvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

Hier die Veränderung im Monatsvergleich (ein Balken steht für einen Monat).


source: tradingeconomics.com

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