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Rezession: Die Party ist vorbei – welche Party?

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Statt breiter Partizipation an einer der längsten Wachstumsphasen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte hat sich die Schere zwischen Arbeitseinkommen und Vermögenseinkommen drastisch erweitert. Doch die guten Zeiten sind vorbei und es herrscht Rezession in Deutschland. Wer sich kein finanzielles Polster aufbauen konnte, dem stehen möglicherweise harte Zeiten bevor.

Die Rezession ist schon da

Wie schnell sich der Wind drehen kann, erleben momentan viele Beschäftigte in der zuvor erfolgsverwöhnten Automobilindustrie und dem Maschinenbau, wo die Rezession schon voll im Gange ist. Doch längst greift die wirtschaftliche Schwäche auch auf den Dienstleistungs- und Bausektor über. Dabei hat die Herbstabkühlung im Baugewerbe und in anderen Saisonbranchen gerade erst begonnen. Für viele abhängig Beschäftigte ist die Zeit der Unbekümmertheit und des sicheren Arbeitsplatzes damit schon passé. Erschreckend ist, dass der entsprechende Indikator des ifo Instituts eine Dynamik aufweist, wie zuletzt während des Hochpunktes der Eurokrise, obwohl die EZB-Bürokraten am Main-Ufer doch angeblich so erfolgreich sind mit ihrer Krisenpräventionspolitik.

Rezession - Kurzarbeit im Verarbeitenden Gewerbe

Doch der eigentliche soziale Sprengstoff liegt ganz woanders: Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen sind von 1995 bis 2018 um 89 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Löhne und Gehälter der deutschen Arbeitnehmer netto und real nur um verschwindet geringe 6 Prozent gestiegen. Viele einkommensschwache Familien sind auch während des Aufschwungs kaum über die Runden gekommen und konnten sich kein finanzielles Polster ansparen.

BIP und Einkommen

Ganz im Gegensatz dazu stellt sich die Lage der Vermögenden dieses Landes dar: Allein im Schlussquartal 2018 stiegen die Vermögenspreise um 9,3 Prozent auf Jahresbasis an. Ein Trend, der bereits seit der Finanzkrise zu beobachten ist: Die massive Lockerungspolitik der EZB mit deutlich steigender Geldmenge und drastisch sinkenden Zinsen ging an der Entwicklung der Arbeitseinkommen nahezu vollständig vorbei und floss stattdessen direkt in die Taschen der Kapitaleigner, entsprechend dem bereits erläuterten Cantillon-Effekt.

Rezession - Entwicklung Vermögenspreise Verbraucherpreise

Die Reallöhne stiegen im Jahr 2018 deutlich unterproportional zu den Vermögenspreisen, nämlich nur um 1,5 Prozent:

Löhne und Verbraucherpreise

Im Zuge der aktuellen Rezession schwächt sich die reale Lohnentwicklung noch weiter ab. Aktuell liegt sie nur noch bei 1,2 Prozent. Für viele ist die Party vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat. Das liegt auch an der Vermögensverteilung: Gemäß WSI-Verteilungsmonitor besitzen zwanzig Prozent der Deutschen gar kein oder negatives Vermögen (also Schulden), zehn Prozent besitzen hingegen fast zweidrittel des Gesamtvermögens.

Nettovermögen Haushalte

Fazit

Die neuerlichen Wohltaten der EZB-Notenbanker gehen an großen Teilen der deutschen Bevölkerung vorbei und treffen im positiven Sinne vor allem die Vermögenden. Es ist schon bedenklich, dass die Zentralbanker über eine derart große politische Macht verfügen, ohne demokratisch gewählt worden zu sein. Wer in Deutschland kaum genug Geld verdient, um über die Runden zu kommen, geschweige denn, um fürs Alter ausreichend vorsorgen zu können, der wird durch die Geldpolitik der Zentralbanken extrem benachteiligt. Statt Vermögen aufzubauen, bleiben den sozial Schwächeren nur die negativen Konsequenzen von QE und NIRP: steigende Lebenshaltungskosten (v. a. Miete), negative Realzinsen auf das bescheidene Sparguthaben und perspektivisch Altersverelendung. Vielleicht sollte die Politik diese Art der undemokratischen Diskriminierung breiter Bevölkerungsschichten durch die EZB-Politiker thematisieren? Dann würde die Wählerzahl von SPD und Linke vielleicht auch nicht in Anbetracht von Rezession, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht der Betroffenen ins Bodenlose sinken.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    leftutti

    19. September 2019 19:36 at 19:36

    Uups, da werden aber böse Kommentare folgen. SPD und Linke im Schlusssatz, der Kommunismus wird ausgerufen! Fehlen nur noch die Grünen, die uns auch noch unsere Privatpanzer und Ölheizungen besteuern wollen. Wie hat ein Kommentator jüngst so treffend bemerkt: Fleiß, Mut und Risikobereitschaft der Vermögenden müssen belohnt werden.

    Gut, Fleiß, Mut und Risikobereitschaft als Charaktereigenschaften dürfen auch wegfallen, wenn die Notenbanken die Sache für diese Gruppe ständig richten. Aber so genau wollen wir es nicht nehmen, 89 zu 6% sind doch ein faires und angemessenes Verhältnis für die gelieferten Leistungen.

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    Altbär

    19. September 2019 20:39 at 20:39

    Sehr gut Herr Zipfel, mit jeder weiteren Zinssenkung wird die Umverteilung von unten nach oben verstärkt.
    Denken die Zinsdrücker wirklich, dass sie damit die Wirtschaft ankurbeln oder die Rezession verhindern
    können? Warum geht das Volk nicht auf die Strasse? ja natürlich die Auswirkungen der Altersarmut kommen erst später.
    Solange die Elite mit den hohen Aktienkursen profitiert, hat kein Politiker den Mut die Sache beim Namen zu nennen. ( ausser Wagenknecht)
    Die Realisten, die seit Jahren auf eine Korrektur dieses tödlichen Spiels warten, werden wie jetzt beim Verfall aus dem Markt gesqueezt. Auch der Schwänemaler von der Baader Bank ist für weitere Verschuldung bei diesen tiefen Zinsen u.sieht nur steigende Aktienkurse.Ich schreibe nicht aus Frust, wie man meinen könnte ,
    Ich bin Profiteur dieses Idiotenspiels.Die Frage ist nur,wie stark müssen die Nebenwirkungen dieser Geldpolitik werden,bis der Druck der Politik die Volksenteigner bremst, oder wird es amEnde der Mainstream machen?

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      Hesterberg

      19. September 2019 22:25 at 22:25

      @Altbär
      Ich glaube, von der Politik haben wir nichts zu erwarten. Und von der breiten deutschen Bevölkerung erst recht nicht, solange die gigantischen Schuldenberge nur „in den Büchern“ stehen und Otto Normalverbraucher damit noch nicht groß belastet ist. Es steht zu befürchten, dass wir weiterhin darauf warten müssen, bis das System sich selbst frisst, weil z. B. Immobilienblasen platzen, durch einen Aktien- oder Anleihencrash, einen Bankenkollaps, eine Italienrettung oder Staatspleiten, die dann einfach nicht mehr gestemmt werden können und die Märkte das Spiel in einer Massenpanik beenden. Und ich fürchte, wir haben alle keine Ahnung davon, was da auf uns zurollen wird.

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        Leviathan

        20. September 2019 09:32 at 09:32

        @Hesterberg
        ich denke einige wissen ganz genau was da auf uns zu kommt. Ich für meinen Teil rechne, so wie diese Tage geschehen mit einem Einfrieren des Geldmarktes.
        Die daraus zu erahnenden Umstände kann man sich mit gesundem Menschenverstand erarbeiten. Schon Jahre bereite ich mich darauf vor…und es wird ständig verbessert.
        Die kleinen Vermögen sind so gut es geht gesichert.Für Leib und Seele ist gesorgt und für die Sicherheit sorgt jede menge Blei.
        In meinem Umkreis werde ich müde belächelt für meine Warnungen und Vorsorge.
        Nun, auch wenn es noch etwas dauert. Ein Fiatmoneyponzimindestreservesystem ist irgendwann mathematisch dem Untergang geweiht.
        In diesem Sinne, fröhliche Umständ.

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          Hesterberg

          20. September 2019 11:57 at 11:57

          @Leviathan
          Sie sind nicht allein. Auch unser Getränke- und Haltbare-Lebensmittel-Vorrat wächst beständig und wir brauchen mindestens 6 Wochen keinen Supermarkt.

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            Chris

            20. September 2019 23:29 at 23:29

            @ Alle

            Ja, aber wir haben ein Problem, wir werden älter, jetzt wurde bereits länger als eine Dekade verzögert.
            Wer macht sich Gedanken und bereitet sich vor, das sind die Babyboomer.
            Für ältere Menschen sind Krisenzeiten und Umbrüche schwerer zu händeln. Wir können davon ausgehen, dass der Staat Alte und Kranke fallen lässt.
            Alt werden wir von alleine, die Gesundheit kann uns genommen werden.
            Die Vorbereitungen müssen einen starken Fokus auf den Energieerhalt und die Gesundheit richten.

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    md

    19. September 2019 22:57 at 22:57

    der wichtigste satz ist doch, die verteilung von vermögen – 89% zu 6%. also die firmeneigner und reichen bekommen per ecb notenbank hubschraubergeld bis zum abwinken. von diesem geld kommt bei dem kleinen bürger nichts an. und obendrauf die vielzähligen neuen steuern.
    ich würde gerne die quote bei den restlichen eu ländern erfahren. ich würde mal sagen da sieht die quote besser aus.
    wie schon öfter von mir wiederholt, wenn ich in den letzten 20 jahren bei grünen und spd’lern das wort „gerechtigkeit“ gehört habe kam im anschluss irgend ne steuererhöhung. aber bei der spd meine ich die letzte zeit einen hauchdünnes umdenken zu merken, hin zu ihren stammwählern, arbeitnehmer und bedürftigen.
    @leftutti, ich wollte dir eh schon antworten mein freund. ja die regierende parteien waren spd und grünen insbesondere die grünen. das hatten wir doch schon mal bei einem fmw artikel. und es wurde heiss diskutiert. und ich gebe einem user recht wo meinte es regiert die partei welche die journalisten, medien und staatsbedienstete auf seiner seite hat und das war nun mal seit 1998 die grünen. da ist es egal wen das volk gewählt hat.

    • Avatar

      leftutti

      20. September 2019 11:13 at 11:13

      @md, endlich verstehe ich … fast! Wenn die Grünen seit 1998 faktisch an der Macht sitzen und regieren, kannst du mir auch folgendes erklären:

      Warum haben wir den seit Mitte der 80er heiß diskutierten und im Jahr 2000 vereinbarten Atomausstieg noch immer nicht geschafft (wie Italien, Österreich, Neuseeland, Dänemark)?
      Warum musste erst ein weiterer Super-GAU passieren, damit 11 Jahre später endlich etwas gegen diese Todestechnologie beschlossen wurde?
      Warum fahren statt 2-3-Liter-Autos (technisch möglich wäre das seit den späten 80er Jahren) ganze Brigaden von 2-Tonnen-Privatpanzern auf unseren Straßen?
      Warum gibt es noch immer kein Tempolimit auf Autobahnen, wie in allen anderen Industrieländern?
      Wieso wurde bisher noch kaum etwas gegen Klimawandel und utopischen CO2-Ausstoß unternommen?
      Analoges gilt für Umweltverschmutzung, Wasserbelastung, riesige Plastikinseln, Artensterben, Korallensterben.
      Unter welcher Regierung wurde die größte Steuererhöhung seit 1949 eingeführt, und waren die Grünen dafür oder dagegen?

      Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf fundierte und wahrheitsgemäße Antworten.

  4. Avatar

    Ranzentier

    20. September 2019 09:18 at 09:18

    ..es gab immer schon eine ungleiche Verteilung der Einkommen und Vermögen…in der Antike…im Mittelalter…in der Gegenwart und auch in der Zukunft. In Deutschland geht es vielen gut…auch die untersten Einkommensschichten haben Fernseher, Handy und weitere Ablenkungsmöglichkeiten und werden nicht auf die Straße gehen…die Menschen die auf die Straße gehen werden denunziert und als Faschisten betitelt…die Jugend wird mit Klima abgelenkt und beschäftigt…es wird so weitergehen…noch bevor eine wirklich schwerwiegende Rezession kommt (die paar Miniprozent Abschwung aktuell sind keine Rezession) wird ein Konjunkturpaket das nächste jagen und die Rezession ist ein Gespenst vergangener Zeiten…ein weiterer Zyklus Wirtschaftswachstum wird geboren…hier in Europa schrumpft die Bevölkerung vielleicht…aber in anderen Ländern ist noch so viel Hunger auf Konsum und Weiterentwicklung…da wird es noch lange dauern bis auch dort Sättigung erreicht ist…

    • Avatar

      md

      22. September 2019 02:02 at 02:02

      leftutti mein freund, was soll das ? wir alle sind für umweltschutz und klimaschutz. wir sind das land der erfinder von vielen technologien und haben ne pionierstellung auf der welt. des weiteren sind wir exportweltmeister. also die hohe nachffrge nach unseren produkten ist auch zum großen teil wegen der qualität, SICHERHEIT, SAUBERKEIT und hightech zu verdanken.
      nochmal, unsere atomkraftwerke sind die sichersten auf der welt. und ausserdem ist der solarstrom wegen zu geringer sonnenstrahlen pro jahr zu ineffizient. sehr wichtig ist zu erwähnen das durch den hohen bedarf an fläche einige seltene tierarten ihren bau aufgeben mussten weil ihnen das sonnenlicht durch die panelen weggenommen wurde/wird ( meine argumentation )
      zum suv. das ist absoluter schwachsinn, welchen nutzen soll das haben. was willst du damit erreichen. also der deutschen bevölkerung ein suv verbot. suv’s nur für den export und wir aktivieren wieder die trabiwerke für die deutsche bevölkerung oder wie ? warum suchen wir nicht wieder mit wissenschaft und forschung nach besseren sauberen technologien.
      tempolimit – hat reichlich wenig mit klimaschutz und umweltschutz zu tun. jede gefühlte zweite strasse ist schon ne 30 er zone. das reicht.
      „utopischer co2 ausstoss“ wir habem den niedrigsten co2 wert der welt, leftutti ich bitte dich zu googeln.
      auch bei der umweltverschmutzung muss ich dir widersprechen. ich bin mir sicher (ohne zu googeln) das wir mit der trennung von müll, recyclen und wiederverwendung von rohstoffen weit vorne dabei sind auf der welt.

      regenwälder brennen ab, in drittländern mit viel armut werden alle sorten müll ins meer geschmissen uvm.
      sollten wir ( eu ) nicht hier entwicklungshilfe leisten, warum fliegt eine fr roth oder die greta oder irgendein grüner, nicht nach brasilien das wäre ein zeichen gewesen das die grünen es ernst meinen. aber zum putschversuch in anderen ländern sind sie vorne dabei, ne ne ne.

      ich bin strikt dagegen das man kinder ausnutzt und mißbraucht für eigene politische zwecke. das muss unter strafe gestellt werden. wir erwachsenen sind unserer verantwortung gegenüber unserer frau, KINDERN, gesellschaft und der welt im klaren. es ist unverantwortlich das ein 4-5 jähriger eine bundeskanzlerin ( auf die frage: was wünscht ihr euch von der bundeskanzlerin ) nach klimaschutz und umweltschutz befragt. in allen anderen ländern verlangen kinder spielzeuge, spielplätze etc. und hier werden sie von bio studienabbrechern beeinflusst und manipuliert.

      also wir müssen zuerst mal zur normalität zurück und dann klimaschutz und umweltschutz ganz anders angehen. investieren in wissenschaft und forschung ist der richtige weg.

      der falsche weg ist jetzt auf teufel komm raus unsere autoindustrie uvm wegklimatiesieren oder wegumweltisieren. ( gibts die zwei wörter überhaupt :) )

      vg juchrimo ( md )

      • Avatar

        leftutti

        22. September 2019 12:39 at 12:39

        @md, mein Freund, eigentlich hatte ich dich ja gefragt, warum wir all die Klima- und Umweltmaßnahmen noch nicht haben, wenn doch angeblich seit 20 Jahren die Grünen an der Macht sind. Ich hatte dich auch gebeten, wahrheitsgemäß darauf zu antworten, alerdings nicht ernsthaft erwartet, dass du das auch machst ;)

        Wenn du mir schon absoluten Schwachsinn unterstellst, solltest du auch deine Aussagen einmal kritisch hinterfragen.

        Das Thema Fotovoltaik haben wir schon einmal ausführlich diskutiert, darauf will ich nicht erneut eingehen.

        Beim CO2-Ausstoß sind wir in der EU die unangefochtene Nr. 1 mit etwa doppelt so vielen Emissionen wie Großbritannien oder Frankreich an den nächstfolgenden Positionen. Weltweit stehen wir an Nr. 6!

        Im Verkehrssektor lag das Reduktionsziel bis 2020 bei 40 bis 42%. Geschaffte Einsparung bisher: 3 bis 4%.
        Wenn ich vom Tempolimit spreche, meine ich keine 30er-Zonen, sondern die privaten Rennstrecken, die man auch als Autobahnen bezeichnet.
        Ich spreche auch nicht von einem SUV-Verbot, sondern davon, dass der Sprit und die Kfz-Steuer so drastisch erhöht werden sollten, dass man sich dreimal überlegt, ob man wirklich einen 350 PS-Boliden bzw. ein 2-Tonnen-Monster benötigt. Wer meint, er brauche das unbedingt, gerne. Nur sollte er dafür so richtig zur Kasse gebeten werden. Wer sich einen Porsche leisten kann, wird auch das problemlos verkraften.

        Was Ölheizungen betrifft, ist selbst Norwegen als Ölförderland schneller mit dem Ausstieg als wir in Deutschland. Wir sollten Öl- und Gasheizungen möglichst ab übermorgen nicht mehr neu einbauen und nicht erst in sechs Jahren. 2026 ist zu spät, und es wird nur die Ölheizung verboten. Das heißt, man wird sie durch die Gasheizung ersetzen. Und das heißt, wir ersetzen ein sehr großes Problem durch ein mittelgroßes Problem.

        Die Land- und Forstwirtschaft hat bisher kaum etwas in Richtung ökologischer Landbau, Viehzucht, Düngemittel- und Güllereduktion, Abbau der Tierbestände oder resistente Mischwälder statt Monokulturen geleistet.

        Natürlich sollten Wissenschaft und Forschung nach sauberen Technologien suchen. Das hätten sie bereits seit mindestens 25 Jahren tun sollen. Haben sie aber nicht wirklich, und jetzt ist es 5 nach 12! Wir haben keine weiteren 50 Jahre Zeit, bis ein Daniel Düsentrieb endlich die ultimative Energiequelle findet und in weiteren 50 Jahren zur Serienreife bringt.

        Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Etwa so:
        https://www.n-tv.de/politik/Getrennte-Fluege-in-die-USA-Merkel-und-AKK-brauchen-zwei-Jets-article21288132.html

  5. Avatar

    Tino Gruchmann

    20. September 2019 18:09 at 18:09

    Die EZB Politik ist nicht die Ursache sondern ein System unseres kranken Wirtschaftssystems sondern ein Symptom. Die EZB versucht nur die Party etwas länger am laufen zu halten. Wir benötigen ein neues nachhaltiges System und keinen Schuldenkollaps und die eingeengte politische Fokussierung auf das Klima anstatt die Unwelt

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Karstadt Kaufhof erhält Sonderkredite vom Staat – Pro und Contra zur Staatsräson

Claudio Kummerfeld

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Beispielbild für Rolltreppen in einem Kaufhaus

Der in der Coronakrise vom Bund aufgelegte Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ist nichts anderes als eine Art Staatsfonds, der in das Eigenkapital von Unternehmen investieren kann in Form von Kapitalerhöhungen. Er kann aber auch Kredite gewähren. Das prominenteste Beispiel in der Coronakrise war die Lufthansa mit 9 Milliarden Euro an Hilfen (hier die Details). Bei der Airline ist der Steuerzahler jetzt Miteigentümer. Die letzte verbliebene deutsche Fluggesellschaft ist ein Musterbeispiel in Sachen Staatsräson. Jetzt kommt noch Karstadt Kaufhof hinzu. Laut aktuellen Berichten erhält man 460 Millionen Euro als Nachrangdarlehen aus dem WSF – geht die Kaufhauskette pleite, steht der Steuerzahler also bei den Forderungen ganz hinten in der Schlange, und geht wohl leer aus.

Was haben die beiden gemeinsam? In ihrer Branche sind sie die letzten verbliebenen Anbieter in Deutschland. Außer Karstadt Kaufhof gibt es keine Kaufhausketten mehr hierzulande, die in Innenstädten ein breites Sortiment anbieten, und oft in kleinen und mittelgroßen Städten der Ankerpunkt in Fußgängerzonen sind. Und die Lufthansa ist quasi der letzte Anbieter aus Deutschland für Flüge in die große weite Welt. Beide kann man in die Kategorie „Systemrelevant im Sinne der Staatsräson“ verbuchen. Es gibt gute Gründe solche Unternehmen zu retten, aber auch gute Gründe es nicht zu tun.

Pro Rettung von Karstadt Kaufhof

Zur Staatsräson kann man sagen: Es geht um das Selbstverständnis des Staates, etwas bestimmtes zu sein, darzustellen, zu präsentieren, und öffentlich einen bestimmten Eindruck zu vermitteln. Und so wie jeder Staat zum Beispiel eine große Airline haben will (Air France, Alitalia usw), braucht Deutschland vermeintlich die Lufthansa. Und so braucht auch ein Land wie Deutschland zumindest eine einzige Kaufhauskette, als Ankerpunkt für die Fußgängerzonen? So darf man es wohl verstehen. Aus aktuellen Berichten kann man als Begründung der Bundesregierung für den Kredit an Karstadt Kaufhof entnehmen, dass diese Kaufhäuser „unverzichtbare Publikumsmagneten“ in vielen Fußgängerzonen seien. Das mag auch durchaus so sein.

Mit der Unterstützung leiste die Bundesregierung einen wichtigen Beitrag, um Arbeitsplätze zu sichern und die aktuell schwierige Lage für das Unternehmen zu überbrücken. Und ja, auch die Rettung von zahlreichen Arbeitsplätzen auf einen Schlag, damit kann man als Politiker natürlich auch punkten. Und in der Tat. Trotz jahrelangen Miss-Managements und Ausschlachten von Karstadt wären die einfachen Mitarbeiter die Opfer einer endgültigen Pleite. Gerade in der Coronakrise würden sie wohl kaum schnell eine neue Stelle finden. Auch das kann man als Argumentation für diesen frischen Kredit anführen – wobei man dann auch fragen könnte, warum der Bund nicht gleichzeitig auch kleine Betriebe mit wenigen Mitarbeitern rettet – etwa weil sie zu wenige Mitarbeiter haben, und weil das zu wenig mediale Beachtung finden würde?

Contra

Karstadt, Kaufhof und zahlreiche andere stationäre Einzelhändler hatten schon seit Jahren strukturelle Probleme. Nicht nur im Kampf gegen Amazon und Co versagten sie seit Jahren, auch ihre Angebote in den Innenstädten wirkten verstaubt und aus der Zeit gefallen. Neue Konzepte waren Fehlanzeige. Durch eine weitere Rettung verzerrt man den Markt, und hindert die Marktkräfte daran auch im stationären Einzelhandel neuen, besseren Angeboten für die Konsumenten Raum zu geben. So werden alte, unrentable Geschäftsmodelle am Leben gehalten, und neuen wird der Marktzutritt erschwert.

Auch spricht gegen die Rettung von Karstadt Kaufhof, dass eine Pleite auch nach der Coronakrise wahrscheinlich bleibt, weil sich am Geschäftsmodell ja nichts ändert. Wie gesagt, auch vor Corona ging es nur bergab mit den Kaufhäusern. Also könnten die 460 Millionen Euro für den Steuerzahler womöglich verloren sein. Der Ökonom Daniel Stelter bringt es im folgenden Tweet auf den Punkt. Man kann es auch so sagen: All die kleinen Gewerbetreibenden, die sich abrackern und noch funktionierende Geschäftsmodelle haben, zahlen Steuern bis zum Abwinken, und dürfen eine erfolglose Firma durchfüttern und künstlich am Leben erhalten. Das ist nicht gerecht, und im Sinne einer sich ständig erneuernden modernen Volkswirtschaft auch sinnbefreit.

Aber nochmal: Tragisch ist, dass bei einem Dichtmachen von Karstadt Kaufhof die Mitarbeiter den größten Preis gezahlt hätten – also genau diejenigen, die seit Jahren hilflos und ohne Eigenverschulden dem Niedergang beiwohnen müssen. Denn sie müssen das umsetzen, was unfähige Manager ihnen auftischen.

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Aktien

Shortsqueeze: Shortselling – so gefährlich wie selten zuvor!

Junge Trader handeln Aktien mit einer hohen Shortquote – und bringen Hedgefunds durch einen Shortsqueeze an den Rand des Abgrunds!

Wolfgang Müller

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Es war die Meldung des gestrigen Tages an der Wall Street: Der Hedgefonds Melvin Capital hat sein Engagement bei GameStop beendet, damit seine leerverkauften Aktien zurückgekauft, als Opfer eines Shortsqueeze hat Melvin Capital gewaltige Verluste eingefahren.

Sicherlich das Extrem in einer Entwicklung, die aber schon längere Zeit zu beobachten ist. Wetten auf fallende Kurse – Shortselling – sind derzeit gefährlicher denn je! Ein Überblick über das Coronajahr 2020 offenbart ein Fiasko.

Shortsqueeze: Eine Idee macht Schule

GameStop ist kein Einzelfall. Die jungen Trader der Generation RobinHood haben aus ihren Erfolgen anscheinend den Schluss gezogen, dass man bei Aktien mit einer hohen Shortquote sehr leicht Gewinne einfahren kann – durch einen Shortsqueeze, der Leerverkäufer zu Eindeckungskäufen zwingt. Durch organisierte Käufe von Aktien und Optionen, die die Shortseller unter Druck bringen. Diese müssen ihre Positionen schließen, sprich die Aktien kaufen und die Spirale dreht sich weiter nach oben. So realisiert beim Kinobetreiber AMC Entertainment oder beim Einzelhändler Bed Bath & Beyond. Der Name für das Spiel heißt Shortsqueeze, ein Begriff, der bei Google im Januar mit dem Faktor 15 nachgefragt wurde und dreimal so oft, wie beim bisherigen Hoch.

Generation Z oder doch Y?

Vermutlich Letztere, denn die unter 25-Jährigen haben wohl mehr mit ihren Studentenkrediten zu tun, von denen viele unter Wasser stehen. Das Durchschnittsalter der 13 Millionen RobinHooder ist zuletzt leicht über 31 Jahre gestiegen, entsprechend dem Median der Generation Y. Da die durchschnittliche Depotgröße vor Kurzem noch bei unter 5000 Dollar lag, bedeutet, dass es schon großer konzertierten Aktionen bedarf, um Marktbewegungen auszulösen. Deshalb auch das große Interesse an Pennystocks und Werten mit einer kleinen Marktkapitalisierung. Bei einer über 3000 Dollar schweren Amazon-Aktie wird man mit diesen Depotgrößen nicht so viel ausrichten, ist ein Shortsqueeze viel schwieriger in Gang zu setzen.

Die Verluste der Shortseller

Wie oft hatte der Finanzdienstleister S3 im letzten Jahr über die Höhe der Shortquote bei Tesla berichtet? Ein ständiger Quell für Kursanstiege, weil es dem Marketingtalent Elon Musk immer wieder gelungen war, seine Fangemeinde zu begeistern. Seine Wut auf die Shortseller hatte ihn vor zwei Jahren fast um seinen CEO-Posten gebracht. Hat er vielleicht die Gelegenheit genutzt, um sich mit seinen Twitter-Botschaften (GameStonk u.a.) verspätet zu rächen? Jedenfalls haben Shortseller im Jahr 2020 mit Tesla 40 Milliarden Dollar Verlust eingefahren, der höchste Verlust, der je mit einem US-Unternehmen erzielt wurde. Das war der bisher größte Shortsqueeze aller Zeiten!

Auf den nächsten Plätzen in der Rangliste Apple (-6,7 Mrd.), Amazon (-5,78 Mrd.), Pinduodo (-4,74 Mrd.) und Square (.4,70 Mrd. Dollar).

Insgesamt kommt S3 Partners auf Verluste in Höhe von 240 Milliarden Dollar.

Bescheiden hingegen die Gewinne der Shorties: Exxon Mobile (1,29 Mrd.), AT&T (1,26 Mrd.) und Raytheon (1,20 Mrd. Dollar). Da war in Deutschland bei einer Wirecard vermutlich mehr zu holen.

Für einige Hedgefonds wurde es durch die Aktionen der Bubble-Boomer, wie FMW sie bezeichnet, so richtig gefährlich. Hedgefonds mussten sich gegenseitig helfen, um eine gigantische Pleite zu verhindern. Citadel und Point72 Asset Management sahen sich gezwungen, 2,75 Milliarden Dollar in Melvin Capital Management zu investieren, um das Schlimmste abzuwehren.

Bloomberg berichtet, dass Melvin Capital mit seinen aggressiven Strategien seit 2014 durchschnittlich 30 Prozent Rendite erwirtschaften konnte. Zu Beginn des Jahres war es noch ein verwaltetes Vermögen von 12,5 Milliarden Dollar, der Verlust der letzten Tage wird auf ebenso 30 Prozent geschätzt.

Was man auch nicht vergessen sollte: Von den bis zu 10.000 Hedgefonds, die es weltweit gibt, gehen jährlich Hunderte pleite, die aggressive Strategien fahren, die ihnen immer wieder auf die Füße fallen. Über die redet keiner, wenn es um die Bilanz der Superfonds geht, die bis zu 20 Prozent Gewinnbeteiligung verlangen konnten – die so genannten versunkenen Geheimnisse. Und in diesen Zeiten geht man einfach besonders risikoreich zu Werke. Short-Strategien, mit über 100 Prozent der verfügbaren Aktien (durch naked shortselling – oder ungedeckte Leerverkäufe) – es ist ein Spiel mit dem Feuer, welches mitunter durch einen Shortsqueeze gewaltige Verluste produziert.

Fazit

Das Finanzkonstrukt Leerverkauf ist nicht nur durch die Sondersituation Corona sehr riskant geworden. Die gemeinsamen Aktionen der Jungen Zocker hat eine große Dimension erreicht, die aber bald die Aufsichtsbehörden auf den Plan rufen wird. Es handelt sich bei organisierten Aktionen, einen Shortsqueeze auszulösen, schlichtweg um Marktmanipulation. Bei aller Verwunderung über die Kursexplosion und den explosiven Anstieg von GameStop im Januar von über 1000 Prozent: es geht bei diesem Nebenwert „nur“ um eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar.

Der S&P 500 hat eine Marktbewertung von 33.000 Milliarden Dollar und richtig marktbewegend sind natürlich Kursveränderungen von Tesla oder Facebook, wie zum Beispiel um 5 Prozent nach den gestrigen Zahlen nachbörslich. Nur fünf Prozent, aber bereits eine Veränderung um 75 Milliarden Dollar. Wie bereits dargestellt, die große Korrektur dürfte von den Big Seven ausgehen, die allein das Doppelte auf die Waage bringen, als alle Aktien im Russel 2000 zusammen.

Shortseller leben aktuell gefährlicher denn je - es droht der Shortsqueeze!

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Ein Wunder? Gewerbeumsätze deutlich besser als im Frühjahr 2020

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Qualmende Schornsteine

Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie sind im zweiten Lockdown, die Umsätze brechen dramatisch ein. Nur die Industrie glänzt. Millionen von Solo-Selbständigen sind beruflich und finanziell womöglich am Ende, oder kurz davor. Dennoch präsentiert das Statistische Bundesamt heute mehr als glänzende Zahlen für die Gerwerbeumsätze in Deutschland, basierend auf den monatlichen Umsatzsteuervoranmeldungen an die Finanzämter. Warum es eine Verzerrung der Realität sein kann? Nun, viele Betriebe melden nur quartalsweise, und gerade kleine Selbständige mit wenigen Einnahmen reichen gar keine Umsatzsteuermeldungen ein, weil sie gar nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Die staatlichen Statistiker definieren die „gewerbliche Wirtschaft“ mit den Branchen Industrie, Energie- und Wasserversorgung, Bau, Gastgewerbe sowie Handel und Dienstleistungen.“ Also so ziemlich alles.

Laut aktueller Aussage des Statistischen Bundesamts ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland im Dezember 2020 trotz erneutem Lockdown gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen, nämlich um 5,1 Prozent. Seit dem Tiefpunkt im April 2020 ist der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft kontinuierlich angestiegen und liegt im Dezember 2020 nun 6,6 Prozent höher als im Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland. Mit reichlich Sarkasmus könnte man nur anhand dieser Zahlen glatt sagen: Sämtliche Hilfs- und Stützungsmaßnahmen für Wirtschaft, Selbständige und Beschäftigte kann der Staat sofort einstellen, denn es läuft ja deutlich besser als Anfang 2020. Aber die Realität ist (abgesehen von der Industrie) eine andere. Man schaue nur welche Ladenketten jetzt schon platt sind, und wer im Bekanntenkreis finanziell und beruflich ruiniert ist, oder kurz davor steht.

Aber zurück zu den offiziellen Zahlen. Die Grafik zeigt die Gewerbeumsätze seit dem Jahr 2015. Für Februar 2020, dem letzten Monat vor Ausbruch der Coronakrise, sehen wir einen Indexwert von 132,5, und im Tief im April einen Wert von 109,3. Jetzt sehen wir für Dezember einen Wert von 141,3. Also, alles bestens? Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank, hat aktuell auch noch einen Hinweis, warum es im Dezember so gut aussieht:

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Grafik zeigt Gewerbeumsätze seit 2015

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