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Robinhood und Co: Wie der jüngste Anstieg der Privatzockerei gemessen wurde

Robinhood ist der Broker Nummer 1 bei den kleinen Zockern in den USA

TD Ameritrade, E-Trade und vor allem Robinhood, das sind seit Monaten die Anlaufstellen für viele Amerikaner, die im Zuge der Coronakrise plötzlich zu viel Freizeit hatten. Und oft hatten Menschen durch die wöchentlichen staatlichen Zahlungen von 600 Dollar mehr Geld in der Tasche als zuvor durch ihre Arbeit. Viele Amerikaner fingen dann in der Krise an mit Kleinstbeträgen an der Börse zu zocken. Befeuert wurde diese Zockerei, weil die großen US-Broker unlängst jegliche Gebühren für den Handel mit Aktien abgeschafft hatten. Da kann auch der Kleinstzocker schnell hin und her traden.

Die Annahme gibt es schon seit Wochen, dass die Privatanleger in den USA (vor allem über den Broker namens „Robinhood“) seit März die Börsenkurse in den USA zunehmend beeinflusst haben, durch wilde Zockerei. Zum Beispiel sah man das ganz gut beim insolventen Autovermieter „Hertz“, dessen Aktienkurs massiv anstieg. Völlig irrational, was viele Beobachter auf Kleinst-Spekulanten zurückführten, die womöglich den günstigen Börsenkurs sahen, und mal eben schnell den Kurs hochgepusht hatten.

Wie genau kann man Rückschlüsse ziehen, wie sehr das Tradingvolumen der Privatkunden an den US-Börsen zugenommen hat? Da gibt es aktuell eine Analysemethode, auf die man wirklich nicht kommen würde. Das Portal Axios hat aktuell Analysen der Firma „The Block“ veröffentlicht. Privatkunden-Broker wie Robinhood leiten die Orders ihrer Kunden an Broker wie Virtu und Citadel weiter. Diese Handelsfirmen sollen enorm viel Geld verdienen an den Geld-Brief-Spannen, so dass sie bereit sein sollen, Millionen von Dollars an Robinhood und Co zu zahlen, damit man deren Kundenorders abwickeln darf. Diese Praxis ist als Zahlung für den Auftragsfluss oder PFOF bekannt.

Aufgrund einer seit diesem Jahr in Kraft getretenen Regel der Aufsichtsbehörde SEC ist öffentlich zugänglich, wie viel solcher Zahlungen zurückfließen an die Privatkunden-Broker. Die drei Großen erhielten im Januar 99 Millionen Dollar, im März waren es schon 164 Millionen Dollar. Im April ging es weiter nach oben auf 175 Millionen Dollar, und im Juni sogar auf 258 Millionen Dollar. 57 Prozent der Summe kam zustande durch Orders für Optionen, der Rest für Aktien-Orders. Für die Monate März-Juni erhielt Robinhood 139 Millionen Dollar, TD Ameritrade 226 Millionen Dollar. Von Januar 99 Millionen Dollar auf 258 Millionen Dollar im Juni, das ist schon mal ein kräftiger Anstieg des Volumens.



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