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Commerzbank mit Jahresprognose Rohstoffe mit steigenden Preisen in 2023? Nach Goldman jetzt CoBa

Gestern Goldman, heute die Commerzbank. Rohstoffe sollen in 2023 steigende Preise sehen. Hier ein Blick auf die Begründungen.

Rohstoffe werden in großem Stil abgebaut

Gestern berichteten wir über die 2023-Prognose von Goldman Sachs. Rohstoffe als Anlageklasse sollen demnach nächstes Jahr eine gute Anlageidee sein mit 43 % Gewinnaussicht. Goldman untermauert seine Prognose vor allem mit dem Argument der Angebotsknappheit. Denn obwohl die Rohstoffpreise in 2022 deutlich stiegen, hätten die Anbieter ihre Kapazitäten nicht ausgeweitet. Von daher stehe der Weltmarkt nächstes Jahr vor einer Knappheit. Folgt man dieser Argumentation, kann man steigende Preise erwarten.

Preise für Rohstoffe sollen 2023 steigen – mehr Nachfrage + Angebotsrisiken

Heute nun haben die Ökonomen der Commerzbank ihre Aussicht für das Jahr 2023 für den Bereich Rohstoffe veröffentlicht. Auch sie sehen steigende Preise. Sie argumentieren aber nicht strikt mit der Angebotsknappheit. Sie formulieren es in ihrer Headline-Aussage so: „Wir gehen davon aus, dass das kommende Jahr nun aber im Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung und damit wieder steigender Preise stehen wird, zumal die Angebotsrisiken fortbestehen.“

An dieser Stelle zeigen wir auszugsweise Aussagen der Commerzbank (CoBa) aus ihrer heutigen Jahresprognose für einzelne Rohstoffe. Das erste Halbjahr 2023 dürfte noch herausfordernd bleiben. Schließlich stehen sowohl in den USA als auch im Euroraum eine Rezession bevor. Auch die Erholung der chinesischen Wirtschaft nach einer Abkehr von der Null-Covid-Strategie dürfte allenfalls holprig verlaufen, so die CoBa. Man geht davon aus, dass es erst ab Mitte des nächsten Jahres für die globale Konjunktur wie auch die Preise für Rohstoffe sichtbar aufwärts gehen wird. Nachdem die großen Zentralbanken dann auch ihren Zinshochpunkt erreicht haben sollten, dürften zunehmend Spekulationen hinsichtlich einer ersten Zinssenkung seitens der US-Notenbank aufkommen, was laut CoBa für weiteren Rückenwind sorgen sollte, nicht zuletzt, da auch der US-Dollar dann merklich abwerten sollte.

Öl

Bei der CoBA ist man überzeugt, dass die Ölpreise bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres wieder stark anziehen werden, denn die Lage am Ölmarkt dürfte sich deutlich anspannen. Maßgeblich sei das EU-Embargo für russisches Öl. Seit dem 5. Dezember gilt es bereits für seewärtig transportiertes Rohöl, ab dem 5. Februar 2023 für Ölprodukte. Das Rohöl, das noch immer gut 11% bezogen auf die EU-Rohölimporte insgesamt ausmacht, müsse nun also anderweitig bezogen werden. Hinzu komme der ebenfalls seit dem 5. Dezember geltende Ölpreisdeckel von 60 USD je Barrel für russisches Öl. Er verbietet es Reedereien der EU, russisches Rohöl zu transportieren, sofern es nicht diesem Preisdeckel unterliegt.

Bislang zeichnet sich laut CoBa für diese Verluste keine „Kompensation“ ab. Im Gegenteil: Die OPEC+ hat formal ihr Produktionsziel bis Ende 2023 um 2 Mio. Barrel pro Tag reduziert, wobei einzuräumen ist, dass die effektive Kürzung laut IEA im November mit rund 500 Tsd. Barrel pro Tag deutlich niedriger war. Dem geringeren Angebot steht laut CoBa aber ein steigender Verbrauch gegenüber. Kurzfristig werde zwar im Winter wegen saisonaler Faktoren mit einem leichten Rücksetzer gerechnet. Aber mittelfristig steigt die Nachfrage in den Nicht-OECD Ländern so stark, dass die aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche stotternde Nachfrage in den Industrieländern überkompensiert wird. In Zahlen: Ende 2023 soll die globale Ölnachfrage gut 2,5 Mio. Barrel pro Tag höher liegen als aktuell.

Gold

Die CoBa erwartet, dass der Goldpreis zunächst noch einmal Richtung 1.750 USD je Feinunze zurückfällt, bis klar ist, dass der Zinserhöhungszyklus der Fed zu Ende ist. Der Markt sieht den Zinsgipfel laut Fed Fund Futures noch bei etwas unter 5%. Kurzfristig besteht bei den Zinserwartungen somit Anpassungsbedarf nach oben, was Gold belasten dürfte. Nach der voraussichtlich letzten Zinserhöhung im März 2023 dürfte eine Phase unveränderter Zinsen folgen, ehe die Fed gegen Ende 2023 angesichts einer schwachen Konjunktur und einer niedrigeren Inflation den Leitzins wieder senken dürfte. Die Fed prognostiziert dies aktuell hingegen noch nicht. Sobald sich auch die Fed dieser Sichtweise anschließt, sollte der Goldpreis laut CoBa wieder steigen.

Dies dürfte im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres der Fall sein, weil dann die Inflation weit genug abgesunken ist und die US-Wirtschaft seit Jahresbeginn in einer Rezession ist. Unterstützt werden dürfte der Goldpreis auch durch die von den Währungsstrategen der CoBa erwartete Abschwächung des US-Dollar. Dieser dürfte aufgrund des sich ändernden Zinsausblicks einen Teil seiner vorherigen Stärke wieder abgeben, wie dies bereits im November zu sehen war. Die ETF-Anleger und auch die spekulativen Finanzanleger dürften in den Markt zurückkehren, wenn der Gegenwind durch Wechselkurs- und Zinsentwicklung in Rückenwind umschlägt. Die CoBa rechnet daher in der zweiten Jahreshälfte mit einem Preisanstieg auf 1.850 USD bis zum Jahresende 2023.

Industriemetalle

Die Experten der Commerzbank bezeichnen China als den mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt für Industriemetalle. Ab Mitte nächsten Jahres dürfte die dortige Nachfrage (nach den Corona-Problemen) ihrer Aussage nach sichtbar anziehen, was den Industriemetallpreisen Rückenwind verleihen sollte. Auf der Angebotsseite sei das Bild etwas uneinheitlicher. Dieses Jahr wurde vor allem von Knappheitssorgen gezeichnet, einerseits aufgrund freiwilliger Boykotte gegen Metalle aus Russland, die u.a. zu einem kräftigen Anstieg der physischen Kupferprämien für Abnehmer in Europa geführt haben. Auch namhafte Unternehmen aus den USA sowie Norwegen hatten angekündigt, kein Aluminium aus Russland mehr zu importieren. Andererseits belasteten Produktionsausfälle aufgrund der deutlich gestiegenen Energiekosten. Dies dürfte laut CoBa das Abwärtspotenzial der meisten Metalle begrenzt haben. Kommendes Jahr sollte sich die Angebotslage aber zumindest etwas entspannen.



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2 Kommentare

  1. Was bleibt, ist, daß Angebot und Nachfrage den Ölpreis bestimmen.

  2. Ja, die edlen Rohstoffe werden sogar knapp.

    Münze Österreich: „Wir könnten dreimal mehr Gold verkaufen“ – Goldreporter

    https://www.goldreporter.de/muenze-oesterreich-wir-koennten-dreimal-mehr-gold-verkaufen/news/110478/

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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