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Russland mit noch weiter fallenden Zinsen? Die Rubel-Abwertung wird aber blockiert…

Gibt es da eine Zeitenwende? Anscheinend ist Russlands Notenbankpräsidentin Elvira Nabiullina jetzt darauf aus ausländische Investoren ins Land zu locken und die Wirtschaft…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gibt es da eine Zeitenwende? Anscheinend ist Russlands Notenbankpräsidentin Elvira Nabiullina jetzt darauf aus ausländische Investoren ins Land zu locken und die Wirtschaft anzukurbeln. Nicht nur, dass letzten Freitag der russische Leitzins von 11% auf 10,5% abgesenkt wurde. Damit liegt der Leitzins jetzt genau da, wo er vor der dramatischen Anhebung auf 17% Ende 2014 war um einen totalen Kollaps des Rubel zu vermeiden. Nabiullina stellt aktuell öffentlichkeitswirksam beim Wirtschafts-TV Nr.1 in den USA „CNBC“ weitere Zinssenkungen in Aussicht. Auch sehe man verbesserte Erwartungen ausländischer Investoren für die russische Wirtschaft, für Investitionen in Russland und die hiesigen Aktien. Aktuell sei die Zinssenkung möglich gewesen wg. der im dritten Monat nacheinander konstant gebliebenen Inflation bei 7,3%. Die Luft für weitere Zinssenkungen sei da, und natürlich gehe es nicht um einen Abwertungskrieg, Zitat:

„The potential for a further reduction of interest rates is there, because if you take a look at our nominal and real rates, they are fairly high right now,“ Nabiullina told CNBC. She added that she was not worried by the possibility of an international „currency war,“ despite concerns raised by economists and politicians over the last few years that countries were competing to debase their currencies, partly in a bid to make exports more competitive. „I see very little risk of any serious currency wars breaking out. I think that many central banks and financial authorities understand that any long-term attempt to compete through an artificial depreciation of their currency (would not) be very effective in the long term,“ she said.

Die Hinwendung zur Ankurbelung der Wirtschaft, das kann man schon als eine Zeitenwende der Notenbank ansehen. Offiziell geht es nur um die Inflation, die im Griff ist, aber Nabiullina´s umfassende Kommentare zu ausländischen Investitionen sollen doch wohl heißen: Wir senken die Zinsen, kommt zu uns. Ein Problem hat die russische Notenbank da leider: Jetzt wo man unausgesprochen versucht die Wirtschaft mit einem schwächeren Rubel anzkurbeln, unterstützt der seit Monaten kräftig gestiegene Ölpreis einen Rubel, der nicht fallen will. Der US-Dollar fällt hingegen seit Monaten eher gegen den Rubel (orange).

Gibt es eine Zeitenwende in Russland? Mehrere weitere Zinsschritte zum „Auflockern“?

USDRUB Oil
USDRUB (orange) vs Öl (schwarz) seit Ende 2015.

Offiziell ist viel von Inflation die Rede. Die sei unter Kontrolle, daher die Zinssenkung und die Aussicht auf weitere Schritte. Hier der Originaltext der russischen Zentralbank von der Zinssenkung letzten Freitag:


In making its key rate decision, the Bank of Russia Board of Directors has proceeded from the following factors.

First. There is more confidence in steadily positive trends in the inflation dynamics. Consumer prices grew less than predicted. The annual inflation has stabilised at 7.3% and the annualised monthly inflation, seasonally adjusted, is about 5%. Economic activity indicators improve along with ongoing low consumer demand and a high rate of savings without creating upward pressure on consumer prices. Inflation expectations of households and businesses continue to decrease. The situation in the global commodity markets was more favourable than expected and contributed to the inflation slowdown through the ruble exchange rate and food price movements (these factors’ influence is temporary and is subject to decrease, which is considered in the inflation forecast). The administered prices and tariffs will be adjusted in July in compliance with the stated plans, but to a lesser extent than a year ago. Consumer price growth rates will keep on going down further, primarily influenced by the demand-side restraints. The Bank of Russia marked down its inflation forecast for the end of 2016, to 5-6%. Considering the decision just made and retaining the current monetary policy stance, the annual inflation will be less than 5% in May 2017 to reach the 4% target in late 2017.

Second. Positive trends in the economy are not accompanied by a higher inflationary pressure. The figures of the GDP dynamics in 2016 Q1 and macroeconomic indicators for April confirm greater sustainability of the Russian economy to oil price fluctuations. Import substitution and non-commodity exports continue to expand and additional growth areas in manufacturing are taking shape. However, the changes in economic dynamics vary across the industries and regions. Investments continue to show a downward trend and a wide range of industries experience stagnation, including those that have traditionally been the sources of growth for the Russian economy. Yet positive shifts in the economy anticipate the beginning of its growth recovery. Quarterly GDP growth is expected no later than 2016 H2. The forecast predicts a GDP increase of 1.3% in 2017 and annual growth rate for output of goods and services remaining low in the following years. The forecast is based on a fairly conservative estimate of the annual average oil price, which is approximately $40 per barrel over the three-year horizon.

Third. Monetary conditions will still be moderately tight, despite a slight easing due to the lowering banking sector liquidity deficit. Real interest rates in the economy (adjusted for inflation expectations) will remain at the level that encourages savings and allows for demand for loans that does not cause an increase in inflationary pressure. In order to ensure operational control over the level and structure of market interest rates in the context of the emerging transition to the banking sector liquidity surplus, the Bank of Russia is ready to take a set of measures designed to mop up liquidity.

Fourth. The risks that inflation will not reach the target of 4% in 2017 declined, but still remain at a heightened level. This primarily stems from inflation expectation inertness, the lack of mid-term budget consolidation strategy and the uncertainty in the parameters of future indexation of wages and pensions. Volatility in the global commodity and financial markets also might have a negative impact on the exchange rate and inflation expectations. The materialisation of these risks might cause a slowdown in the inflation reduction.

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Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

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Türkische Lira steigt weiter – Zinsen und US-Dollar helfen

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira steigt dieser Tage immer weiter an. Zuletzt berichteten wir am Montag über die weiter steigende Inflation in der Türkei. Sie stieg von November auf Dezember von 14,03 Prozent auf 14,60 Prozent. Dennoch blieb die Lira robust. Und sie steigt bis heute weiter an. Dies liegt an der offenbar nachhaltigen Wirkung der letzten Zinsanhebung der türkischen Zentralbank vom 24. Dezember 2020. Insgesamt stieg der Leitzins in der Türkei seit dem 19. November von 10,25 Prozent auf satte 17 Prozent. Damit liegt er nun spürbar über der Inflationsrate.

Folglich werden Geldanlagen in der Türkei für ausländische Anleger wieder attraktiver. Und aktuelle Berichte zeigen, dass wirklich wieder Geld in die Türkei fließt. Dies stärkt natürlich die türkische Lira. Es gab im November und Dezember von ausländischen Finanzinstitutionen einen Zufluss in türkische Aktien und Anleihen in Höhe von 3,9 Milliarden Dollar.

Türkische Lira wertet seit November auf

Auch muss man sehen, dass der US-Dollar seit einiger Zeit klar im Abwärtstrend ist, auch wenn er sich heute etwas erholen kann. Die Dollar-Schwäche und die kräftige Zinsanhebung in der Türkei helfen derzeit dabei die türkische Lira nach oben zu pushen. Seit November hat der US-Dollar gegen die türkische Lira verloren von 8,57 bis auf 7,23 heute früh (aktuell 7,32). Wie gesagt, ganz aktuell steigt der Dollar-Index – also eine eigenständige Dollar-Stärke, welche die Lira schwächt. Aber die große Bewegung seit zwei Monaten zeigt klar eine Lira-Stärke! Jetzt kann man, wenn man denn auf eine weiter steigende türkische Lira setzt, nur noch hoffen, dass Präsident Erdogan nicht nach einigen Wochen wieder auf Zinssenkungen drängt, und dass der Leitzins weiter hoch bleibt – damit die Lira-Aufwertung sich verfestigen kann.

Im ganz großen Bild (Chart USDTRY seit dem Jahr 2011), da erkennt man wie desaströs die Abwertung für die türkische Lira in den letzten Jahren war. Denn vor zehn Jahren musste man für 1 Dollar weniger als 2 Lira aufbringen – heute sind es wie gesagt 7,32 Lira. Die aktuelle Aufwertung der türkischen Währung sieht man im Chart nur ganz am Ende als noch überschaubaren Rückfall im USDTRY.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar gegen türkische Lira seit 2011

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Goldpreis und US-Dollar: Wette auf Senatssieg für Demokraten

Claudio Kummerfeld

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Gold mit US-Adler und US-Dollar

Der US-Dollar fällt aktuell weiter nach unten, der Goldpreis steigt weiter an. Im Chart sehen wir seit dem 28. Dezember den steigenden Goldpreis gegen den fallenden US-Dollar in Form des Dollar-Index. Gold steigt seit Silvester bis jetzt auf einen neuen Höchststand von 1.955 Dollar. Der Dollar-Index notiert mit einem Indexstand von 89,29 Punkten auf den tiefsten Niveau seit April 2018. Seit gestern ist er erneut ein Stück abgerutscht.

Goldpreis und US-Dollar mit Blick auf Wahl in Georgia

Daraus kann man ablesen, dass die Spekulanten derzeit an einen Wahlsieg der Demokraten in Georgia glauben (hier der aktuelle Kommentar von Markus Fugmann), womit die Sitze im Senat in Washington DC exakt gleich aufgeteilt würden, wodurch wiederum die neue Vizepräsidentin Harris den Ausschlag geben würde. Damit könnte Joe Biden in der Theorie durchregieren, auch wenn die Mehrheit nur hauchdünn ist. Noch ist die Wahl nicht entschieden, aber die Tendenzen deuten auf einen Sieg der Demokraten hin! Dieses Szenario zeigt eine weitere kräftige Staatsverschuldung für die USA.

Dies würde weiter schwächend auf den US-Dollar wirken, und somit stärkend auf alles, was in US-Dollar gehandelt wird – somit also auch für den Goldpreis. Das Edelmetall könnte auch im Sinne des „Fluchthafens“ vor Inflation dann wieder attraktiver werden, weil die Inflation in den USA zunehmen könnte – denn die Fed will bei steigenden Preisen erstmal nicht eingreifen.

Aber der Wahlausgang in Georgia ist auf der Kippe. Sollte eine der beiden Stimmen doch den Republikanern zufallen, könnte der US-Dollar womöglich plötzlich ansteigen, und der Goldpreis zurückfallen. Also, wir müssen heute im Tagesverlauf genau auf das Ergebnis aus Georgia schauen, wenn es denn heute schon verkündet werden kann.

Chart zeigt Verlauf im Goldpreis gegen den US-Dollar

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