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Europa

Russlands Absturz – und ein böses Dilemma

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Es sieht nicht wirklich gut aus für die Wirtschaft Russlands! Wie heute die nationale Statistikbehörde auf ihrer Webseite meldete, schrumpfte das BIP des Landes in 2015 um 3,7%. Das ist etwas weniger als befürchtet – die Progosen lagen bei -3,8%. Aber es ist schlimm genug, vor allem wenn man sich andere Daten ansieht:

Die Umsätze der Einzelhändler fielen um 10,0%, die Anlageinvestitionen um 8,4%, die verfügbaren Einkommen der Russen gingen im letzten Jahr um 4,0% zurück. Es ist vor allem die heftige Inflation von gut 15%, die den russischen Konsumenten schwer zu schaffen macht. Und wenn der Rubel sich nicht stabilisieren sollte, wird die Inflation weiter steigen, weil die von der russischen Wirtschaft so dringend benötigten Importe immer teurer werden (in Rubel gerechnet).

Und das ist, wie auch Putin erkannt hat, das Hauptproblem. Während fast überall deflationäre Tendenzen herrschen, muß Rusland gegen eine Inflation kämpfen – und kann diesen Kampf eigentlich nicht gewinnen. Am Freitag tagt die russische Notenbank – und sie steht vor einem bösen Dilemma. Das zeigt schon ein Blick auf den Rubel, der in den letzten Monaten massiv unter Druck gekommen ist im Gefolge des sinkenden Ölpreises:

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In den letzten drei Monaten hat der Rubel 20% an Wert verloren – und damit mehr als etwa der so hoch geschätzte argentische Peso. Der Rubel ist von allen Schwellenländer-Währungen damit am stärksten gefallen, wodurch die Inflation weiter anziehen wird. Normalerweise müßte die Notenbank am Freitag eigentlich gegensteuern und den Rubel etwa durch weitere Zinsanhebungen stabilisieren helfen (schon um die Kapitalflucht einzudämmen). Aber damit würde sie die angeschlagene Wirtschaft weiter strangulieren, denn die ohnehin enorm hohen Kreditkosten für Russlands Unternehmen würden somit noch weiter steigen (derzeit liegt der Leitzins bei 11%, aber weil die Banken zurecht mit steigenden Inflationsraten rechnen, liegen die realen Kreditzinsen für russische Unternehmen und Konsumenten deutlich darüber).

Und wirklich geschickt agiert Russlands Notenbank ohnehin nicht. Nachdem letzte Woche der Rubel scharf unter Druck geriet, erklärte man auf der Webseite, dass der Fall zum US-Dollar schon irgendwie gerechtfertigt sei. Ein Tag später dann das Dementi durch die Notenbankchefin Nabiullina – man werde notfalls, so die Botschaft, intervenieren, um die „exzessive Volatilität“ des Rubel zu stoppen. Vermutlich hat der Kreml ein bißchen nachgeholfen bei dieser Aussage Nabiullinas – denn der freie Fall des Rubel ist schlecht für den Zaren Putin, dem man ja jedes Wunder zutraut in Russland – aber der es doch nicht schafft offenkundig, den Kollaps der eigenen Währung zu verhindern.

Und Russland braucht dringend Geld, schon weil der Syrien-Krieg kostspielig ist. Budgetkürzungen hellen da die Stimmung nicht wirklich auf – das einzige, was jetzt helfen würde, wäre ein nachhaltig steigender Ölpreis. Und auf den hat, das hat sich letzte Woche gezeigt, Mario Draghi deutlich mehr Einfluß als etwa Putin..

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    tre

    25. Januar 2016 14:16 at 14:16

    „das einzige, was jetzt helfen würde, wäre ein nachhaltig steigender Ölpreis. Und auf den hat, das hat sich letzte Woche gezeigt, Mario Draghi deutlich mehr Einfluß als etwa Putin..“

    Auf Papier ja. aber am Ende gewinnt der, der den Gashahn steuert. Papiergewinn ist bedeutungslos wenn der Ar**h friert.

  2. Avatar

    NWO-Troll

    25. Januar 2016 20:37 at 20:37

    und wenn ich den Begriff „Zaren Putin“ schon lese, weiß ich, mit wessen geistigen Kind ich es hier zu tun habe. Also FMW-Redaktion, Putin ist ein demokratisch gewählter Staats-Präsident in einem souveränen Staat, und nichts anderes. Von so einem souveränen Präsidenten können so mache westliche Staats-Präsidenten nur neidisch nach Osten schauen. Wenn man überhaupt noch von „Staaten“ in diesem Westen sprechen kann.

    • Avatar

      Fh

      26. Januar 2016 00:04 at 00:04

      Gh

    • Avatar

      joah

      26. Januar 2016 00:24 at 00:24

      Bei den ersten beiden Sätzen war wohl eher Ihr eigens vergebener Nickname der Vater des Gedankens.

  3. Avatar

    Yoxili

    26. Januar 2016 10:45 at 10:45

    Mr. Putin ist in seinem Land genau dass was die Familie Saud in Saudi-Arabien ist. Beide beziehen Ihre Macht aus dem Öl (Öl-Preis>ca.55$) je höher der Preis desto Mächtiger und umgekehrt. Der einzige Unterschied ist Mr. Putin hat eine Ausstrahlung die Fa. Saud die Religion um die Menschen zu täuschen. Aber vom Wirtschaftlichem, Ökologischem, Humanistischem und Demokratischem GRUND-Verständnis (Gewaltenteilung) ist Meilen weiter nicht’s zu sehen.

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone Dezember: Fünfter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Geldmünzen mit Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in der Eurozone wurden soeben für den Monat Dezember als Erstmeldung von Eurostat veröffentlicht. Sie sind um 0,3 Prozent rückläufig. Damit sehen wir auf europäischer Ebene nun den fünften Monat in Folge deflationäre Preise! Wie gestern auch in Deutschland, so sehen wir im Eurozonen-Gesamtschnitt heute auch eine kleinere Preissteigerung bei Lebensmitteln als in den Vormonaten. Jetzt sind es nur noch +1,4 Prozent, nach vorher +1,9 Prozent, 2,0 Prozent usw. Dies sorgt zusammen mit -6,9 Prozent bei den Energiepreisen für einen negativen Gesamtschnitt.

Details der Verbraucherpreise im Dezember

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