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Sahra Wagenknecht über „stabile Altersarmut“ und inhaltsleeren Wahlkampf

Sahra Wagenknecht über den inhaltsleeren Wahlkampf und Altersarmut

Wie viele Beobachter sieht auch Sahra Wagenknecht den aktuellen Wahlkampf als inhaltsleer. Da wird vieles verprochen nach dem Motto „wir wollen..“. Es wird aber selten gesagt, wie das passieren soll – und wer das bezahlt.

Etwa der Ausstieg aus der Kohle – aber selten gesagt, was dann als Alternative wirklich funktionieren würde bzw. wie all das finanziert werden soll. Das gilt besonders in Sachen Klimawandel – alle wollen ihn stoppen, sagen aber nicht, wie dann der notwendige Strom erzeugt werden soll (siehe dazu das Video „Die Energiekrise ist da – und keiner spricht darüber!„).

Sahra Wagenknecht: „dann steigen alle in die Buss ein, die nicht fahren“

Sahra Wagenknecht analysiert den aktuellen, wie sie meint, inhaltsleeren Wahlkampf und die nie enden wollenden Trielle. Eines scheint klar: es gibt viele Versprechungen, aber kaum Konkretes. Eines ist aber sicher: vor allem Energie wird teurer – und das trifft vorwiegend Menschen mit kleineren Einkommen. Sahra Wagenknecht moniert daher aus unserer Sicht zurecht, dass die einzige Lösung zur Bekämpfung des Klimawandels durch die Politik bislang darin besteht, diese Energie durch die CO2-Abgabe immer teurer zu machen.

Dann steigen alle – so stellt sich das vor allem Frau Baerbock vor – in Busse ein, die aber faktisch gar nicht fahren und nie fahren werden: „Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr ausbauen“, so Baerbock mantraartig – aber wie konkret soll das aussehen? Auf dem Land ist das Auto leider alternativlos mangels öffentlichen Nahverkehrs, und das wird sich auch durch hohle Versprechen nicht ändern.

Oder Olaf Scholz, der im mWahlkampf immer wieder von der angeblich stabilen Rente fabuliert – die ist derart stabil, dass sie im Jahr 2020 mit 75 Milliarden Euro aus Steuergeldern stabilisiert werden musste (siehe dazu „Rentenversicherung: Olaf Scholz mit Skandalaussagen„). Sahra Wagenknecht spricht daher zutreffend von „stabiler Altersarmut“ in Deutschland – vor allem mit Blick auf Nachbarländer wie Österreich, die deutlich höhere Renten zahlen und wirtschaftlich nicht schlechter dastehen als wir Deutschen.

Sahra Wagenknecht – gute Analysen, fragwürdige Lösungen

Sahra Wagenknecht ist fraglos intelligent und kompetent – sie ist gerade was den Finanz-Sektor betrifft einer der wenigen aus der politischen Kaste, die man hier ernst nehmen kann und muß. Aber so brilliant und richtig ihre Analysen des Bestehenden sind, umso problematischer sind meist die Lösungsvorschläge, wie sie die Linke vertritt: so etwa ein Spitzensteuersatz von 53% bei zu versteuernden Einkommen bereits ab 70.000 Euro (was lange nicht hinreicht, um in einer deutschen Großstadt einigermaßen leben zu können angesichts der horrenden Mieten bzw. Kaufpreise für Immobilien).

Das Motto der Linken lautet stets: Umverteilung. Besser es geht allen gleich schlecht – als dass es einigen besser ginge als anderen (eben weil die auch häufig mehr dafür tun, dass es ihnen besser geht). Investitionen würden durch vielerlei steuerliche Hürden jedenfalls deutlich erschwert, die Wirtschaft massiv leiden.

Aber sei´s drum – hören wir die klugen Aussagen und Analysen zur derzeitigen Misere von Sahra Wagenknecht:



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9 Kommentare

  1. Wie halten Sie Frau Wagenknecht, das neben Leuten wie Fr. Hennig-Welsow überhaupt aus?

  2. Sehr geehrte Frau Wagenknecht, jedes Volk bekommt die Regierung die es verdient hat.
    Wenn nur die Menschen zur Urne schreiten dürften, die einen Test bestanden haben, den ein Ausländer bestehn muss, wenn er eingebürgert werden möchte, dann sähe es ab Oktober anders aus in Deutschland. Vor allen Dingen würden Politiker und Parteien abgestraft, die eine weitere Verelendung ganzer Bevölkerungsgruppen
    (bzw. fasst aller
    Bevölkerungsgruppen) auf den Fahnen stehen hatte und auch weiter stehen hat.

    Viele Grüße
    Helmut

  3. Sehr geehrte Frau Dr. Wagenknecht,
    immer wieder wird Ihr Kanal von Youtubern verlinkt, die mit allem zu tun haben, nur nichts mit üblichen linken Ansichten.
    Immer wieder höre ich Ihnen dann zu.
    Und immer wieder fällt mir auf, dass ich keine sich derzeit öffentlich äußernde Politikerin nennen kann, die sich derart reflektiert, kenntnisreich und realitätsbezogen äußert wie Sie das tun!
    Hätten wir ein anderes Wahlsystem, mittels dessen ich Sie als Person wählen könnte, wäre ich als früherer CDU-Wähler mit Ihnen mehr als zufrieden (und in Düsseldorf wohne ich nun mal nicht).
    Natürlich, man kann nicht alles haben, aber die Grenze ist eben deutlich überschritten, wenn durch die Wahl der Linken derart respektlose und unfähige Kolleginnen zum Zuge kommen könnten, wie z.B. Frau Hennig-Welsow. So, wie die AfD sich von ihrem rechten Flügel trennen müsste, um wählbar zu sein, müsste die Linke sich eben auch mit Personen aufstellen, die ein Mindestmaß an demokratisch-menschlichem Respekt und Sachkenntnis an den Tag legen.
    Trotz allem freue ich mich auf Ihr nächstes Video und bin sehr gespannt auf Ihren Kommentar zum Ausgang der Wahl nächste Woche!
    Viele Grüße aus Wuppertal,
    Thomas Höfling

  4. Endlich spricht jemand Klartext. Nicht nur ist die Analyse der (heutigen) Situation zutreffend und fundiert, es wird auch niemand verschont. Auch konservativ- liberale Ideen werden einer gnadenlos- hegelischen Prüfung unter- zogen. Besonders philosophisch gedacht, Kap. 7, „Das Märchen vom Rechten Zeitgeist“ wo mir der Satz aufgefallen ist: „Diese Erklärung ist im linksliberalen Lager beliebt, weil sie jede Mitverantwortung für die Wahlerfolge der Rechten ausschliesst und darauf hinausläuft, dass man diese Wähler getrost rechts liegen lassen kann.“ Doch wünsche ich mir auch ebenso viel Sorgfalt und Liebe beim Ansatz zur Lösung solcher Probleme wie bei der brillanten Analyse von Frau Wagenknecht. L G Urs Brunner

  5. Wer meint ,daß Wahlen etwas ändern würden,der hat 1. das System nicht verstanden und 2. wären Wahlen dann verboten. Meiner Meinung nach ist der grösste Vorteil einer wahlbasierten Demokratie die systeminhärent
    organisierte Verantwortungslosigkeit und die daraus direkt resultierende Praxis des Turmbau zu Babel !

    Gipfel der Verhönung ist dieses Bild.

    https://www.knut-fleckenstein.eu/fileadmin/media/eu/20170119_EP-047334A_MCH_103.jpg

  6. @Markus Fugmann
    Ich finde es immer schade, etwas unseriös und ziemlich verzerrend, wenn man sich eine einzige Zahl herauspickt und diese dann mit irgendwelchen Extremen, die einen relativ geringen Bevölkerungsanteil betreffen (70.000 EUR zu versteuerndes Einkommen, Mieten in deutschen Großstädten) in Relation setzt. Noch dazu, wo längst nicht alle Bezirke einer Großstadt von den Mietpreisextremen der Trendbezirke betroffen sind.

    Der Einkommensmedian in Deutschland beträgt etwa 43.000 EUR brutto, das zu versteuerndes Einkommen liegt entsprechend deutlich darunter (etwa 34.500 EUR bei Angestellten). Hier befinden wir uns also bei der Hälfte des Betrages, den Sie als kaum ausreichend bezeichnen!!! Je nach Standort, speziell in den Großstädten, liegt der Median gerne mal 10.000 EUR und mehr darüber, was also die höheren Lebenshaltungskosten zumindest teilweise kompensiert (Hamburg, München, Stuttgart etwa 54.000,-). Dennoch müssen auch schon heute 80 bis 85% Bürger mit wesentlich weniger Geld als den 70.000,- auskommen, auch in Großstädten.

    Wenn also 70.000 „lange nicht hinreicht, um in einer deutschen Großstadt einigermaßen leben zu können“, was sollen dann die 80 bis 85% sagen, die so prekär schon heute leben müssen?! Der geplante Spitzensteuersatz der LINKEN betrifft etwa die oberen 15 bis 20%, während der überwiegende Großteil der Bürger von den Steuerplänen profitieren würde. Sogar ein Ehepaar ohne Kinder mit einem Bruttohaushaltseinkommen von 10.000 Euro im Monat hätte noch 3.515 Euro netto mehr im Jahr zu Verfügung:

    https://www.die-linke.de/themen/steuern/gerechte-einkommensteuern/

    „DIE LINKE will, dass der Spitzensteuersatz erst ab 76.000 Euro brutto pro Jahr gilt. Das entspricht einem zu versteuernden Einkommen von 70.000 Euro im Jahr. Derzeit gilt der Spitzensteuersatz schon für zu versteuernde Einkommen ab 58.596 Euro im Jahr und trifft auch mittlere Einkommen.“

    Hmmm, Herr Fugmann, Sie schreiben: „Umverteilung. Besser es geht allen gleich schlecht – als dass es einigen besser ginge als anderen“. Das passt nicht so recht zu den Fakten bei bis zu 5.000,- EUR netto mehr im Jahr für einen überwiegenden Teil der Bevölkerung.

    1. @Toni, ich kann nur sagen, dass man etwa in Hamburg mit einem Einkommen von 70.000 Euro pro Jahr nicht gerade luxuriös leben kann. Für eine Familie sind schon etwa die Mietkosten pro Jahr mindestens bei ca. 15.000 bis 20.000 Euro..und die angesprochenen 70.000 sind ja brutto

  7. Viele regen sich doch grässlich über das undemokratische Russland auf. Hat denn irgendein Bürger bei der Wahl von Van der Leyen oder Lagarde eine Mitbestimmung gehabt.Armes Europa ,das trotz der fast doppelten Einwohnerzahl immer noch am Rockzipfel der Untergangs-Weltmacht hängt.Die EU ist nur noch mit dem Duo Krall und Wagenknecht zu retten.Die glücklichsten Länder in der EU sind noch Griechenland und Italien, wohlgemerkt die grössten Schuldner. Wenn der Druckerfan Fratzscher Karriere macht wird es Ihnen noch besser gehen und sie werden als Vorzeigeobjekte der EU dastehen.

  8. Sehr geehrte Frau Dr. Wagenknecht,

    vielen Dank für ihre sachlichen und faktenbasierten Analysen. Sie haben aus meiner Sicht fundamentale Probleme unserer demokratischen Gesellschaft erkannt und prangern das an mit der Energie und Kraft einer
    Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Sophie Scholl. Dafür gebührt Ihnen Respekt und Achtung.
    Die aktuelle Parteienlandschaft hat weder Ideen noch Visonen. Es sind ideenlose an Macht hängende Verwalter und keine kreativen und lebenshungrigen Gestalter.
    Und ein „weiter so“ brauchen wir ebenso wenig wie ein Rückfall in leid- und elendproduzierende Plan- und Mangelwirtschaft. Ich würde mir wünschen, dass Sie sich mit bekannten Ökonomen und deren Lösungsansätzen (z.B. Thomas Piketty) auseiandersetzten und das programatisch ein einer eigenen Partei umsetzen. Da wäre ich auf jeden Fall nicht nur als Wähler dabei !!

    Ganz herzliche Grüße und weiter so !

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