Folgen Sie uns

FMW

Schöne neue Welt

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Wir stecken mitten im größten Umbruch seit der Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Aber während die Industrialisierung viele neue (anfangs miserbael bezahlte) Jobs brachte, bringt die derzeitige Revolution wohl das Gegenteil mit sich: Arbeitsplätze gehen verloren, der Druck zur Computerisierung und Automatisierung nimmt zu – und macht so viele Arbeitsplätze überflüssig.

Studien zeigen, dass die durch die fortschreitende Technisierung, durch das Internet und die Globalisierung mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren dürften, als wir derzeit erwarten: das Transportwesen, die Produktion, aber auch Jobs im Büro und mittlere Managementjobs sind am meisten gefährdet durch diese Revolution, in deren Mitte wir stecken, deren Konsequenzen daher noch nicht absehbar erscheinen. Klar aber ist, dass die Globalisierung deflationäre Wirkungen hat, das Internet sowieso. So können Online-Unternehmen ohne hohe Kosten und ohne viel Personal deutlich günstiger anbieten als die klassischen Einzelhändler, die immer mehr unter Druck kommen (Karstadt ist nur ein Beispiel dafür).

Gleichzeitig haben sich mit dem Internet und der dadurch einsetzenden Globalisierung die Gewichte innerhalb der Gesellschaften verschoben. Es profitieren über die Maßen vor allem jene Personen und Firmen, die im Besitz der zukunftsweisenden Schlüsseltechnologien sind: sie häufen in einem Umfang Kapital an, das die Umverteilung während der Industrialisierung bei weitem übertrifft. Erst jetzt kommen die Thesen von Marx – Akkumulation von Kapital in den Händen von wenigen – wirklich zur Geltung. Seit der Deregulierung der Finanzmärkte, die erst den Globalisierungsschub möglich gemacht hat, besitzen wenige immer mehr, die Mehrheit immer weniger.

Die heutige linke Sicht der Dinge lautet etwa so: die Deregulierung war ein Plan der Vermögenden, um noch mehr Kapital anzusammeln – auf Kosten der Mehrheit. Aber das ist unwahrscheinlich. Vielmehr hat diese durch Deregulierung ermöglichte Globalisierung viele neue Superreiche geschaffen, die es zuvor nicht waren. Der Umbruch geschah nicht nach einem Masterplan, sondern folgte einer zuvor kaum zu kalkulierenden Logik, die wir erst in der Rückschau ansatzweise verstehen.

Nun aber ist eine gefährliche Entwicklung eingetreten. Die Zustimmung zu Demokratie und Kapitalismus war in Deutschland nach dem Krieg vor allem dadurch gewährleistet, als das System ein glaubhaftes Wohlstandsversprechen für alle geben konnte. Die heutige Politikverdrossenheit bis hin zu PEGIDA aber rührt daher, dass dieses Wohlstandsversprechen nicht mehr glaubhaft ist. Die Schere zwischen den extrem Vermögenden und dem Rest ist dafür schlichtweg zu weit auseinander gegangen.

Und sie wird, das zeichnet sich ab, immer weiter auseinander gehen, schon weil viele ihre Jobs verlieren werden, die Besitzer der Schlüsseltechnologien hingegen absehbar immer reicher werden. Geht diese Entwicklung so weiter, werden die Konflikte innerhalb der Gesellschaft immer größer – und die Vermögenden sollten überlegen, wie sie diese Spaltung vermindern können, wenn es nicht zu Unruhen kommen soll. Ein Möglichkeit wäre, allen Menschen ein Grundeinkommen zuzusichern, zu dem die Superreichen beisteuern müssen. Hauptfinanzierer diese Grundeinkommens aber müssten wohl die Notenbanken sein.

Wie aber geht das? Die Staaten nicht nur Europas sind hoffnungslos überschuldet, keine Frage. Aber es zeichnet sich etwas ab, das noch kaum im Bewußtsein der Märkte angekommen ist: dass die Staatsanleihekäufe durch die EZB, die vielleicht schon am 22.Januar auf der nächsten Sitzung besschlossen werden, nur ein Einstieg sind, der Anfang einer Entwicklung. Was dann kommt, dürfte etwa so aussehen: die Notenbanken, allen voran die EZB, kaufen alle Staatsanleihen auf – und annullieren sie dann. Man kauft also die Schulden selbst auf – und streicht sie dann einfach. Wie bei einem Reboot eines Computers. Das ist finanzpolitisch nicht wirklich seriös, aber vielleicht die einzige Möglichkeit, einen Systemkollaps zu vermeiden. Mit den frei gewordenen Mitteln wiederum werden diejenigen alimentiert, die keine Jobs mehr haben. Schöne neue Welt, oder?

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    lümmel

    12. Januar 2015 12:41 at 12:41

    … Arbeitsplätze gehen verloren, der Druck zur Computerisierung und Automatisierung nimmt zu – und macht so viele Arbeitsplätze überflüssig.
    ihre aussage können wir nicht ganz teilen
    maschinen + pc benötigen auch service + wartung, d.h. menschen …
    es ist nur eine verschiebung der arbeitsplätze / ausserdem haben wir fast vollbeschäftigung
    und einen sehr hohen lebensstandard / kreditzins bei fast null (war auch schon lang überfällig) / immobiliennachfrage / weiter steigende aktien. mir sind die reichen menschen wurscht, bin selbst gesund / geld ist nicht alles und im grab hat es keinen platz / der mensch mit seinem neid bringt sich selbst um den verstand -)

  2. Avatar

    Wolfgang Koch

    12. Januar 2015 17:59 at 17:59

    Diese Art der paradiesischen Entschuldung,konnte man schon 2011 dem Buch:Die wirtschaftliche Selbstverteidigung von Roland Klaus,entnehmen!Ist also ein alter Kalauer!Das Ergebnis eines solchen Vorgehens,wäre aber eine Hyperinflation,wie !922/23!Schöne alte Welt,oder?

  3. Avatar

    Emrich

    13. Januar 2015 12:42 at 12:42

    … aber für Amazon Werbung machen!!!

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      14. Januar 2015 08:54 at 08:54

      Nix verstehen, Begriff für Amazon Werbung machen, Kollegin(e)!Ich bitte höflichst um Aufklärung Frau/Herr Emrich!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Warum fallen sie denn? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ja warum fallen sie denn, die Aktienmärkte? Dass die so verwöhnte Wall Street (und auch der Dax) heute unter Druck kommt, hat mehrere Gründe: erstens Zweifel, ob Biden wirklich sein Stimulus-Programm verwirklichen kann. Dann, zweitens, wieder schwache US-Einzelhandelsumsätze – und schließlich die Nachricht, dass Pfizer deutlich weniger Impfstoff in den nächsten Wochen für die EU liefern wird. Im Grunde sind angesichts der absehbaren Verschärfungen der Lockdowns in Europa die Prognosen für ein starkes wirtschaftliches Jahr 2021 schon jetzt obsolet. Aber ein Rücksetzer der Aktienmärkte war ohnehin überfällig, zuletzt fehlte es deutlich an Dynamik auf der Oberseite. Vielleicht spielt auch die Unruhe vor der Amtsübernahme von Biden schon eine Rolle, man fürchtet erneute Ausschreitungen..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Buy the rumor, sell the fact? Videoausblick

Die Aktienmärkte heute morgen leicht schwächer, nachdem Biden seinen Stimulus-Plan vorgstellt hat. Buy the rumor, sell the fact?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte heute morgen leicht schwächer, nachdem der neue US-Präsident Biden seinen Stimulus-Plan vorgestellt hat. Ist die Reaktion auf Bidens Plan das klassische „buy the rumor, sell the fact“-Schema? Man kauft also die Hoffnung, und verkauft dann, wenn die Hoffnung eintritt? Heute dürfte für die Aktienmärkte auch der kleine Verfall eine Rolle spielen, denn der Bestand an Call-Optionen ist gigantisch. Die Fed hat in Gestalt von Jerome Powell klar gestellt, dass die Zinsen nur dann angehoben würden, wenn die Inflation deutlich über 2% schießen würde. Und in Deutschland drohen Verschärfungen des Lockdowns, was den Dax aber bisher nicht wirklich interessiert – obwohl damit die optimistischen Wirtschafts-Prognosen obsolet wären..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Euphorie – aber das ist die größte Gefahr! Marktgeflüster (Video)

Die Aktienmärkte weiter in Euphorie: viele Indizes mit neuen Allzeithochs. Aber da ist eine Gefahr, die die Märkte vielleicht nicht auf dem Zettel haben..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte sind weiter in Euphorie: der Dax, aber auch die viele Indizes der Wall Street heute mit neuen Allzeithochs. Was soll schon schief gehen: die Fed und andere Notenbanken bleiben auf dem Gaspedal, dazu nun noch das erwartete große Stimulus-Paket der neuen US-Regierung unter Biden. Wo also ist das Risiko für die Aktienmärkte, speziell für die über-bullische Wall Street? Das größte Risiko dürfte der neue US-Präsident sein, der zwar viel Stimulus verspricht, aber der eben auch (anders als Trump) einem viel härteren Lockdown auch in den USA den Weg bereiten könnte. Noch härtere Lockdowns nämlich sind der aktuelle Trend schlechthin: Frankreich verhängt eine Ausgangssperre ab 18Uhr, in Deutschland überlegt man gar, den Nah-und Fernverkehr einzustellen aus Sorge um die aggressive Corona-Mutation..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage