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Warum der Schweizer Franken vor einer Aufwertung stehen könnte

Es gibt einige gute Gründe von einer Aufwertung des Schweizer Franken auszugehen. Hier eine Analyse mit einigen Expertenaussagen.

Schweizer Franken

Hat der Schweizer Franken die Chance weiter aufzuwerten? Gut möglich! Schauen wir auf die Ausgangslage: Die Schweiz hat ihren Leitzins in den letzten zwölf Monaten von -0,75 % auf aktuell +1,50 % angehoben. Die Inflation in der Schweiz ist im Mai auf 2,2 % zurückgegangen von 3,4 % im Februar. Bei den Eidgenossen ist also Eitel Sonnenschein, und der Franken wertet auf gegen den Euro (siehe blaue Linie im folgenden Chart seit 2018). Und in orange sehen wir den Anstieg im Leitzins seit letztem Sommer.

Entwicklung von Schweizer Franken und Schweizer Leitzins

Änderung internationaler Geldpolitik – höhere Attraktivität für Schweizer Franken

Die Schweizer Währung könnte neue Käufer anlocken, wenn sich die großen Zentralbanken in anderen Ländern auf die Ankurbelung des Wachstums konzentrieren und ihren Kampf gegen die Inflation aufgeben, so Bloomberg in einer aktuellen Analyse. Händler haben in den letzten Wochen auf den Schweizer Franken gesetzt, was seit September 2021 nicht mehr der Fall gewesen ist – siehe das Ende der folgenden Grafik. Die Verschiebung wurde durch die erwartete Divergenz zwischen der Schweizerischen Nationalbank, die ihre Geldpolitik gestrafft hat, und den Zentralbankern in Europa und China, wo sinkende Wachstumsraten die Erwartungen für eine künftige geldpolitische Lockerung erhöht haben, angeheizt. In den USA erwarten die Märkte unterdessen ebenfalls Zinssenkungen, auch wenn gemischte Wirtschaftsdaten für eine mögliche weitere Straffung durch die Federal Reserve sprechen.

Futures-Trader sind bullisch für den Schweizer Franken

Experte über gute Gründe für Franken-Aufwertung

„Wir erwarten, dass der Schweizer Franken im Einklang mit seinem mehrjährigen Trend aufwerten wird“, sagte Thomas Flury, Leiter des Devisenresearch bei UBS Wealth Management in Zürich. Er geht davon aus, dass die Währung mittel- bis langfristig an Wert gewinnt, da der Preisdruck in der Schweiz gering ist und die Zentralbank „von der Notwendigkeit überzeugt ist, selbst diese kleinen Anzeichen von Inflation zu bekämpfen“. Außerdem „gibt es viel Spielraum für die Rückführung von Geldern, die während der Negativzinsperiode im Ausland geblieben sind.“

Sicherer Hafen in unsicheren Zeiten

Angesichts der sich verschärfenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China bleibt der Schweizer Franken auch ein Zufluchtsort für nervöse Anleger. Wie das Pentagon am Samstag mitteilte, kreuzte ein chinesisches Kriegsschiff den Bug eines amerikanischen Kriegsschiffs in der Straße von Taiwan, während im vergangenen Monat ein chinesischer Jet den Weg eines US-Aufklärungsflugzeugs im internationalen Luftraum über dem Südchinesischen Meer kreuzte. Unabhängig davon meldeten Russland und die Ukraine am Montag heftige Kämpfe, da die ukrainische Gegenoffensive in Gang zu kommen scheint.

Dreimonatige Rally

Seit Ende Februar hat der Franken um 4 % auf etwa 0,9060 je Dollar zugelegt und ist damit in diesem Zeitraum die Währung mit der besten Performance in den G-10-Staaten. Es wird erwartet, dass die derzeitigen Zinserhöhungszyklen der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank im Spätsommer dieses Jahres pausieren werden, wobei die Federal Reserve die Zinsen irgendwann in diesem Jahr senken dürfte. Die Geldpolitik in Japan und China ist weiterhin stimulierend.

Wie Gold in den letzten zwei Jahrzehnten, entwickelte sich auch der Schweizer Franken gut, wenn die großen Zentralbanken geldpolitische Impulse gaben. Sein handelsgewichteter Wechselkurs stieg während eines Zinssenkungszyklus der Federal Reserve und der EZB in den Jahren 2001 und 2002 um 10 %. Zu Beginn der Finanzkrise 2007-2008 stieg er um 13 % und legte noch einmal zu, als die Zentralbanken mit Ankaufprogrammen für Vermögenswerte begannen. Als die Federal Reserve die Zinssätze 2019-2020 senkte, legte die Währung um etwa 7 % zu.

Handelsgewichteter Franken seit dem Jahr 2000

JPMorgan bullisch für den Schweizer Franken

Während der handelsgewichtete Wechselkurs hoch erscheint, sehen die langfristigen Bewertungen des Frankens nach Berücksichtigung der Inflationsunterschiede in anderen Ländern „überhaupt nicht überzogen“ aus, so die Aussage von JPMorgan. Die Bank prognostiziert eine allmähliche Aufwertung, wobei der Schweizer Franken bis März 2024 um mehr als 5 % auf 0,86 pro Dollar und um mehr als 4 % auf 0,93 pro Euro ansteigen soll. Da die Sorgen um die US-Schuldenobergrenze nun aus dem Weg geräumt sind, besteht vielleicht Spielraum für eine Schwäche des Frankens gegenüber dem Dollar von 1 % bis 2 %, doch „wir betrachten dies eher als taktischen Gegenwind und nicht als Problem für unsere eher strategisch bullische CHF-Einschätzung“, schrieben die Analysten um Patrick Locke und Meera Chandan am Freitag. Der Franken bleibe eine gute Absicherung gegen spätzyklische Risiken und profitiere von einer aktiveren Zentralbank sowie besseren Renditen im Vergleich zum japanischen Yen, so die Analysten von JPMorgan.

Schweiz mit Handelsbilanzüberschuss

Die Auswirkungen der globalen Stimulierung auf den Franken könnten sich als unmittelbar erweisen, da die Kapitalpipelines nicht mehr verstopft sind und die Gewinne in steuerbegünstigte Länder fließen. Die Schweiz hat keine anhaltend hohen Fiskalausgaben, und ihre größten öffentlichen Unternehmen sind weniger kapitalintensiv und unterliegen nicht demselben starken Wettbewerb im Ausland wie Exportschlager wie Japan und Südkorea. Dies trägt dazu bei, dass die Handelsbilanz der Schweiz einen anhaltenden Überschuss aufweist.

Handelsbilanzen von Japan und der Schweiz

Straffere Geldpolitik als Stütze für den Schweizer Franken

Auch eine straffere Geldpolitik könnte die Währung stützen. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, sagte, die Politik der Bank sei nicht restriktiv genug und die Bank sei bereit, Devisenverkäufe einzusetzen, um ihr geldpolitisches Ziel zu erreichen. Es gibt immer noch einige Skeptiker. Die Canadian Imperial Bank of Commerce in Toronto geht davon aus, dass der Schweizer Franken bis Dezember 2024 in etwa auf dem aktuellen Niveau gegenüber dem Dollar bleiben wird. Sie geht davon aus, dass der Euro-Franken-Kurs bis Ende dieses Jahres über die Parität klettern und bis Ende 2024 weiter auf über 1,05 steigen wird.

„Der Schweizer Franken ist eine kleinere Währung und es gibt nicht viele investierbare Vermögenswerte, die auf ihn lauten“, so Bipan Rai, Global Head of FX Strategy bei CIBC. „Die EZB dürfte eine höhere Terminal Rate haben als die Schweizerische Nationalbank“, so Rai. UBS sieht die Entwicklung des Wechselkurses in die andere Richtung. Letzten Monat prognostizierte die Bank eine Aufwertung der Währung auf 0,87 pro Dollar im September und auf 0,85 im Dezember. Die Bank geht davon aus, dass sich diese Kursgewinne im nächsten Jahr fortsetzen und das Paar bis März 0,84 und bis Juni 2024 0,83 erreichen wird. „Wir empfehlen, sich auf Long-Positionen im Schweizer Franken vorzubereiten“ und diese umzusetzen, nachdem der Dollar seinen Höchststand erreicht hat“, so Flury, der darauf hinweist, dass der aktuelle Wechselkurs einen attraktiven Einstiegspunkt bietet.

FMW/Bloomberg/Erster Chart TradingView



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