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Ist der Boden nahe? Sentiment: Panik ermöglicht Bodenbildung bei Dax, Gold und Öl

Die Nacht ist immer am dunkelsten kurz vor dem Morgengrauen

Dax Gold Öl

Die letzte Handelswoche brachte für den Dax und die Aktienmärkte der USA erneut Verluste. Die Ankündigung des US-Notenbankchefs Jay Powell, die Inflation zu bekämpfen „whatever it takes“, also selbst zulasten einer emporschnellenden Arbeitslosigkeit und auch zu Lasten einer Rezession, hat die Sommerrallye beendet und die Aktienmärkte weltweit zurück in einen Bärenmarkt geschickt. Schauen wir uns mal die aktuelle Stimmung an den Märkten an.

Wie immer vorab der Hinweis, dass wir nur vorläufige Ergebnisse vorliegen haben.

Dax: Stimmung zeigt negative Extremwerte

Aktuell sieht es ziemlich düster aus: Das Anlegersentiment ist von -4,1 in der Vorwoche auf -6,7 gefallen und hat damit schon wieder Extremwerte erreicht, die für eine Bodenbildung erforderlich sind.

Auch die Selbstgefälligkeit der Anleger ist nach -3,7 auf -6,0 abgerutscht und zeigt die starke Verunsicherung. In den kommenden September-Wochen wird sich entscheiden, ob das Julitief bei 12.400 Punkten im DAX hält, oder aber ob wir noch ganz andere Levels besuchen werden. Die Meinungen gehen derzeit weit auseinander.

Doch es gibt Hoffnung: Die Zukunftserwartung ist mit +0,8 leicht positiv, eine Seltenheit im Jahr 2022. Und auch die Investitionsbereitschaft zeigt mit einem Wert von 1,7 an, dass Anleger das aktuelle Kursniveau beim DAX attraktiv finden.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf 0,0 angestiegen, die starke Absicherungsneigung der Vorwochen ist damit beendet. Privatanleger haben sich zum Ende der Sommerrallye hin abgesichert und lösen ihre Absicherungen nun in den erneuten Ausverkauf hinein wieder auf.

Institutionelle Anleger, die sich über die Eurex absichern, verhalten sich derzeit neutral. Das Put/Call-Verhältnis der Eurex steht bei 1,4, was dem Durchschnitt der vergangenen Monate entspricht.

Ganz anders sieht es in den USA aus. Dort steht das Put/Call-Verhältnis der CBOE bei 0,78 und zeigt eine starke Absicherungsneigung der US-Anleger.

US-Fondsanleger sind ähnlich defensiv, die Investitionsquote wurde auf 33% reduziert. Wenngleich die niedrige Investitionsquote im Jahr 2022 keine Seltenheit ist, so sind Fondsmanager historisch betrachtet jedoch meist mit 60-80% investiert.

US-Privatanleger haben ein Bulle/Bär-Verhältnis von -28%. Über die Hälfte der US-Privatanleger sind pessimistisch gestimmt, nur 22% sind optimistisch.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 notiert bei 44% und zeigt erst eine leichte Angst an. Da ist wohl noch Luft nach unten.

Interpretation der Stimmung im Dax

Zumindest in Deutschland spricht einiges dafür, dass wir dem Boden nah sind. Immerhin hat der DAX im laufenden Jahr bereits 19% Federn gelassen, der Dow Jones nur 13%. Die drohende Energiekrise war wohl einer der belastenden Faktoren für den DAX. Doch seit einigen Tagen verkündet unsere Regierung, dass die Gasspeicher voll genug seien, um den Winter durchzustehen. Man werde ab sofort kein Gas mehr „zu jedem Preis“ einkaufen.

Seit dieser Aussage ist der Gaspreis in Europa (Amsterdam) um 30% zurück gekommen. Vieles spricht dafür, dass wir die vorläufigen Höchstkurse hinter uns haben, waren zuletzt doch viele Spekulanten am Gasmarkt unterwegs. Es wäre also nicht überraschend, wenn die Auflösung der spekulativen Positionen in den kommenden Wochen eine starke Korrektur am Gasmarkt herbei führt, was sich positiv auf die Stimmung der Wirtschaft auswirken dürfte.

Mut macht auch der Blick auf die Cashquote, die wir mit unserer animusX-Umfrage ermitteln: Insbesondere institutionelle Anleger haben diese Woche Positionen liquidiert und ihren Cashbestand hochgefahren. Es gibt also ausreichend liquide Mittel und die Absicht, Aktien auf dem aktuellen Niveau zu kaufen.

In den USA gibt es ebenfalls ausreichen Liquidität und genügend Pessimismus, um einen Boden zu bilden. Allerdings ist die Stimmungslage dort noch nicht ganz so konstruktiv wie in Deutschland. Und da der deutsche Aktienmarkt in der Regel dem US-Markt folgt, bleibt das Risiko weiterer Kursverluste auch für den DAX bestehen.

Aus Sicht der Sentimentanalyse lässt sich jedoch feststellen, dass wir einem Boden, und sei es nur ein zwischenzeitlicher Boden, ziemlich nah sind.

Gold und Öl

Die Stimmung unter Goldanlegern ist auf dem Nullpunkt. Mit einem Goldpreis nahe der Unterstützung der vergangenen zwei Jahre bei 1.680 Dollar sind Goldanleger jedoch überzeugt, dass der Preis schon bald wieder steigen wird. Damit haben wir so etwas wie Panik am Goldmarkt, die mit einer optimistischen Erwartung für die Zukunft einhergeht. Sehr konstruktiv, so sieht ein Boden aus.

Ganz ähnlich sieht es am Ölmarkt aus. Auch dort herrscht Panik, während man gleichzeitig überzeugt ist von steigenden Preisen für Öl in der Zukunft.

Beide Märkte eignen sich in meinen Augen für Spekulationen mit geringem Risiko. Denn in beiden Märkten stehen die Vorzeichen auf Minus, steigende Zinsen belasten Gold und die vorläufige Entspannung auf dem Gaspreis, hervorgerufen durch die Aussagen unserer Regierung, können sich auch auf den Ölpreis auswirken. Nach der aktuellen Informationslage kann also weder der Preis für Gold noch für Öl steigen. Doch genau so sieht häufig genug ein Boden aus, frei nach dem Spruch: Die Nacht ist immer am dunkelsten kurz vor dem Morgengrauen.

Hinweis: Bei aktiver Beteiligung (https://www.animusx.de/) an den wöchentlichen Umfragen erhalten Sie die Ergebnisse (Grafiken nebst schriftlicher Auswertung) kostenlos.



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