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Insolvenzantrag des Bau-Imperiums - was sind die Folgen? Signa Holding von Rene Benko ist pleite

Die Signa Holdings vom Baulöwen Rene Benko ist pleite und meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an.

Elbtower in Hamburg | Foto: Bloomberg
Elbtower in Hamburg | Foto: Bloomberg

Rene Benko, Gründer der Signa Holding, plant, ein Insolvenzverfahren anzumelden, nachdem ein letzter Versuch, eine Notfinanzierung aufzubringen, gescheitert ist, was den Miteigentümern des New Yorker Chrysler-Gebäudes oder des KaDeWe zu einem der prominentesten Opfer der europäischen Immobilienkrise macht.

Signa Holding stellt Antrag auf Insolvenz in Wien

Die Geschäftsführung der Signa Holding will am Mittwoch in Wien einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung stellen, heißt es in einer per E-Mail verschickten Mitteilung des Unternehmens laut Bloomberg News.

Rückschlag für Rene Benko – Konsequenzen noch nicht absehbar

Für Benko ist die Insolvenz ein herber Schlag. Der Selfmade-Mogul baute ein Portfolio auf, das das Kaufhaus Selfridges in London, Luxus-Einkaufszentren in Wien und ein historisches Hotel in Venedig umfasste. Der 46-jährige Österreicher prahlte bekanntermaßen damit, dass nur die britische Königsfamilie und die katholische Kirche mit seinem Angebot an exklusiven Immobilien mithalten könnten, die Ende letzten Jahres einen Wert von 23 Milliarden Euro hatten.

„Trotz erheblicher Bemühungen in den letzten Wochen konnte die notwendige Liquidität für eine außergerichtliche Sanierung nicht ausreichend gesichert werden, daher beantragt die SIGNA Holding GmbH ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung“, heißt es in der Stellungnahme.

Die FMW berichtete bereits über finanzielle Risiken bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die zu den Geldgenbern von Signa gehört. Betroffen sind aber auch andere Institute, wie die BayernLB, Helaba, LBBW, NordLB, Aareal Bank und die Deutsche Pfandbriefbank. Also auch das Who’s Who der deutschen Landesbanken.

Wie es mit Signa nun weitergeht und wie hoch der Schaden ist, kann aktuell noch nicht genau quantifiziert werden. Die Insolvenz der Signa Holding erinnert an die Mega-Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider im April 1994, die mit einem Gesamtschaden von 6,7 Milliarden DM (3,42 Milliarden Euro) die deutsche Bau- und Bankenwirtschaft in Turbulenzen stürzte aber im Gegensatz zu Signa tatsächlich „Peanuts“ war.

Signa und Benko: Die Folgen der Insolvenz

Die Folgen der Insolvenz dürften ein weiterer Schlag für den angezählten europäischen Gewerbeimmobiliensektor sein, da sie möglicherweise einen Notverkauf von Vermögenswerten erzwingen und die Bewertungen noch weiter nach unten korrigieren.

Die finanzielle Ansteckung könnte jedoch begrenzt sein. Das größte Engagement von Signa besteht in der Vergabe von Krediten an Banken zur Finanzierung von Akquisitionen und Bauarbeiten an Entwicklungsprojekten, wie dem Hamburger Elbtower. Diese Kredite sind oft durch die Immobilie gesichert, was bedeutet, dass die Banken gut aufgestellt sein könnten, um Verluste wieder auszugleichen.

Den Aktionären hingegen drohen hohe Verluste. Obwohl sie den beiden größten Signa-Einheiten erst im vergangenen Jahr fast 1 Milliarde Euro an frischem Kapital zur Verfügung gestellt haben, sträuben sich die einst treuen Geldgeber von Benko, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Eine Gruppe, der auch Haselsteiner angehörte, drängte den Signa-Gründer zum Rücktritt und stellte die Restrukturierungsexperten Arndt Geiwitz und Ralf Schmitz ein, um eine Wende herbeizuführen. Doch es war zu spät.

Während seines Aufstiegs zu einem der größten Immobilienmakler Europas hatte Benko das Vertrauen der europäischen Elite gewonnen und zählte den österreichischen Bautycoon Hans Peter Haselsteiner, den deutschen Transportmagnaten Klaus-Michael Kühne und die französische Familie Peugeot zu seinen Investoren. Sie stehen nun vor großen Verlusten, da die Verwalter die komplexen Strukturen von Signa durchforsten, um die Gläubiger zu entschädigen.

Die Implosion wird Unsicherheit hinterlassen, insbesondere in Deutschland. Die Bauarbeiten am Elbtower und an anderen Standorten wurden gestoppt, und in Dutzenden von deutschen Städten droht die Schließung der Galeria-Kaufhäuser von Signa, was in den Einkaufsvierteln der Innenstädte eine klaffende Lücke hinterlassen würde.

FMW/Bloomberg

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3 Kommentare

  1. Ein paar Milliardäre verlieren ein bisschen Kohle. Das letzte Woche in Shanghai umgefallene Fahrrad ist da deutlich interessanter.

    1. das würde ich nicht so entspannt sehen. die möglichen (not)verkäufe werden tatsachen im sinne von aktueller bewertung von insb. gewerbeimmobilien schaffen. ich gehe davon aus, dass x bilanzen auch ausserhalb der signa mit immer noch weit überbewerteten immos geschönt sind. die bewertungen sind nur solange haltbar als keine transaktionen zur referenzbildung stattfinden.

    2. Zitat: „Diese Kredite sind oft durch die Immobilie gesichert, was bedeutet, dass die Banken gut aufgestellt sein könnten, um Verluste wieder auszugleichen.“

      In Hamburg wird erzählt, dass das Grundstück (und evtl. ein Teil des Rohbaus) wieder an die Stadt fällt, falls der Weiterbau ausfällt. Möglicherweise sind auch bei den anderen Immobilien durch Trennung Gebäude/Grund oder andere Konstruktionen die Sicherung nicht so wertvoll wie gedacht. Die offensichtliche Intransparenz des Benko Konglomerats könnte nicht Versehen, sondern Absicht sein.

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