Folgen Sie uns

Allgemein

So sehr giert der Planet nach Rendite: Argentinien verkauft problemlos 100 Jahre laufende Anleihen mit 7,9% Rendite

War da nicht was? War Argentinien nicht total pleite? Und hatte sich die Vorgänger-Regierung nicht jahrelang mit Alt-Gläubigern bitterlich gestritten über Umschuldungen? Hatte sie sich nicht geweigert…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

War da nicht was? War Argentinien nicht total pleite? Und hatte sich die Vorgänger-Regierung nicht jahrelang mit Alt-Gläubigern bitterlich gestritten über Umschuldungen? Hatte sie sich nicht geweigert Schulden an Hedgefonds zu bezahlen? Und jetzt brauchte es nur einen Regierungswechsel, und siehe da. Das Vertrauen der internationalen Anleger ist schlagartig zurückgekommen nach Argentinien. Oder ist da noch etwas Anderes? Ist die Gier und die Suche nach Rendite in diesen Zeiten viel größer als gesundes Misstrauen?

Diese Fragen treten in den Hintergrund, denn wir werden alle längst tot sein, wenn es darum geht ob Argentinien diesmal seine Schuld nicht zurückzahlen kann. Denn gestern hat das Land problemlos eine 100 Jahre laufende Anleihe ausgegeben. Wie man aus Finanzkreisen hört, soll die Nachfrage gut vier Mal so groß wie das Angebot gewesen sein. Die Anleihe wurde in US-Dollar begeben, weshalb angelsächsische Anleger kein Währungsrisiko haben, und umso eher zuschlagen.

Die Rendite des Ausgabevolumens von 2,75 Milliarden Dollar wurde mit über 8% pro Jahr erwartet, liegt aber letztlich bei 7,9%. Das zeigt schon, dass Argentinien dank sehr hoher Nachfrage das Renditeangebot senken konnte. Der Erlös fließt nicht in Investitionen in Argentinien, sondern soll wie beispielsweise auch in Griechenland dazu verwendet werden Altschulden zu bedienen und Lücken im Staatshaushalt aufzufüllen. Also einfach nur eine Umschuldung!

Es ist mehr als erstaunlich. Erst letztes Jahr fing der neue Präsident Macri an den Schaden aufzuräumen, den seine Vorgängerin de Kirchner angerichtet hatte mit Devisenkontrollen, Abschottung in vielen wirtschaftlichen Bereichen, Gerichtsprozesse mit Gläubigern, Verweigerung des Schuldendienstes uvm. Man muss es wirklich so deutlich sagen. Die Gier nach Rendite scheint übergroß zu sein bei den Investoren, die hier im Rahmen einer Privatauktion zugeschlagen haben.

Mit einer Laufzeit von 100 Jahren ist Argentinien nun Mitglied in einem kleinen elitären Club, der auch diese Laufzeiten ausgibt. Darunter sind sonst noch Länder wie Mexiko, Großbritannien und Irland. Mit Argentinien begibt zum ersten Mal ein Staat eine 100jährige Anleihe, der mit „Junk“ bewertet wird, also wo die Ausfallgefahr aufgrund der Historie des Landes und seiner wirtschaftlichen Lage besonders hoch ist. 2001 legte das Land eine gigantische Staatspleite mit 80 Milliarden Dollar hin. Seitdem gab es eine endlose Leidensgeschichte mit Umschuldungen, Rechtsstreitigkeiten uvm.

Wenn große Profi-Investoren hier ihr Geld unterbringen mit 100 Jahren Laufzeit, dann soll das schon was heißen in Sachen Renditehunger. Schuld ist die Verzerrung durch die großen Notenbanken mit ihren Negativ- und Nullzinsen. Letztes Jahr erst hatte Argentinien vom Volumen her die größte Emerging Markets-Anleihe aller Zeiten begeben, aber eben nicht mit so einer langen Laufzeit. Also, beim Volumen und bei der Laufzeit wird Argentinien wieder voll international akzeptiert bei der Schuldenaufnahme. Da ist wohl weniger den Künsten von Mauricio Macri geschuldet, sondern eher der Fed, EZB, SNB, BoE, BoJ usw. Die Umschuldungs-Lawine kann weiter laufen!

Foto: Government of Argentina / Gemeinfrei

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    frank.trg

    20. Juni 2017 12:59 at 12:59

    Wieso nicht? und wieso braucht es „nur“ einen Regierungswechsel? So ein Regierungswechsel ist entscheidend und vielversprechend. Wenn es die neue Regierung ernst meint, sehe ich eine gute Chance auf einen Neuanfang. Argentinien hat enormes Potential. Ein riesiges, kaum besiedeltes Land mit riesigen Ressourcen an Bodenschätzen und fruchtbarem Land. Dazu sind 90 Prozent der Argentinier ethnische Europäer, darunter viele Deutsche, also fleißige Pioniere die Gestalten wollen. Wenn es die neue Regierung schafft private Investoren ins Land zu holen und aktiv gegen sozialistische Umtriebe kämpft, kann Argentinien wieder ein großartiges Boomland werden.; PS: gibt es eine WKN zur o.g. Anleihe?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

Avatar

Veröffentlicht

am

Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

weiterlesen

Allgemein

Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

weiterlesen

Allgemein

Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen