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Sorglosigkeit ist die Mutter des Crash..

Von Markus Fugmann

Wann entstehen Crashs? Wenn alle damit rechnen? Eher nicht. Sondern fast immer dann, wenn die Allermeisten nicht damit rechnen. Und das ist derzeit offenkundig der Fall, wie eine Umfrage unter 1000 Investoren durch das Beratungsunternehmen sentix verdeutlicht.

Demnach hätte ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nach Einschätzung deutscher Investoren keine nachteiligen Auswirkungen für den Rest der Eurozone. So liegt der „Contagion Risk Index“, der das Risiko von Ansteckungseffekten auf andere Euro-Staaten misst, auf dem tiefsten Stand seit Juni 2012 (damals war der vorläufige Höhepunkt der Griechenland-Krise).

Zwar rechnen wie im Vormonat 37 Prozent der Befragten damit, dass innerhalb der nächsten zwölf Monate mindestens ein Land aus dem Euro ausscheiden wird – und fast alle (96%) meinen, dass dies Griechenland sein wird. Allerdings scheinen die Konsequenzen eines solchen Austritts von den befragten Analysten völlig unterschätzt zu werden. Das ist im Übrigen eine Parallele zu der Russland-Krise, an deren Beginn die allermeisten Analysten glaubten, sie werde keine Auswirkungen auf die Märkte haben.

Was ein Grexit bedeuten würde, zeigt schon ein Blick auf die EZB: sie besitzt eine exposure in Griechenland von 104 Milliarden Euro. Träte Griechenland aus – und würde dann die Drachme einführen – wäre eine massive Abwertung der Drachme die Folge, die EZB müsste einen Großteil der 104 Milliarden Euro abschreiben. Und das würde bedeuten, dass die Eurozonen-Länder massiv Kapital nachschießen müssten, um das erforderliche Eigenkapital der EZB wieder sicher zu stellen. Allein das hätte einen psychologischen Tsunami-Effekt, der von den Analysten offenkundig nicht erkannt wird: es stünde die Zukunft der Eurozone insgesamt in Frage, jenseits der wahrscheinlich auftretenden Unsicherheit, welches Land als nächstes ausscheiden könnte.

Man hat fast das Gefühl, als würden die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik die Analysten-Gehirne vernebeln. Und in der Tat ist es ja so, dass durch den Glauben, dass die Notenbanken die Welt jederzeit retten können, Risiken nicht mehr adäquat eingpreist werden. Und so entsteht eine Mentalität der Sorglosigkeit, die noch vor jedem Crash zu beobachten war. Damit ist nicht gesagt, dass dieser Crash auch wirklich kommt – aber zumindest die mentalen Voraussetzungen sind schon einmal gegeben..



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