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„Sowjet-Style“? „Bananen-Republik“? Snapchat geht morgen an die Börse

Snapchat oder besser gesagt „Snap Inc“ (Tickersymbol SNAP) geht morgen an die New Yorker Börse. Endlich mal wieder ein richtig großer Börsengang, mit wohl weit über 20 Milliarden Dollar…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Snapchat oder besser gesagt „Snap Inc“ (Tickersymbol SNAP) geht morgen an die New Yorker Börse. Endlich mal wieder ein richtig großer Börsengang, mit wohl weit über 20 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung. Einnehmen will man durch die Emission eines Teils der Aktien gut 3 Milliarden Dollar in Cash. Anne Simpson, Investment-Direktorin des Pensionsfonds Calpers, sagte dazu jüngst, dass ihr das Snapchat-IPO eher vorkomme wie die Herrschaft in einer „Bananenrepublik“. Auch wenn die Worte drastisch klingen, gibt es viele große institutionelle Investoren, die diesen Börsengang auch mehr als kritisch sehen, da zum ersten Mal in der US-Geschichte ein Börsengang ausschließlich mit Vorzugsaktien durchgeführt wird.


Snapchat-Chef Evan Spiegel behält mit den anderen Altaktionären die volle Kontrolle über die Firma, auch nach dem Börsengang. Foto: TechCrunch (CC BY 2.0)

Auch sagte Simpson:

„This really flies in the face of what markets are all about. You’ll have a Soviet style economy nestled within the most innovative sector in the world.“

Die Aktionäre, die also beim Börsengang und danach am freien Markt Snap-Aktien kaufen, haben später in den Hauptversammlungen zwar ein Recht auf Anwesenheit, aber eben kein Stimmrecht. Champagner trinken, aber nicht meckern! Aber im Ernst: Das ist ein echtes Problem, wenn es bei der Firma Fehlentwicklungen geben sollte, und die Vorstände uneinsichtig sind. Wie will man dann als Aktionär mit Vorzugsaktien Einfluss nehmen? Eben, gar nicht. Gerade bei großen Geldsummen, die beispielsweise ein Fonds für Rentner und Kleinsparer verwaltet, kann man das eigentlich kaum durchgehen lassen, wenn man dort investieren soll.

Aber offensichtlich scheint genug Nachfrage nach Snap-Aktien vorhanden zu sein. Glaubt man Gerüchten aus dem Konsortial-Umfeld, soll die Aktie „massiv überzeichnet“ sein, was natürlich auch nach dem Börsengang Kaufdruck auslösen dürfte. Das gäbe der Firma die Möglichkeit den Emissionspreis so hoch wie möglich anzusetzen. Wo man in den letzten Monaten von einem Gesamt-Börsenwert gemessen am Emissionskurs von 25 Milliarden Dollar ausging, sickerte zuletzt durch, dass der Wert womöglich abgesenkt werde auf 22,2 Milliarden Dollar. Ganz aktuell aber scheint gemäß Gerüchten aus Finanzkreisen angeblich der Emissionskurs bei 18 Dollar zu liegen, und damit der Börsenwert der Firma bei 25 Milliarden Dollar.

Wird das Schule machen bei künftigen IPO´s? Wenn die Nachfrage nach den Aktien trotz fehlendem Mitspracherecht höher ist als das Angebot, könnten künftige Giganten-Börsengänge (Uber etc?) auf die selbe Idee kommen. Einfach die (oft nervigen?) Aktionäre mit Vorzugsaktien versorgen. Wer sie kauft, ist damit einverstanden im Unternehmen keinerlei Mitsprache zu haben, wenn die Hauptversammlung ansteht. Ein schönes lockeres Leben für die Unternehmensvorstände. Aber das bedeutet eben auch weniger Kontrolle und weniger Druck von außen.

Euphorie und Risiko

Glaubt man den vorbörslichen Gerüchten, ist die Euphorie groß. Generell kann man das verstehen, weil Snapchat natürlich sexy zu sein scheint. Und dank Nullzinsen gieren Anleger nach Aktien – dann noch so ein interessantes IPO aus der Social Media-Welt, das klingt verlockend. Wo möglicherweise schnell gutes Geld verdient werden kann durch (wie gesagt) möglicherweise schnelle Kursgewinne nach dem IPO, da lauert auch das Risiko. Wie wir schon vor einigen Tagen berichteten, kopiert Facebook derzeit schamlos die Grundfunktionen von Snapchat, um der Firma die User abzujagen.

Snap Inc zeigte zwar jüngst einen Umsatzschub von 590% auf 405 Millionen Dollar. Der kam aber wohl nur zustande, weil man noch so ein junges Unternehmen ist, und mit Werbung gerade erst angefangen hat. Da sind die Wachstumsraten anfangs immer sehr hoch, weil die Ausgangsbasis winzig war. Aber der Verlust, der liegt mit 514 Millionen Dollar aktuell sogar über dem Umsatz. Das Wachstum bei der Userzahl war zuletzt eingeschlafen. Dazu sagte die Firma aber, dass man ja gar nicht weltweit in die wachsenden Märkte gehen wollte, sondern sich auf die etablierten Märkte konzentriere. Das kann man wohl schon mal als vorsorglichen Hinweis sehen, dass das Wachstum auch in Zukunft nicht so toll ausfallen wird.

Man wird wohl versuchen aus der bestehenden User-Basis über möglichst hohe Werbeeinnahmen enorm hohe Erträge zu erzielen, anstatt durch großes Wachstum bei den Userzahlen. Bemerkenswert war der Hinweis von Snap Inc vor Kurzem, dass man darauf hinweist, dass man womöglich nie Gewinne machen werde. Auch das soll wohl vorab vor zu viel Euphorie bei Anlegern warnen! Also Top oder Flop, Kursrakete oder Rohrkrepierer? Oder doch beides? Jetzt nach dem IPO eine Kursrakete, und dann später geht es den Bach runter? Twitter könnte ein mahnendes Beispiel sein. Man kann mit dem Kauf der Aktie auch quasi eine Art Wette abschließen, ob Snap den „Social Media-Krieg“ gegen Facebook gewinnen kann. Eine riskante Wette, wenn man Facebook´s gigantische Ressourcen aller Art bedenkt.

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    1. März 2017 17:43 at 17:43

    Snap steigt morgen bestimmt sofort bei Eröffnung um 20 % weil es ja so ein cooles Unternehmen ist, jeder die Aktie kauft, und obendrein noch am IPO Tag Donald Trump als Nutzer gewonnen werden konnte. Läuft!

    Mal ganz ehrlich: Jeder Aktionär der sich mit Vorzugsaktien abspeisen lässt oder Vorzugsaktien kauft, der ist doch nicht ganz bei Verstand. Vorzugsaktien sind wertloser Schrott, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Hat jemand den IPO Prospekt der Firma mal genauer gelesen ? Katastrophal ! Verluste ohne Ende und schöne Grafiken um Investoren zu beeindrucken.

    Jeder Fondmanager der da Geld reinsteckt, gehört sofort entlassen!

  2. Avatar

    frank.trg

    1. März 2017 18:44 at 18:44

    Wer sie kauft, ist damit einverstanden im Unternehmen keinerlei Mitsprache zu haben. Damit ist eigentlich alles gesagt, niemand wird gezwungen zu kaufen und wenn die Investoren damit einverstanden sind, ist das auch ok. Mitspracherecht bei einer AG betrifft eh nur die ganz großen Investoren. Als Kleinanleger kaufe ich oft die Vorzugsaktien, weil diese meist mehr Dividende abwerfen und ich mein Stimmrecht nicht ausübe, wozu auch? Damit kann ich absolut nichts beeinflussen.

  3. Avatar

    Emm wie Meikel

    1. März 2017 21:56 at 21:56

    Ausschliesslich Vorzugsaktien lassen einen hohen Streubesitz erwarten. Zusammen mit der damit einhergehenden, hohen Volatilität sowie einer launischen Kursentwicklung.

    https://trends.google.com/trends/explore?q=snapchat

    Ohne wirkliche Neuerungen und nur mit Snapchat als einziges Zugpferd wird es die Firma sehr schwer haben, sich gegen den den Branchenprimus zu behaupten. Und eine (bestenfalls) stagnierende Userbase ist auch nicht gerade sexy.

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Aktien

Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen und Inflation

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. IBM und Intel werden heute Abend ihre Quartalszahlen veröffentlichen – sie werden von ihm vorab besprochen. Auch das Thema Inflation ist auf der Tagesordnung.

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