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Spott in den sozialen Medien über Gary Cohn

Gary Cohn, der Wirtschaftsberater Donald Trumps und einst Favorit auf die Nachfolge Yellens als Fed-Chef ist Gegenstand eines „Shitstorms“ in den sozialen Medien. Der Grund: Cohn hatte gestern bei seiner Pressekonferenz zur geplanten US-Steuerreform seltsame Aussagen getätigt..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gary Cohn, der Wirtschaftsberater Donald Trumps und einst Favorit auf die Nachfolge Yellens als Fed-Chef ist Gegenstand eines „Shitstorms“ in den sozialen Medien. Der Grund: Cohn hatte gestern bei seiner Pressekonferenz zur geplanten US-Steuerreform behauptet, dass erstens das durchschnittliche Jahreseinkommen einer amerikanischen Familie bei 100.000 Dollar liege, und zweitens, dass diese durchschnittliche Familie 1000 Dollar weniger Steuern jährlich zahlen würde, womit sie dann ihre Küche renovieren lassen könnten oder sogar ein neues Auto anschaffen könnte:

Was für ein Auto bekommt man in den USA für 1000 Dollar? Vielleicht so eines:

Und mit 1000 Dollar eine Küche zu renovieren, dürfte auch schwierig werden – das reiche nicht einmal für die Renovierung einer Hundehütte:

Man wirft also die Frage auf, wie lebensfern der Wirtschaftsberater von Donald Trump sein müsse. Faktisch liegt das durschnittliche Einkommen einer amerikanischen Familie knapp über 59.000 Dollar pro Jahr. Ein neues Auto kostet in den USA durchschnittlich 35.000 Dollar, ein Gebrauchtwagen durchschnittlich 19.000 Dollar. Und die Renovierung einer Küche in der einfachen Version zwischen 10.000 und 15.000 Dollar, im Durchschnitt sogar 21.800 Dollar.

Würde eine amerikanische Familie tatsächlich 1000 Dollar weniger Steuern zahlen pro Jahr, entspräche das monatlich sagenhaften 83 Dollar. Weniger als peanuts im Vergleich zu dem, was Ultrareiche wie Donald Trump weniger zahlen würden:

Gary Cohn hatte in einem etwas mißglückten Interview auch nicht ausschließen wollen, dass die Steuern für einige Familien der Mitteklasse steigen könnten:

https://twitter.com/JohnnyHeldt/status/913428218677428224

Ohnehin dürften diese 1000 Dollar wohl in der Realität gar nicht der Fall sein, weil die Steuern der Amerikaner, die sie an die Bundesstaaten und die Lokalverwaltungen zahlen müssen, nicht mehr abzugsfähig wären:

Das Vermögen des ex-Goldman Sachs-Bankers Gary Cohn wird übrigens auf knapp eine Milliarden US-Dollar geschätzt – und da kann es schon einmal passieren, dass man über die Preise des Alltagslebens nicht so ganz genau informiert ist.

So oder so: es sieht derzeit danach aus, als dass Gary Cohn seinem Boss mit dem gestrigen Auftritt nicht unbedingt einen Gefallen getan hat..


Foto: World Economic Forum / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Rainer

    29. September 2017 14:23 at 14:23

    „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“ Wirklich gefährliche Pfade auf denen sich die amerikanische Politik zunehmend bewegt.

  2. Avatar

    joah

    30. September 2017 11:53 at 11:53

    Herr Cohn ist in Wirklichkeit der „Rain Man„: er kann mit Zahlen irrsinnig gut umgehen, diese allerdings nicht in natürliche Relationen umsetzen.

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Lufthansa: „Nur“ 1,3 Milliarden Euro Verlust – alles gut? Genau hinschauen!

Claudio Kummerfeld

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Die Lufthansa A380 ist außer Betrieb

Die Lufthansa hat gestern Nachmittag als Ad Hoc-Mitteilung die Quartalszahlen für Juli-September vorzeitig veröffentlicht. Die ausführliche Veröffentlichung der Daten erfolgt am 5. November. Die Lufthansa meldet einen Verlust (Adjusted EBIT) in Höhe von -1,262 Milliarden Euro (Vorjahr +1,297 Milliarden Euro). Nach neun Monaten lag der operative Verlust damit bei -4,161 Milliarden Euro (Vorjahr +1,715 Milliarden Euro). Die Börse schien gestern erleichtert zu sein, dass es nicht noch schlimmer gekommen war. Und man hat offenbar die Worte der Lufthansa-Mitteilung als positiv angesehen, dass man die Probleme reduziert habe. Zitat Lufthansa: „Dank einer Ausweitung des Flugplans in den Sommermonaten Juli und August und erheblicher Kostensenkungen konnten jedoch die Verluste gegenüber dem zweiten Quartal verringert werden.“

Besonders beruhigend dürfte auch folgende Aussage der Lufthansa wirken. Zitat:

Ende September standen dem Konzern liquide Mittel in Höhe von 10,1 Mrd. Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind noch nicht abgerufene Mittel aus den Stabilisierungspakten im Gesamtumfang von 9 Mrd. Euro aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien. Hieraus stehen noch 6,3 Mrd. Euro zur Verfügung. Auszahlungen für Corona-bedingte Flugausfälle in Höhe von 2,0 Mrd. Euro standen dabei im dritten Quartal vor allem Mittelzuflüsse aus der Ausweitung der Flugaktivitäten im Juli und August gegenüber.

Lufthansa mit hoher Liquidität dank Rettungsgeldern

Aber dazu muss man auch beachten, dass ebenfalls erwähnt wird, dass die Nettokreditverschuldung der Lufthansa am Ende des dritten Quartals bei 8,93 Milliarden Euro lag (am 31. Dezember 2019 waren es noch 6,66 Milliarden Euro). Die Lufthansa und ihre Auslandstöchter haben über die staatlichen Rettungsmaßnahmen Eigenkapital und Kredite erhalten. Was jetzt Quartal für Quartal verloren wird, kann durch diese 10 Milliarden Euro an liquiden Mitteln natürlich einige Zeit aufgefangen werden.

Aber die Verluste laufen ja vermutlich weiter. Aufgrund des aktuellen globalen zweiten Corona-Welle und zunehmenden Lockdowns darf man mit gesundem Menschenverstand davon ausgehen, dass der Verlust im aktuellen vierten Quartal wieder größer ausfällt als im 3. Quartal. Also ein Verlust von vielleicht 2 oder 3 Milliarden Euro? Oder tritt man bei der Lufthansa jetzt erneut kräftig auf die Kostenbremse, und bekommt den Verlust doch noch weiter runtergedrückt? Im 1. Quartal 2021 dürfte womöglich ein weiterer Verlust folgen, auch wenn man jetzt überhaupt noch nicht absehen kann, wie dann die Lage sein wird in Sachen Infektionen und Impfstoff-Fortschritt.

Verluste laufen weiter?

Mit „Genau hinschauen“ in der Artikel-Headline möchte ich sagen: Die Quartalsverluste der Flugbranche laufen weiter – weil sich die Corona-Lage derzeit deutlich verschlechtert. Und noch ist kein Ende in Sicht. Die 10 Milliarden Euro Cash-Reserve der Lufthansa wirkt auf den aller ersten Blick nach einem schönen großen Polster. Aber sie kann schnell abschmelzen, und ist auch auf Kredit erkauft. Die Lufthansa kann für diese dramatische Lage nichts, genau so wenig wie die Betreiber von Hotels, Restaurants und Reisebüros. Je schlimmer die Corona-Lage wieder wird, desto schlimmer die finanzielle Lage dieser Unternehmen. Die Lufthansa ist in diesem Strudel gefangen, genau wie alle anderen Airlines.

Und so hielt die Euphorie der Lufthansa-Aktie gestern auch nur ganz kurz an. Sie stieg von 8,04 auf 8,58 Euro. Die Aktie fiel dann gleich wieder. Und heute zusammen mit dem fallenden Gesamtmarkt fällt auch die Airline-Aktie auf aktuell 7,93 Euro. Der Chart zeigt den Kursverlauf der letzten zwölf Monate. Die Aktie hängt müde relativ weit unten im Verlauf der letzten Monate. Geht es unter 7 Euro, droht es für die Aktie ganz düster zu werden.

Dass die nächsten Monate keine rosige Perspektive versprechen, kann man dem Schlusswort der Lufthansa in ihrer gestrigen Mitteilung entnehmen. Man ist bemüht die Kosten zu drücken, um möglichst lange mit dem Liquiditätspolster durch diese Krise zu kommen. Aber für Euphorie in der Aktie ist es noch viel, viel zu früh. Es könnte nämlich für die gesamte Airline-Branche eine sehr lange, trockene Durststrecke werden. Zitat Lufthansa:

Der Konzern ist in der Lage, auch weiteren Belastungen der Corona-Pandemie standzuhalten. In den kommenden Wintermonaten wird die Nachfrage nach Flugreisen aufgrund des globalen Infektionsgeschehens und der damit verbundenen Reisebeschränkungen voraussichtlich niedrig bleiben. Die Konzernairlines werden nach aktueller Planung im vierten Quartal nur maximal 25% der Vorjahreskapazität anbieten, um sicherzustellen, dass der Flugbetrieb auch weiterhin einen positiven Cashbeitrag leistet. Gleichzeitig arbeitet die Lufthansa Group intensiv an Restrukturierungsmaßnahmen in allen Geschäftsbereichen, um kurz- und mittelfristige Kosteneinsparungen zu erzielen und die operativen Mittelabflüsse zu minimieren.

Chart zeigt Kursverlauf der Lufthansa-Aktie in den letzten zwölf Monaten

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