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Auswirkungen der Energiekrise Stehen viele Brummis bald still? Deutschland fehlt AdBlue

Stehen viele Brummis bald still? Deutschland fehlt AdBlue. Hier der Blick auf die Mangellage und einen wichtigen Hersteller.

LKW auf der Autobahn benötigen AdBlue

In der derzeitigen Energiekrise sieht man nun immer öfter, wie zerbrechlich eine hochkomplexe Volkswirtschaft ist, wenn sich ein zentral wichtiger Brennstoff wie zum Beispiel Gas so sehr verteuert, dass ganze Betriebe ihre Produktion einstellen müssen. Düngemittel, Brot, Stahl, Aluminium – viele Bereiche sind betroffen. Auch der für moderne Diesel-Fahrzeuge notwendige Stoff AdBlue ist derzeit ein knappes gut. Die Lage könnte kritisch werden.

Probleme in der Versorgung mit AdBlue

Nach dem Stopp der Produktion bei einem Großhersteller im letzten Monat kämpft Deutschland laut Aussage von Bloomberg mit einem Mangel an AdBlue, einem wichtigen Bestandteil der Abgasreinigung moderner Diesel-Pkw und Lkw. Damit droht die Explosion der Gaspreise das Speditionswesen lahmzulegen. Lastwagenfahrer berichten, dass die Lieferanten die Versorgung mit AdBlue einschränken, und Branchenverbänden zufolge werden Bestellungen einiger Tankstellen reduziert. Die Preise für die Flüssigkeit, die zur Neutralisierung schädlicher Emissionen von Dieselmotoren dient, sind seit letztem Jahr um ein Vielfaches gestiegen, da die Gaskrise die Produktion von Ammoniak, einem Grundstoff für AdBlue, unrentabel gemacht hat.

Deutschland ist mehr als viele Nachbarländer auf AdBlue angewiesen, da nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes rund 14,8 Millionen Pkw – etwa ein Drittel der gesamten Pkw-Flotte – mit Dieselmotoren ausgestattet sind. Fast alle Lastkraftwagen und schweren Nutzfahrzeuge werden mit diesem Kraftstoff betrieben. Die AdBlue-Versorgung an Tankstellen sei derzeit angespannt und werde sich in den kommenden Monaten weiter verschlechtern, sagte Jürgen Ziegner, Geschäftsführer des Tankstellenverbands ZTG.

Letzte Woche hätten Lieferanten einige Bestellungen von AdBlue-Kanistern nicht angenommen, da die Preise innerhalb weniger Tage um 45% gestiegen seien, sagte Ziegner. Die AdBlue-Preise an den Tankstellen seien auf bis zu 1,50 Euro pro Liter gestiegen, im Vergleich zu 25 Cent vor etwa zwei Jahren.

Blick auf wichtiges Werk SKW Piesteritz

Die SKW Piesteritz Holding GmbH, die etwa 40% des deutschen AdBlue aus ihrem Werk in Wittenberg liefert, sagt nun laut Bloomberg, dass sie ein staatliches Rettungspaket benötigt, um eine umfassendere Stilllegung zu vermeiden. Das Unternehmen hat im August die Produktion gestoppt, als die monatlichen Verluste auf etwa 100 Millionen Euro anstiegen, sagte Sven Schulze, Wirtschaftsminister des Landes Sachsen-Anhalt.

Viele AdBlue-Lieferanten haben nach Angaben des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) keine neuen Kunden mehr angenommen. Mehr als 70% aller Güter in Deutschland werden laut BGL per Lkw transportiert. Während sich größere Logistikunternehmen mit mehr als 100 Lkw mit AdBlue eingedeckt haben und vorrangig beliefert werden, berichten kleinere Unternehmen mit einer Flotte von weniger als 25 Lkw von “zunehmenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung”, so der Logistikverband DSLV.

BASF SE, ein weiterer wichtiger Hersteller von AdBlue, produziert die Chemikalie weiterhin in normalen Mengen. Dies ist zum Teil dadurch möglich, dass Ammoniak aus ausländischen Produktionsanlagen, darunter eine eigene in den USA, importiert wird, statt es selbst herzustellen.

Beim wichtigen AdBlue-Produzenten SKW tut sich derzeit wieder etwas. Die Lage wirkt auf den ersten Blick entspannend, aber es ist ein Drahtseilakt, bei dem man auf Staatshilfe hofft, die noch gar nicht in Aussicht ist. Gegenüber dem MDR sagt das Unternehmen heute früh, dass man jetzt damit begonnen hat die Maschinen wieder in Betrieb zu nehmen. Das Hochfahren der Anlage werde ungefähr eine Woche dauern – produziert werde in der Zeit noch nichts. Wegen der ab Oktober fälligen Gasumlage hätte das Unternehmen monatlich voraussichtlich 30 Millionen Euro zahlen müssen. Das sei finanziell nicht zu stemmen.

Man habe das Gefühl, dass das Problem des Unternehmens verstanden wurde, und vertraue auf ein verlässliches Signal aus der Politik, so ein Unternehmenssprecher. Man setze weiterhin auf eine kurzfristige Regelung des Bundes, die ein wirtschaftliches Arbeiten wieder ermöglicht. Sollte es aber keine Lösung geben, dann fahre das Unternehmen den Betrieb wieder runter.

FMW/Bloomberg/MDR



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1 Kommentar

  1. Na, da bin ich aber froh, dass mein alter Diesel eben nur Diesel benötigt, um sich in Bewegung zu setzen.
    Ich kann auch nur erahnen, wieviel Diesel-PKW hier in Spanien mit dem für Baumaschinen steuerfreuen Diesel durch die Gegend fahren.

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