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Tesla-Aktie: Warum sie gut für Trader ist, aber schlecht für Anleger

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Tesla Innenansicht - Tesla-Aktie nichts für Anleger

Die Tesla-Aktie hat eine Schar von Anhängern, die das Unternehmen mit geradezu religiösem Eifer gegen Kritiker verteidigen. Gleichzeitig gibt es auch eine Reihe von Kritikern, die die Schwächen der Aktie mit ebenso großem Eifer darlegen. Dabei hat die Aktie Tradern eine Menge zu bieten (wir hatten sie auch letzte Woche schon besprochen), während sie gleichzeitig für Anleger ein rotes Tuch darstellen sollte. Ich fand zwei Gründe, die Tesla Motors zu einer guten Aktie für Trader machen und acht Gründe, weshalb Anleger lieber Gewinne mitnehmen und dann die Finger von der Aktie lassen sollten.

Tesla-Aktie nicht wirklich geeignet für Anleger

1. Die Tesla-Aktie weist eine weit überdurchschnittliche Volatilität auf. Options-Trader können hier voll auf ihre Kosten kommen. Aber auch, wer ohne Optionen tradet, kann bei hoher Volatilität schneller größere Gewinne einfahren als bei weniger volatilen Aktien.

2. Die Tesla-Aktie ist sehr liquide, so dass auch größere Orders problemlos und schnell ausgeführt werden können. Oft müssen Trader auf der Suche nach Aktien mit hoher Volatilität auf vergleichsweise illiquide Werte ausweichen. Bei Tesla hingegen werden täglich Millionen Aktien im Wert mehrerer Milliarden US-Dollar gehandelt.

3. Die Tesla-Aktie ist stark überbewertet. Egal, welchen Vergleichsmaßstab ich anlege oder in Relation zu welcher Kennzahl auch immer ich die Aktie betrachte, sie bleibt überbewertet. Ein KGV kann mangels Gewinnen gar nicht berechnet werden, so dass auch alle mit dem Gewinn in Verbindung stehenden Bewertungsverfahren ausfallen. Was bleibt, ist die Kursphantasie und die Hoffnung auf künftige Gewinne.

4. Gewinne werden von Tesla seit gut einem Jahrzehnt versprochen, und nie geliefert. Aber selbst wenn Tesla Gewinne abliefern könnte, wäre die Aktie überbewertet. Nehmen wir zum Vergleich BMW. Der Konzern erzielt eine Nettogewinnmarge von 6% bis 7%, in Ausnahmequartalen auch bis zu 10%. Gelänge es Tesla Motors, den diesjährigen Umsatz zu vervierfachen und eine Nettogewinnmarge von 7% zu erzielen, so kämen wir (ohne weitere Verwässerung, siehe 5.) auf ein KGV von etwa 10. Üblich in der Automobilindustrie sind jedoch geringere KGVs. Also selbst unter diesen optimistischen Annahmen, einer Umsatzvervierfachung bei gleichzeitiger massiver Kostenreduktion, wäre Teslas Aktie im Branchenvergleich noch immer überbewertet. Woher kommt also die Kursphantasie?

5. CEO Elon Musk versprach schon Anfang 2012, dass Tesla Motors nie wieder eine Kapitalerhöhung durchführen müsse. Tatsächlich folgten anschließend im Jahresrhythmus weitere Kapitalerhöhungen und Kreditaufnahmen. Gab es Anfang 2011 erst 95 Millionen Tesla-Aktie, so hat sich diese Zahl bis heute fast verdoppelt. Aktionäre sehen sich also mit einer ständigen Verwässerung ihres Anteils konfrontiert. Selbst wenn Tesla irgendwann einmal Gewinne machen sollte, stünde Aktionären der ersten Stunde davon derzeit kaum mehr als halb soviel zu wie 2011.

6. Während die hohe Bewertung der Tesla-Aktie mit den phantastischen Wachstumsaussichten des Unternehmens begründet wird, investiert Tesla kaum in weiteres Wachstum. Die Investitionen in Sachanlagen sind netto negativ. Das heißt, die Abschreibungen auf Anlagen sind höher als die Investitionen in neue Maschinen. Wie die DDR lebt Tesla Motors von der Substanz. Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden in den vergangenen Quartalen reduziert, statt angesichts der immer größer werdenden Anzahl angekündigter Produkte zu wachsen. Übrigens meinte CEO Elon Musk in diesem Jahr, dass das knappe Entwicklungsbudget zu nahezu 100% in die Entwicklung des autonomen Fahrens fließe. Gleichzeitig hat das Unternehmen aber angeblich vier neue Fahrzeugmodelle und ein Solardach in Entwicklung. Wovon wird das bezahlt? Und damit landen wir bei Punkt 7!

Elon Musks Glaubwürdigkeit ist ein Problem

7. Die Glaubwürdigkeit des Tesla-Managements ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Der CEO kann sich nicht des Vorwurfs des Wertpapierbetrugs erwehren, seitdem er ankündigte, Tesla-Aktien für 420 US-Dollar zurückkaufen und die Aktie dann von der Börse nehmen zu wollen und das dafür nötige Kapital bereits gesichert sei. Tatsächlich hatte er nicht nur kein Kapital gesichert, er hatte auch keinerlei Vorbereitungen mit dem Management des Unternehmens für solch eine Kapitalmaßnahme getroffen. Er log! Bei der Vielzahl an nicht eingetroffenen Ankündigungen, siehe auch 5., und den sich oft widersprechenden Ankündigungen, müssen sich Aktionäre die Frage gefallen lassen, warum sie dem Tesla-Management überhaupt noch trauen.

8. Tesla leidet unter einem Problem: Die Produkte werfen keine Gewinne ab. Beim Roadster, dem ersten Produkt, war das noch klar. Er sollte nur Aufmerksamkeit für das erste in großen Mengen produzierte Fahrzeugmodell schaffen, das Model S. Damit sollten dann die Gewinne eingefahren werden, um das preisgünstigere Model 3 zu finanzieren. Nachdem weder Model S noch das teurere Model X Gewinne abwarfen, verschob sich der Fokus. Nun sollte es das Model 3 richten. Doch was bei Tesla mit den Stückzahlen stets mitwuchs, das waren die Verluste. Tesla verkauft nun mehr als 300.000 Fahrzeuge pro Jahr und die Verluste sind größer denn je. Skaleneffekte – das ist bei Tesla unbekannt.

9. Tesla macht immer wieder den Fehler, Produktpreise anzukündigen, bevor das Produkt überhaupt entwickelt wurde. So sollte das Model S ab 50.000 US-Dollar kosten, Model 3 ab 35.000 US-Dollar und der Truck Tesla Semi, der soll für nur 180.000 US-Dollar trotz Riesenbatterie erhältlich sein. Das Solardach sei günstiger als ein normales Dach, selbst vor Einbezug der Einspeisevergütung und der neue Pickup-Truck aus Edelstahl, größer, stärker und mit mehr Reichweite als jedes andere Automodell von Tesla, das soll ab 40.000 US-Dollar erhältlich sein und damit günstiger als das Klein-SUV Model Y mit höchstens halb so großer Batterie. Am Ende war Tesla bislang stets gezwungen, höhere Preise als ursprünglich angekündigt zu berechnen. Und Verluste wurden damit dann trotzdem noch gemacht.

Der Wettbewerb wird stärker

10. Der Wettbewerb von Tesla Motors wird stärker und stärker. Mehr als ein halbes Jahrzehnt lang konnte Tesla weitgehend wettbewerbsfrei agieren und machte trotzdem Verluste. Nun sind die Produktpipelines der etablierten Hersteller gefüllt mit Elektroautos. Und in Europa, China und Kalifornien, die drei größten Märkte für Tesla Motors, können und werden diese Autos mit Verlust verkauft werden, um Flottenverbrauchsziele und Elektroautoquoten zu erfüllen. Quersubventioniert werden kann das mit Gewinnen, die mit Verbrennungsmotoren gemacht werden. Tesla hingegen kann nichts quersubventionieren, sich dem Wettbewerb aber auch nicht entziehen. Dem Unternehmen entgleitet zunehmend die Möglichkeit, Preise festzusetzen.

Sie sehen, für Trader ist die Aktie ein Traum, für Anleger kann sie sich schnell zum Albtraum entwickeln. Sollten Tesla-Bullen anderer Meinung sein, freue ich mich über fundierte Kommentare insbesondere zu Punkt 4., aber auch zu allen anderen angesprochenen Problemen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Ranzentier

    19. Dezember 2019 17:29 at 17:29

    nur noch 15 Dollar, dann wird Tesla von der Börse genommen…;o)

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Aktienmärkte: Wird die Zukunft zu pessimistisch gesehen?

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Die Aktienmärkte notieren auf Allzeithochs und steigen weiter, während gleichzeitig die Konjunktur Schwächen zeigt. Und trotz der mit der Konjunkturentwicklung nicht im Einklang stehenden Allzeithochs geht die US-Großbank JPMorgan davon aus, dass Analysten zu pessimistisch in die Zukunft schauen. Die Gewinnerwartungen für 2020 seien zu niedrig. Was ist dran an JP Morgans Einschätzung?

Wenn Analysten die Zukunft zu negativ einschätzen, hat das in der Regel zwei Auswirkungen:

1) Die Aktienkurse in der Gegenwart sind niedriger, als sie bei korrekter Antizipierung der künftigen Gewinne sein könnten und
2) Die Aktienkurse werden nach Bekanntgabe der besser als erwartet ausfallenden Ergebnisse rasch steigen.

Denn für viele Anleger ist der Consensus der Analysteneinschätzungen, also deren durchschnittliche Gewinnerwartung, eine Richtschnur bei Anlageentscheidungen. JP Morgan berichtet nun, dass die Analystenerwartungen für die kommenden beiden Berichtsquartale unterhalb der Ergebnisse liegen würden, die in den vergangenen beiden Quartalen gemeldet wurden. Die kommenden beiden Berichtsquartale sind übrigens das 4. Quartal 2019 und das 1. Quartal 2020, da für das 4. Quartal 2019 noch keine bzw. kaum Unternehmensergebnisse veröffentlicht wurden.

Normalerweise sehen Bankanalysten die Zukunft zu positiv, jetzt jedoch angeblich zu negativ

Da das Weihnachtsquartal für viele Unternehmen das stärkste Quartal des Jahres ist, sei die Erwartung nicht stichhaltig, die Ergebnisse der beiden kommenden Berichtsquartale würden unterhalb der beiden vorhergehenden Quartale liegen. Normalerweise schätzen Analysten die Zukunft als zu positiv ein und korrigieren ihre zu positiven Annahmen im Jahresverlauf nach unten. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Analysten im Dienste von Banken stehen, die erstens Vermögensverwaltung für ihre Kunden betreiben und daher ein Interesse an steigenden Kursen haben, zweitens Fonds vertreiben, deren Verkauf bei steigenden Kursen besser läuft und die drittens als Investmentbanken Kapitalerhöhungen und Börsengänge begleiten, die bei steigenden Kursen bedeutend einfacher oder überhaupt erst durchzuführen sind. Darum nennt man diese Analysten auch „Sell Side Analysts“, da ihre Arbeitgeber Aktien verkaufen und nicht kaufen wollen.

Die Citigroup ergänzt JPMorgans Aussagen dahingehend, dass seit April in jeder einzelnen Woche die Zahl der negativeren Einschätzungen die Zahl der positiveren Ausblicke überwog. Mehr Analysten stutzten also ihre Erwartungen zurück als umgekehrt. Dass zeitgleich eine Aktien-Hausse startet, verwundert. Ich verwies in den vergangenen Wochen bereits mehrfach darauf, dass die Anleger irrational handeln und belegte das am Beispiel von Apple. Seitdem Apple eine Umsatz- und Gewinnwarnung Anfang Januar 2019 herausgab, hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Es ergibt jedoch keinen Sinn, einem Unternehmen einen mehr als doppelt so hohen Wert beizumessen, nachdem es bekanntgab, künftig weniger Geld zu verdienen. Und trotzdem geschah genau das – und zwar nicht nur bei Apple, sondern bei tausenden Aktiengesellschaften.

Sollten wir nun auf JP Morgans Einschätzung hören? Zumindest im vergangenen Jahr lag die Bank mit der Einschätzung genau richtig. Damals prognostizierte sie, dass die Aktienmärkte in den USA besser abschneiden würden als die Aktien der anderen Industrienationen und genau das trat ein.

Erste Ergebnisse sind positiv, doch die Aktienmärkte preisten das vielleicht schon ein!

Bislang haben etwa 6% der Unternehmen im S&P 500 bereits die Zahlen für das vierte Quartal veröffentlicht und konnten im Schnitt 3% Ergebniswachstum präsentieren. Setzt sich der Trend fort, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Analystenerwartungen von der Mehrheit der Unternehmen übertroffen werden können. Was folgt, wären bessere Analystenerwartungen für die kommenden Quartale, die in der Regel mit steigenden Kursen einhergehen.

JPMorgan wird aber noch konkreter. Die Bank erwartet, dass vor allem Rohstoff-, Luxus-, und Halbleiterunternehmen im 4. Quartal bessere Ergebnisse präsentieren könnten, als Analysten erwarten. Ich berichtete bereits in den vergangenen Wochen vom Boom bei Luxus-Aktien und von der Tatsache, dass in China die Rohstoffbranche eine der wenigen sei, die noch Geld verdienen kann. Insofern bestätigt die neue JPMorgan-Analyse meine eigenen Beobachtungen.

Zweifel hege ich jedoch an der Einschätzung, dass die Aktienmärkte die Möglichkeit übertroffener Analysten-Erwartungen noch nicht eingepreist haben könnten. Die stark gestiegenen Aktienkurse der vergangenen Monate deuten meiner Ansicht nach darauf hin, dass die Anleger die Zukunft bereits deutlich positiver sehen als die Bankanalysten. Denkbar ist also, dass eine weitere Boomphase ausbleibt, selbst wenn die Erwartungen jetzt übertroffen werden können.

Aktienmärkte haussieren - Tim Cook und Donald Trump
Die Apple-Aktie lief letztes Jahr extrem gut. Apple-Chef Tim Cook mit Donald Trump im November 2019 auf Fabrik-Besichtigung.

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Netflix: Ein Kind des laufenden Kreditzyklus

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Netflix Beispielfoto

Steigende Gewinne, steigende Nutzerzahlen, steigende Umsätze – Netflix könnte eine mustergültige Wachstums-Story sein (die letzten Quartalszahlen waren noch gut). Dass es das ist, scheinen zumindest viele Anleger zu glauben. Denn der Aktienkurs stieg seit der heftigen Korrektur im vergangenen Jahr bereits wieder um 36%. Die Sache hat nur einen Haken: Das Unternehmen produziert negative Cashflows und der Gewinn hängt davon ab, wie die kreditfinanzierten Inhalte bewertet werden.

Trotz wachsender Ausgaben schrumpft bei Netflix der Inhaltekatalog

Der Inhaltekatalog von Netflix ist übrigens weder statisch, noch wächst das Angebot. Tatsächlich schrumpfte der Katalog seit 2014 sogar signifikant, obwohl Netflix in diesem Zeitraum Milliarden in Inhalte investierte. Konnten US-Kunden 2014 noch aus mehr als 8.000 verschiedenen Titeln wählen, waren es vier Jahre später keine 5.600 mehr. Das liegt sowohl daran, dass Filmstudios ihre Lizenzen nicht verlängerten, weil sie eigene Streamingangebote mit exklusiven Inhalten starteten. Als auch daran, dass Konkurrenten wie Amazon mehr für die Lizenz boten. So geschah es kürzlich auch bei einem von Netflix‘ beliebtesten Serien: Friends.

Der Abfluss lizenzierter Inhalte kann nur bedingt durch Eigenproduktionen aufgefangen werden. Die finanzielle Logik teurer Eigenproduktionen ist ohnehin noch nicht gänzlich geklärt. Es ist zwar schön, dass das Unternehmen inzwischen so gute Filme und Serien produzieren kann, dass sie sogar die Oscar-Nominierungen anführen. Doch weshalb sich diese mit immensen Summen erkaufte Qualität auch wirtschaftlich für Netflix-Aktionäre auszahlen soll, ist unklar. Wenn ein Hollywood-Studio 200 Millionen US-Dollar in einen Film investiert, dann verdient das Studio an Fan-Artikeln, den Kinovorstellungen, DVDs, Blurays, Streaming-Lizenzen und TV-Ausstrahlungen. Wenn Netflix 200 Millionen US-Dollar in einen Film investiert, dann fällt all das bis auf vielleicht Fan-Artikel weg. Stattdessen können Kunden, die ohnehin 12 US-Dollar im Monat zahlen, um z.B. eine Serie zu schauen, nun auch diesen 200 Millionen US-Dollar teuren Film ansehen, ohne dafür einen Cent zusätzlich zu bezahlen. Es ist auch zweifelhaft, ob Netflix durch diese teuren Eigenproduktionen genügend Neukunden generieren kann, die dann lang genug dabei bleiben, um die Investitionen zu amortisieren.

Vor allem das „lang genug dabei bleiben“ wird schwierig, ist doch ein Trend zum Binge-Watching erkennbar. Statt sich zehn Jahre lang wöchentlich Montags für 60 Minuten vor den Fernseher zu setzen, um die neuste Friends-Folge mit vier Werbeunterbrechungen im Fernsehen sehen zu können, kaufen sich die Menschen ein Monatsabo für Netflix für 12 Euro und schauen sich alle bislang abgedrehten Folgen innerhalb weniger Tage an. Anschließend kann das Abo auch wieder gekündigt werden, bis die nächste Staffel vollständig zum Abruf bereitsteht. Statistiken zeigen, dass neu hinzugefügte Titel bei Netflix in den ersten Wochen exzessiv gesehen werden, während das Interesse in den folgenden Monaten extrem absinkt. Wenn jedoch Monate nach der Aufnahme in den Katalog kaum mehr jemand den Titel sieht, dann können die teuren Lizenzen keine langfristigen Auswirkungen auf die Kundentreue haben. Niemand bleibt Ende 2020 bei Netflix, weil Ende 2019 Irishman gesehen werden konnte.

Netflix‘ Ausgaben für Eigenproduktionen steigen stark

Apropos Irishman. Netflix zahlte allein für die Filmrechte 105 Millionen US-Dollar an Paramount. 159 Millionen US-Dollar kostete die Produktion. Und mindestens 50 Millionen dürfte es das Unternehmen gekostet haben, die internationalen Distributionsrechte von STX Entertainment zu kaufen. Denn die gaben schon 2016 50 Millionen aus, um die Vermarktungsrechte von Paramount zu kaufen und verklagten anschließend Netflix. Wir reden also über gute 300 Millionen US-Dollar Gesamtkosten für nur einen von mehr als 5.000 Filmen in Netflix‘ Katalog.

Netflix plant, in diesem Jahr mehr als 17 Milliarden US-Dollar für Eigenproduktionen auszugeben. Das wäre kein Problem, könnte das Unternehmen diese Produktion aus den Aboentgelten finanzieren. Können sie aber nicht. Man macht zwar auf dem Papier Gewinn, hat aber einen negativen Cashflow in Milliardenhöhe pro Jahr. Das heißt, die Eigenproduktionen sind kreditfinanziert und Netflix macht vor allem deshalb Gewinn, weil die Eigenproduktionen in der Bilanz aktiviert werden. Ob der diesen Eigenproduktionen zugeschriebene Wert auch tatsächlich existiert und Netflix im Falle eines nötigen Verkaufs die in der Bilanz stehenden Werte für die Inhalte realisieren kann, steht in den Sternen.

Der Abwärtstrend ist noch aktiv

Die Hoffnung der Anleger beruht darauf, dass Netflix bis zum Zahltag der aufgenommenen Kredite einen Weg fand, positive Cashflows zu generieren oder alternativ Anleger zu finden, die die Kreditpyramide weiter am Laufen halten. Aus meiner Sicht ist das Unternehmen ein typisches Kind der Negativzinsphase. In Anbetracht mangelnder Alternativen und einer Überversorgung mit Liquidität kaufen Anleger so gut wie alles, was ihnen angeboten wird. Und Netflix bietet durchaus attraktive Konditionen. Mit Anleihen können Anleger mehr als doppelt soviel Rendite erzielen wie mit US-Staatsanleihen. Doch wenn dieser Kreditzyklus einmal enden sollte und Netflix von der Versorgung mit neuen Krediten abgeschnitten wird, dann endet auch die Versorgung der Abonnenten mit neuen Inhalten. Dann dürfte auch der Aufwärtsdrang der Aktie ein Ende finden. Derzeit notiert die Aktie ohnehin noch im vergangenen Jahr gestarteten Abwärtstrend. Der wäre erst beendet, wenn die Aktie bei 365 US-Dollar nach pben ausbrechen könnte.

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Weltwirtschaftskrise – vorher schnell noch reich werden

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Beispielbild für die Weltwirtschaftskrise

Die globale Überschuldung zwingt die Notenbanken in eine Interventionsspirale. Die positiven Auswirkungen des Gelddruckens sollte man nutzen, bevor es zu einer Weltwirtschaftskrise kommt.

Relativer Wohlstand und Sicherheit statt Weltwirtschaftskrise

Nach wie vor ist vielen Menschen nicht bewusst, wem sie die scheinbare Normalität ihres Alltags zu verdanken haben. Die statistisch relativ niedrige Arbeitslosigkeit, die steigenden Vermögenspreise, die oberflächliche Stabilität des Bankensystems, Sicherheit, Freiheit, Rechtssicherheit, Unterhaltung, die Versorgung mit Lebensmitteln, Energie, Wasser, Medikamenten bis hin zur Müllentsorgung funktionieren nur noch deshalb, weil in Europa die EZB und in vielen anderen Regionen der Welt die zuständigen Noten- und Zentralbanken die Wirtschaft mit Billionensummen und historisch niedrigen Leitzinsen stabilisieren. Schon eine relativ kurze Zeitspann ohne diese Notfallmaßnahmen würde alle genannten Segnungen in akute Gefahr bringen.

Das Krisenmanagement der Zentralbanker kann man grundsätzlich kritisieren. Doch wie würde man selbst als Präsident oder Präsidentin der Europäischen Zentralbank handeln? Kann man sich überhaupt moralisch über einen Mario Draghi oder eine Christine Lagarde erheben, ohne die sich die Eurozone bereits in einer für alle spürbaren Zerfallskrise befände? Fakt ist, dass all die Immobilienmakler, Aktienhändler, Goldbugs (zu denen ich mich selbst zähle) sowie bonusverwöhnte Top-Manager ihre Erfolge und Einkommen nicht ausschließlich den eigenen Fähigkeiten verdanken, sondern in essenziellem Maße der zunehmenden Interventionspolitik der Notenbanken. Viele Ökonomen, Bestsellerautoren und Hobby-Volkswirte, die es angeblich besser wissen, würden die von ihnen prognostizierte Weltwirtschaftskrise sofort selbst auslösen, wenn sie ihrer Kritik entsprechend als Zentralbanker diese „unseriöse“ Geldpolitik sofort beenden würden.

Alt und arm ist keine Option

Anstatt sich also über andere zu erheben oder die Realität zu ignorieren, sollte man den positiven Beispielen aus der gut dokumentierten Weltwirtschaftskrise von 1929 ff. folgen. Schaut man sich die Geschichte der „Great Depression“ an, dann litten besonders die Menschen, die die Krise und ihre Herausforderungen nicht haben kommen sehen am meisten unter den Folgen. Anders als z. B. die Familie Kennedy, die erst dank des Geschäftsmannes, Diplomaten und Börsenspekulanten Joseph P. Kennedy durch den Boom am Aktienmarkt und den folgenden Crash im Jahre 1929 zu einer wohlhabenden Dynastie aufstieg oder der wohl berühmteste Short-Seller aller Zeiten, Jesse Lauriston Livermore, der auch als König der Börsenspekulanten und bester Trader aller Zeiten in die Annalen der Börsengeschichte einging (Buchempfehlung: „Das Spiel der Spiele“ von Edwin Lefèvre). Diese Männer gingen wohlhabend durch die Krise und stellten später im Falle der Kennedys sogar den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Natürlich kann niemand mit Gewissheit sagen, wie sich der Verlauf der nächsten Weltwirtschaftskrise gestaltet, wie stark unsere Demokratie noch Schaden nehmen und wie sich die Sicherheitslage darstellen wird. Aber wenn man das Wissen um die Ursachen und Auswirkungen der zunehmend systemrelevanten Geldpolitik besitzt, dann sollte man dieses Wissen auch nutzen und gemäß den Erkenntnissen des Ökonomen Richard Cantillon und dem nach ihm benannten Cantillon-Effekt im eigenen Interesse und im Interesse der eigenen Familie und Freunde opportunistisch handeln (siehe Video). Denn nur wer später noch Mittel zur Verfügung hat, kann auch anderen Helfen und eventuell sogar die Zeit nach der Krise mitgestalten. Wobei Letzteres wohl realistisch betrachtet in die Kategorie „Illusionen“ gehört. Aber nur so besteht zumindest die Chance auf ein menschenwürdiges Leben auch im Alter, trotz der vermutlich unvermeidbaren Weltwirtschaftskrise.

Die Interventionsspirale und ihre Wirkung

Optionen, wie man eine solche Krise verhindern und aus der Interventionsspirale ausbrechen kann, gibt es spätestens seit dem Platzen der New-Economy-Blase nicht mehr. Damals machte Alan Greenspan den Anfang mit radikalen Zinssenkungen, um die Folgen des Zusammenbruchs der Aktienmärkte weltweit abzumildern. Ab 2006 setzte Ben Bernanke diese Politik mit dem Start der „QE-Programme“ fort, gefolgt von der gelpolitischen „Verwalterin“ Janet Louise Yellen und nun in extremer Form neu gestartet durch Mr. Jerome Hayden „Jay“ Powell.

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