Asien

Konjunkturpaket für Japan liegt vor: Helikoptergeld light, Kredite, Infrastruktur

Wie NHK bestätigt, soll in einer Art "Helikoptergeld light" (nennt in Japan so aber niemand) an 22 Millionen einkommensschwache Bürger pro Person 15.000 Yen ausgegeben werden, was umgerechnet ungefähr 132 Euro sind. Naja, aber besser...

FMW-Redaktion

Die japanische Regierung hat ihr aktuellstes Konjunkturpaket veröffentlicht. Es umfasst ein Volumen von knapp 120 Milliarden Euro. Die japanische Wirtschaft soll über Kreditprogramme mit frischem Geld versorgt werden. Auch soll die Regierung sowie die Regionalverwaltungen Ausgaben tätigen. Ministerpräsident Abe sagte dazu heute man habe hier ein starkes Konjunkturpaket zusammengestellt, mit dem man für die Zukunft investiere. Es werde zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum und mehr Nachfrage bei den Verbrauchern führen – das BIP soll kräftig ansteigen um satte 1,3% – und die Deflation soll bekämpft werden.

Japan MP Abe
Japan-Ministerpräsident Abe. Foto: Chuck Hagel/Wikipedia (CC BY 2.0)

Wie NHK bestätigt, soll in einer Art „Helikoptergeld light“ (nennt in Japan so aber niemand) an 22 Millionen einkommensschwache Bürger pro Person 15.000 Yen ausgegeben werden, was umgerechnet ungefähr 132 Euro sind. Naja, aber besser als gar nichts, wird sich jemand sagen, der kein Geld in der Tasche hat! Und ja, er/sie wird das Geld wohl voll für den Konsum ausgeben statt das Geld aufs Sparbuch zu legen.

Das Gesamtpaket von umgerechnet 120 Milliarden Euro fällt offiziell gut doppelt so hoch aus mit um die 240 Milliarden Euro. Diese weiteren 120 Milliarden kann man aber getrost weglassen, da es sich hierbei um Investitionen handelt, die von sogenannten „Public Private Partnerships“ (Öffentlich Private Parnterschaften / ÖPP) und sonstigen indirekten Quellen stammen, die wohl keine sofortige Stimulanz für die Wirtschaft bringen werden.

Neben dem Helikoptergeld light sollen vor allem Kredite an kleine Unternehmen herausgereicht werden, damit diese u.a. mögliche negative Auswirkungen des Brexit abfedern können. Auch sollen Hafenanlagen für Kreuzfahrtschiffe verbessert und eine Zugstrecke für den Maglef-Zug finanziert werden. Darüber hinaus sollen Teile der Gelder in den Wiederaufbau von Erdbebengebieten fließen. Teil des Programm ist auch eine Maßnahme, die „mehr Menschen in die verfügbare Masse der Arbeitnehmer“ bringen soll. Das passt zu Ministerpräsident Abe´s Wunsch die Geburtenrate in Japan in Schwung zu bekommen. Das bedeutet wohl: Mehr Geld für Kitas, Tagemütter und Ganztagsschulen, so unsere Vermutung. Denn das ist Japans Basisproblem: Eine überalternde Gesellschaft, und weniger Arbeitskräfte. Also müssen mehr Kinder geboren werden, und gleichzeitig mehr Menschen in der Lage sein zu arbeiten.

Möglich, dass Abe nun endlich das wahre Problem erkannt hat. Die Notenbank hatte vor Kurzem ja auch ein paar winzig kleine Maßnahmen ergriffen. So hatte man z.B. seine Kreditlinien für Unternehmen ein klein wenig ausgeweitet. Anders als in Europa bilden in Japan Notenbank und Regierung eine Art Verschuldungs- und Gelddruck-Tandem. Beide wollen im Gleichklang die Wirtschaft aus der Deflationsspirale retten. Für „die“ Märkte ist aber die Frage: Reicht dieses Paket aus? Kann damit das BIP um 1,3% angezogen werden, wo doch ähnliche vorige Maßnahmen fast gar nichts brachten? Man macht das wohl nach dem Motto „besser etwas tun als gar nichts tun.“ War das der große erhoffte Knall? Der Yen jedenfalls scheint aktuell wenig beeindruckt zu sein. Er steigt lieber an. USDJPY fällt seit der Verkündung um 50 Pips auf aktuell 101,25. Wenn BoJ + Regierung den Yen schwächen wollten, hat man es wohl nicht geschafft. Der Devisenmarkt ist schon zu verwöhnt mit japanischen Geldschwemmen, so scheint es!
Der Nikkei war nur ganz leicht enttäuscht und fiel 60 Punkte (bei 16.166 Zählerstand ist das nichts).

USDJPY
USDJPY seit Anfang letzter Woche.



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