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US-Berichtssaison – doch besser als erwartet?

Das Spiel mit den gesenkten Erwartungen hat einmal mehr funktioniert in der nun laufenden US-Berichtssaison – zumindest bisher für gut ein Drittel der 500 Unternehmen im S&P, die ihre Berichte zum dritten Quartal abgeliefert haben. Hier kann man bereits ein kleines Fazit ziehen – und oh Wunder, es fällt besser aus als erwartet. Dafür gibt es mehrere Gründe.

 

US-Berichtssaison – die bisherigen Quartalsbilanzen

Nach einer Auswertung des globalen Datendiestleisters Refinitiv, haben die im größten Index der Welt, dem S&P 500 gelisteten Unternehmen, die Erwartungen der Analysten bisher mehrheitlich übertroffen. Mit 82 Prozent liegt man deutlich über dem historischen Durchschnitt, der bei 65 Prozent liegt, 15 Prozent trafen die Erwartungen und 20 Prozent enttäuschten im Betrachtungszeitraum seit 1994. Aber wieso konnten sie Ergebnisse so übertroffen werden?

 

Absenkungen und immer wieder Buybacks

Im Zuge der Wachstumsabsenkungen im Industriesektor und der Abschwächung der Einkaufsmanagerindizes haben Analysten die Gewinnerwartungen 2019 sukzessive abgesenkt. Gleichzeitig wurden weiter fleißig Aktien zurückgekauft, so dass sich der umlaufende Bestand klar verminderte und der Gewinn pro Aktie verbesserte. Damit hat eine Entwicklung weiter Bestand, die seit der Finanzkrise zu beobachten ist.

Hier die Zahlen der letzten fünf Jahre:

Gewinn je Aktie S&P 500 (Refinitiv)

2014 – 119 Dollar

2015 – 118 Dollar

2016 – 118 Dollar

2017 – 132 Dollar

2018 – 162 Dollar (Steuerreform)

2019 – 163 Dollar (Prognose)

2020 – 181 Dollar

Dies wird besonders aufschlussreich, wenn man hingegen die Vorsteuergewinne der Unternehmen seit 2014 betrachtet: Damals 2,19 Billionen Dollar, 2019 sollen es im Vergleichszeitraum fünf Prozent weniger sein (siehe hierzu den Artikel „Aktienrückkäufe – die Party nähert sich ihrem Ende“). Aber setzt man diese ins Verhältnis mit der Zahl der umlaufenden Aktien, so wird der Anstieg des S&P 500 einigermaßen nachvollziehbar.

Von knapp 2000 Punkten ging es bis auf derzeit 3022 Punkte, der Gewinn pro Aktie wäre nach obiger Berechnung auch von 119 auf 163 Dollar gestiegen.

Das Spiel ist noch nicht zu Ende

Im vergangenen Jahr kauften die 3000 börsennotierten US-Unternehmen für über eine Billion Dollar eigene Aktien zurück, allein auf die 500 Topkonzerne im S&P 500 entfielen dabei 806 Milliarden Dollar.

Nach den bisherigen Ankündigungen sollen die Aktienrückkäufe in diesem Jahr voraussichtlich über 900 Milliarden US-Dollar erreichen, das zweithöchste Volumen nach 2018. Im vierten Quartal ist also noch einiges zu erwarten. Nur ein paar Beispiele:

Mitte September hatte Microsoft ein neues 40 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm angekündigt, was in etwa 4 Prozent der ausstehenden Aktien entspricht. Dann Oracle mit einem Rückkaufprogramm in Höhe von 15 Mrd. US-Dollar an, dazu noch Apple, Bank of America, Wells Fargo, Cisco Systems, Home Depot und weitere, eine lange Liste – und es kommen noch welche hinzu. Wie zum Beispiel Intel, die nach Bekanntgabe ihrer Quartalszahlen in der letzten Woche bekanntgeben, das Aktienrückkaufprogramm um 20 Milliarden Dollar aufzustocken.

Die Verknappung des Aktienangebots hält also an, es verlangsamt sich allenfalls etwas. Der große Kurstreiber fällt auch 2019 nicht aus. Dazu kommt es wohl erst, wenn Amerikas Konzerne in mehr als nur in eine Gewinnrezession rutschen. Gefahr für die Börse droht dann, wenn die Gewinne nachhaltig und prozentual zweistellig einbrechen – so wie zuletzt in der Krise 2008.

 

Fazit: Die US-Berichtssaison und Financial Engineering

Obwohl die US-Berichtssaison noch lange nicht beendet ist – es berichten noch einige Dickschiffe wie Apple und Alphabet – kann man eigentlich davon ausgehen, dass sie nicht katastrophal ausfallen wird. Es ist sogar möglich, dass es keine Earnings Recession geben wird. Das Financial Engineering in den USA sollte wieder einmal geklappt haben. Wenngleich es wieder einmal zu einem Großteil den opulenten Aktienrückkäufe geschuldet ist, aber die gibt es mit Unterbrechungen auch schon 100 Jahre. Wehe, sollten die Demokraten in den USA 2020 an die Macht gelangen.

Eines sollte man sich aber vor Augen halten: Der US-Aktienmarkt ist der effizienteste der Welt, denn Ergebnisse werden unaufhörlich eingepreist, so dass es bis zu 99 Prozent der Großanleger nicht gelingt den Vergleichsindex S&P 500 über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu schlagen. In welchem andere Industrieland ist es für aktive Fondsmanager schwerer die Benchmark zu schlagen? Ich kenne keines.

Damit entpuppt sich der Allmachtglaube an die Algos als Märchen, denn dann müssten die danach handelnden Banken, Publikumsfonds und Hedgefonds doch eine Überperformance präsentieren, oder? Wo liegt denn die Performance der am besten vernetzten Bank der Welt, Goldman Sachs, die gefühlt die Hälfte aller Finanzminister der USA in der Nachkriegszeit gestellt hat?

Nichtsdestotrotz dürfte sich der Aktienzyklus seinem Ende zuneigen – auch wenn es nochmals einen Notenbank- und Akttienrückkaufinduzierten „Sugar Rush“ gibt.

Es gibt aus meiner Sicht einen Grund, der das ganze Kartenhaus zum Einstürzen bringen könnte. Es ist der Zinsanstieg. Auch wenn die Notenbank am kurzen und langen Ende Käufe tätigt, irgendwann wird das nicht mehr wirken und die Zinsen müssen nur um ein paar Zehntel Prozent steigen. Dann geraten die vielen BBB- und Zombieunternehmen unter Wasser und dürften für eine Verkaufswelle sagen – aber soweit sind wir (noch) nicht.

Die US-Berichtssaison verläuft besser als erwartet - nach zuvor stark gesenkten Erwartungen



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