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US-Berichtssaison – wiederholt sich ein Schema?

Kommt die Earnings Recession“ - oder wiederholt sich ein Prozedere, wie wir es bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres gesehen haben?

Am morgigen Dienstag startet die US-Berichtssaison für das dritte Quartal mit den Ergebnissen der Großbanken so richtig durch und man erwartet insgesamt eine „Earnings Recession“, also sinkende Gewinne mit einem Minus von 4,1 Prozent. Aber wird es wirklich so kommen, oder wiederholt sich ein Prozedere, wie wir es bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres gesehen haben?

 

Das „geschickte“ Vorgehen der Firmen in der US-Berichtssaison

Mit der Wirtschaft der USA geht es bereits schon seit Oktober letzten Jahres tendenziell nach unten. Im Dezember 2018 kam es nach den vier Zinsanhebungen der Federal Reserve plus der Bilanzreduzierungen (auf Autopilot) zu einem heftigen Kursrutsch und zu einem Rezessionsszenario. Die Erwartungen für Q1 sanken, man erwartete ein Ergebnisminus von zwei Prozent, aber es wurde ein Plus von drei Prozent. Nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse stand plötzlich im BIP-Wachstum der US-Wirtschaft ein überraschendes Plus von 3,1 Prozent.

Im zweiten Quartal ging das Wachstum der US-Wirtschaft zwar auf 2,1 Prozent zurück, die Unternehmensergebnisse schlugen die vorher abgesenkten Erwartungen (FactSet sprach noch im Juni von einem Ergebnisrückgang im S&P 500 von 2,7 Prozent) mit über fünf Prozent plus gegenüber 2018 deutlich.

Jetzt beginnt traditionell die heiße Phase der US-Berichtssaison mit den Bank- und Finanzwerten:

15. Oktober: Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley, Wells Fargo,
16. Oktober: Bank of America,
18. Oktober: American Express, BlackRock

Alles Riesen aus der Finanzbranche, die in den nächsten Tagen mit ihren Zahlen aufwarten. Die Ergebnisse spielen eine große Rolle für den S&P 500, denn: Über 60 Prozent der Gewinne kommen zwar von Industrieunternehmen, aber in guten Zeiten sind allein die Finanzwerte an der Wall Street für ein Viertel verantwortlich.

Fazit – die Lage vor der US-Berichtssaison

Eigentlich müsste es in der kommenden US-Berichtssaison schlechte Ergebnisse und damit entsprechende Enttäuschungen am Aktienmarkt geben, zu negativ ist das makroökonomische Umfeld mit den spürbaren Implikationen auf die US-Wirtschaft.

Jedoch darf man das Geschick der Amerikaner im „Financial Engineering“ nicht unterschätzen, denn es gibt nicht nur Aktienrückkäufe und allerlei Bilanzierungstricks – auch in punkto Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensergebnisse geht man sehr gerissen vor. Mit den Mid-Quarter-Updates senkt man übertriebene Hoffnungen im Vorfeld. Haben nicht von 113 Unternehmen im S&P 500 bislang 82 vor Gewinnrückgängen gewarnt, wie Hannes Zipfel vorige Woche in einem Artikel berichtet hat?

Um dann vielleicht bei Bekanntgabe der Ergebnisse die tief gestapelten Aussichten übertreffen zu können?

Aber erheblich bedeutsamer als der Rückblick sollten die Ausblicke der Unternehmen auf die Quartale Q4 oder Q1 (2020) zu gewichten sein. Vor Kurzem ging man noch von einem Gewinnwachstum in Q4 von drei Prozent und zehn Prozent für Q1 im neuen Jahr aus. Ein Szenario, welches die Investoren glauben, ansonsten dürften die Kurse nicht auf diesen Höhen stehen.

Wir haben ohne Zweifel derzeit ein extremes Auseinanderklaffen an den Börsen zwischen den aktuellen Daten und den Erwartungen. Eine Schere, die sich weit geöffnet hat und die sich schließen muss. Aber da Wirtschaft und Börse unglaublich viel mit Psychologie zu tun hat (Ludwig Erhard: Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie, 1963), hängt Vieles vom weiteren Agieren eines Mannes ab, dessen Namen ich jetzt nicht nennen will..

 

Die US-Berichtssaison startet in dieser Woche



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