Devisen

US-Dollar: Ist die Welt bereit für einen Wechsel im Währungssystem?

Selbst Nicht-Börsianer blicken öfters auf die Entwicklung beim US-Dollar im Vergleich zur heimischen Währung. Zu dominant ist sein Einfluss auf das tägliche Leben, nicht nur für Exporteure, Rohstoffhändler oder Vermögensverwalter. Auch Privatpersonen spüren seine Schwankungen, ob an der Zapfsäule oder als Tourist (was in Corona-Zeiten aber nicht sehr bedeutsam ist). Könnte die aktuelle US-Politik mit ihrer Verschuldungsorgie oder der Abschottungspolitik etwas daran ändern?

Allzweckwaffe US-Dollar

Seit vielen Jahrzehnten bestimmt sich die Macht der USA nicht nur durch ihren wirtschaftlichen Status, ihren gigantischen Militärapparat und -haushalt, sondern insbesondere durch die Ausnahmestellung des US-Dollar. Wer sich gegen die Interessen der USA stellt, den weist man schon mal mehr oder wenig deutlich daraufhin, dass man dieses Land vom Handel mit dem US-Dollar ausschließen könnte. Angewendet im Sanktionsfall gegen den Iran, gegen Russland oder in Ansätzen beim Versuch der Verhinderung der Fertigstellung der Ostseepipeline Nord Stream 2.

Auch wenn die Wirtschaftsdominanz der USA wackelt – durch den Aufstieg Chinas ist der Anteil an der Weltwirtschaft von 20 auf etwa 15 Prozent gefallen – man hat aber eben die Weltreservewährung, den US-Dollar. Durch dessen Dominaz ergeben sich eine Reihe von Vorteilen:

  • Trotz des Anstiegs der Staatsschulden auf über 23 Billionen Dollar fällt es den USA leicht sich weiter zu verschuldenBei 90 Prozent aller Transaktionen am Devisenmarkt ist der US-Dollar im Spiel
  • Ebenso bei über 80 Prozent des Handels im Rohstoffbereich
  • Über 60 Prozent ist immer noch der Anteil des Greenback an den Weltreservedevisen
  • Etwa die Hälfte aller Überweisungen im Zahlungssystem Swift werden in Verbindung mit dem US-Dollar ausgestellt
  • Hinzu kommt eine Notenbank, die von allen Staaten als die Bezugsgröße schlechthin akzeptiert wird. Der Zinssatz der 10-jährigen US-Treasury ist eine Benchmark für die billionenschweren Kreditmärkte, nicht nur in den USA.

Europas Anleihemärkte können trotz der Größe des Wirtschaftsraums nicht mit den US-Dollar gehandelten Märkten konkurrieren. Der zersplitterte Markt in Kontinentaleuropa ist gerade einmal 9,2 Billionen Dollar schwer. Der weltweit als sicherer Hafen betrachtete Markt deutscher Anleihen (Bunds) hat auch nur ein Volumen von 1,7 Billionen Euro – und Deutschland ist die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt.

Fazit

Ist die Welt bereit für einen Wechsel im Weltleitwährungssystem?

Ein kleiner Game Changer hat sich in letzter Zeit durch die Entwicklung der Zinsen in den USA ergeben. In den letzten Jahren hatten US-Staatsanleihen stets eine positive reale Rendite im Gegensatz zur Eurozone, erst recht gegenüber Japan. Daher auch das Nachgeben des US-Dollar gegenüber vielen anderen Währungen, es gibt plötzlich die risikolose Anlage am Kapitalmarkt nicht mehr, die noch Zinsen abwirft. Auch hat das Währungsspiel des Carry Trade derzeit Pause.

Den chinesischen Währungsmarkt kann man da in diesem Zusammenhang noch vergessen. Aber dies hat sich spätestens mit dem Beginn der Coronakrise leicht geändert. Die übrigen Kapitalmarktzinsen in den Vereinigten Staaten sind auch oft im Negativbereich (Realrenditen) angesiedelt und die Staatsverschuldung geht rasant in die Höhe. Ob hier langfristig die Stärke des Dollarraums erhalten bleiben kann, auch angesichts der protektionistischen Entwicklungen?

Eine Chance hätte der Euroraum, aber hierfür müsste es erst einen großen einheitlichen Kapitalmarkt mit einheitlichen Regeln geben. Auch der 750 Milliarden-Euro-Aufbaufonds hat daran noch nicht viel geändert. So ist es noch ein weiter Weg bis zu einer Änderung im globalen Finanzsystem, schließlich sind auch Dutzende Entwicklungsländer in US-Dollar verschuldet. Der Greenback sollte seine Position als Fluchtwährung noch eine Zeit behalten, allein schon daran erkennbar, wie stark die Federal Reserve während des Coronacrashs am Markt intervenieren musste, weil bei vielen Ländern plötzlich ein Dollarmangel geherrscht hat. Es wird also noch dauern..

Verliert der US-Dollar absehbar seine dominante Stellung?



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1 Kommentar

  1. Meine Rede, die USA zehren von ihrer Weltleitwährung, als große Militärmacht, dominierend im Internetbereich und als Ölexportär. Würde das alles weg fallen, könnten die dicht machen. Die Industriearbeitplätze so wie es Trump propagiert, werden nie mehr wieder zurückkommen. Dazu ist dieses Land viel zu fett, bequem und faul geworden.

    Wie überhaupt Trump mit der Aussage dazu kommt, dass die USA von allen ausgenutzt wird, ist mir rätselhaft. Genau das Gegenteil ist der Fall. Könnte sich die USA mit den von mir oben genannten Punkten nicht mehr auf Pump in aller Welt verschulden, hätten die fertig. Darum muss auch alles daran gesetzt werden, dass dies so bleibt.

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