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US-Leitzins unverändert: Zum ersten Mal schaut die Fed nicht NUR auf die USA

Redaktion

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am

Von Claudio Kummerfeld

Die US-Notenbank „Federal Reserve“ (Fed) hat gestern beschlossen den Leitzins nicht anzuheben. Solange die Fed existiert, schauten die Notenbanker nur auf den eigenen Teller. Durch die globale Verschiebung in der Wirtschaft denkt man jetzt zum ersten Mal um.

Fed-Chefin Janet Yellen lässt US-Leitzins unverändert
Fed-Chefin Janet Yellen hebt den US-Leitzins nicht an.
Foto: United States Federal Reserve / Gemeinfrei

Für die nächste Fed-Sitzung Ende Oktober ist kein Pressebriefing angesetzt, daher gehen viele Beobachter jetzt davon aus, dass eine Zinsanhebung beim Meeting Mitte Dezember erfolgen könnte. Einige glauben erst an 2016. Der Grund? Die Wirtschaftskrise in China. Eindeutig kann man aus den Statements von Fed-Chefin Janet Yellen herauslesen, dass man nicht mehr NUR auf die US-Konjunkturdaten schaut. Man hat in Washington anscheinend gelernt, dass eine jetzt vorhandene Krise in China mit Verzögerungszünder in den USA einschlägt, und es daher unklug wäre jetzt die Zinsen zu erhöhen.

Hierzu passen verkürzt dargestellt folgende gestrige Aussagen von Janet Yellen. Man habe erhöhte Besorgnis über das Wachstum in China – die globalen Entwicklungen könnten die US-Wirtschaft bremsen. Das FOMC (Federal Open Market Committee) erwog schon für gestern eine Zinsanhebung, aber wegen der Entwicklung in Übersee und wg. der nicht so stark anspringenden Inflation in den USA tat man noch nichts. Man brauche noch ein bisschen mehr Zeit, um die Entwicklung im Ausland zu analysieren, so Yellen.

Schlussfolgerung aus dem letzten Satz: Da man (verständlicherweise) den Konjunkturdaten aus China (Planziel immer noch +7%) nicht trauen kann, muss man gucken, wie der einbrechende Außenhandel mit China und rückläufige Umsätze von US-Unternehmen in China die US-Wirtschaft beeinflussen. Laut Daten der Weltbank beträgt China´s Anteil an der Weltwirtschaft jetzt mehr als 13% – 2005 waren es noch 5%. Da kann selbst die Fed nicht mehr an China vorbeigucken. Das erkennt man auch an den gestrigen Yellen-Aussagen „es sei unklar, mit welcher Geschwindigkeit die chinesische Wirtschaft derzeit einbreche und ob die Regierung das Problem in den Griff bekomme“. Die Frage sei, „ob in China das Risiko besteht, dass der Wirtschaftseinbruch noch größer ist, als die meisten Analysten erwarten“. Eine erstaunliche Aussage von einer Notenbankchefin. Das zeigt auch: Yellen ist eine Getriebene der Märkte! Wenn also demnächst alle Bankanalysten nur noch rumjammern, dass in China alles noch schlimmer ist als gedacht, wird sie sich davon beeinflussen lassen und ihre Zinsanhebung noch weiter verschieben!

Und natürlich gibt es da noch die großen indirekten Effekte. Der China-Abschwung beeinflusst ja die gesamte Weltwirtschaft, was wiederum auch auf die USA abstrahlt. Also eine große makroökonomische Ungewissheit, die die Fed jetzt noch nicht abschätzen kann. Das heißt in der Realität: Fed wie Marktteilnehmer werden in den nächsten Wochen jede Konjunkturzahl aus China, aber auch aus Deutschland, Japan, Südkorea etc mit Argusaugen beobachten. Wie verändern sich die Außenhandelsdaten, die Industrieproduktion, der Verbraucherkonsum?

All die Konjunkturdaten strahlen letztlich auf die Inflation ab. Und die will, abgesehen von den geschönten TOP-Arbeitsmarktdaten (7 Jahrestief bei 5,1%) in den USA noch nicht so richtig anspringen. Yellen sagte gestern zwar relativ allgemein „wir sind zuversichtlich, dass die Inflation Richtung 2% laufen wird“ – aber wirklich daran glauben tut sie nicht. Die Inflation würde zunächst einmal niedrig bleiben, und man glaube „immer noch“, dass das vorübergehend sei. Notenbanker müssen immer so reden – man glaubt, es könnte sein etc. Die letztendlich entscheidende Kennzahl, die Inflationsrate, springt ihr nicht kräftig genug an!

Obwohl ein Verharren der Zinsen auf dem jetzigen Niveau eigentlich von den ewigen Börsenbullen gewünscht wurde, leben jetzt alle weiter mit der großen Unsicherheit, wann sie denn nun kommt, die Zinsanhebung, Oktober (unwahrscheinlich), oder doch Dezember, oder erst März 2016? Für den Markt wäre es letztlich doch besser gewesen jetzt einen kleinen Zinsschritt zu machen. Die Aktienkurse wären etwas eingesackt, aber man hätte dieses Ereignis der eingeläuteten Zinswende endlich hinter sich.


Hier das FOMC-Statement im Wortlaut.

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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