Konjunkturdaten

US-Wirtschaft: Frühjahr 2021, eine Periode wirtschaftlicher Wunderdaten

Die US-Wirtschaft historische Daten

Es vergeht derzeit kaum ein Tag, kaum eine Woche, in der nicht „historische“ Konjunkturdaten der US-Wirtschaft gemeldet werden. Ob Verbrauchervertrauen, Einkaufsmanagerindizes oder annualisierte Wachstumszahlen, alles auf Höhen, die man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Dabei gibt es für das meiste ganz einfache Zusammenhänge. Hier der Versuch einer kurzen Einordnung.

Erst ein globaler Lockdown, dann öffneten sich die Geldschleusen – weltweit

Vor gut einem Jahr endete die Phase, in der fast vier Milliarden Menschen, von Ost nach West hintereinander, sich in Quarantäne begeben hatten. Wirtschaftliche Daten kollabierten, genau wie Rohstoff- und Energiewerte, auf manchen Autobahnabschnitten hätte man Radfahren können. Es folgte eine lange Phase des Auf-und Abschwungs mit Tendenz nach oben, die sich mehr und mehr in steigenden Indikatoren ausdrückte. Bis im November 2020 nach der US-Wahl und infolge der Impfstoffentwicklung, ein Turbo eingeschaltet wurde, der zu ökonomischen Extremdaten führen musste.

Denn zusätzlich passierte etwas, was man auch nicht erwarten konnte. Regierungen und Notenbanken ließen den Fuß auf dem Gaspedal und fuhren die Stimuli in Höhen, die historisch ohne Beispiel sind, selbst in der jetzigen Phase.

Zur Veranschaulichung:

Die US-Wirtschaft fiel 2020 in eine Rezession mit minus 3,3 Prozent, bei einer Wirtschaftsleistung von 21,43 Billionen Dollar (0,033 * 21,43 Bio.), also formal gerade mal um 708 Milliarden Dollar.

Und wie hoch waren allein die fünf Rettungspakete der US-Regierung? 5,1 Billionen Dollar, mit Nothilfen, Arbeitslosengeldern, Helikoptergeld u.w.

Da ist es kaum verwunderlich, dass die Kontostände bei vielen Amerikanern anschwollen, auf über zwei Billionen Dollar, Geld, welches durch die Beschränkungen nicht ausgegeben werden konnte.

Jetzt, da die Massenimpfungen in den USA ein Ende der Restriktionen erwarten lassen, schießen die Indikatoren für die US-Wirtschaft nahezu durch die Decke.

Erkennbar an den Einkaufsmagerindizes für die USA (PMI Markit):

Verarbeitendes Gewerbe 60,6 Punkte, Dienstleistung 63,1 Punkte und gesamt 62,2 Punkte. Was für Werte über der Wachstumsschwelle, was selbst Markit zu der Bemerkung veranlasste, dass man solche Werte nur einmal in 23 Jahren gesehen hätte, nämlich in der Phase von August bis November 2013.

Und zeigt ein aktuell veröffentlichter Anstieg der US-Verbraucherausgaben um 4,2 Prozent für den Monat März vielleicht den möglichen Beginn einer sich entladenden Rallye beim Konsum?

US-Wirtschaft: Der große Anstieg im US-Bruttoinlandsprodukt

Vor wenigen Wochen hatte der Internationale Währungsfonds IWF die Wachstumsaussichten für das Jahr 2021 für die Welt angehoben, auf sechs Prozent und für die US-Wirtschaft auf 6,4 Prozent. Genau dieser Wert wurde bei der aktuellen Berechnung auf Quartalsbasis erreicht. Aber man sieht aus dieser Übersicht von Advisors Perspective auch, welchen Einbruch es vor Jahresfrist durch diesen globalen Lockdown gegeben hat. Der jahrzehntelange Durchschnitt beim BIP liegt bei 3,18 Prozent.

Die US-Wirtschaft: das BIP

Hier der unheimliche Effekt, den der private Konsum, getrieben durch die staatlichen Geldspritzen, am Anstieg des BIP innehat.

Die US-Wirtschaft und der Konsum

Kurzfazit

Man muss bei den aktuellen Daten vorsichtig sein, mit einer vorschnellen Einstufung. Schließlich hatten wir vor gut einem Jahr einen globalen Lockdown, für den es keine historische Vorlage gibt, zumindest nicht für die moderne Ökonomie und in Friedenszeiten. Es liegt eindeutig an einem extremen Basiseffekt, gepaart mit einer überschießenden Geldversorgung durch die Druckerpresse.

Was wird das? Ein extremer Sugar Rush, für ein paar Quartale, begleitet von überschießender Inflation und dann ein Rückgang in alte Wachstumsraten, aufgrund der demographisch ungünstigeren Lage? Wie wird die Fed reagieren?

Es ist wie immer nicht möglich, auch nur ein paar Quartale in die Zukunft seriöse Entwicklungen abzugeben. Das letzte Jahr war ein Musterbeispiel dafür. Was man aber schon sagen kann ist, dass die ökonomischen Vergleiche ab dem Sommer schon ganz andere mathematische Größen aufweisen werden. Der Basisvergleich eben und dieser wird vor allem den Stay-at-Home-Titeln an der Börse einiges an Ungemach bringen.



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