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US-Wirtschaft bekommt den Stimulus-Entzug zu spüren

USA-Karte

Der Zuckerrausch der US-Wirtschaft, ausgelöst durch das staatliche Helikoptergeld, ist vorbei. Auf ein neues gigantisches Stimulus-Paket in Höhe von 4,7 Billionen US-Dollar kann sich der US-Kongress nicht einigen. Jetzt droht mit dem Konsum die wichtigste Säule der Konjunkturerholung wegzubrechen.

US-Wirtschaft wurde in die Stimulus-Abhängigkeit getrieben

In den vergangenen 18 Monaten hat die US-Regierung gemäß den Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) Fiskalstimuli in Höhe von 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die US-Wirtschaft gepumpt. Der überwiegende Teil stammte aus Direktzahlungen an die Bürger des Landes in Form von Konsumschecks und monatlich wiederkehrenden Transferleistungen. Sowohl die Realwirtschaft als auch die Finanzmärkte haben davon massiv profitiert, wie der sprunghafte Anstieg des Einzelhandelsumsatzes sowie die Rekordzuflüsse an die US-Aktienmärkte belegen. Die Sparquote ist ebenfalls im Rhythmus der Stimulus-Pakete explodiert, hat sich nun aber wieder normalisiert.

Grafik zeigt für die US-Wirtschaft wichtige Sparquote

Die auslaufende Aufstockung des Arbeitslosengeldes zum Beginn dieses Monats droht nun das Konjunkturstrohfeuer zum Erlöschen zu bringen, zumal auch keine weiteren Stimulus-Schecks an die amerikanischen Haushalte unterwegs sind. Zusätzlich drücken steigenden Preise auf die Stimmung der Konsumenten:

Grafik zeigt Verbrauchervertrauen in den USA

Mit der Stimmung sinkt auch die Ausgabenbereitschaft. Das ist problematisch, da es in erster Linie der Konsum war, der die US-Wirtschaft vor einer tiefen Rezession bewahrte und eine schnelle Erholung ermöglichte. Mit über 16 Billionen US-Dollar macht der Einzelhandel zwei Drittel der gesamten Wertschöpfung der US-Wirtschaft aus. Kommt es nicht zeitnah zu neuen Stimuli, droht sich die Konjunkturerholung umzukehren.

Grafik zeigt Verlauf der Einzelhandelsumsätze in den USA

Die nächsten Daten zu den Verbraucherausgaben im US-Einzelhandel werden am kommenden Donnerstag veröffentlicht. Es wird mit einem weiteren Rückgang auf Monatsebene in Höhe von -0,8 Prozent gerechnet. Zuletzt waren die Analysten mit ihren Vorabschätzungen allerdings zu optimistisch.

Stimulus Wanted!

Um die Entzugserscheinungen nach dem Auslaufen der Rettungspakete für die US-Wirtschaft abzumildern, bastelt die US-Regierung unter Hochdruck an neuen billionenschweren Ausgabenprogrammen. Dieses Vorhaben war zum Teil bereits erfolgreich: Anfang August stimmte der US-Senat einem 1,2 Billionen US-Dollar schweren Infrastrukturprogramm zur Erneuerung von Straßen, Brücken, Schienen und Flughäfen zu. Diese Summe entspricht fast dem gesamten Bruttoinlandsprodukt Spaniens aus dem Jahr 2020 (1,28 Bio. US-Dollar).

Bisher ist die endgültige Verabschiedung des Programms aber an den regierenden Demokraten selbst gescheitert. Die wollen unter Führung der Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ein gigantisches Sozialprogramm in Höhe von weiteren 3,5 Billionen US-Dollar an die Zustimmung des Infrastrukturplans im Kongress koppeln. Der Gesetzesentwurf, der von dem linken Senator Bernie Sanders stammt und auf der „Build Back Better Agenda“ der Biden-Regierung basiert, sieht u. a. 400 Mrd. US-Dollar für häusliche Pflegekräfte sowie kostenlose Community Colleges und finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung vor.

Da sich die Republikaner bereits jetzt für die Zwischenwahlen im kommenden Jahr in Stellung bringen, wird es von dieser Seite keine Zustimmung geben. Alle republikanischen Senatoren werden am 27. September geschlossen gegen das Mammutpaket votieren. Die Stimmenverteilung in der zweiten Kammer des Kongresses ist aktuell mit 50:50 unentschieden. Mit der Stimme der Vizepräsidentin der USA, Kamala Harris, könnte eine Mehrheit herbeigeführt werden.

Doch nun regt sich Widerstand in den eigenen Reihen. Der eher konservative demokratische Senator Joseph Anthony „Joe“ Manchin III. aus West Virginia hat sich seinen Wählern gegenüber verpflichtet, Mehrausgaben durch Mehreinnahmen gegenzufinanzieren, was nach seiner Rechnung das Sozialprogramm auf insgesamt 1,5 Billionen US-Dollar bzw. 43 Prozent der im Gesetzentwurf vorgesehenen Mittel limitiert. Diese gewaltige Differenz macht es schwer, in der Kürze der Zeit noch einen Kompromiss zu finden. Zumal Manchin in Sachen Stimulus für eine „strategische Pause“ plädiert. Zum einen, um die Inflation nicht weiter anzufeuern und zum anderen, um einen gewissen fiskalischen Spielraum für den weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie zu wahren.

Fazit und Ausblick

Für die US-Wirtschaft würde eine Hängepartie in Sachen Anschluss-Stimulus das Risiko einer harten Landung deutlich erhöhen. Schon jetzt zeigen die Frühindikatoren klar gen Süden. Für die Aktienmärkte bedeutet der Zwiespalt bei den Demokraten ein weiteres Risiko, das es im Auge zu behalten gilt – neben dem Tapering der Fed und dem Margendruck der Unternehmen aufgrund der explodierenden Kosten.



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