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Volkswagen: Mit milliardenschwerer Offensive und Zurechtweisung von Tesla raus aus dem Jammertal?

Volkswagen ist in der Defensive - nicht nur durch Dieselgate und die Folgeschäden, sondern auch durch Tesla. Der kalifornische Elektroauto-Hersteller macht Furore mit zahlreichen Neubestellungen für sein...

FMW-Redaktion

Volkswagen ist in der Defensive – nicht nur durch Dieselgate und die Folgeschäden, sondern auch durch Tesla. Der kalifornische Elektroauto-Hersteller macht Furore mit zahlreichen Neubestellungen für sein neuestes Modell, auch wenn der Hersteller hoch defizitär arbeitet. Die grundsätzliche Befürchtung ist, dass die deutsche Auto-Industrie sich auf ihren aktuell glänzenden Zahlen ausruht, und den Anschluss an die Wende hin zu den Elektroautos verpasst.

Das erste richtig alltagstaugliche und halbwegs für breitere Schichten bezahlbare Auto lässt Tesla just in diesen Wochen produzieren. Da dürfte Volkswagen nicht mehr lange warten, mag man meinen. Eile ist geboten? Volkswagen-Chef Matthias Müller verkündet aktuell auf der Frankfurter Automesse, dass man bis zum Jahr 2030 die gesamte Produktpalette auch als Elektro-Variante anbieten werde.

In die eigene Elektroauto-Offensive werde man 20 Milliarden Euro investieren, so Müller. Im Jahr 2025 werde jedes vierte VW-Auto ein Elektroauto sein. Auch habe man für die Produktion der Batteriezellen Aufträge im Volumen von 50 Milliarden Euro ausgeschrieben! Das sei eines der größten Beschaffungsvolumen in der Industriegeschichte. Es sei eine Selbstverpflichtung des Konzerns, so Müller. Volkswagen werde diese Transformation anführen, die nicht aufzuhalten sei.

Das klingt alles total super gut. Große Zahlen, eine große Offensive. Aber es klingt nicht danach, als würde Volkswagen in den nächsten ein oder zwei Jahren zügig einen richtigen Tesla-Killer auf den Markt werfen! Das wäre ein Knaller, der die Aktionäre freuen würde. Aber wer noch etwas genauer hinschaut, der kann Zweifel daran bekommen, ob Müller die Elektro-Offensive wirklich mit Herzblut verfolgt!

Denn gegenüber „CNBC“ sagte er auf der Frankfurter Automesse vor Kurzem auch, dass der Dieselmotor noch eine große Zukunft vor sich habe. Man werde auch weiter Diesel-Autos entwickeln, da die aktuellen von Volkswagen verkauften Diesel-Autos sauber seien, und sich orentieren würden an der „Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure“ (WLTP). Die aktuelle Kritik am Diesel sei ungerechtfertigt.

Es werde eine Art Koexistenz in den nächsten 10-20 Jahren geben zwischen Elektroautos und Verbrennungsmotoren, so Müller. So richtig nach voller Offensive Richtung Elektro klingt das dann doch nicht! Auch hatte Müller leicht herablassende Worte für Tesla übrig. Dort verkaufe man weniger als 100.000 Autos pro Jahr, während man selbst 10 Millionen verkaufe. Man verdiene pro Jahr 12-13 Milliarden Euro, während Tesla im dreistelligen Millionenbereich Geld verbrenne. Man solle also Tesla als Konkurrent realistisch betrachten, so Müller.

Damit will er wohl sagen, dass Tesla im Großen und Ganzen ignoriert werden kann also kleine und feine, aber dennoch unbedeutende Randnotiz. Wir kritisieren Tesla auch ständig wegen der großen Geldverbrennung und oft inhaltsleeren Versprechen von Elon Musk – aber für Volkswagen kann der anhaltende arrogante Grundton gefährlich werden. Es geht um die rasante Entwicklung von Tesla und auch anderen etablierten Autoherstellern im Elektro-Bereich. Es mag vielleicht schön sein, dass Volkswagen irgendwann in zehn Jahren in dem Bereich groß durchstartet, doch dann könnte es zu spät sein.

Man denke bitte an Nokia. Einst hatten alle ein Nokia-Handy, und als Apple den Markt aufrollte mit dem iPhone, dachten die meisten Beobachter bestimmt auch, dass Nokia sicher ein, zwei Jahre später mit ähnlichen Modellen wieder gleichziehen würde in technologischer Hinsicht. Tja, aber der Markt war zu schnell für Nokia. Kennt heute irgendwer noch diesen Markennamen?

Die Volkswagen-Aktie lässt sich heute jedenfalls ein wenig positiv beeindrucken von den Aussagen des Chefs. Sie legt um 1,95% zu. Der Knaller bleibt aber dennoch aus, so wie Elon Musk es bei Tesla regelmäßig schafft. Aber dafür ist der Herr Müller wohl nicht charismatisch genug, um die Anlegergemeinde derart mitzureißen.


Die Volkswagen-Aktie (blau) in Relation zum Dax (schwarz) seit 2014. Da hat man noch einiges aufzuholen nach der Dieselgate-Affäre.



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4 Kommentare

  1. @FMW Redaktion, jetzt muss ich Sie leider als ein bisschen naiv bezeichnen ( meine erste Rüge)
    denn so gut wie ein Fussballtrainer nicht frühzeitig seine Aufstellung u.Taktik bekanntgibt wird VW nicht sagen was sie vorhaben,ich bin sicher dass sie mit Hochdruck am E-Auto arbeiten u.bald etwas Brauchbares auf den Markt bringen.

  2. Das Problem ist nicht, ein vernüftiges Elektroauto zu entwickeln. Das traue ich jeden der großen Autokonzerne zu .
    Die Kunst wird sein, eine „brauchbare Batterie“ zu erfinden – also ein Stromspeichersystem mit genügend hoher Energiedichte. Nur hier liegt die Herausforderung! Denke mal, eine Dampfmaschine, die eine (Elekro)Batterie via Lichtmachine speist, ist zur Zeit effektiver, als jeder bisher kreierter Elektroantrieb.
    Tja, man sollte ein junger Ingeneur sein…
    Thats all.

    1. richtig!

      Der Akku ist der Knackpunkt – auch, ob ein Elektroauto INSGESAMT (also mit Herstellung von Akku und Recycling vom Akku) weniger fossile Energie braucht als ein Diesel …

      Wenn es einfach wäre, einen „guten“ Akku zu entwickeln, dann gäbe es den schon. Die Physik und Chemie steht da ganz schön im Weg …

      Elektromotoren zu bauen, zu regeln etc. ist wohl nicht schwer (im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren), dann bleibt noch das Fahrwerk als Technologie … und das „Entertainment“ als angeblicher Grund, sich ein neues Auto zu kaufen …

      Ich denke, Elektroautos als selbstfahrende Autos, bei denen man den Gebrauch bezahlt (etwa wie beim Taxi) wird sich leider durchsetzen … keiner wird die kaufen, und die Hersteller sie gleich vermieten … da kann dann das Entertainment wichtig werden! Ob die Umwelt insgesamt dann mehr leidet als bei einem Diesel interessiert dann keinen mehr …

      Aber so richtig kann ich mir das in der 3. Welt nicht vorstellen …

  3. Die beste Lösung wäre wenn schon Elektro ein vernünftiger Hybrid, ( sauber in der Stadt, Unendliche Reichweite ) solange aber der Hybrld wie aktuell mehr verbraucht als ein reiner Diesel ist auch das kein Thema.

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