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Von Inflation zu Deflation – Das wird alles verändern (Video)

Von Inflation zu Deflation - Das wird alles verändern (Video)

Deflation ist das Gegenteil von Inflation und beschreibt somit den Rückgang des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Während die Inflation also durch steigende Preise gekennzeichnet ist, gehen bei der Deflation die Preise für Waren und Dienstleistungen stetig zurück. Die Ursachen von Deflation sind vielfältig: Dazu zählen beispielsweise eine Verringerung der Geldmenge und weniger Investitionen von Unternehmen. Beides kann durch eine restriktive Geldpolitik der Zentralbanken ausgelöst werden. Einerseits durch eine Quantitative Straffung (QT), wodurch den Märkten Liquidität entzogen wird, oder durch steigende Zinssätze, was zu einer Verschärfung Finanzbedingungen führt.

Anstieg der Geldmenge

Eine überproportionale Zunahme der Geldmenge, wie wir sie während der Pandemie gesehen haben, als die Zentralbanken im Rahmen geldpolitischer Maßnahmen immer mehr Liquidität in die Finanzmärkte gepumpt haben, löste schließlich eine Inflation aus. Durch den starken Anstieg der im Umlauf befindlichen Geldmenge sowie der gestiegenen Nachfrage nach der Pandemie, die auf ein beschränktes Angebot traf, kam es zu einem Inflationsschock. In der Folge stieg in den USA im Jahr 2022 die Inflation bis an die Marke von 10 %, während sie in der Eurozone sogar zeitweise darüber lag.

Doch in 2023 gelang es der Fed und EZB durch einen aggressiven Zinserhöhungszyklus, die Inflation zu bändigen. Die jährliche Inflationsrate in den USA ging im November 2023 auf 3,1 % zurück, während sie sich in der Eurozone auf 2,4 % verlangsamte. Nach der deutlichen Abkühlung der Inflation stellt sich nun die Frage, ob auf den steilen Preisanstieg eine Deflation folgt?

Auf Inflation folgt Deflation

Die Preise für Waren, Energie, Mieten und Dienstleistungen sind in den Jahren 2021 und 2022 massiv gestiegen. Aber was nach oben geht, muss auch wieder runter gehen. Wenn die Inflationsrate unter Null liegt, dann sinken die Lebenshaltungskosten insgesamt, was man als Deflation bezeichnet. Das war zum Beispiel während der großen Depression in den 1930er Jahren der Fall. Damals fielen die Preise für Konsumgüter in nur 3 Jahren um fast 30 %. Eine ähnliche Entwicklung haben wir auch im Jahr 2008 gesehen sowie zeitweilig in 2015.

Kommt es nach dem steilen Anstieg der Inflation der vergangenen Jahre nun ebenfalls zu einem deutlichen Einbruch der Preise? Derzeit erleben wir definitiv noch keine Deflation. Trotz der spürbaren Verlangsamung liegt die Inflationsrate in den USA immer noch bei 3 %. Die Preise steigen also im Durchschnitt um 3 % zum Vorjahr, was im historischen Vergleich recht hoch ist.

Es gibt aber Argumente, warum wir in naher Zukunft eine Deflation erleben könnten. Dafür spricht zum Beispiel der schnelle Rückgang der Inflation. In den USA ging der Preisanstieg von 9,1 % im Juni 2022 auf 3,1 % im November 2023 zurück, während er in der Eurozone von 10,6 % im Oktober 2022 bis auf  2,4 % im November 2023 sank. Historische Daten belegen, dass auf starke Inflationsschübe, wie denen in 2021 und 2022, immer wieder ein rapider Rückgang folgte, der schließlich zu einer Deflation führte. Viele Menschen fragen sich daher, ob die Preise in den nächsten Monaten weiter sinken. Diese Frage ist berechtigt, denn die Preie für viele Waren sind bereits seit Juni 2022 spürbar gesunken, nachdem die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Deflation noch gefährlicher als Inflation?

Laut Ökonomen wäre eine Deflation noch gefährlicher als die Inflation. Denn in der Erwartung fallender Preise würden sich Verbraucher mit Käufen zurückhalten und auch Unternehmen weniger investieren. Die Konjunktur würde einbrechen, was wiederum den Druck auf die Preise erhöht. Aktuell sind die Marktreaktion schon etwas zu überschwänglich, was die Abkühlung der Inflation angeht. Die Märkte preisen massive Zinssenkungen der Zentralbanken ein und wetten zugleich auf ein Soft Landing der Wirtschaft.

Es sind vor allem die Aktienmärkte, die davon ausgehen, dass die Fed die Zinsen auf ihr 2%-Ziel bringt, die Unternehmen in 2024 einen beträchtlichen Gewinnsprung vollziehen und die Konjunktur trotz des aggressiven Zinserhöhungzyklus eine Rezession vermeidet. Das Best-Case-Szenario kann allerdings nur erreicht werden, wenn die Inflation nicht erneut ansteigt bzw. es nicht zur Deflation kommt und die Wirtschaft zugleich eine weiche Landung vollzieht. Es ist also ein schmaler Grat, auf dem sich die Märkte bewegen.

Die Macher von Game of Trades untersuchen im nachfolgenden YouTube-Video die Komponenten, die auf eine Deflation hindeuten. Dabei sind sie auf Indikatoren gestoßen, die die aktuelle Meinung der Märkte auf den Kopf stellt. Aber sehen Sie selbst:



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8 Kommentare

  1. Bullenschlacht ist überfällig

    Kurz vor dem Zweitrundeneffekt von Deflation zu sprechen ist naiv. Inflation + Rezession = Stagflation wird das nächste Thema sein.
    Deglobalisierung, Decarbonisierung, Demographie und teurere Lenensmittel wegen Wetterkapriolen werden die Inflation weiter befeuern und die Mieten werden bei Wohnungsnot nicht fallen.
    Es braucht nur noch ein weiteres kleines Lieferkettenproblem und die Deflationsträumer werden aus dem Traum gerissen.
    Der China Boss hat gerade wieder den Anspruch auf Taiwan wiederholt, somit ist ein nächster Krieg in der Pipeline.
    Allfällige China Sanktionen wären der nächste Funke für Lieferkettenprobleme, auch Terroranschläge werden wieder wahrscheinlicher.
    Das Jahr 2024 wird jahrelang aufgestaute Probleme zum Plazen bringen und dies auf Börsenhöchstständen.

  2. Dieses elendige Märchen, das der Verbraucher nicht mehr konsumiert, wenn die Preise günstiger werden, in Erwartung fallender Preise, ist die größte Ökonomenverblödung ever.
    Die meisten Produkte muss man kaufen, z.B. Essen, Sprit, Gas, Strom, TÜV, Kleidung, Urlaub. Und wenn der 80 Zoll Fernseher billiger wird, kaufe ich den auch, statt zu warten, das er wieder steigt.

    Ökonomen sind das selbe wie Theologen. Die studieren eine Glaubensrichtung. Das ist gar keine Wissenschaft.

    1. @Micky: :-) Guter Kommentar, aber Volkswirtschaft kann eine Wissenschaft sein, man muss sie nur dazu machen.

    2. Falls Du es noch nicht bemerkt hast: Die Deflation hat schon begonnen! In Erwartung sinkender Zinsen kaufen und bauen die Leute keine Häuser mehr. Deshalb sinken inzwischen die Immobilienpreise.

  3. Die Videos von Game of Trades sind gut gemacht, ich finde nur den Namen nicht ganz seriös klingend. Die Prämisse des „Geld aus dem System nehmen“ funktioniert aus meiner Sicht gar nicht oder nur sehr eingeschränkt. Das wäre Geldmengenwachstum unterhalb des Wirtschaftswachstums. Die Deflation wird also nicht kommen, weil das Geld weitest gehend im System haften bleibt und dann müssten dann schon alle Blasen der Welt gemeinsam platzen. Was wegen der globalen Vernetzung durch Information sehr unwahrscheinlich ist, weil Unregelmäßigkeiten schon weit vorher ausgesteuert werden. Siehe Kapitalflucht aus China.

    Außerdem werden, wenn die Inflation deutlich unter 2% sinkt, die Geldhähne sofort wieder geöffnet. „Aber was nach oben geht, muss auch wieder runter gehen“ ist ein „gefühltes“ Argument, dafür gibt es keine belastbare Regel. Kann sein, kann nicht sein. Stagflation ist die weit größere Gefahr, weil es dafür kein probates Gegenmittel außer der Rosskur durch Rezession gibt.

  4. @ Micky,richtig, und 50% der Leute, die von der Hand in den Mund leben und Schulden haben werden sowieso nie in die Lage kommen ,etwas früher zu kaufen als nötig.Die Deflation gabs in letzter Zeit überhaupt nur wegen der Globalisierung. Jetzt ist die Rückabwicklung angesagt.Anfangs war das Märchen,dass Alle davon profitierten, Jetzt könnte man endlich zugeben, dass es hauptsächlich der Oberschicht nützte und bei der Deglobalisierung wird es die Kleinen noch kleiner machen.Die Umverteilung geht weiter bis es knallt.
    Auch das neue Zauberwort von „ KI „ wird das gleiche Schicksal erleben.

  5. china ist derzeit ein bsp. wie eine deflationäre phase entsteht. der große unterschied in der generellen wirtschaftspolitik aus meiner sicht ist, dass sich insb. ernsthafte staatliche/notenbank-eingriffe hier diametral gegenüberstehen. china und xi ordnet hier dem wirtschaftwachstum deutlich weniger priorität ein und „erlaubt“ tatsächlichen wohlstandsverlust (immobilienvermögen), weil das system vermutlich aus idelogischen gründen mit deutlich weniger liquiditätsflutungen und taschenspielertricks der notenbank zurechtkommen muss.

    war übrigens im westen bis 2008 vermutlich vergleichbar. danach kamen aus angst vor einem „echten“ weiteren crash („würde gerüchteweise der letzte sein“) viele „kreative“ finanzpolitische instrumente zur anwendung, die dem einzelnen – eigentlich egal wie die realwirtschaft eigentlich gerade läuft – einen wohlstandsverlust durch massive assetentwertungen (in einer eigentlich notwendigen korrektur einer blase) erspart. einzig extreme unvorhergesehene externe schocks wie covid können hier tatsächliche korrekturen hervorrufen. ansonsten hat man ein sich gegenseitig stützendes set von stabilisierungsmaßnahmen der notenbanken und big money interessen aufgebaut, das die volatilitäten auf ein minimum beschränken. aus meiner sicht eigentlich ein deutlich gesteuertes system wie zb. in china. inzwischen entsteht der eindruck, dass die us dominierte westliche finanzwirtschaft sich praktisch von der realwirtschaft entkoppelt hat und das auch so gewollt ist. wie auch bei jeder sich abzeichnenden krise mit helikoptergeld nur so um sich geworfen wird, das natürlich schlussendlich in den assetklassen der vermögenden landet und diese weiter aufbläht und sie so für die „kleinen leute“ immer unerschwinglicher macht. wer hätte sich vor 10-15 jahren solche „geldgeschenke“ vorstellen können? und das sowohl auf konsumenten als auch unternehmensseite.

    china tut das nicht und die deflation ist resultat einer echten nachfrageschrumpfung durch die unsicherheit bzw. den wohlstandsverlust des einzelnen. ob das trotzdem so etwas wie ein kontrolliertes platzen der immoblase und somit notwendige korrektur in china ist oder nicht, wird man wie so oft erst im nachhinein beurteilen können. ebenso welches vorgehen eigentlich den ursprünglichen mechanismen des kapitalismus in bezug auf notwendige korrekturen eigentlich näher kommt.

  6. @ Ramser, ist es ihr Ernst,dass wenn bei Wohnungsnot weniger gebaut dies deflationär wirkt? Nach MMT eine neue Wirtschaftsweisheit.
    Und die staatlich verordneten Sanierungen von Altbauten werden die Mieten zusätzlich verbilligen.Es ist wie im Fussball, dort gibt es Millionen von Tainern die es besser könnten, im Volk gibt es tausende von Wirtschaftswaisen, erstaunlich viele sind noch gebildet,
    an der Spitze des Eisberges wohl der TV bekannte Marcello.

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