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Das sollten Sie wissen! Vor dem Start der Berichtssaison: Der Dreh mit den Non-GAAP-Zahlen (adjusted Earnings)

Die Berichtssaison startet. Am Freitag beginnen große US-Banken ihre Quartalszahlen zu melden, und von da an geht es wieder richtig los. Gerade die US-Konzerne sind spezialisiert darauf ihre Zahlen wunderbar aufzuhübschen. Immer wieder hört man von GAAP und Non-GAAP-Zahlen...

FMW-Redaktion

Die Berichtssaison startet. Am Freitag beginnen große US-Banken ihre Quartalszahlen zu melden, und von da an geht es wieder richtig los. Gerade die US-Konzerne sind spezialisiert darauf ihre Zahlen wunderbar aufzuhübschen. Immer wieder hört man von GAAP und Non-GAAP-Zahlen, oder auch von „adjusted Earnings“, also angepassten Quartalszahlen. Was hat das zu bedeuten?

GAAP ist die offizielle Bilanzierung. Sie zeigt die harten wirklich in Euro oder Dollar erzielten Ergebnisse. Jetzt kommt aber der Kniff. Vor allem die Amerikaner nutzen parallel dazu auch das Verfahren Non-GAAP, was eine Art Wild West-Bilanzierung darstellt. Der Sinn von Non-GAAP (angepassten Zahlen) besteht offiziell darin, dass Investoren besser erkennen sollen, wie es um die Unternehmen in ihrem Kerngeschäft steht. Machen Sie Gewinne, Verluste usw. Große Sonderkosten oder werden bei den angepassten Zahlen rausgerechnet um sehen zu können, wie das normale Tagesgeschäft läuft.

So waren in den letzten Jahren vor allem diverse Großbanken immer wieder bei bestimmten Veröffentlichungen arg gebeutelt, weil sie an Aufsichtsbehörden vor allem in den USA Milliardenstrafen zahlen mussten. Dadurch sahen die Zahlen für ein einzelnes Jahr oder Quartal brutal schlecht aus, obwohl der Zeitpunkt auf den sich die Strafe bezog, schon Jahre zurücklag. Das aktuelle Kerngeschäft könnte noch so gut aussehen – die einmalige Strafzahlung reist aber die aktuelle Gewinnrechnung runter. Verwendet man Non-GAAP, erkennt man doch, dass die aktuellen Geschäftszahlen deutlich besser aussehen.

Von daher macht es schon Sinn, dass man als Investor auch auf diese korrigierte Zahl schauen kann. Aber sie gibt auch unendlich viel Spielraum für Unternehmen mit schlechten Zahlen im Kerngeschäft eben diese Zahlen wunderbar aufzuhübschen. Denn die Bankanalysten schauen in der Regel für ihre Bewertungen auf die Non-GAAP-Zahlen, weil sie sich für das aktuelle Kerngeschäft interessieren. Die Frage ist, was man als Unternehmen denn so alles als Sondereffekt bezeichnet, den man aus den Zahlen für das Kerngeschäft entfernt.

Immer häufiger kommt es nämlich gerade bei Unternehmen mit fragwürdigem Geschäftsaussichten (Twitter, Tesla etc) vor, dass beispielsweise Kosten für Managervergütungen mit Aktien als Sonderposten angesehen werden. Warren Buffett nannte diese Art der Betrachtung längst als das ungeheuerlichste Beispiel dafür, wie Unternehmen ihre Zahlen manipulieren. Rechnet man diese oft enorm hohen Vergütungen nämlich heraus, verwandeln sich Quartalsergebnisse mit Verlusten oft in Gewinne, was optisch natürlich wundbar aussieht.

Auch wenn ein Manager vielleicht nicht jedes Quartal mit Aktien vergütet wird, so sind dies doch immer wiederkehrende Kernbestandteile von Kosten, die zu den Vergütungsvereinbarungen dazu gehören. Unternehmen, die blendend gute Gewinne produzieren, können es sich leisten auf solche Drehs zu verzichten. Daher ist es nachvollziehbar, dass gerade Facebook bei seinen letzten Quartalszahlen verkündete auf eine Non-GAAP-Darstellung seiner Ergebnisse ganz zu verzichten. Wenn man keine großen Sonderkosten erwartet, und konstant gute Gewinne macht, braucht man in der Tat keine Non-GAAP-Veröffentlichung.

Non-GAAP mag durchaus Sinn machen, wird aber leider oft so verwendet, dass die Zahlen ohhh Wunder oft von einem Minus in ein Plus verwandelt werden. Missbrauch, ist das Wort zu hart? Es ist eine Art Grauzone. Twitter beispielsweise steht Quartal für Quartal am Scheideweg. Gewinn oder Verlust? Der Firma halfen in den letzten Quartalen die Non-GAAP-Zahlen gut dabei weiter kleine Gewinne auszuweisen. Auch für Firmen wie Tesla und Snap dürften in den nächsten Quartalen die Non-GAAP-Zahlen weiter ein wichtiges Instrument sein um optisch gut dazustehen.



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