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Warum der Ölpreis derzeit ansteigt, der Gaspreis aber nicht

Öl-Pipeline in Alaska

Der Ölpreis steigt seit letztem Donnerstag wieder an, der Gaspreis am Terminmarkt (europäischer TTF-Kontrakt) aber klebt auch heute weiter an der 100 Euro-Marke vor sich hin. Dies kann man gut im Chart am Ende des Artikels sehen, der bis zum 23. Februar (Start des Ukraine-Kriegs) zurückreicht. Man sieht Gas in rot-grün seitwärts laufen, während WTI-Öl (blau) zuletzt ansteigt.

Ölpreis steigt wieder an – EU-Importverbot?

Tagelang gab es Anzeichen beziehungsweise Hoffnungsschimmer, dass die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zu etwas führen würden. Aber zuletzt waren diese Hoffnungen doch stark rückläufig. Und jetzt tritt ein Szenario in den Vordergrund, über das wir bei FMW die letzten Tage schon mehrmals nachgedacht hatten. Was, wenn sich die EU aufgrund einer Eskalation des Kriegs gegen die Ukraine nun doch dazu durchringen würde, kein Öl mehr aus Russland zu kaufen? Dies könne den Ölpreis hoch pushen.

Und siehe da. Aktuelle Berichte zeigen, dass genau das passieren könnte. Russland verstärkt seine Angriffe in der Ukraine. Und aktuelle Berichte sprechen von „Befürchtungen über Versorgungsunterbrechungen infolge der US-Sanktionen gegen Russland“. Und viel wichtiger: Großbritannien könne zusammen mit der EU womöglich doch einen Importstopp für Öl aus Russland verhängen. Die Regierungen der EU-Staaten sollen sich diese Woche mit US-Präsident Joe Biden treffen, um über ein Ölembargo gegen Russland zu sprechen. Die USA haben es bereits vor zwei Wochen verhängt – was relativ problemlos war, da die USA bisher nur minimal Öl aus Russland importieren. Kommt der Importstopp von russischem Öl für Europa – wie hoch kann der Ölpreis dann noch klettern? Wie soll man das bitte abschätzen – aber aktuell jedenfalls scheint der Ölmarkt dies schon mal vorsichtig einzupreisen in Form steigender Kurse.

Ebenfalls Öl-Bullisch ist heute ein erneuter Angriff der Huthis auf Saudi-Arabien. Aber wenn es nicht wirklich zu gravierenden Ausfällen in der Öl-Versorgung kommt, ist solch eine Meldung inzwischen so abgenutzt, dass man sie kaum noch beachtet.

Experten über das Szenario einer bevorstehenden Öl-Verknappung

Auch die Experten der Commerzbank sprechen in ihrer heutigen Öl-Analyse über Nachrichten, wonach die EU einen Importstopp für Öl-Lieferungen aus Russland in Betracht zu ziehen scheint. Auch erwähnen sie das anstehende Treffen auf höchster EU-Ebene mit US-Präsident Biden, auf dem über weitere Sanktionen gegen Russland gesprochen werden dürfte. Die EU ist laut der CoBa deutlich abhängiger von russischem Öl. Sie deckt knapp 30 Prozent ihres Importbedarfs von Rohöl aus Russland, bei Diesel sind es sogar bis zu 80 Prozent der Netto-Importe. Entsprechend große Mengen müssten anderweitig bezogen werden, was zu einer weiteren Markteinengung führen würde. Der Druck auf die OPEC+, mehr Öl zu produzieren, würde dann weiter zunehmen, so die Commerzbanker.

Meine Meinung: Die OPEC+ (da ist Russland mit an Bord) hatte am 2. März verkündet, dass man trotz Ukraine-Krieg nicht außerplanmäßig mehr Öl fördert! Käme dieser Importstopp, und würde die OPEC ihre Fördermenge dann nicht spürbar anheben, wäre wohl ein weltweiter Run auf Öl denkbar. Wer am meisten zahlt, erhält den Zuschlag. Dieser einfache Mechanismus bringt dann den Ölpreis nach oben. Jetzt könnten wir im Anfangsstadium dieses Szenarios sein mit aktuell 109,70 Dollar bei WTI-Öl – Mitte letzter Woche sah man noch Preise unter 95 Dollar.

Warum der Gaspreis nicht mit steigt

Der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF steigt nun den dritten Handelstag in Folge NICHT zusammen mit dem Ölpreis an. Der Chart zeigt dies ziemlich gut. Laut dem Experten Stephen Stapczynski liegt dies am nun anstehenden guten Wetter in Europa (weniger Gasbedarf), an den stabilen Gas-Zufuhren durch die Pipelines über die Ukraine – und auch der von Bundesminister Habeck in Katar erzielte Erfolg über Flüssiggas-Lieferungen dürfte eine Rolle spielen. Katar wird quasi eine teilweise Alternative für russisches Gas. Dies hilft wohl in gewisser Weise die Ängste vor einer Angebotsverknappung zu mildern. Auch wichtig, nach meiner Meinung: Noch ist keine Rede davon, dass beim anstehenden Treffen zwischen EU und USA auch ein Gas-Importstopp Europas besprochen werden soll. Aber so ein entspannte Sichtweise kann sich ganz schnell ändern. Blockiert Europa russisches Öl, wird Russland dann auf die Pauke hauen, und von sich aus kein Gas mehr liefern? Möglich ist alles. Und dann sehen wir auch ganz schnell einen dramatisch ansteigenden Gaspreis. Man sollte sich auf diese Entspannung im TTF-Preis also nicht zu viel einbilden.

Chart zeigt Dutch TTF-Gaspreis gegen WTI-Ölpreis seit dem 23. Februar Dutch TTF-Gaspreis gegen WTI-Ölpreis seit dem 23. Februar.



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2 Kommentare

  1. Auch wenn mir das keiner glaubt, aber die OPEC Länder (ex Russland) werden den Ölpreis nicht durch die Decke schießen lassen, daran haben sie kein Interesse. Massiv überteuerte Ölpreise führen automatisch dazu das der Verbrauch bei den Haushalten und der Wirtschaft abnimmt, somit die Gesamtnachfrage zurückgeht, und das Wachstum zum Stillstand kommt. Demzufolge nutzt der OPEC ein hoher Ölpreis gar nichts, wenn gleichzeitig die Nachfrage absackt.

  2. Jeder der noch eine Ölheizung hat, sollte sie behalten.
    Ja, es wird teuer werden, sehr teuer, aber immer noch besser als frieren.

    Was Habeck da in Katar bei einem Diktator für eine Luftnummer veranstaltet, der schlimmer als Putin ist, soll hier nicht das Thema sein.
    Im Telegrammstil:
    Um N1 zu ersetzen, werden über 660 LNG Tanker benötigt und um die südlich verlaufende Pipeline zu ersetzen, mehr als 300 LNG Tanker.
    Über den Daumen also 1.000.
    Weltweit gibt es keine 500 Tanker, und neu gebaut werden erst Tanker, wenn sie bezahlt worden sind oder auf 20 Jahre angemietet werden, und es dauert viele Jahre.
    Einen Tanker entladen dauert etwa 20 Stunden, aber wo, denn Deutschland hat nicht ein einziges Terminal.
    75 % vom Gas aus Russland werden in der Industrie verbraucht.
    Was rechnen sich diese grünen Spinner da denn zusammen?
    Es sollen aber weitere Kraftwerke abgestellt werden.
    Wenn morgen das Gas aus Russland von Putin abgestellt wird, oder die grünen Spinner so blöde sind es selbst zu tun,
    dann wird aus Deutschland ein von der Industrie entkernter Freizeitpark, und alle können zu Hause bleiben und hoffen, dass vielleicht genug Gas zum heizen vorhanden ist, denn dafür werden immer noch etwa 250 LNG Tankerladungen benötigt.
    Natürlich müssen dann alle Gaskraftwerke in Deutschland auch abgestellt sein, und es wird dann regelmäßig zumindest zu geplanten längeren Stromabschaltungen kommen.
    Und der deutsche Michel glaubt es, wenn ihm dann Utopien von grünem Wasserstoff, Abschaffung der Gasheizungen, Elektrifizierung des Straßenverkehrs, usw. von Leuten erzählt werden, die nicht in der Lage sind auch nur überschläglich auszurechnen, dass es nicht geht.
    Mein Ratschlag für alle Besitzer von Ölheizungen.
    Haltet Eure Tanks voll.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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