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Warum der Ölpreis fällt – interessante Faktoren Pro und Contra

Öl-Bohrinsel

Der Ölpreis fällt. Seit Wochenanfang hat der amerikanische WTI-Ölpreis einen Abstieg hingelegt von 108 auf aktuell 101,53 Dollar. Letzte Woche herrschte noch Angst vor Angebotsverknappung, und der Ölpreis war im Aufwind. Denn OPEC-Generalsekretär Barkindo warnte, dass es im Falle von Sanktionen oder freiwilligen Maßnahmen unmöglich sei die wegfallenden russischen Ausfuhren von Öl in Höhe von 7 Millionen Barrel pro Tag zu ersetzen. Aber diese Angst aus letzter Woche ist jetzt schon wieder veraltet.

Faktoren für derzeit fallenden Ölpreis

Im Chart sehen wir den Kursverlauf im WTI-Öl in den letzten fünf Tagen in rot-grün. Dem gegenüber in blau sehen wir den deutlich ansteigenden US-Dollar in Form des Währungskorbs „Dollar-Index“. Er drückt gegen einen Auftrieb im Ölpreis. Auch die deutlich gestiegenen Anleiherenditen und die fallenden Aktienkurse beeinflussen Öl negativ. Über allem schwebt aber vor allem der strikte Corona-Lockdown in Shanghai, der sich auf ganz China auswirkt, und somit dämpfend auf die Nachfrage für Öl wirkt.

Auch kommt Öl aus Kasachstan nun wieder auf den Weltmarkt, nachdem ein Exportterminal im Schwarzen seit mehreren Wochen beschädigt war. Durch einen Sturm verursachte Schäden sollen inzwischen wieder behoben worden sein. Laut Angaben aus Kasachstan sollen die Ölexporte nun wieder vollständig aufgenommen werden. Auch dämpfend auf den Ölpreis wirkt, dass die USA ihre Ölexporte derzeit dramatisch schnell nach oben schrauben, vor allem um den europäischen Markt zu bedienen, der regelrecht nach Ersatz für russisches Öl schreit. Staatliche Statistiken aus den USA zeigen, dass Ende Dezember von den USA noch 6,6 Millionen Barrels pro Tag exportiert wurden. Wenige Tage vor Beginn des Ukraine-Kriegs lag die Exportmenge bereits bei 9,5 Millionen. Und letzte Woche waren es sogar schon 10,6 Millionen Barrels pro Tag! Mehr Angebot drückt den Preis.

Faktoren, die für Preisauftrieb bei Öl sprechen

Natürlich kann es jederzeit dazu kommen, dass Aussagen von Wladimir Putin für erneute Verknappungsangst bei Öl sorgen, und der Ölpreis springt plötzlich nach oben. Genau so gut kann die EU – wenn der Ukraine-Krieg noch stärker eskaliert – auch ein Öl-Embargo gegen Russland aussprechen, was auch für Auftrieb bei Öl sorgen würde. Aber dies ist ein ungewisses Szenario. Konkreter sind da schon die derzeit rückläufigen Fördermengen in Russland. Nach den ersten 19 Tagen im April lag die Produktion bei durchschnittlich 10,1 Millionen Barrel pro Tag – das sind rund 900.000 Barrel Öl pro Tag weniger als noch im März. Weniger Angebot könnte den Ölpreis nach oben drücken. Aber auch aktuelle Produktionsausfälle in Libyen stehen als Argument derzeit gegen einen stärkeren Rückgang im Ölpreis, wie es heute die Experten der Commerzbank formulieren.

Was als Faktor wirklich schwer wiegt, und für den Ölpreis ohne andere Themen ein Anstiegssignal wäre: Die OPEC, die auch nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs nicht willens war ihre Fördermenge außerplanmäßig anzuheben als Ersatz für Öl aus Russland, zeigt sich weiterhin äußerst passiv. Denn Russland ist immerhin Mitglied im erweiterten Club „OPEC+“. Und die Golfstaaten innerhalb des Kartells wollen sich wohl komplett aus Geopolitik und Ukraine-Krieg raushalten. Würden sie mehr Öl fördern, wäre das ja quasi ein Affront gegen den Kartell-Partner Russland, dessen sinkende Marktanteile man damit quasi übernehmen würde. Gestern gab es von Seiten der OPEC gegenüber dem Internationalen Währungsfonds Aussagen, dass der Anstieg im Ölpreis hauptsächlich auf geopolitische Gründe in Osteuropa (Ukraine-Krieg) und auf damit einhergehende Sorgen vor Angebotsausfällen zurückzuführen sei. Die OPEC hält ihre Förderung also weiter an der kurzen Leine.

Aktuell gibt es am Markt ein Übergewicht der preisdämpfenden Faktoren, aber das kann sich schnell wieder ändern.

Chart vergleicht Ölpreis und US-Dollar im Verlauf der letzten fünf Tage



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1 Kommentar

  1. Die Deutsche Bundesbank spricht im Falle eines russischen Öl-Embargos auch von negativen Vertrauenseffekten zu Lasten der deutschen Industrie. Von daher lehne ich ein russisches Öl-Embargo weiterhin ab. Deutschland könnte aber die Abhängigkeit von russischem Öl zumindest reduzieren, indem eigene Ölvorkommen entsprechend genutzt werden, uns mehr Öl von anderen Ölstaaten, wie die USA und afrikanische Länder importiert wird.

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