Gas

Extrem stark gefallene Preise Warum einige Stromerzeuger wieder vermehrt Gas verbrennen

Stromerzeuger in Europa nutzen aktuell wieder vermehrt Gas zur Stromerzeugung. Überangebot und niedriger Preis sorgen für diese Entwicklung.

Wenn die Gasspeicher überall in Europa fast komplett gefüllt sind (aktuell 93,79 % im EU-Schnitt), der Gasverbrauch dank des milden Wetters sehr niedrig ist, und gleichzeitig sehr viel LNG aus Übersee angeliefert wird, dann sinken logischerweise die Preise. Und sie sinken sehr schnell! Und da man nicht weiß wohin mit dem vielen Gas, und da es inzwischen billiger ist als andere Brennstoffe, kann man es wieder vermehrt zur Stromerzeugung nutzen? Danach sieht es aktuell aus. Es ist eine bizarre Situation mitten im Bemühen der EU-Staaten Gas einzusparen.

Erdgas ist inzwischen so billig, dass einige europäische Kraftwerke nämlich wieder vermehrt auf Gas als Brennstoff zurückgreifen, so berichtet es aktuell Bloomberg. Es ist für die Stromerzeuger kostengünstiger Gas zu verfeuern. Kohle ist seit Monaten der billigere Brennstoff, und Länder wie Deutschland und Großbritannien verlängern die Lebensdauer ihrer Kraftwerke, um die Energieversorgung im Winter zu sichern.

Die deutsche Stromerzeugung aus Gas lag am Dienstag im Durchschnitt bei 8,4 Gigawatt und damit etwa 33 % über dem 30-Tage-Durchschnitt, wie Daten der Netzgruppe Entsoe zeigen. In den Niederlanden lag die gasbefeuerte Leistung mit 5,9 Gigawatt um 44 % über dem Monatsdurchschnitt, während sich die kohlebefeuerte Leistung auf 835 Megawatt mehr als halbierte und damit den niedrigsten Stand seit Mai erreichte.

Kohle-Nutzung

Die Gaspreise sind in diesem Monat aufgrund der ungewöhnlich warmen Witterung, die den üblichen Anstieg der Nachfrage in der Heizsaison verzögert hat, um fast die Hälfte gesunken, während die anhaltend hohen Importe von Flüssiggas (LNG) bedeuten, dass noch mehr Brennstoff in die überfüllten Lagerstätten eingespeist wird. Im Gegensatz dazu sind die Kohlekosten im Oktober nur um ein Fünftel gesunken, so dass es für die Erzeuger kostengünstiger ist Gas zu verwenden.

Auch die Strompreise sind rückläufig. Der deutsche Month-Ahead-Strompreis sank um 2,5 % auf 234 Euro pro Megawattstunde und damit fast auf den niedrigsten Stand seit Juni. Die Strompreise für das kommende Jahr sind in Deutschland auf 372,75 Euro gesunken und liegen damit knapp über dem Dreimonatstief vom Montag.

Preisentwicklung von Kohle und Gas im Vergleich

In einer Zeit relativ geringer Nachfrage wurde so viel Gas nach Europa geliefert, dass Händler dafür bezahlt werden konnten, den Verkäufern das Gas abzunehmen. Der Preis für die nächste Stunde am niederländischen Gashandelsplatz Title Transfer Facility lag am Montag kurzzeitig im Minus.

Der Rückgang der Gaspreise wird jedoch wahrscheinlich nicht von Dauer sein. „LNG kann nicht in die Speicher entladen werden, weil diese voll sind und der Wert des kurzfristigen Gases dadurch gedrückt wird“, sagte Jean-Paul Harreman, Direktor bei EnAppSys. „Natürlich werden sich die Preise wieder normalisieren, wenn es kälter wird und die Menschen anfangen, Gas aus den Speichern zu nutzen.

FMW/Bloomberg

Kraftwerk zur Stromerzeugung
The towers of the Linden gas-fired combined heat and power plant, also known as the ‚Three Warm Brothers‘, in Hanover, Germany, on Tuesday, Sept. 20, 2022. The German government released another 2.5 billion euros ($2.5 billion) of credit lines to secure gas supplies, as it writes off Russia as a reliable energy supplier. Photographer: Krisztian Bocsi/Bloomberg


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1 Kommentar

  1. Pingback: Warum Europa sich nicht auf LNG aus den USA verlassen kann - finanzmarktwelt.de - Asienzeitung

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