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Anleihen

Warum Profi-Investoren Anleihen mit negativer Rendite kaufen!

Warum große Investoren 10-jährige Staatsanleihen kaufen, die (wie in Deutschland) sogar Minuszinsen abwerfen!

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Immer wieder liest man, wie erstaunt mancher Marktbeobachter darüber ist, dass es große Investoren gibt, die 10-jährige Staatsanleihen kaufen, die, wie in Deutschland sogar Minuszinsen abwerfen. Müsste der Anleger diese Papiere die ganzen 10 Jahre halten, so würde er bereits ohne den Effekt der kapitalmindernden Inflation Verluste damit einfahren. Warum wird dies im großen Stile also dennoch gemacht? Die Antwort verbirgt sich hinter dem Wort Duration, übersetzt Kapitalbindungsdauer oder die Sensibilität von Anleihen unterschiedlicher Laufzeit bei Zinsänderungen.

 

Worauf hoffen die Käufer?

Die Käufer von langlaufenden Anleihen mit niedrigem Zinssatz sind davon überzeugt, dass sich die Wirtschaft abschwächt oder sogar in eine Rezession abgleitet. Was passiert in solchen Fällen? Die Zinsen fallen und die Kurse steigen reziprok.

Und warum kaufen Profis dann gerne Langläufer und nicht kurze oder zumindest mittlere Laufzeiten? Eben wegen der Duration, denn Anleihen mit längerer Laufzeit reagieren in der Regel wesentlich empfindlicher auf Zinsänderungen als jene mit kurzen Laufzeiten.

Hier die Einflussfaktoren auf die Duration kurz dargestellt:

 

  • Die Duration ist umso kleiner, je kürzer die Restlaufzeit ist.
  • Die Duration ist umso kleiner, je höher der Marktzins ist.
  • Die Duration ist umso kleiner, je höher der Kupon ist.

 

Ein praktisches Beispiel

Angenommen ein Investor zeichnet eine Anleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Kupon von 2 Prozent und einem Kapitalmarktzins von 2 Prozent, so liegt der Kurs bei 100 Prozent. Steigt der Zins von 2 auf 3% so fällt der Preis dieser Anleihe auf 90,7% – es träte bei einem Verkauf ein Verlust von fast 10% auf.

Fallen die langen Zinsen jedoch von 2 auf 1 Prozent, so passiert genau das Gegenteil. Der Wert der Anleihe steigt von 100 auf 110,3% – somit könnte man 10% Gewinn einfahren. Und diese Duration ist bei einer 10-jährigen Anleihe eben ca. doppelt so hoch wie bei einer 5-jährigen.

Die zweieinhalbfach überzeichnete Auktion für die 10-jährige Bund vorgestern, mit einem Zinssatz von -0,06 Prozent, ist damit gar kein schlechtes Investment, wenn man von einer Rezession ausgeht.

Also: Viele Großanleger kaufen die langlaufenden Papiere, nicht weil ihnen nichts anderes übrig bleibt, sondern weil sie hoffen mit diesen Anleihen richtig fette Kursgewinne einfahren zu können. Man hält diese nicht bis zur Endfälligkeit, sondern bis ein Renditeziel erreicht ist.

 

Beispiel USA

Auf welchen Kursgewinnen würden US-Investoren sitzen, wenn sie eine 10-jährige Staatsanleihe im Oktober oder November bei 3,25% gekauft hätten und wo sich der Aktienmarkt noch auf Rekordniveau bewegt hatte?

Auf ca. 7% Kursgewinn mit der 10-yr T-Note, bei einem gleichzeitigen 4%-igen Kursverlust des Dow Jones Industrial Index.

 

By JHerbstman – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59695185

 

 

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Moritz

    28. März 2019 11:16 at 11:16

    Danke! Das war mir bisher noch garnicht bewusst. Allerdings spielen auch Regularien wie Anleihequoten bei Pensionsfonds etc. eine Rolle.

  2. Avatar

    Savestrax

    28. März 2019 12:27 at 12:27

    Nicht zu vergessen: -0,0irgendwas Rendite schmerzt weniger als -0,4 Strafzins an die EZB.

  3. Avatar

    md

    28. März 2019 12:28 at 12:28

    wofgang danke für diese lehrstunde, sehr interessant zu wissen. habe mich bis dato nie so wirklich mit anleihen befasst. gerade weil ich das auch nicht so richtig verstanden habe. wärst du so gut und könntest das beispiel ein bischen detaillierte ausführen. danke die für dein wissen

  4. Avatar

    Marcus

    28. März 2019 12:36 at 12:36

    Was machen die Investoren jetzt wenn es nicht zu einer Rezession oder mal wieder einem spontanen Ausverkauf am Bondmarkt kommt? Dann sitzt man doch auf Verlusten obwohl man auf das Gegenteil spekuliert hat. Des weiteren müssten die Investoren und auch die EZB schon seit Jahren von einem Abschwung überzeugt sein, weil diese ja massiv (deutsche) Anleihen erworben haben.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      28. März 2019 13:26 at 13:26

      @Marcus. Ich glaube, Sie bringen da ein bisschen was durcheinander. Die EZB hat in den letzten Jahren durch ihr QE-Programm Staatsanleihen verschiedener Länder nach einem bestimmten Schlüssel gekauft (auch deutsche und nicht nur italienische!), um den Ländern (und Banken) Liquidität zu verschaffen und die Zinslast für die Schulden zu erleichtern, damit diese Wachstum generieren (so der Plan). Das hat mit Rezession überhaupt nichts zu tun.
      Die Profi-Investoren gehen gestaffelt in den die Märkte und verstärkt in längere Anleihen, wenn sich ihrer Ansicht nach die Anzeichen für eine Rezession oder einen Abschwung mehren. Dabei sichern Sie sich natürlich ab und warten nicht bis zu Zinsen um 1% steigen. Dabei sind diese mit Riesenkontrakten (ab 100 000 $) an der CBOT (Chicago Board of Trade) mit Optionen im Einsatz, um die möglichen Verlusten zu beherrschen. Dort läuft auch das Big Money, wie Markus Fugmann schon sagte, der US-Anleihemarkt ist riesig.
      Gruß

      • Avatar

        Marcus

        28. März 2019 16:33 at 16:33

        Also können wir im Falle der EZB von Marktmanipulation sprechen, denn nichts anderes ist QE was durch die Zentralbanken betrieben wird. Das wird schon so sein wie Sie sagen das die Profi Investoren das so umsetzen, nur für mich ist das einfach nicht logisch.

        Warum sollte ich eine Anleihe kaufen wenn diese über 100 % notiert -mal angenommen ich halte sie bis Endfälligkeit- ich aber am Ende nur 100 % zurück gezahlt bekomme ? Da wird mir doch garantiert das ich Kapital verliere. Selbiges bei der Negativ-Verzinsung: Ich als Investor muss dem Staat erst Geld zahlen das ich seine Anleihe erwerben darf, da bin ich doch schon im Verlustgeschäft drinnen, obwohl vielleicht noch nicht mal der Handel mit der Neuemission angefangen hat.
        Da muss die Anleihe aber schon eine sehr gute bis überragende Performance abliefern das da groß was hängen bleibt. aber gut wahrscheinlich verstehe ich das auch nicht, weil ich nicht so tief drin bin in der Materie der „Profiinvestoren.“

  5. Avatar

    Bondkenner 007

    28. März 2019 13:10 at 13:10

    Noch zu erwähnen, dass bei einem BörsenCrash, der ja auch nicht unmöglich erscheint, vor allem die langen Bondkurse stark steigen ( siehe Langfristchart ) wegen Flucht in sicheren Hafen.
    Auch Bonds werden also kurzfristig getradet u.nicht nur als Anlage gehalten.Aktien werden ja von den Tradern auch auf den höchsten Niveaus gekauft, obwohl die Dividende sehr tief ist.

  6. Avatar

    Hans Winkelmann

    28. März 2019 14:48 at 14:48

    Ja ausführlicher wäre gut. Wie korrelieren jetzt Kupon und Kapitalmarktzins und was ist an den Leitzins gebunden?

    • Avatar

      Wolfgang M.

      28. März 2019 15:35 at 15:35

      Hallo Herr Winkelmann. Ich fürchte die einzelnen Faktoren der Sensitivität von Anleihen lassen sich hier ohne mathematische Formeln nicht darstellen. Aber kurz zu Ihren Fragen.
      Die Sensivität von lang laufenden Anleihen hängt nicht vom Leitzins ab, Langläufer kann die Fed nicht beeinflussen.
      Die Veränderung des Wertes einer Anleihe hängt vom Marktzinsniveau ab. Sinkt dieses um 1 % gehen die Renditen sämtlicher Anleihen am Markt infolgedessen um denselben Betrag zurück. In diesem Fall würde der Kurs einer Anleihe mit einer Duration von zwei Jahren um 2 % ansteigen und der Kurs einer Anleihe mit fünfjähriger Duration um 5 % und so weiter.
      Einfluss des Kupons
      Die Duration ist umso höher, je niedriger der Kupon ist. Für den Extremfall der Nullkuponanleihe gilt, dass die Duration mit der Restlaufzeit der Anleihe übereinstimmt. Oder auf Deutschland bezogen. Bei den Minikupons, die für Anleihen geboten werden, schlägt die Kursänderung viel stärker zu als bei emittierten Anleihen vor 15 Jahren mit Kupons über 6%.
      Deshalb gilt das oben Gesagte. Änderungen im Kurswert einer Anleihe hängen von der Veränderung des Marktzinses ab, von der Höhe des Kupons und von der Laufzeit der Anleihe.
      Hoffe, ich könnte die Abhängigkeiten ein bisschen transparenter machen. Aber sehen Sie sich ruhig die Durationsformel an.

  7. Avatar

    Hans Winkelmann

    30. März 2019 18:08 at 18:08

    War im falschen Film. Meinen obigen Beitrag bitte streichen.

  8. Avatar

    Hans Winkelmann

    30. März 2019 18:10 at 18:10

    Vielen Dank- das ist aber auch verzwickt.

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Allgemein

Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

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Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

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Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

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