Anleihen

Was für ein Debakel für die Bank of England

Was für ein peinliches Debakel für die Bank of England (BoE) gab es da gestern. Erst letzte Woche verkündete sie ihr Anleihekaufprogramm im Rahmen ihrer geldpolitischen Lockerung um 60 Milliarden Pfund aufzustocken. Zum ersten Mal seit...

FMW-Redaktion

Was für ein peinliches Debakel für die Bank of England (BoE) gab es da gestern. Erst letzte Woche verkündete sie ihr Anleihekaufprogramm im Rahmen ihrer geldpolitischen Lockerung um 60 Milliarden Pfund aufzustocken. Zum ersten Mal seit vier Jahren kauft die Bank of England seit dieser Woche wieder in bedeutendem Umfang britische Staatsanleihen am Markt auf.

Am Montag begann die BoE mit einem Aufkauf von Laufzeiten im Bereich 3-7 Jahre. Das funktionierte auch problemlos. Für 1,17 Milliarden Pfund wollte die BoE am Markt aufkaufen, und fand Angebote im 3,6fachen Umfang. Alles gut, wie erwartet. Aber gestern dann wollte man 15jährige Laufzeiten aufkaufen im Volumen von 1,17 Milliarden Pfund. Investoren wollten am freien Anleihemarkt aber lediglich ein Volumen von insg. 1,118 Milliarden Pfund an die BoE verkaufen. Es ergab sich eine Lücke von exakt 52 Millionen Pfund. Wie peinlich für die BoE, was für ein Desaster. Eine eigentlich allmächtige Notenbank ist nicht in der Lage so viele Anleihen aufzukaufen, wie sie möchte. Wo gibt es denn sowas?

In Großbritannien! Schlicht und einfach waren die Investoren nicht bereit ihre langlaufenden Papiere zu verkaufen. Und was passiert am freien Markt, wenn jemand unbedingt kaufen will, die Verkäufer sich aber zieren? Der Käufer setzt seine Preise rauf, die er bereit ist zu zahlen. So geschah es auch gestern. Die BoE war laut Anleihehändlern bereit Preise über Marktpreis zu bezahlen – aber selbst da gab es keine Verkaufswilligen! Jetzt hat die Bank of England vor allem ein Reputationsproblem. Man will in den nächsten sechs Monaten im Volumen von 60 Milliarden Pfund britische Staatsschulden kaufen, hat aber schon bei der zweiten Milliarde das Problem genug Verkäufer zu finden.

Ähnlich wie schon in Japan vorgekommen, hat jetzt auch die BoE ein eigentlich ganz einfaches Problem. Man findet nicht genug willige Verkäufer. So ist das, wenn Versicherungen, Fonds und Pensionskassen gezwungen sind in sogenannten „mündelsicheren“ Geldanlagen hängenzubleiben. Und da gibt es eben nur noch in langen Lufzeiten ein klein wenig Rendite. Da verkauft man auch bei Traumgeboten weit über aktuellen Marktpreisen nicht, wie es aktuell geschieht. Außerdem hat die BoE bereits nach der Finanzkrise mit dem damals begonnenen Anleihekaufprogramm (QE) gut 1/3 des britischen Anleihemarktes aufgekauft. Ist man jetzt schon nahe der Marktaustrocknung angekommen, weil viele langfristig orientierte Investoren einfach nicht verkaufen wollen oder können?

Die Bank of England sieht sich sogar dazu gezwungen ein gesondertes Statement zum gestrigen Desaster abzugeben, welches man vor wenigen Minuten veröffentlicht hat. Denn es ist ein wirkliches Desaster, eine Blamage, dass eine Notenbank nicht das bekommt was sie will – denn eigentlich ist sie mit ihrer Druckerpresse allmächtig. So sagt die BoE ganz aktuell das nicht gekaufte Volumen in Höhe von 52 Millionen Pfund von gestern werde man zu einem späteren Zeitpunkt des sechsmonatigen Kaufprogramms von 60 Milliarden Pfund nachholen. Da fragen wir uns: Was wenn sich diese Ausfälle fortsetzen, und es in den nächsten Wochen einen knochentrockenen Markt gibt?



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9 Kommentare

  1. Man kann aber auch alles negativ sehen, wenn man will. Und umgekehrt.

    Vor drei Wochen wurde hier noch der Teufel an die Wand gemalt, den Briten würden bald die Kapitalzuflüsse ausgehen und dann wäre niemand da, u.a. das hohe Handelsbilanzdefizit zu finanzieren.

    Und nun zeigt der Anleihemarkt absolute Stärke und ist auf die Notenbank gar nicht angewiesen.

    Und wo genau liegt da nun die Misere und das Debakel für die Notenbank. Vielleicht ist diese froh, dass das Vertrauen noch da ist und es noch immer ohne sie läuft.

    1. @Gerd, den Briten gehen perspektivisch die Kapitalzuflüsse aus! Die Investoren haben der Bank of England nur deshalb die Anleihen nicht verkauft, weil es bei länger laufenden Anleihen noch etwas Rendite gibt – das hat mit der ökonomischen Lage der Briten nach dem Brexit sehr wenig zu tun..

      1. Guten Tag Herr Fugmann, ich habe -ehrlich gesagt – immer noch nicht kapiert, weshalb der (noch nicht vollzogene) Brexit, die UK-Wirtschaft schwächen soll. Ein etwas schwächeres Pfund hilft ja der Land. Aktuell trifft es eher uns, da sich unser Export verteuert. Ist die aktuelle Schwäche der Wirtschaft nicht der weltweit schwächelnden Konjunktur geschuldet? Der Brexit lediglich eine wunderbare Ausrede?
        Ich freue mich auf Ihre Antwort

        1. @Ulrich, ein schwächeres Pfund hilft einer Wirtschaft vor allem dann, wenn sie Export-orientiert ist. Aber die Briten sind, das zeigt das heftige Defizit der Handelsbilanz, stark auf Importe angewiesen, die sich dann für sie verteuern! Damit steigen die Preise für die Konsumenten, was den Warenabsatz verringert etc.
          Hinzu kommt, dass eben völlig unklar ist, ob und wie die Briten in die EU exportieren können; dazu der EU-Paß der Banken, der entzogen werden könnte etc. etc.

  2. Wenn mir jemand beantworten könnte, was dies für den Pfund bedeutet?

    Danke im voraus!

    1. @Schnutzelpuh, die Auswirkungen auf das Pfund sind folgende: als es gestern der Bank of England nicht gelang, das beabsichtigte Volumen an Anleihen zu kaufen, fielen die Renditen für die britischen Anleihen; ein entscheidendes Kriterium für das Pfund ist die Renditedifferenz britischer Anleihen zu amerikanischen Staatsanleihen; ist diese Differenz groß, etwa weil britische Staatsanleihen mehr Zinsen abwerfen, sorgt das für Nachfrage nach britischen Anleihen; und wenn ausländische Investoren britische Staatsanleihen kaufen, kaufen sie damit praktisch Pfund (weil sie zum Beispiel mit Euros oder Dollars Anleihen kaufen, die in Pfund laufen..

  3. Die BoE hat dasselbe Problem wie die EZB: Die europäischen Bondmärkte sind einfach nicht liquide genug, weil das Emissionsvolumen rückläufig ist. Zumal wie der Artikel bereits erwähnt, die BoE zu Hochzeiten der Finanzkrise bereits massiv gekauft hat.

    Und mal ehrlich: An Stelle von Investoren würde ich auch nicht meine im Idealfall vielleicht noch gut verzinsten Anleihen an die Zentralbank verkaufen, da wäre ich ja schön blöd!

    1. An @Marcus
      das hieße aber folgerichtig weitergedacht, Sie würden selbst auch solche Anleihen gerne in Ihr Depot legen, so Sie Anlagebedarf hätten. Denn ob Sie die Anleihen nicht abgeben wollen oder ob Sie sich erstmalig eindecken – für den Bestand im Depot macht das keinen Unterschied. O.K.

      Für meine Person gilt, ich würde mir als Deutscher keine deutschen Bundesanleihen ins Depot legen.
      Und wäre ich Engländer auch nicht die dortigen.
      Obwohl zugegeben, die bringen immer noch rund 0,5% mehr Rendite als die bei uns. Hm, so gesehen, liegen Sie auf England bezogen evtl. gar nicht mal verkehrt.

      1. Wie kommen Sie darauf ? Ich lasse schon seit jeher die Finger von Staatsanleihen egal wer sie emittiert.

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