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Was macht die Weltkonjunktur? Sind wir nach den US-Quartalszahlen etwas schlauer?

Auch wenn noch nicht alle Unternehmen des S&P 500 ihre Quartalsergebnisse gemeldet haben, reicht es bereits für eine erste Beurteilung der Quartalssaison.

Zwar stehen mit Alphabet, Apple und Berkshire Hathaway noch drei Dickschiffe mit ihren Zahlen an, aber laut Bloomberg haben bisher über drei Viertel der Unternehmen die vorher abgesenkten Prognosen übertroffen. Die Konjunkturüberraschung von 3,2% für Q1 könnte ein Ausreißer nach oben sein, ausgelöst durch Lageraufbau und vorgezogenen Käufen infolge der Sorge über Preissteigerungen durch Zölle. Der weitere Jahresverlauf könnte deshalb in Richtung zwei Prozent laufen. Wie sieht nun die allgemeine Lage für die USA aus?

Headwinds:

  • Sich immer noch eintrübende Indikatoren für den Welthandel (Caterpillar, 3M, UPS und Intels Ausblicke verdeutlichen dies), ein starker exportschädlicher Dollar und damit das Wiederaufflackern der Emerging Markets-Problematik, dazu ein Restrisiko im Handelsdeal zwischen den USA und China, nachdem Larry Kudlow betonte, angesichts des BIP-Wachstums von 3,2%  könne man gegenüber China etwas forscher auftreten. Das KGV der US-Märkte ist wieder auf 17 gestiegen (historischer Durchschnitt 15 – 16) und damit auf den Stand von Oktober 2018.

 

Tailwinds:

  • Die dovishe Haltung der Fed, die mit dem starken Absinken der Inflationsdaten keinen Handlungsdruck verspürt, das Wiedereinsetzen der Buybacks nach der Blackout Period und die verflogenen Rezessionssorgen nach den BIP-Zahlen. Zusätzlich haben die Bondmärkte der Fed etwas Arbeit abgenommen. Die Zinsen für die 10-jährige US-Staatsanleihe sind von ihrem Hoch ca. 75 Basispunkte gefallen.

 

Deutschland und Europa

Die Stimmung der deutschen Exporteure befindet sich laut Ifo- Index auf dem niedrigsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Wenn aber die US Wirtschaft weiterhin solide bleibt und Chinas Wirtschaft nicht abgleitet, so sollte auch die deutsche Wirtschaft innerhalb des Jahres wieder davon profitieren.

Der Dax hat charttechnisch ein so genanntes goldenes Kreuz etabliert (50 – 200 Tageslinie), derartiges hat es zum letzten Mal im August 2016 gegeben. Ungeachtet des kurzfristigen Korrekturpotenzials ist das ein gutes Zeichen.

Ansonsten gibt es erste gute Nachrichten. Einige Analysen deuten darauf hin, dass der Abwärtstrend bei den globalen Gewinnerwartungen von Unternehmen nachlässt. Zwar liegt das erwartete Gewinnwachstum für 2019 derzeit bei ca. vier Prozent gegenüber zehn Prozent im Oktober vergangenen Jahres. Allerdings dürften die deutlichsten Korrekturen hinter uns liegen, denn die Zahl der Experten, die Gewinnrückgänge erwarten, hat im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich abgenommen. Der Tiefpunkt dieser Erwartungen stammt schon aus dem Januar.

Auch ist die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich gesunken: Im Jahr 2014 lag sie noch bei zwölf Prozent – bis Februar dieses Jahres ist sie bis auf 7,8 Prozent gefallen. Eine Entwicklung, die die Nachfrage nach Produkten begünstigt.

Kurzum: Europas zyklische Aktienmärkte würden von einer Stabilisierung der Industrieindikatoren profitieren. Am heutigen Montag werden Daten zur Wirtschaftsstimmung und zum Geschäftsklima in Europa veröffentlicht.

 

Fazit

Sind wir hinsichtlich der Weltkonjunktur schlauer geworden? Nicht wirklich.

Die USA sind weiter auf Wachstumskurs, China ist weiterhin eine Blackbox – und Europa? Man hat den Kontinent wirtschaftlich derzeit abgeschrieben, nicht jedoch die Aktienmärkte. Der Dax ist seit Jahresbeginn fast um 17% gestiegen und damit genauso stark wie der große S&P 500. Vielleicht liegt hier die Überraschung der nächsten Monate?

Mit der Rezession könnte es tatsächlich noch etwas dauern. Sie wird uns alle überraschen, das zeigt die Historie, genauso wie es das US-GDP gerade getan hat.



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1 Kommentar

  1. Und so viel zur langläufig zitierten Formel „steigende Ölpreise = anziehende Weltkonjunktur“…

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Trumps-Ol-Embargo-beschleunigt-Lira-Crash-article20990662.html

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