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Welle an Insolvenzen rollt ab Montag? Creditreform mit wichtigem Hinweis

Schild mit Aufschrift Insolvenz

So manche Leser meinen, wir bei FMW würden uns regelrecht eine große Pleitewelle herbeisehnen. Dazu sei gesagt: Wir beschreiben Zustände, mögliche Entwicklungen und ungesunde Verzerrungen, wie sie seit Ausbruch der Coronakrise auch beim Thema Insolvenzen zu beobachten waren. Dass bis dato keine große Pleitewelle über die deutsche Volkswirtschaft niedergeprasselt ist, liegt wohl nicht nur an den umfangreichen Wirtschaftshilfen des Staates. Auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht half.

Aber inzwischen hätten auch viele Unternehmen Insolvenz beantragen müssen, da für sie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nicht mehr galt. Aber wie man aus zahlreichen Äußerungen von Experten in den letzten Monaten zwischen den Zeilen raushören konnte, nehmen es viele Manager von eigentlich kaputten Unternehmen wohl derzeit nicht so genau mit ihren Pflichten. Obwohl man eigentlich rechtlich gesehen am Ende ist, hofft man mit Kurzarbeitergeld, Staatshilfen etc irgendwie doch noch weiter durchhalten zu können?

Creditreform ist nach eigenen Angaben Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinformationen, Marketingdaten und Lösungen zum Forderungsmanagement. Heute hat der Anbieter einen wichtigen Hinweis veröffentlicht. Man weist explizit darauf hin, dass ab dem morgigen 1. Mai 2021 wieder die volle Insolvenzantragspflicht für Unternehmen gelte. Es gebe dann keinerlei Ausnahmen mehr, weder für zahlungsunfähige noch überschuldete Unternehmen. Auch die insolvenzreifen Unternehmen, die noch auf das Corona-Überbrückungsgeld warten, müssten unter Berücksichtigung der regulären gesetzlichen Fristen einen Antrag beim Amtsgericht stellen. Das Auslaufen des vermeintlichen Schutzes bedeute eine Rückkehr zu regulären Wettbewerbsbedingungen und marktwirtschaftlicher Transparenz, so Creditreform. Also müssten demnächst eigentlich unzählige Unternehmen die Insolvenz anmelden?

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht wurde im März vergangenen Jahres beschlossen und wurde seitdem mehrfach verlängert. Vor allem aus volkswirtschaftlicher und ordnungspolitischer Sicht sei die Maßnahme laut Creditreform bis zuletzt umstritten gewesen, da es zu einer weitgehenden Verzerrung des Insolvenzgeschehens gekommen sei, Vertrauen in etablierte Wirtschaftsstandards verloren ging und Gläubigerinteressen massiv beschnitten worden seien. Trotz aller Befürchtungen werde es ab Mai aber wahrscheinlich nicht zu einer akuten Insolvenzwelle bei den Unternehmen kommen, da die staatlichen Hilfsmaßnahmen – wie zum Beispiel die Überbrückungshilfen oder das Kurzarbeitergeld – erst einmal weiter laufen, so merkt es Creditreform an.



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4 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich finde Ihre Berichterstattung hervorragend. Vor allem Marktgeflüster. In Zeiten der Euphorie, so lehrt uns auch die Geschichte, werden alle Äußerungen gegen kritische Berichterstattung von den „Bullen“ missachtet, ja sogar veräppelt. Da sollte man aber drüber stehen.
    Im Jahre 2000 bis März und in 2007, wären sehr viele Menschen über eine Berichterstattung wie Ihre froh gewesen.

    Meine Kenntnisse, vielleicht aktuell noch nicht mein Depotwert, sind durch Sie auf alle Fälle gestiegen. Vor allem werden mir durch Sie auch viele Zusammenhänge deutlich klarer.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und bleibe weiterhin treuer Abonnent.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marcel Biesinger

  2. So manche Leser meinen, wir bei FMW würden uns regelrecht eine große Pleitewelle herbeisehnen. Dazu sei gesagt: Wir beschreiben Zustände, mögliche Entwicklungen und ungesunde Verzerrungen.

    Das mag für manche Autoren auf FMW zutreffen, auf andere eher weniger. Der eine oder andere wirbelt und schwurbelt als Augur erfolglos in der Zukunfts-Glaskugel herum, seit vielen, vielen Jahren. Und übersieht dabei die Wandlung und Neuausrichtung der Wirtschaft, die Neugründungen oder Neuanfänge vs. Insolvenzen.

    Mag an den Quellen liegen, Creditreform, na klar. Die sind seriös, neutral und unbeeinflusst, wie Stiftung Warentest für Verbraucher. Jedermann weiß inzwischen, dass die Anzahl der Insolvenzen in der Old Economy ansteigen muss und wird. Und verliert deswegen blind und ignorant die Anzahl an Neugründungen mit neuen, alternativen Konzepten aus den Augen, bevor es soweit ist.

    Schau ma mal, was im wahren Leben passieren wird, das ständige Bet and Lose der Fachleute seit Jahrzehnten nervt, ist kontraproduktiv und eine Art futuristischer Schwanzvergleich, den keiner gewinnen kann. Persönlich setze ich auf die Kreativität der Jugend, die Innovationen in Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft, in die Zukunft. Mögen künftige Generationen deutlich weniger dämlich sein, mögen ihnen ungesunde Verzerrungen wie 16 Jahre Kohl und 16 Jahre Merkel erspart bleiben.

  3. Meiner Meinung nach steht uns vermutlich noch ein gewaltiger Schub an Konjunkturauftrieb bevor begleitet mit höheren Inflationswellen ausgehend von den Rohstoffen und Lieferketten. Besonders interessant scheint mir die Glättung der Insolvenzwelle vorwiegend durch Corona-Hilfen des Staates wie z.B. die wundersame Bereinigung hoher Kredit-Ausfall-Risiken bei den Banken (siehe DB) mittels günstigsten Corona-Krediten. Aber der alles entscheidende Faktor dürften die Grünen sein, die den heutigen auf Nachfrage ausgerichteten Markt in eine Art Zwangsnachfrage umgestalten werden. Die Industrie scheint darüber begeistert zu sein, denn man stelle sich nur mal vor, welche neuen ungeahnten Umsätze der gesättigte Markt der Automobilhersteller nun durch kommpletten Ersatz der Verbrenner durch E-Mobile etc. erreichen wird. Durch die grünen Zwangsvorgaben erwachsen nun Umsatzmöglichkeiten, die jede bisher kühnste Prognose in den Schatten stellen wird. Es ist also absolut verständlich weshalb die Industrie begeistert in die CO2-Vorgaben und Umsetzung miteinstimmen. Die gewaltigen Neuverschuldungen für diese Konzepte stellt sogar die EZB in der Grössenordnung in den Schatten und dürfte die Friday-For-Futures-Generation erst in der Zukunft voll in der Breitseite treffen.

    1. Mikey erzittert vor den Grünen in DE, EU, USA und China. Mikey prognostiziert ganz börsentypisch wüst die Zukunft, ohne Erfahrungen und Gegenwart einzubeziehen. Mikey nutzt sogar das Feindbild FFF als Opfer-Argument. Mikey hat anscheinend eine anhaltende Grün-Allergie aus den 90er-Jahren. Was immerhin für grüne Nachhaltigkeit über Jahrzehnte spricht. Oder für konservatives Sackgassendenken. Mikey mag auf alle Fälle keine neuen Märkte, ist wenig begeistert von Änderungen und fortschreitend schnellerer Evolution. Aber in einem hat Mikey recht: Der alles entscheidende Faktor dürften die Grünen sein.

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