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Zombieunternehmen: Steuergeld für ein Fass ohne Boden? Hier ein mögliches Beispiel

Was sind Zombieunternehmen? Wir beschäftigen uns öfters mit diesem Themenkomplex, siehe beispielsweise hier oder hier. Nun, der eine sagt dies sind Unternehmen, die so wenig Gewinne machen, dass sie nicht mal ihre Zinskosten aus ihren Gewinnen begleichen können, und dass sie die letzten Jahre nur deswegen überlebt haben, weil die EZB die Zinsen abgeschafft hat, und so ziemlich jedes Unternehmen extrem günstig an Geld kommt. Der andere sagt, dass Zombieunternehmen so zu definieren sind, dass sie jahrelang konstant nur Verluste erwirtschaften, und dass auch keine Aussicht auf Besserung besteht – und dass diese Unternehmen sich gerade in Corona-Zeiten mit Kurzarbeitergeld, Aussetzung des Insolvenzantragspflicht und sonstigen Hilfsmaßnahmen noch mal weiter Zeit erkaufen, um nicht dicht machen zu müssen.

Nur Verluste

Ob das folgende Unternehmen tatsächlich ein Zombieunternehmen ist? Schon mal was von dem Unternehmen Outfittery gehört? Bei diesem reinen Internet-Anbieter können sich Männer nach einem kurzen Style-Check persönlich zusammengestellte Kleiderpakete nach Hause schicken lassen. Outfittery wählt aus zahlreichen Modemarken Stücke aus, die nach den Präferenzen der Kunden womöglich am besten zu ihnen passen. Die Preise sollen nicht dramatisch teurer als im Einzelhandel sein. Tja, nun kann man sich fragen, ob die Kundschaft von dem Konzept all zu begeistert ist, und ob die willigen Konsumenten sich nicht zu sehr eingeengt fühlen, wenn ein Anbieter ihnen komplette Outfits per Post schickt. Will man sich nicht lieber selbst einzelne Stücke aussuchen, anstatt quasi bevormundest zu werden von einem Anbieter, der versucht zu erahnen, was einem gefallen könnte? Aber gut, das ist der freie Markt, und niemand wird gezwungen dort Kunde zu werden.

Das „am Leben halten“ von Zombieunternehmen bewirkt letztlich, dass der normale Prozess der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert. Das Erstellen und Versenden von Kleiderpaketen ist ein gutes Beispiel. Nehmen genug potenzielle Kunden dauerhaft diesen Service in Anspruch? Falls nicht, verschwindet diese Idee vom Markt, und andere Ideen können sich entfalten. Aber wie jüngste Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin) zeigen, hat das vor acht Jahren gegründete Unternehmen Outfittery noch nie Gewinne erwirtschaftet, und seitdem 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Auch der jüngste Umsatzschub sei nur durch eine Fusion mit einem vergleichbaren Anbieter zustande gekommen – der aber ebenfalls defizitär ist. Laut MM kämpft Outfittery ums Überleben.

Outfittery braucht derzeit wohl dringend 10 Millionen Euro. Angeblich sollen wohl Bestandsinvestoren von Outfittery um „HV Holtzbrinck Ventures“ frisches Geld nachschießen. Und dann gebe es ein sogenanntes „Matching“ aus dem Corona-Rettungsfonds der Bundesregierung, welcher von der staatseigenen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verwaltet wird. Bis zur Hälfte der von Outfittery erhofften Finanzierung könnte dann vom Staat kommen. Schon die Info-Seite der Bundesregierung sagt es. 2 Milliarden Euro will der Bund „Startups“ und „jungenTechnologieunternehmen“ zukommen lassen.

Zombieunternehmen oder förderungswürdiges „Startup“?

Jetzt ist nur die Frage: Ist Outfittery, ein Unternehmen das acht Jahre am Markt ist und noch nie Gewinne gemacht hat, noch ein junges, dynamisches, hippes und förderungswürdiges „Startup“? Oder handelt es sich um eines von unzähligen Zombieunternehmen? Vielleicht entspricht es nicht der klassischen Definition, weil Gelder bisher von privaten Investoren kamen, die auch bei jahrelangem Verlust die Wachstumsphase pushen wollten? Und wer weiß, vielleicht wird daraus doch noch eine Erfolgsgeschichte? Schließlich produzierte Amazon ja auch eine Ewigkeit nur Verluste – aber dort stimmte die Wachstumsstory.

Aber in diesem speziellen Marktsegment von Outfittery, da darf zumindest die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich der Staat mit Steuergeldern einspringen sollte. Für klassische Corona-Hilfen kommt so ein bereits vorher defizitäres Unternehmen nicht in Frage. Aber dann geht es halt um die Frage, ob die KfW dieses „Projekt“ in die Schublade „Startup“ packt, und es als förderungswürdig betrachtet im Sinne des Startup-Fonds.

Beispielfoto einer Outfittery Box - ein Zombieunternehmen?
Foto einer Outfittery Box. Foto: OUTFITTERY



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7 Kommentare

  1. ich habe Outfittery genutzt. Das Konzept ist wirklich super der Service kompetent. Leicht erhöhter Preis bei interessanten schönen Zusammenstellungen.
    Das Erwachen kam nach den ersten Wäschen. Leider zeigte sich dann die wahre Qualität der Ware. Wenn das besser gewesen wäre, wäre ich dabei geblieben.

    1. @Olli

      Als Konsument einer Finanzseite müssten Sie eigentlich wissen, dass solche Konzepte wie Bausparverträge funktionieren.

      Wie soll das funktionieren, wenn ein zwischengeschaltetes Unternehmen, mit allen Kosten die der Konsument tragen muss, so günstig wie bei einem Direktkauf liefern soll? Beim Bausparen kann man noch von einer Spekulation reden, dass die zusätzlichen Kosten wie Vertragsgebühr und geringe Ansparverzinsung auf eine glückliche Hochzinsphase zur Kompensierung stoßen. Bei Textilien ist doch klar, dass die Zusatzkosten vom Käufer in Form von Qualitätsmängeln und/oder versteckten Mehrpreisen bezahlt werden müssen.

      In beiden Fällen wird aber kein Mehrwert produziert. So wie wir davon ausgehen können, dass der Großhandel als Zwischenhändler im Rahmen des Paradigmenwechseln große Zukunftsprobleme bekommen wird.

  2. Das geht so lange wie genug Detailhändler, die Leute beschäftigen und Steuern zahlen,ihre zerstörende Konkurrenz finanzieren. Die neue Firmen- und Börsenkultur die nur auf Umsatz und Hoffnug auf spätere Gewinne basiert, sollte mit einem Börsencrash bereinigt werden.Richtig gesehen sollten seriöse gestandene Firmen unter Preis verkaufen und die neuen Verlusttreiber dezimieren und nicht umgekehrt.

    1. Es gab schon immer so genannte Konjukturritter. Diesen Begriff prägte mein Vater anfangs der 60 er Jahre als es nur darauf ankam, Ware liefern zu können, nicht aber auf die Qualität.
      Die aber kippen beim ersten ernsthaften konjunkturellen Gegenwind aus den viel zu großen Latschen.
      Weg aus dem Markt.

    2. Nun, es herrscht doch Privatautonomie. Wenn da also ein Investor meint, ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell oder -organisation nicht funktioniert, durchfüttern zu müssen, so what? Das sollte uns nicht interessieren.
      Anders sieht es natürlich beim Versenken von Steuern!

      Der Markt wird auch die Zombiefirmen bereinigen!

      Es gibt auch hochdefizitäre Ämter und Ministerien!
      Aber Zombiebehörden und eine Zombieregierung in Berlin thematisierd niemand, oder?

  3. Firmen wie Amazon, Netflix und Tesla wurden auch viele viele Jahre defizitär betrieben, bis sie ihre Konkurrenten, die zu Erträgen verpflichtet sind, ausgeschaltet haben.

    Am Ende bleiben wenige Monopolisten die die Welt regieren. (Planwirtschaft 2.0)

    Ganz übergeordnet ist für diesen Trend die Zinspolitik der Notenbanken schuld. Das Geld muss investiert werden, wenn es Null- oder Negativzinsen gibt, fließt es nun mal auch in defizitäre Unternehmen, die langfristig ihre Wettbewerber ausschalten.

    Auch Chinesische Firmen machen das ähnlich, oder glauben Sie wirklich die bauen so günstige Produkte. Auch die wirtschaften zum Teil defizitär und werden von den Langzeitinvestoren am Leben erhalten, bis sie ihre Konkurrenzen verdrängt haben.

  4. Nein, Herr Resch, so pessimistisch wie Sie wäre ich nicht!
    Solange Privatwirtschaft zugelassen ist, wird es immer Marktnischen geben, die für Große nicht rentabel sind, abgedeckt zu werden.

    Beim Zinssatz bin ich jedoch zweigespalten! Zum einen gibt es in mehreren Religionen Gebote, keinen Zins zu nehmen. Andererseits ist die Überlassung von Geld oder einer Wohnung schon eine Dienstleistung, die im Grundsatz vergütet werden sollte, sonst hat doch niemand mehr Interesse, das zu tun.
    Im Zins für Kapital steckt auch das Risiko, es nie wieder zu sehen.

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