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Zombieunternehmen: Ökonomen nennen konkrete Zahl, die erstaunlich gering ausfällt

Claudio Kummerfeld

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am

Nur relativ wenig neue Zombieunternehmen in 2020?

Den Begriff Zombieunternehmen (hier eine Definition zu dem Wort) haben wir bei FMW die letzten Monate diverse Male besprochen, und das auch schon lange vor der Coronakrise. Durch die Abschaffung von Zinsen können nicht mehr lebensfähige Unternehmen viel länger durchhalten, weil sie sich quasi gratis mit immer neuen Schulden in die Zukunft retten können. Wo keine neuen Zinslasten drücken, kann man prima umschulden.

Zombieunternehmen können sich dank fehlender Insolvenzantragspflicht schnell vermehren

Auch die Ausführungen von Markus Krall zu dem Thema Zombieunternehmen haben wir diverse Male mit Artikeln begleitet. Seine Ausführungen zu dem Thema sind hochinteressant. Die Zombies können mit Kampfpreisen die gesunde Konkurrenz kaputt machen, schwächen ihre Lieferanten, und ziehen insgesamt gesehen die ganze Volkswirtschaft mit runter. Mal ganz abgesehen vom Stillstand oder sogar Rückschritt in Sachen Produktivität, denn Zombieunternehmen sind nicht effizient oder innovativ – sie wollen es auch gar nicht sein. Es geht nur ums Überleben durch immer neue Schulden.

Durch die gesetzliche Aussetzung der Insolvenzantragspflicht seit März hat man den Zombieunternehmen die Gelegenheit gegeben sich rasch zu vermehren. Total überschuldet? Egal, Insolvenz anmelden ist nicht mehr notwendig. Die Probleme kann man alle auf die Coronakrise schieben, falls jemand fragen sollte. Und der Geschäftsführer macht sich auch nicht mehr der Insolvenzverschleppung strafbar. Jüngst hat die Bundesregierung die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert. Und man darf annehmen, dass diese Frist erneut verlängert wird – vielleicht sogar bis zur Bundestagswahl, um die anstehende Pleitewelle hinauszuzögern?

Ökonomen nennen erstaunlich geringe Zahl

Zehntausende oder hunderttausende Unternehmen könnten inzwischen zur Meute der Zombieunternehmen gehören – dank jahrelanger Nullzinsen, und nun noch der dazu gekommenen Coronakrise. Ihre Anzahl ist extrem schwer oder sogar fast unmöglich abzuschätzen. Aber das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat aktuell ein Papier veröffentlicht, in dem eine ganz konkrete Schätzung zur Anzahl der Zombieunternehmen abgegeben wurde, und zwar von zusätzlich gerade mal 4.300 Unternehmen mehr als im Vorjahr. Im Kernpunkt basiert diese erstaunlich geringe Schätzung auf der Annahme, dass aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr selbst bei schneller Erholung ein Anstieg der Insolvenzzahl um (nur) 15 Prozent zu erwarten wäre. Auf dieser gering angesetzten Zuwachszahl an eigentlich notwendigen Insolvenzen basiert also das Resultat der wenigen neuen Zombieunternehmen. Hier im Wortlaut die Ausführungen des IW im Detail:

Die Antragspflicht auszusetzen hat offenbar gewirkt: Im Mai meldeten sogar fast zehn Prozent weniger Unternehmen Insolvenz an als im Vorjahr. Mit der Verlängerung dieser Regelung bis Jahresende könnte die Insolvenzzahl aufs Gesamtjahr gerechnet um etwa acht Prozent sinken, auf circa 17.250 Pleiten. Das wäre ein neuer Tiefststand seit der Jahrtausendwende.

Dabei gilt aber nicht unbedingt das Credo „weniger ist besser“ – dann könnte man das Insolvenzrecht auch abschaffen. Tatsächlich erfüllt das geregelte Ausscheiden von Unternehmen, die im Wettbewerb nicht mehr mithalten können, eine wichtige Funktion: Es signalisiert Banken und Geschäftspartnern, dass sie dem betreffenden Unternehmen kein Geld mehr leihen und keine Verträge mit ihm abschließen sollten, und macht Platz für andere Firmen. Mit dem Aussetzen der Insolvenzpflicht bei Überschuldung steigt die Gefahr von „Zombieunternehmen“, die zu Lasten von Wettbewerbern wirtschaften, obwohl sie Verlust machen und nicht überlebensfähig sind.

4.300 Unternehmen könnten ohne Perspektive weitermachen

Die Größenordnung des Effekts lässt sich abschätzen: Aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr wäre selbst bei schneller Erholung ein Anstieg der Insolvenzzahl um 15 Prozent zu erwarten, zeigen Berechnungen vom IW und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Sinkt nun die Insolvenzzahl im Jahr 2020 stattdessen um circa acht Prozent, klafft aufgrund der Aussetzung der Antragspflicht bis Jahresende im Vergleich zum Vorjahr eine Lücke von 23 Prozentpunkten oder etwa 4.300 Unternehmen, die trotz fehlender ökonomischer Perspektive weitermachen. Und es steht zu befürchten, dass die Politik im Wahljahr 2021 einen weiteren Aufschub anstreben könnte.

Berechnung neuer Zombieunternehmen durch das IW

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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