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Zombieunternehmen: Ökonomen nennen konkrete Zahl, die erstaunlich gering ausfällt

Nur relativ wenig neue Zombieunternehmen in 2020?

Den Begriff Zombieunternehmen (hier eine Definition zu dem Wort) haben wir bei FMW die letzten Monate diverse Male besprochen, und das auch schon lange vor der Coronakrise. Durch die Abschaffung von Zinsen können nicht mehr lebensfähige Unternehmen viel länger durchhalten, weil sie sich quasi gratis mit immer neuen Schulden in die Zukunft retten können. Wo keine neuen Zinslasten drücken, kann man prima umschulden.

Zombieunternehmen können sich dank fehlender Insolvenzantragspflicht schnell vermehren

Auch die Ausführungen von Markus Krall zu dem Thema Zombieunternehmen haben wir diverse Male mit Artikeln begleitet. Seine Ausführungen zu dem Thema sind hochinteressant. Die Zombies können mit Kampfpreisen die gesunde Konkurrenz kaputt machen, schwächen ihre Lieferanten, und ziehen insgesamt gesehen die ganze Volkswirtschaft mit runter. Mal ganz abgesehen vom Stillstand oder sogar Rückschritt in Sachen Produktivität, denn Zombieunternehmen sind nicht effizient oder innovativ – sie wollen es auch gar nicht sein. Es geht nur ums Überleben durch immer neue Schulden.

Durch die gesetzliche Aussetzung der Insolvenzantragspflicht seit März hat man den Zombieunternehmen die Gelegenheit gegeben sich rasch zu vermehren. Total überschuldet? Egal, Insolvenz anmelden ist nicht mehr notwendig. Die Probleme kann man alle auf die Coronakrise schieben, falls jemand fragen sollte. Und der Geschäftsführer macht sich auch nicht mehr der Insolvenzverschleppung strafbar. Jüngst hat die Bundesregierung die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht von Ende September bis Ende Dezember verlängert. Und man darf annehmen, dass diese Frist erneut verlängert wird – vielleicht sogar bis zur Bundestagswahl, um die anstehende Pleitewelle hinauszuzögern?

Ökonomen nennen erstaunlich geringe Zahl

Zehntausende oder hunderttausende Unternehmen könnten inzwischen zur Meute der Zombieunternehmen gehören – dank jahrelanger Nullzinsen, und nun noch der dazu gekommenen Coronakrise. Ihre Anzahl ist extrem schwer oder sogar fast unmöglich abzuschätzen. Aber das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat aktuell ein Papier veröffentlicht, in dem eine ganz konkrete Schätzung zur Anzahl der Zombieunternehmen abgegeben wurde, und zwar von zusätzlich gerade mal 4.300 Unternehmen mehr als im Vorjahr. Im Kernpunkt basiert diese erstaunlich geringe Schätzung auf der Annahme, dass aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr selbst bei schneller Erholung ein Anstieg der Insolvenzzahl um (nur) 15 Prozent zu erwarten wäre. Auf dieser gering angesetzten Zuwachszahl an eigentlich notwendigen Insolvenzen basiert also das Resultat der wenigen neuen Zombieunternehmen. Hier im Wortlaut die Ausführungen des IW im Detail:

Die Antragspflicht auszusetzen hat offenbar gewirkt: Im Mai meldeten sogar fast zehn Prozent weniger Unternehmen Insolvenz an als im Vorjahr. Mit der Verlängerung dieser Regelung bis Jahresende könnte die Insolvenzzahl aufs Gesamtjahr gerechnet um etwa acht Prozent sinken, auf circa 17.250 Pleiten. Das wäre ein neuer Tiefststand seit der Jahrtausendwende.

Dabei gilt aber nicht unbedingt das Credo „weniger ist besser“ – dann könnte man das Insolvenzrecht auch abschaffen. Tatsächlich erfüllt das geregelte Ausscheiden von Unternehmen, die im Wettbewerb nicht mehr mithalten können, eine wichtige Funktion: Es signalisiert Banken und Geschäftspartnern, dass sie dem betreffenden Unternehmen kein Geld mehr leihen und keine Verträge mit ihm abschließen sollten, und macht Platz für andere Firmen. Mit dem Aussetzen der Insolvenzpflicht bei Überschuldung steigt die Gefahr von „Zombieunternehmen“, die zu Lasten von Wettbewerbern wirtschaften, obwohl sie Verlust machen und nicht überlebensfähig sind.

4.300 Unternehmen könnten ohne Perspektive weitermachen

Die Größenordnung des Effekts lässt sich abschätzen: Aufgrund des Wirtschaftseinbruchs im ersten Halbjahr wäre selbst bei schneller Erholung ein Anstieg der Insolvenzzahl um 15 Prozent zu erwarten, zeigen Berechnungen vom IW und dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Sinkt nun die Insolvenzzahl im Jahr 2020 stattdessen um circa acht Prozent, klafft aufgrund der Aussetzung der Antragspflicht bis Jahresende im Vergleich zum Vorjahr eine Lücke von 23 Prozentpunkten oder etwa 4.300 Unternehmen, die trotz fehlender ökonomischer Perspektive weitermachen. Und es steht zu befürchten, dass die Politik im Wahljahr 2021 einen weiteren Aufschub anstreben könnte.

Berechnung neuer Zombieunternehmen durch das IW



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