Die EZB wundert sich über die Folgen ihre eigenen Politik

FMW-Redaktion

Die EZB scheint selbst erstaunt zu sein, was die Wirkung ihrer Politik betrifft. So hat vor wenigen Minuten der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, in einer Rede bei der Euro Finance Week in Frankfurt ein fast komisches Erstaunen über die Wirkung des QE der EZB geäußert.

So sagte Praet, dass die Wirkung der Wirkung „unkonventionellen Politik“ der EZB auf die Märkte überraschend stark sei. Mit einem Wort: Praet ist überrascht, dass die Märkte sich wie Lemminge verhalten und jedes Wort der EZB auf die Goldwage legen. Warum ist es überraschend, dass der Euro fällt und die Renditen für Staatsanleihen fallen, wenn die EZB signalisiert, „all in“ zu gehen und die EInlagezinsen weiter zu senken, das QE zu erhöhen und/oder auszuweiten? Hat damit niemand rechnen können bei der EZB?

Fast noch komischer ist das Eingeständnis von Praet, dass die Inflationswirkung durch die unkonventionelle Politik der EZB „etwas enttäuschend“ sei. Autsch. Man hatte sich also mehr vorgestellt, hatte gehofft, dass die Inflationserwartungen deutlich anziehen. Das aber tun sie leider nicht, weil die Märkte einfach kapieren, dass die von der EZB geschaffenen Nullen auf der Festplatte sich eben nicht in realer Inflation in der echten Wirtschaft niederschlagen. Insofern agieren die Märkte logisch, und die Erwartung der EZB war naiv, weil ideologisch motiviert. Die EZB steht jetzt vor dem Dilemma, dass die Realität nicht in die Theorie passt. Es würde nicht wundern, wenn man dann bei der EZB zur Auffassung gelangen würde, dass etwas mit der Realität nicht stimmen kann, weil die Theorie ja so bombensicher ist.

Ansonsten zeigte sich Praet erstaunlich optimistisch: die Risiken für die Konjunktur hätten sich seit August verringert (weil der Abschwung in China gebremst worden sei), die zyklische Erholung der Konjunktur setze sich fort. Aber die Abwärtsrisiken für die Inflation würden fortbestehen, daher deutet der Belgier an, dass die EZB im Dezmeber agieren wird und sprach auch explizit die Möglichkeit an, die Einlagezinsen zu senken. Die EZB müsse auf die sinkenden Inflationserwartungen reagieren, so Praet weiter.

Stellt sich nur die Frage: wie reagieren? Denn bislang, das hat Praet heute selbst eingestanden, war ihre Politik „enttäuschend“ wirkungslos, was die Inflationserwartungen angeht. Aber Hauptsache, die Märkte haben stark reagiert..


Kommentare

Die EZB wundert sich über die Folgen ihre eigenen Politik — 1 Kommentar

  1. Die Realität kann nicht stimmen, weil die Theorie ja so bombensicher ist – Herrlich.
    Herzliche grüße aus Kärnten – ja, dem Land mit der Hypo-Heta-blablabla-Pleite.

    Übrigens herzlichen Dank für die immer informativen Berichte auf Ihrere Seite – ist für mich jeden Tag Pflicht.

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