Obama: Krise ist beendet – Mahnmal für historische Ignoranz

Die Amerikaner neigen ja grundsätzlich – anders als die Deutschen – zum Optimismus. Aber was Präsident Obama gestern verlautbaren ließ, ist selbst für amerikanische Verhältnisse harter Optimismus-Tobak:

„Tonight, after a breakthrough year for America, our economy is growing and creating jobs at the fastest pace since 1999. Our unemployment rate is now lower than it was before the financial crisis. More of our kids are graduating than ever before; more of our people are insured than ever before; we are as free from the grip of foreign oil as we’ve been in almost 30 years.
(..)

America, for all that we’ve endured; for all the grit and hard work required to come back; for all the tasks that lie ahead, know this:

The shadow of crisis has passed, and the State of the Union is strong.

At this moment – with a growing economy, shrinking deficits, bustling industry, and booming energy production – we have risen from recession freer to write our own future than any other nation on Earth. It’s now up to us to choose who we want to be over the next fifteen years, and for decades to come.“

Die meisten Jobs geschaffen seit 1999, befreit von der Abhängigkeit von Öl aus dem Ausland, die Krise ist vorbei, wachsende Wirtschaft, sinkende Defizite (was meint Obama damit? – die Defizite der USA steigen nach wie vor ungebremst!), eine boomende Energie-Produktion, und na klar, kein anderes Land der Welt hat sich so toll aus der Rezession herausgearbeitet wie die USA.

Man wird sich eiens Tages an diese Worte erinnern – und sie vermutlich als einer der größten Fehleinschätzungen der Geschichte einordnen. Klar, Obama stellt in eigenem Interesse die Lage der USA sehr rosig dar, weil er faktisch für eine Umverteilung des Vermögens von den Superreichen zur Mittelklasse plädiert, nachdem die Schere immer grösser geworden ist in den letzten Jahren.

Aber die Darstellung Obamas ist schwer geschönt. Da sind zunächst einmal die Jobs, die vorwiegend nur im Teilzeitbereich oder im Niedriglohnsektor geschaffen wurden. Da ist das BIP, das in den USA hedonistisch berechnet wird – und damit nach europäischen Maßstäben kaum ernst zu nehmen ist. Viel von dem vermeintlichen Wirtschaftsaufschwung in den USA kommt aus dem boomenden Energiesektor, sprich aus der Shale-Industrie – aber die erlebt aktuell ein böses Erwachen mit dem kollabierenden Ölpreis. Tausende kleine US-Firmen entlassen derzeit Mitarbeiter (vor allem in der „Fracking-Industrie“), aber auch Dickfische wie Schlumberger und Baker Hughes haben bereits damit begonnen. All das führt zu Investitionsstops – schon weil klar ist, dass die Saudis den Ölpreis diesmal (anders als 1986) lange tief halten werden, und sich das im Gegensatz zu der amerikanischen Shale-Industrie auch leisten können. Das Platzen der Öl-Blase in den USA dürfte ähnliche Folgen haben wie seinerzeit das Platzen der New Economy-Blase. Aber das Platzen dieser Blase trifft – anders als seinerzeit – vor allem die USA.

Die Rede Obamas ist ein Mahnmal für Ignoranz: die Welt ist im Abschwung, und das wird auch die USA treffen, auch wenn Obama meint „It’s now up to us to choose who we want to be over the next fifteen years, and for decades to come“. Nein Mr. President, it´s not up to you!

Da kann man nur zurufen: time to wake up, America!


Kommentare

Obama: Krise ist beendet – Mahnmal für historische Ignoranz — 4 Kommentare

  1. Hallo, ich bin gerade viel im Ausland unterwegs und gluecklich eine Seite wie diese zu haben,, welche mit interessanten Meldungen und Sichtweisen bestueckt ist, was mir viel Zeit spart mich durch das taegliche deutsche Nachrichtengewabere zu surfen und durch den Schund der deuschen Presse lesen zu muessen. Danle fuer die vielen Muehen und guten Recherchen, Frank

  2. Die Krise ist beendet!
    Da hat er wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
    Man kann ihm fast aus Mitleid wünschen, dass er genügend GLÄUBIGE für seine Verkündigung findet.

  3. Wahrscheinlich hat Obama in Unkenntnis der Geographie U-SA mit Rußland verwechselt. Denn nach meiner Einschätzung wird Russland dank kluger Politik gestärkt aus der Krise hervorgehen. Die verstärkte Zusammenarbeit der BRICS-STAATEN versetzt die US- Finanzwelt in Panik. http://www.bueso.de/node/7862

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