US-Banken fliehen vor der Öl-Pleite, die Zeche zahlen andere…

FMW-Redaktion

Es ist ein alt bekanntes Spiel. Eine schnelle Hausse in einer bestimmten Industrie, Wachstum, Phantasie, eine tolle Story. Wenn die Probleme sichtbar werden, springen die Banken als erste ab, weil sie als Kreditgeber die Zahlen der Unternehmen einsehen können. Sie verlagern ihr Risiko auf externe Investoren. Dieses Muster scheint sich wie zu erwarten in den USA zu wiederholen. Die US-Banken fliehen zunehmend vor der Öl-Pleite, die Zeche zahlen z.B. Investoren wie Versicherungen und ausländische Banken, die gar nicht merken was das los ist.

Aus Schadenfreude darüber freuen darf man sich nicht, denn wie man weiß, sind Amerikaner gute Verkäufer und gerade Europäer dumme Käufer. Oft enden die schlechtesten Investments in europäischen/deutschen Bilanzen von Banken und Versicherungen. Die amerikanische Fracking-Industrie hat dieses Jahr schätzungsweise 50-60 Milliarden US-Dollar über Eigenkapital-Emissionen und Anleiheverkäufe eingenommen. Gut die Hälfe dieser Gelder gingen sofort dafür drauf bestehende Bankkredite abzulösen – oft bei den selben Banken, die den Firmen halfen die neuen Aktien und Anleihen auf dem Markt zu platzieren. Das Motto der US-Banken könnte lauten „Alle Mann von Bord, solange noch Rettungswesten da sind“.

Zum Beispiel Whiting Petroleum, der ehemals größte Öl-Produzent in North Dakota, wo das „Bakken“-Feld liegt, versuchte im März 2015 für sich selbst einen Käufer zu finden, weil die finanzielle Lage schon extrem aussichtslos war. Das gelang nicht. JP Morgan aber konnte Investoren für einen kleine Eigenkapitalspritze gewinnen und konnte Whiting-Anleihen am Markt verkaufen für 3 Milliarden Dollar. Fast die komplette Summe wurde dafür verwendet offene Kredite bei JP Morgan und andere Banken abzulösen. Whiting hat dieses Jahr die Anzahl seiner Förderanlagen drastisch zurückgefahren und Firmenvermögen veräußert. Man spart wo man nur kann, aber wenn man bei dem aktuellen Ölpreis strukturell im Verlust produziert, kann man noch so viele Kosten sparen – man produziert mit jedem geförderten Barrel nur neue Verluste.

Es ist eine Frage für Philosophen, wo aktuell für große Fracking-Firmen in den USA die Gewinnschwelle liegt. Angeblich soll die Schwelle derzeit bei 50 Dollar oder leicht darüber liegen, aber das kann man von außen nicht nachprüfen. Vermutlich wird der Preis höher liegen. Man kann davon ausgehen, dass diese Break Even-Zahlen gestreut werden, um Investoren Hoffnung zu geben, dass Öl-Förderer jetzt gerade an der Gewinnschwelle kratzen. Ob und wie lange Whiting noch durchhält, steht in den Sternen. Die Firma selbst behauptet in 2016 ihre Ausgaben in Einklang mit den Einnahmen zu bekommen, wenn der Ölpreis (WTI) sich um die 50 Dollar herum bewegt.

Die meisten Anleihen, die Fracking-Firmen in den USA dieses Jahr neu ausgegeben haben, notieren unter 100% Nennwert. Anleihekurse, die immer in % notieren, zeigen perfekt die Markterwartung, ob man daran glaubt, dass die Firma zum Auslaufen der Anleihe auch wirklich zurückzahlt. Notiert der Kurs unter 100%, ist das auf jeden Fall schon mal ein Zeichen des Vertrauensverlusts.

Gefragt, warum man keine größeren Verluste durch Ausfälle seitens der Fracking-Firmen in der Bilanz verzeichnen würde, sagte der Chef der Bank of America vor Kurzem viel von diesen Risiken würde verteilt an Investoren. Der gute Mann wird schon wissen, was am Ende herauskommt – eine Öl-Pleite, die so manchem Investor seine Bilanz zerstören wird – und der Investor ganz am Ende ist dann vielleicht der kleine Otto Normal-Verbraucher, der sich nichts dabei dachte, als er eine Lebensversicherung abschloss oder über seinen Bankberater einen ach so sicheren Misch- oder Dachfonds kaufte, wo man als Außenstehender eh nicht mehr dahintergucken kann, was drin steckt.



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