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Abseits von Corona: Was Reifen über die Autoproduktion in Deutschland aussagen

Reifen

Die Autoproduktion ist in Deutschland im Abbau begriffen. Und das hat nichts mit der Coronakrise zu tun – sie hat den Rückbau lediglich beschleunigt. Bereits seit dem Jahr 2018 werden immer weniger Autos in Deutschland produziert. Dass die Zahlen bei den deutschen Herstellern glänzen, lässt also nur den Schluss zu, dass ihre Produktion in ausländischen Werken (USA, Osteuropa, Asien) zunimmt. Wir hatten erst letzte Woche anhand von harten Zahlen aufgezeigt, dass sich die Autoproduktion in Deutschland zur Zeit vor der Coronakrise sogar halbiert hat. Es ist ein Trend, der wie gesagt bereits seit 2018 läuft – Jahr für Jahr sehen wir immer weniger produzierte Autos. Heute sehen wir eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zur Reifenproduktion in Deutschland. Was zunächst wie ein eher langweiliges Randthema erscheint, erhärtet aber den dramatischen Rückgang der Autoproduktion in Deutschland.

Wurden im Jahr 2015 in Deutschland noch 61 Millionen Reifen produziert, so waren es im Vor-Corona-Jahr 2019 nur noch 49,4 Millionen. Der Abwärtstrend ist Jahr für Jahr im folgenden Chart gut erkennbar. Im Jahr 2020 waren es dann vor allem wegen der Coronakrise nur noch 36,3 Millionen Reifen – das waren 26,6 Prozent weniger als im Vorjahr und ein Rückgang um 40,6 Prozent gegenüber 2015. Dieser Trend setzt sich laut den Statistikern auch im Jahr 2021 fort. Im 1. Halbjahr lagen die Produktionszahlen zwar 20,0 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, aber immer noch deutlich unter dem Niveau im vergleichbaren Vorkrisenzeitraum (-25,4 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2019). Und in 2021 dürfte nach dem schlimmsten Abklingen der Coronakrise durch die nun folgende Materialknappheit noch weniger produziert werden.

Der Produktionsrückgang bei Reifen in Deutschland spiegelt sich auch in den Umsätzen der Reifenhersteller wider. Diese erwirtschafteten im Jahr 2020 rund 4,9 Milliarden Euro und verzeichneten damit ein Umsatzminus von 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im längerfristigen Vergleich gingen die Umsätze um 26,8 Prozent zurück – denn im Jahr 2015 lagen sie noch bei insgesamt 6,7 Milliarden Euro.

Im Jahr 2020 wurden mit 74,8 Millionen Autoreifen rund 13,4 Prozent weniger eingeführt als im Jahr 2019. Die Ausfuhrmengen lagen mit 54,5 Millionen Stück 20,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Dies setzte sich auch im 1. Halbjahr 2021 fort. Zwar stieg sowohl die Einfuhr zum Vorjahreszeitraum, das vergleichbare Vorkrisenniveau wurde jedoch nicht erreicht. Lieferengpässe und eine große weltweite Nachfrage sorgen seit Längerem für wachsende Rohstoffpreise bei dem für die Reifenherstellung wichtigen Kautschuk. Die Einfuhrpreise von Naturkautschuk waren im August 2021 laut den Statistikern um 41,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Synthetischer Kautschuk verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 46,7 Prozent. Kautschuk wird nicht nur bei der Produktion von Autoreifen verwendet, sondern auch zu Dichtungen, Schutzhandschuhen, Luftballons, Klebebändern oder Kondomen verarbeitet. Auswirkungen der erhöhten Einfuhrpreise auf die Erzeuger- oder Verbraucherpreise von Autoreifen sind laut den Statistikern aktuell noch nicht zu beobachten.

Grafik zeigt Reifenproduktion in Deutschland seit dem Jahr 2015



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1 Kommentar

  1. Ich habe von einem Reifenhändler gehört, dass spätestens seit 01.01.2018 (Pflicht für neue Ganzjahresreifen M+S zu haben) immer mehr Leute nur noch Ganzjahresreifen (ohne Felgen) kaufen und i.d.R. nur noch „Umwuchten“, d.h. Felgen bleiben die gleichen, Wechsel ca. alle 3-4 Jahre, je nach Laufleistung.

    Wir haben früher auch immer Sommer- und Winterreifen inkl. Felgen gewechselt/ neu gekauft, aber mit der Zeit haben wir festgestellt, dass es viel kostengünstiger ist, nur die Gummi-Reifen zu wechseln, keine Lagerkosten, enorme Zeitersparnis. Klar, Nachteil ist bei Extremwetter (Hitze oder extremer Kälte) sind die Ganzjahresreifen im Fahrverhalten spürbar schlechter, entsprechend viel vorsichtiger fahren, allerdings kommt es jährlich gesehen kaum vor.

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