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Aktien: Hoher Performanceunterschied diesseits und jenseits des Atlantiks – wird Europa aufholen können?

Wolfgang Müller

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Alle Welt blickt auf die USA. Die US-Regierung hat einen Boom in Wirtschaft und Aktien ausgelöst, durch die größte Steuersenkung seit Jahrzehnten, damit verbunden eine gewaltige Repatriierung von Auslandsgewinnen und wiederum eine wahre Orgie an Rückkäufen von Aktien, die den S&P 500 jüngst über die 3000-er Marke gehievt hat. Und Europa: Gebeutelt durch die Schwäche der Weltwirtschaft als Exportbremse, dem Sonderthema Brexit und großer politischer Uneinigkeit, hängt der Kontinent Europa den Vereinigten Staaten weit hinterher.

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Der große Performance-Unterschied bei Aktien

Zwar laufen die großen Aktienindizes seit Jahresanfang fast im Gleichschritt mit dem großen Bruder in den Staaten mit, der EuroStoxx 50 hat aber damit letztlich nur die Verluste der zweiten Jahreshälfte 2018 aufgeholt. Seit Anfang 2016 ist der europäische Index gerade mal um zehn Prozent gestiegen, der S&P 500 weist hingegen ein Plus von 50 Prozent auf.

Warum Europa aufholen könnte? – Gedanken etwas abseits des Mainstreams

Neben dem fiskalpolitischen Doping der USA haben die Vereinigten Staaten überaus kreative Firmen von Weltrang in ihren Indizes – bekannt unter dem Akronym FAANG -, deren Aktien sich vervielfacht und eine dominante Rolle in den Indizes eingenommen haben. Dem Sektor droht aber neben der Absturzgefahr aus der Sicht der Bewertung auch die Gefahr der Regulierung. Welche Argumente sprechen noch für die zurückgebliebenen, europäischen Dividendentitel?

– US-Aktienmärkte gelten derzeit als die teuersten der Welt. Beim S&P 500 liegt der Wert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses beim 18-fachen (laut Standard & Poorˋs sogar bei 22) deutlich über dem Durchschnitt von 15,5 bis 16. Beim Dax hingegen nur bei 13.
– Morgan Stanley glaubt, dass die US-Zinssenkungen nicht mehr viel ausrichten können und hat deshalb seinen globalen Aktien-Anteil auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gesenkt. Anders die Einschätzung zu Europa. Mit Blick auf die Bilanzsaison für das zweite Quartal des laufenden Jahres hat Morgan Stanley festgestellt, dass die Gewinnrevisionen in Europa nicht so schlecht ausfallen dürften wie in anderen Regionen. Ohnehin sei „Europa ungeliebt und unterbewertet“.
– Goldman Sachs hat berechnet, dass seit Jahresbeginn 71,3 Milliarden Dollar aus Aktien-Fonds in Europa abgeflossen sind. Durch diesen Abzug befindet sich der Bewertungsvergleich USA – Europa auf einem Tiefstand wie seit 2012 nicht mehr gesehen.
– Immer mehr Profiinvestoren ändern scheinbar derzeit ihre Meinung zu Europa. Während man bisher die Erwartungen für den alten Kontinent mehr und mehr heruntergeschraubt hat, sind diese für die USA unverändert hoch geblieben.
– Zwar haben die USA zinspolitisch einen größeren Spielraum als Europa, fiskalpolitisch haben die Amerikaner durch die Steuersenkung das Blatt schon viel stärker ausgereizt. So hätte Deutschland mit seiner Staatsverschuldung von unter 60 Prozent und seinen hohen Steuern einen größeren Spielraum – falls man es wollte. Das niedrige KGV deutscher Aktien zeigt bisher die Skepsis ausländischer Investoren.

Fazit

Auch wenn es ein bisschen nach Zukunftsmusik oder Trommeln im Wald klingt, könnte Europa in absehbarer Zeit wieder einmal ein wenig aufholen. Ein Wirtschaftsraum mit 500 Millionen Konsumenten, die auch US-Produkte kaufen und dessen Touristen die USA durchqueren, sollte auch im Zeitalter des Protektionismus nicht viele Jahre hinterherhinken. Gegenüber dem Wirtschaftsriesen USA, der zudem seinen Hype mit einer gewaltigen Staatsneuverschuldung angefeuert hat. Wie bereits mehrfach angedeutet, verstößt kein europäischer Staat so gegen die anerkannten Stabilitätskriterien wie die USA. Gegen deren Neuverschuldung (5 Prozent) wirkt Italien wie ein sparsamer Industriestaat. Um nicht missverstanden zu werden. Ich rede jetzt nicht davon, dass Europa die USA im Wachstum in nächster Zeit einholen werden, sondern dass sich diese Schere zwischen den beiden großen Wirtschaftsblöcken nicht einfach so weiter öffnen kann. Schuldenmachen führt irgendwann zu Wachstumsschwäche – Japan steht dafür bereits seit 20 Jahren als Beispiel.

Dies alles gilt natürlich nicht, sollte die EU in absehbarer Zeit auseinanderbrechen. Das würde aber auch für die USA gewaltige Konsequenzen haben. Die Europäische Union mit ihren 28 Mitgliedsstaaten hatte 2018 ein Bruttoinlandsprodukt von 15,87 Billionen Euro (EU-Zone 11,57 Bio.€), ganz klar die Nummer zwei hinter den USA und noch weit vor China. Sollte dieser Wirtschaftsraum wegbrechen und sich China von den USA weiter unabhängig machen, wäre es auch vorbei mit der Herrlichkeit von Donald Trumps neuem Motto „Keep America great“.

Frankfurter Skyline - können europäische Aktien aufholen?
Skyline Frankfurt. Foto: HendoBe / Pixabay

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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