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Aktien: Niedrige Handelsvolumina, ein Risiko für Bullen und Bären

Aktien im Sommerloch

Sind die niedrigen Handelsvolumina ein Risiko für alle, die in Aktien investiert sind? Das hört sich auf den ersten Moment seltsam an, denn das Risiko liegt normalerweise eher auf der Unterseite. Aber nicht in diesem Umfeld, bei dem es ständig neue Geldzufuhr geben kann und das aus heiterem Himmel. Die letzten Tage lagen die Umsätze an den Aktienmärkten in Tiefen, wie sie die Finanzindustrie mit all ihren Profiteuren gar nicht leiden mag. Jetzt beginnt der Monat Juli mit seiner so ausgeprägten ersten heißen Monatshälfte.

Aktien: Window Dressing und die Halbjahresbilanz

Wie es Markus Fugmann erst gestern in seinem Marktausblick gezeigt hatte, lagen die Umsätze an den US-Börsen auf sehr tiefem Niveau, allenfalls auf der Hälfte des Normalen. Was die Indizes nicht daran gehindert hat, stetig in die Höhe zu klettern. Allerdings kann es auch rasch nach unten gehen – gesehen beim Dax am gestrigen Mittwoch, bei dem es ganz rasch ein Prozent in die Tiefe gegangen ist, ohne kursbewegende Nachrichten.

Dennoch, das erste Halbjahr ging mit einem sehr ansehnlichen Plus für die meisten Aktien zu Ende, es kam nicht zu Gewinnmitnahmen, auch nicht in der letzten Handelsstunde.

Hier nur ein ganz kurzer Blick auf die Performance der großen Indizes nach einem halben Jahr, die sich sehen lassen kann.

Dem gigantisch großen S&P 500 brachte das Monatsultimo nicht nur das 34. Allzeithoch in diesem Jahr, mit einem Plus von 0,13 Prozent auf 4297 Punkte, es war insgesamt ein Anstieg von 2,2 Prozent im Juni und von fast 16 Prozent seit Jahresbeginn.

Beim Nasdaq wurde der Monat Juni sogar der Beste seit dem November 2020. Beim Dow Jones es ging es den vierten Monat in Folge nach oben. Der Dax erlebte einen schwächeren Tag, mit minus einem Prozent auf 15.531 Punkten, der Juni brachte für die deutschen Aktien im Leitindex in Summa keine Zuwächse – aber das Halbjahr verlief für den Dax ähnlich wie bei den großen Brüdern in den USA.

Die genannten Indizes lagen zum Ende des Halbjahres alle recht nahe zusammen mit Anstiegen von 13 bis 16 Prozent.

Jetzt kommt ein großes „Aber“: Der Großteil der Anstiege mit etwa 10 Prozent erfolgte bereits im ersten Quartal, das zweite brachte nur noch moderate Zuwächse – eine Einpreisung von Peak Growth bei der Wirtschaft?

Der Blick auf den Juli

Hierzu wurde schon viel geschrieben, nicht nur diese Woche, über die statistisch doch so signifikant gute Periode für Aktien in den ersten beiden Wochen des Monats. Hier noch einmal eine Auswertung von LPL Research, die dies gerade für die Nachwahljahre so deutlich heraushebt:

Aktien im Juli

Und was folgt nach so einem positiven Halbjahr?

Die Amerikaner haben für alles Statistiken, wen wundert es aufgrund der großen Bedeutung der Aktienmärkte, deren langer Historie und der Heerschar von Analysten, die oft aus der Mathematik oder Physik kommend, nach Gesetzmäßigkeiten fahnden, die zu einem kleinen Investitionsvorteil führen könnten. Wie eben die ständig präsentierten saisonalen Musterfür Aktien.

Was war bisher zu erwarten, wenn es einen Halbjahresstart gab, in der Größenordnung, wie es das Jahr 2021 vorgelegt hat? Nicht so viel Futter für die Bären, außer beim Blick auf das Jahr mit dem schwarzen Montag (1987):

Aktien ab Ende Juni

 

Fazit

Sicherlich gibt es das Phänomen steigender Kurse zu Monatsbeginnn schließlich gibt es die immer stärkende werdende Flut an Anlegergeld der Sparpläne durch kostengünstige Exchange Traded Funds (ETFs). So auch für den Monat Juli des Jahres 2021. Erst gestern hatte Claudio Kummerfeld auf die Enteignung des Sparers hingewiesen, durch das zunehmende Verwahrentgeld, was im Endeffekt aber einen weiteren Anschub darstellt für die Anlage in Aktien bei einer derzeitigen gigantischen Negativrealrendite. Dazu noch der Zufluss an Notenbankgeld und das weiter zunehmende Financial Engineering der Großunternehmen (Aktienrückkäufe und Dividendenerhöhung). Es fällt schwer in diesem Umfeld starke Kursrückgänge zu begründen (derzeit).

Ansonsten verlieren Gesetzmäßigkeiten an der Börse mehr und mehr ihre Gültigkeit, egalisiert durch Tausende Computerprogramme, die mit ihren Algorithmen Derartiges durch Vorwegnahme verhindern. Eine schöne Beschreibung dieser Konditionaliät habe ich vor kurzem von dem Finanzmathematiker Dr. Andreas Beck gehört, der sinngemäß sagte: „In der Physik gilt etwas als Gesetz, ab dem Moment, in dem es entdeckt wurde. An der Börse verlieren Gesetzmäßigkeiten ihre Gültigkeit ab dem Moment, in dem sie entdeckt worden sind.“

Nichtsdestotrotz hat das Sommerloch eine hohe statistische Signifikanz durch die Abwesenheit vieler Marktteilnehmer, durch niedrige Umsätze, die zu höheren Kursschwankungen bei Aktien und Indizes führen müssen, während der Sommerperiode regelmäßig mit Tendenz nach unten.

Außerdem gibt es immer wieder konjunkturelle Besonderheiten, eine solche erwartet uns in Kürze mit der Berichtssaison und ihren historisch seltenen Gewinnaussichten. Über 60 Prozent Steogerung in Q2 wird erwartet – und dafür gibt es nicht allzu viel statistische Reminiszenzen, mit all den möglichen Marktreaktionen.



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