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Aktienmärkte: Fahnenstangen und absurde Bewertungen

Die Signale für eine rasche Korrektur der Aktienmärkte sind überdeutlich. Aber was zählen historische Daten in Zeiten der Superlative?

Wolfgang Müller

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Wir befinden uns in der letzten Augustwoche und haben einen Anstieg der Aktienmärkte aus dem Tief von Ende März hinter uns, der beispiellos ist. Viele Aktien, insbesondere die der großen Sieben an der Wall Street, haben Fahnenstangen ausgebildet.

Aktienmärkte: Sechs Monate der Superlative

Fast genau fünf Monate nach dem Pandemietief kann man zumindest an der Wall Street eine Börsenentwicklung der Superlative konstatieren: Nach dem schnellsten Einbruch in einen Bärenmarkt mit 34 Prozent Verlust in nur 23 Börsentagen, konnte man bereits nach 148 Kalendertagen wieder in den Bullenmarktstatus zurückkehren – der kürzeste Bärenmarkt aller Zeiten.

Ein Börsen-V mit Folgen, denn eine Hausse weckt die Gier nach mehr. Ob Cashbestände der Fonds auf langjährigem Tief, das Short Interest der Investoren auf 15-Jahrestief (bedeutet den weitgehenden Verzicht auf Absicherung ) u.v.m. – die Anzeichen für eine Übertreibung steigen ins Alarmistische. Das ist vor allem erkennbar an der Marktkapitalisierung von nur sieben Aktien, die aber einen Wert von 7,7 Billionen Dollar repräsentieren. Bei diesen Zahlen mit 12 Nullen streikt unser „Affenhirn, mit seinen prähistorischen Wurzeln“, welches mit derart abstrakten und exponentiellen Kursdaten nicht mehr richtig umgehen kann.

Aber in dieser totalen Einseitigkeit und absolut fehlender Marktbreite ergibt sich ein Aspekt, der noch kaum bedacht wird.

Wie bereits x-fach zu lesen war: Die Performance des S&P 500, sowohl bei den Kurszuwächsen, als auch bei den Unternehmensgewinnen, speist sich zu einem Großteil aus den Tech-Werten.

Klar haben wir eine extreme Bewertung der Big 7, die nach Korrektur ruft. Aber wir haben zugleich 493 Aktien, die „underperformt“ haben, wie Energiewerte (-41 Prozent), Banken (-35 Prozent), Immobilienwerte (-15 Prozent), Industriewerte (-11 Prozent) oder auch der Russel 2000 (-8 Prozent), die allesamt weit unter ihren 52-Wochen-Höchstständen liegen.

Aber was wird aus vielen dieser Werte, sollte es tatsächlich etwas werden mit einem Impfstoff in baldiger Zeit und einer Eindämmung von Covid-19? Könnte dann eine Korrektur der Tech-Werte nicht aufgefangen werden durch die alte Industrie? Klar haben die sieben Werte, ohne Tesla (die noch nicht im S&P 500 enthalten sind), ein Gewicht von 7 Billionen Dollar. Aber die anderen 493 verkörpern eine Marktkapitalisierung von 20 Billionen Dollar. Natürlich könnten diese Werte einen raschen Einbruch der FAANG-Titel nicht kompensieren, aber eine moderate Korrektur schon, vor allem wenn sich das oben beschriebene Szenario entwickeln sollte.

Die sogenannte Regression zum Mittelwert, die überall dort auftritt, wenn sich Werte normalisieren?

Aber was passiert mit Sektoren wie der Luftfahrt, des Tourismus oder der Freizeit, sollte es in den nächsten Wochen tatsächlich zu einem Durchbruch bei der Impfstoffentwicklung kommen? Vermutlich eine Branchenrotation, wie es in der Geschichte noch selten der Fall war. Auch wenn es mit der Umsetzung noch Monate dauern sollte, aber der Blickwinkel der Aktienmärkte ist meistens 6 Monate plus x nach vorne gerichtet. Klar, das ist eher eine sehr unwahrscheinliche Variante, aber man sollte an den Börsen niemals nie sagen.

Saisonalität zu Zeiten von Corona

Derzeit werden ständig Statistiken und Charts herumgereicht, die auf eine hohe Wahrscheinlichkeit sinkender Kurse der Aktienmärkte im Monat August/September und in den letzten Monaten vor einer Wahl hinweisen. Dies hat sicherlich seine Berechtigung. Schwache Umsätze an den Börsen in der Urlaubszeit, Unsicherheit über den Wahlausgang und in diesem Jahr eine Extremität in der Kursentwicklung mit Signalen der eben beschriebenen Überkauftheit und Euphorie bei einzelnen Tech-Werten. Eigentlich sind das untrügliche Zeichen für eine Korrektur der Aktienmärkte.

Aber ist diese Periode im Coronajahr 2020 überhaupt mit irgendeinem Jahr vorher vergleichbar? Gab es in der modernen Zeit jemals eine Pandemie mit einem Lockdown, je so niedrige Zinsen und je so eine Geldflut von Staaten und Notenbanken – und je so einen US-Präsidenten, dem nahezu jedes Mittel recht ist, um seine Wiederwahl zu ermöglichen? Was in letzter Zeit immer mit Nachschub an Geld für die Aktienmärkte verbunden war.

Ich will hier nicht davon sprechen, dass nicht jederzeit eine Korrektur hereinbrechen kann, vor allem bei den extremen Positionierungen der Anleger. Aber was soll dies zu tun haben mit einer speziellen Börsenphase zum Beispiel Anfang September? Seit Monaten stellen wir fest, dass es für diese Pandemie keine Blaupause gibt, deshalb auch der schnellste Einbruch in nur 23 Tagen von 34 Prozent und dann die schnellste Rückkehr in einen Bullenmarkt in nur fünf Monaten. Wieso sollen hier irgendwelche saisonalen und statistischen Muster der Vergangenheit greifen?

Tesla-Chart, der Prototyp einer Exponentialfunktion

Saisonalität, hin oder her, der Chart von Tesla ist ein Musterbeispiel für eine Kursfahnenstange par excellence. Egal wie man zu den Zukunftsaussichten des Pioniers der Elektromobilität im Automobilsektor steht, ist es unübersehbar, dass die Exponentialkurve des Aktiencharts in den letzten Tagen noch einmal an Steilheit gewonnen hat. Am Freitag war der Stichtag für den Börsensplit, am 31. August werden für die Inhaber von Tesla-Aktien vier weitere eingebucht. Ich will hier gar nicht mehr auf die Börsenbewertung der Firma eingehen, auf KGVs und ähnliche Parameter. Dies hat Claudio Kummerfeld bereits in einem Artikel am Freitag dargelegt. Aber die Verzehnfachung des Börsenkurses von 200 auf über 2000 Dollar binnen eines Jahres ist ein Paradebeispiel für eine Fahnenstange, die e-Funktion eines Börsencharts schlechthin. Mit eingebauten Korrekturen, die erste sahen wir im März, die zweite im Juli, das Potenzial für eine dritte und heftige hat sich nun aufgebaut.

Aber auch ein großes Thema für Tesla ist und bleibt – der Leerverkauf. Wie viele Trader haben schon Milliarden Dollar verloren, weil sie ihre verliehenen Aktien zurückkaufen mussten, zu stark gestiegenen Kursen (bis Juli laut S3 Partners schon 23 Milliarden Dollar)? Die Leerverkaufsquote betrug schon einmal 25 Prozent, vor Kurzem noch 10 Prozent oder 14 Millionen Aktien. Da stand Tesla aber noch hunderte Dollar tiefer. Haben nicht nur die Spekulation der „RobinHooder“ den Wert so nach oben getrieben, sondern auch unaufhörliche Eindeckungen der Aktie? Haben denn viele Leerverkäufer nicht Marginkontos, mit Nachschussverpflichtungen und müssen mit dem psychischen Druck der Eindeckung leben? Der Käufer einer Aktie kann maximal 100 Prozent verlieren, ein Leerverkäufer jedoch viel mehr. Hätte jemand vor drei Monaten die Aktie leerverkauft und tatsächlich bis heute durchgehalten, müsste er aktuell bereits fast dreimal so viel für den Rückkauf bezahlen. Ist es nicht der eigentliche Wahnsinn, dass die Gegenspekulation auf einen spekulativen Wert zu immer höher steigenden Kursen führen kann?

Was bringt die neue Woche?

Das für mich interessanteste Datum wird die Bekanntgabe des neuesten Stands des Ifo-Index am Dienstag sein. Denn nach einigen Wochen und Monaten steigender Frühindikatoren ist zumindest eine deutliche Abflachung der vorlaufenden Signalgeber entstanden. Der deutsche Einkaufsmanagerindex war im August überraschend deutlich um 1,6 auf 53,7 Punkte gefallen. Es könnte sein, dass steigende Infektionszahlen, Reisewarnungen und all die damit verbundenen Sorgen die Wirtschaft auf dem Weg aus der Corona-Rezession etwas ausbremsen. „Der Aufschwung habe leicht an Dynamik verloren“, erklärte Markit-Ökonom Phil Smith am Freitag unter Verweis auf die Umfrage unter Hunderten Unternehmen.

Wird auch der Info-Index eine Pause signalisieren?

Der Geschäftsklima Index des Ifo- Instituts ist ein sehr beachteter Indikator, schließlich geben 9000 Unternehmen Chefs Auskünfte über die Geschäfte der Firmen und den Ausblick auf die mittlere Zukunft. Diese können besser als Analysten oder Ökonomen die Lage einschätzen. Eine einmalige Indikatorenzahl hat noch wenig Aussagekraft, aber ab dreimaliger Bewegung in einer Richtung ist ein Trend festzustellen, der in der Vergangenheit ziemlich treffsicher war. Im außergewöhnlichen Jahr 2020 ist der Ifo Index in bisher unbekannte Tiefen abgestürzt, noch nie Gesehene 74,3 Punkte, hat sich aber dreimal in Folge bis auf 90,5 Punkte erholt (74,3-79,7-86,3-90,5). Was noch keine Wachstumsziffer darstellt, aber ebenso hat die Wirtschaft noch nicht ihr altes Niveau erreicht. Anders jedoch die Erwartungskomponente. Denn die Erwartungen der Firmenbosse an die künftige Geschäftsentwicklung sprangen im Juli regelrecht in die Höhe. Der Ifo-Erwartungsindex verbesserte sich von 91,6 auf 97,0 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2018. Daher wird die neueste Ausgabe des Barometers sehr interessant werden, die Insider müssten eine Pause der Wirtschaft in ihren Bestellungen merken.

Unser Leitindex hat nämlich schon eine Pause eingelegt. Auch wenn er zwischenzeitlich vor vier Wochen schon weniger als 500 Punkte oder vier Prozent bis auf seinen Höchstwert herangekommen war, steht er aktuell auch schon da, wo er vor elf Wochen gestanden hat. Was ist das, ein Ausatmen nach der vorherigen, überzogenen Rally, eine Reaktion auf die Stärke des Euro für unser Exportland oder die Ruhe vor dem Sturm für die Aktienmärkte?

Fazit

Die Signale für eine rasche Korrektur der Aktienmärkte sind überdeutlich. Aber was zählen historische Daten in Zeiten der Superlative – Geldflut, Zinslandschaft, Gewinne der großen Tech-Titel, in der stärksten Rezessionsphase nach dem Krieg – alles ohne Beispiel? Was zählen da saisonale Muster? Hatte etwa der berühmte Januar-Effekt in diesem Jahr etwas zu bedeuten oder das bekannte „Sell in May and…“? Wäre man dieser Regel gefolgt, hätte man eine gewaltige Tech-Rally verpasst. FOMO, at its best. Und dann vor allem die Frage des Wiedereinstiegs!

Ist schon verrückt: Im letzten Jahr haben die Regeln von der Januarrally bis zur Jahresendrally unglaublich gut gepasst. Könnte sein, dass wir in diesem Jahr das Gegenteil davon erleben. Ungeachtet der jederzeit möglichen Korrektur, man denke nur an den Tesla-Chart. Noch zwei/drei weitere solche Monate wie zuletzt und die Firma würde mehr als alle Automobilhersteller der Welt zusammen kosten mit deren 2019 produzierten 67 Millionen Fahrzeugen (nur Pkw).

Die Aktienmärkte zeigen derzeit viele Extreme

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Aktien

GameStop: Symptom für Entgleisung der Märkte – wie war das möglich?

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich? Eine Spurensuche nach den Ursachen eines erstaunlichen Exzesses!

Wolfgang Müller

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Die Anlegerwelt blickt bestürzt und fasziniert in die USA, auf die Kapriolen von Aktie wie GameStop – dazu auf Small Caps, auf exorbitante Call-Spekulation, auf Schieflagen von Leerverkäufern und Brokern. Ausgelöst nicht durch Big Money, sondern durch viele junge Anleger, die eine unregulierte Seite der Aktienmärkte ausnutzen. Eine Spurensuche nach den Ursachen, was Entwicklungen wie bei der Aktie von GameStop möglich gemacht hat..

Wie war GameStop möglich?

Die Notenbanken

Klar ist die Entwicklung an den Aktienmärkten zunächst einmal den Notenbanken geschuldet. Mit der Eliminierung der Anlageklasse Anleihen, der Verlängerung der Aktienhausse, weil mit sinkenden Zinsen Aktienbewertungen immer mehr relativiert wurden. Vor allem aber durch die besondere Situation einer Pandemie, in der alle Notenbanken an einem Strang ziehen, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern.

Dabei ist doch Fed-Chef Jerome Powell noch einer der Vernünftigeren. Hatte er nicht 2018 viermal die Zinsen angehoben, um Exzesse zu unterbinden – und wie ist er für seinen Kommunikationsgau gemaßregelt worden, als er für 2019 von weiteren Zinsanhebungen und Bilanzreduzierung gesprochen hatte? Wurde er nicht von Donald Trump monatelang in der Öffentlichkeit vorgeführt, als „Dummkopf“ beschimpft, weil er partout nicht die Zinsen stärker senken wollte. Der Ex-Präsident hatte stets ins Felde geführt, dass Deutschland sich verschulden könne und dabei noch Geld verdienen würde. Kurzum: Die Marktteilnehmer haben die Ausnahmesituation an den Kapitalmärkten erkannt und den Aktienboom immer weiter befördert. Es gibt einen „Ocean of Liquidity“. Das ist die erste Voraussetzung für das Phänomen GameStop!

Die kostenlosen Neobroker

Eine sehr wesentliche Ursache für den verstärkten Boom an den Aktienmärkten, speziell durch neue Anlegergruppen, war der Preiskampf der Broker um die Kunden, der schließlich zur Abschaffung der Gebühren geführt hat. Es war die Meldung im Oktober 2019, die die Gebührenschmelze brachte: Charles Schwab hatte als Branchenführer angekündigt, in Zukunft auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien, börsengehandelten Fonds (ETFs) und Optionsscheinen zu verzichten. Es folgten weitere Broker wie TD Ameritrade und E-Trade und selbst Fidelity zog für seine 22 Millionen Konten nach. Eine Reaktion auf den Aufstieg von RobinHood, der Boden für das grenzenlose Zocken war bereitet. Wenn ich für kleine Trades keine Gebühren bezahlen muss, kann ich das x-mal am Tag wiederholen.

Einen weiteren Schub gab es für die Retail Investors durch die Möglichkeit, Bruchstücke von Aktien zu kaufen – also die Möglichkeit durch den Broker, Teile einer Amazon-Aktie zu handeln, weil ich keine 3000 Dollar für eine einzelne Aktie aufbringen kann. Dazu noch das Angebot der Depotbeleihung, um auf Kredit zu spekulieren. Ein brutaler Preiskrieg um jeden Kunden hat die Situation eskalieren lassen – die Entwicklung um GameStop ist die Folge solcher Entwicklungen!

Die Pandemie und der Teillockdown

Ich habe bereits am 7. Juli 2020 in einem Artikel geschrieben: Der Lockdown und die damit verbundene häusliche Quarantäne hat eine zweifelhafte Entwicklung losgetreten: Die pandemiebedingte Unterbrechung des US-Profisports und der Ausfall an Sportwetten hat viele Sportzocker zur Börse gebracht. Dazu jene, die früher mit Kryptowährungen gehandelt haben. Man spricht daher von einer „Gamification“ der Geldanlage. Die Börse wurde als Ersatz für Fußball-Wetten oder das Glücksspiel in den geschlossenen Casino ansehen. Das beste Beispiel dafür ist der aus der Sportwettenbranche kommende David Portnoy, der „Anführer“ der RobinHooder. Nun ruft auch er zum „Sturm auf das Kapital“ auf – GameStop sei nur der Auftakt gewesen, so Portnoy.

Ein Teil dieser Entwicklung war auch der staatlichen Unterstützung in der Pandemie geschuldet. Die vielen Schecks, die eigentlich für die Versorgung während der Arbeitslosigkeit gedacht war, wurden von nicht wenigen teilweise zum Zocken genutzt. Unterstützungen von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden, aber der Gesamtbetrag konnte bis über 4000 Dollar pro Monat ausmachen und damit höher, als es mancher mit seiner reellen Arbeit bringen konnte. Zuletzt waren es die 600 Dollar Schecks, die im Februar noch auf 2000 Dollar aufgestockt werden sollen. Es ist dieses Helikoptergeld, das in Aktien oder Optionen von GameStop fließt.

Die Plattform der sozialen Medien

Wer hätte das gedacht? Dass soziale Medien einmal genutzt werden, um die Großen an der Wall Street zu attackieren.

Wallstreetbets ist so ein Subreddit, auf dem sich Marktteilnehmer austauschen und sich auch zu gemeinsamen Wetten am Kapitalmarkt organisieren. Es laufen auch viele Fehlinformationen, wie eine mehr oder weniger koordinierte Aktion von Trollen auf der Social-Media-Plattform Reddit, die durch ihre Spekulation den direkten Angriff auf die Hedgefonds der Wall Street zum Ziel haben. GameStop war vermutlich erst der Anfang!

Das ist auch ein großer Unterschied zur Dotcom-Blase im Jahr 1999/2000: Die Verfügbarkeit von Informationen und die Vernetzung auf Millionen Geräten, wo sich blitzschnell ein Finanzmob organisieren lässt. Das Smartphone mit all seinen Möglichkeiten war damals noch nicht auf dem Markt. Wenn die Geschichte mit GameStop erledigt ist, kommen dann weitere Angriffe auf Aktien, die sehr „leerverkauft“ sind? Diese Frage hat sich nach den letzten Short Squeezes schon erübrigt. Auch wenn mit einer Firma richtig etwas faul ist und man den Kurs trotzdem nach oben treiben kann. Hatten wir denn in Deutschland nicht eine Firma, die im Visier der Leerverkäufer war und zunächst von der BaFin noch geschützt wurde (Wirecard)?

Die De-Regulierung

Ganz im Gegensatz zur Obama-Regierung, der nach der Finanzkrise eine Reform zur Regulierung der Finanzmärkte veranlasst hatte, wurden die Regularien in der Trump-Ära schrittweise wieder gelockert. Trump sprach ständig von vier Prozent Wachstum, dafür wurden die Steuern radikal gesenkt, Auslandskapital repatriiert, Aktienrückkäufe in großem Maße toleriert und alles gefördert, faktisch und verbal, was die Aktienmärkte befeuerte. So wurde der Boden bereitet für eine Aktienrally, an deren Ende immer Gier einzieht, jeder versucht an der wundersamen Geldvermehrung zu partizipieren, eine Phase für die es viele Namen gibt: Hausfrauenrally, Milchmädchenhausse und weitere.

Ein Thema an den Märkten ist beim Short Selling auch der nackte Leerverkauf, der dazu führen kann, dass die Short Quote auch über 100 Prozent der frei verfügbaren Aktien hinausgehen kann – so wie bei GameStop. Man hatte diese gefährliche Variante der Kurssicherung/Spekulation im Zuge der Finanzkrise zwar verboten, aber nie richtig überwacht, wie es sich in den jetzigen Fällen als Falle erweist.

Fazit

Es ist zweifelsohne ein ganzes Bündel von Ursachen, die zu dieser Spekulationsorgie geführt haben. Auch wenn die Notenbanken mit ihrer Marginalisierung der Zinslandschaft erst die Grundlage für eine lange Börsenphase steigender Notierungen gesorgt haben, wurde die Situation erst dadurch möglich, dass Broker und Marktteilnehmer das Laissez-Faire der Behörden ausgenutzt haben, um Geld zu scheffeln.

Wie kann es sein, dass sich Tausende von Kleinanlegern in Foren verabreden können, um Attacken an den Märkten durch Zocks mit Aktien wie GameStop zu organisieren? Man stelle sich vor JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs würden sich zu konzertierten Aktionen und zu einem bestimmten Zeitpunkt verabreden. Mit ihrer Finanzkraft könnte die Giganten reihenweise Aktien mit niedrigen Nominalwerten zu Pennystocks machen, was extreme Folgen zeitigen würde: Auschluss bei Kapitalsammelstellen, die nicht in Pennystocks investieren dürfen, Abstufungen im Kredit-Rating, kein Zugang zum Kapitalmarkt, Entlassungen, Pleite. Verbotene Marktmanipulationen stehen stark unter Strafe.

Ist es bei Privaten „uncharted territory“? Nicht mehr lange, denn das dürfte Schule machen, sich die Volumen erhöhen und auch im Ausland probiert werden. Auch wenn sich zunächst einige darüber freuen, wenn es der Hedgefonds-Branche etwas ans Leder geht, sie mit gleichen Waffen geschlagen werden. Aber es ist organisiertes Frontrunning, Pump&Dump – und damit Marktmanipulation. Ein Fall für die Regulierungsbehörden, für die SEC. Diese hat mit Gary Gensler einen neuen Chef, anscheinend ein „harter Hund“. It’s your job, Mister Gensler!

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich?

By BentleyMall – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25399096

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Aktien

Aktienmärkte: Alle Gewinne futsch – heute neuer Short-Squeeze? Videoausblick

Markus Fugmann

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Die Gewinne der amerikanischen Aktienmärkte (S&P 500, Dow Jones) seit Jahresbeginn sind durch den gestrigen Abverkauf futsch! Auslöser des Abverkaufs der amerikanischen Indizes wiederum war ein durch die Bubble-Boomer ausgelöster Short-Squeeze, der Hedgefunds zum Verkauf bestehender Long-Positionen zwang. Es ist schon paradox: durch einen Short-Squeeze kommen Long-Positionen und damit die Aktienmärtke insgesamt unter Druck – und für heute haben die Buuble-Boomer die nächste Attacke auf die Hedgefunds angekündigt! Kommt heute eine Erholung, weil die Zahlen vor allem von Apple doch eigentlich gut waren? Kurzfristig sind die Märkte überverkauft – aber es dürfte ziemlich volatil zugehen. Der Fokus wieder auf Aktien wie Gamestop, Nokia und anderen „Kursraketen“..

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Indizes

DAX daily: Hohe Kursschwankungen bestimmen das Geschehen

Stefan Jäger

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Diese Handelswoche ist durch eine hohe Volatilität geprägt. Das bewies der Dax auch im gestrigen Handel, als er von seinen Vortagsgewinnen wieder merklich absackte. Damit legte der deutsche Leitindex täglich mindestens eine Strecke von 300 Punkten zurück. Der gestrige Abverkauf kam zudem ohne nennenswerte Meldungen zustande. Zeitweise hat es den deutschen Leitindex sogar unter die Marke von 13.500 Punkten gedrückt, das Tagestief lag entsprechend bei 13.475 Zählern. Anschließend konnte sich der Dax zwar etwas erholen, aber die wichtige Unterstützungszone bei 13.600 ist damit verloren. Den Handelstag beendete der Leitindex schließlich mit einem Verlust von 250 Punkten (-1,81%) bei 13.620. Diesmal haben sich die Schnäppchenjäger auf dem tieferen Niveau zurückgehalten, das könnte wiederum bedeuten, dass wir das Tief noch nicht gesehen haben. Die nächsten markanten Unterstützungszonen befinden sich im Bereich von 13.450 und 13.330.

Ein möglicher Grund für die schlechte Stimmung bei den Dax-Anlegern ist das ganze Hickhack um die Verfügbarkeit der Impfstoffe. Die Impfstoffbeschaffung entwickelt sich nämlich zur Farce, sowohl für Deutschland als auch für die Europäische Union. In dem Streit zwischen der EU und Astrazeneca ist erstmal keine Lösung in Sicht, es wird sogar mit einem Produktions-Stopp gedroht. Seit gestern müsste jedem klar sein, dass die Impfstoffe nicht so schnell unters Volk kommen wie erhofft.

Ein Haufen von Kleinanleger treiben aktuell ein kurioses Spiel an den Aktienmärkten. Dabei lassen sie altbekannte Aktienpapiere links liegen und konzentrieren sich auf unterdurchschnittliche Werte mit einem hohen Anteil an Leerverkäufern. Seitdem die Spekulation bei der Gamestop-Aktie die Runde gemacht hat, scheint daraus ein richtiger Hype zu entstehen. Eine Horde von Hobby-Tradern erzeugen per Absprache in Portalen wie Wallstreetbets regelrechte Flashmobs und bringen dadurch selbst berüchtigte Hedgfonds ins Wanken. Auch deutsche Aktien aus dem MDax wie zum Beispiel Evotec und Varta konnten von dieser Entwicklung profitieren.

News und fundamentale Daten

Die Quartalsberichte der Tech-Riesen Apple, Facebook und Tesla sind überwiegend gut ausgefallen. Während Apple und Facebook die Erwartungen deutlich übertreffen konnten, haben die Daten von Tesla nicht überzeugt. Zwar schließt der Elektroauto-Hersteller zum ersten Mal ein Kalenderjahr mit einem Gewinn ab, dennoch enttäuschte der Gewinn aus dem vierten Quartal, dieser fiel mit 270 Millionen Dollar geringer als am Markt angenommen aus. Der Aktienkurs verlor nachbörslich 5%.

Darüber hinaus stehen heute wieder interessante Wirtschaftsdaten auf der Agenda. Den Auftakt macht um 14:00 Uhr der Verbraucherpreisindex aus Deutschland. Dieser könnte erste Hinweise über die Inflationsentwicklung geben. Danach folgen ab 14:30 Uhr Daten aus den USA. Zuerst wird die Vorabschätzung für das Bruttoinlandsprodukt (Q4) veröffentlicht. Außerdem erscheinen die wöchentlichen Erstanträge und Folgeanträge auf Arbeitslosenhilfe. Schließlich folgen um 16:00 Uhr noch die Verkäufe neuer Häuser.

Im Rahmen der Berichtssaison stehen darüber hinaus wieder zahlreiche Quartalsberichte auf dem Programm. Unter anderem legen die Dow-Dickschiffe Visa, McDonalds sowie Dow Inc. ihre Zahlen vor. Zudem öffnen die Unternehmen Mastercard, Danaher und Mondelez ihre Bücher.

Die wichtigen Marken für den Handelstag im Dax

Der deutsche Leitindex war auch im gestrigen Handel erneut kräftigen Kursschwankungen ausgesetzt. Heute stellt sich nun die Frage, ob der Dax wieder zum Turnaround ansetzt oder zumindest eine Erholung startet? Ein Blick auf den Chart lässt jedenfalls nicht zu viel Hoffnung zu. Die Topbildung ist nun auch im Tageschart bestätigt. Zudem wurde die wichtige Unterstützungszone bei 13.600 gebrochen. Jetzt kommt es darauf an, ob der Unterstützungsbereich bei 13.450 hält. Dann wäre auch eine Erholungsrally möglich.

Ein Rücklauf an den Bereich bei 13.450 sowie dem Nachttief bei 13.411 wäre kein Problem, solange der Dax die Zone als Sprungbrett nutzt. Ein erster markanter Widerstand befindet sich jetzt an der 13.600. Oberhalb der 13.600 liegt die nächste Hürde bei 13.668. Ein Anstieg darüber könnte den Dax bis in die Zone bei 13.745 führen. Dort befindet sich auch das 61,8% Retracement des gestrigen Abverkaufs. Somit steht hier eine Richtungsentscheidung an. Das übergeordnete Bild hellt sich aber erst auf, wenn die 13.805 per Tagesschlusskurs überwunden wird.

Unterhalb von 13.600 droht jederzeit die Gefahr eines erneuten Abrutschen. Scheitert der Dax an dieser Hürde, dann könnte es nochmal in Richtung des Unterstützungsbereichs bei 13.460/440 gehen. Fällt der Dax anschließend unter das Nachttief bei 13.411, dann dürfte sich die Abwärtsbewegung bis 13.330 und 13.260 fortsetzen.

Der Börsen Jäger

Haben Sie Interesse an konkreten Trading-Ideen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unseren neuen Service „Der Börsen Jäger“. In dem kostenlosen Börsenbrief nehme ich Sie mit auf die Jagd und vermittle interessante Anregungen zu fundierten Handelsmöglichkeiten sowohl für die bekannten Indizes und Aktien, als auch für die Devisen- und Rohstoffmärkte.

Dax daily: Ausblick 28.01. -H1-Chart - Absturz oder Erholungsrally?

Dax Unterstützungen (US):

13.475 – Tagestief 27.01.

13.440 – US-Zone (H4/daily)

13.411 – Nachttief

13.330 – vormals WS-Zone (September Range)

13.260 – 161,8% Extension (123-Top 13.131)

Dax Widerstände (WS):

13.600 – vormals US

13.620 – Schlusskurs 27.01. (Gap)

13.667 –  nachbörsliches Hoch

13.745 – horizontaler WS

13.851 – Tageshoch 27.01.

13.930 – Tageshoch 26.01.

Disclaimer

Die hier angewandte fundamentale und technische Analyse stellt keine Anlageberatung dar. Es handelt sich auch nicht um Kauf- oder Verkaufsempfehlungen von Wertpapieren und sonstige Finanzinstrumenten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können eine individuelle Anlageberatung nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

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