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Aktienmärkte: Jahresprognose der Banken 2022: Nächster Versuch

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Noch ist das Jahr für die Aktienmärkte nicht zu Ende, noch stehen zahlreiche Ereignisse an, wie die letzten Notenbanktagungen des Jahres, aber die Prognosteritis schlägt schon wieder zu. Die deutschen Großbanken haben bereits nach der ersten Dezemberwoche ihre Aussichten zu Indizes, Zinsen, Währungskursen und weiteren Wirtschaftsparametern für den Silvestertag 2022 abgegeben. Hier ein erster Blick auf die Einschätzungen und ein kleiner Rückblick auf die letzten Jahre.

Aktienmärkte und Prognosen der Banken: Trial and Error

Vor einem Jahr hatte ich ich die Vorhersagen etwas überzeichnet so formuliert:

„Betrachtet man die Prognosen über Dax und Co der letzten Jahre mit dem tatsächlichen Eintreffen, so könnte man das Unterfangen juristisch überspitzt so formulieren: Untauglicher Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt.“

Hier der Bankenkonsensus der letzten drei Jahre:

2017 Prognose Dax (Durchschnitt) 11629 – Endstand 12917
2018: Prognose Dax 14008 – Endstand 10599
2019 Prognose Dax: 12431 – Endstand 13249
Aber für 2020 gab man eine Prognose ab, die zum ersten Mal fast als Volltreffer bezeichnet werden konnte:

2020 Prognose Dax: 13.920 Punkte – eine andere Aufstellung kam auf 13.875, dazu Dow Jones 28892 Punkte sowie für den S&P 500: 3251 Punkte
Was waren die Endstände?

Dax 13781 Punkte
Dow Jones 30.606 Punkte
S&P 500: 3756 Punkte

Damit lag man ausgerechnet im Coronajahr, in dem so überhaupt keine valide Prognose über den Kauf der wirtschaftlichen Dinge abgeben werden konnte, beim Dax am nähesten an der Realität. Aber nur wenn man die Aussichten für die Aktienmärkte heranzog, die zu Jahresanfang gestellt wurden. Bei einem Update der Banken im Oktober 2020 war man schon viel vorsichtiger: Der Dax-Endstand wurde durchschnittlich auf 12.381 Punkte getaxt – hier sieht man die ganze Zufälligkeit von Indexprognosen, dem sogenannten Random Walk.

Und was erwartete man für 2021?

Die Analysten von 22 Banken aus den USA und Europa kamen bei ihren Ausblicken für die Aktienmärkte am 30.12.2020 zu folgenden durchschnittlichen Prognosen:

Dax: 14.323 Punkte
S&P 500: 3903 Punkte
Wie weit man aus der Sicht von Mitte Dezember danebenlag, kann jeder auf den aktuellen Kurstafeln ermitteln. Man dürfte wieder etwas danebenliegen.

Neues Jahr, neues Glück

Wie könnte es in der Bankenbranche auch anders sein, es überwiegt die Zuversicht für das Börsenjahr 2022. Aus der Sicht des 8. Dezembers 2021 legte man bei den Indizes durchschnittlich etwa eine durchschnittliche Jahresperformance drauf und kam zu folgenden Jahresendprognosen für die verschiedenden Aktienmärkte:

Dax: 17.087 Punkte, plus 8,9 Prozent – Spanne von 16.000 bis 18.000 Punkten
Dow Jones: 37.471 Punkte, plus 5,14 Prozent – von 34.500 bis 39.000 Punkten
S&P 500: 4903 Punkte, plus 4,68 Prozent – von 4400 bis 5200 Punkten
Nasdaq 100: 17.393 Punkte, plus 6,70 Prozent – von 16.200 bis 18.600 Punkten
MSCI World: 3428 Punkte, plus 7,67 Prozent – von 3300 bis 3600 Punkten
Gold: 1783 Dollar
Brent-Öl: 77,43 Dollar
10-jährige Bundesanleihen: 0,07 Prozent
10-jährige US-Staatsanleihen: 2,03 Prozent
Leitzins USA: 0,48 Prozent (Spanne von 0,0 bis 1,00 Prozent)
BIP-Wachstum USA: 3,90 Prozent
BIP-Wachstum Deutschland: 4,13 Prozent (Spanne von 3,0 bis 5,0 Prozent) Quelle: Deutsche Banken, Bloomberg)
Soll anscheinend ein gutes, unspektakuläres 2022 werden.

Fazit

Alle Jahre wieder….. kommen die Bankenprognosen für das neue Jahr zu allen möglichen Wirtschaftsdaten. Es besteht auch nach den fast schon zwangsläufigen Fehlprognosen der Wunsch der Investoren nach einem „Anker“ an dem man seine Planungen ausrichten kann.

Vor einem Jahr hatte ich von einer Auswertung der letzten Jahre berichtet, derzufolge es in 25 Jahren in nicht weniger als 17 Fällen zu einer mindestens 10-prozentigen Abweichung der Vorhersage gekommen war – vielleicht erleben wir bald Nummer 18. Die exakte wirtschaftlichen Zukunft ist nicht seriös prognstizierbar, für kein Individum, für kein Institut und auch für keine Notenbank.

Deshalb halte ich den Wirbel um die hawkishe Wende der Notenbanken für wenig zielführend, diese unterliegt zudem extremen psychologischen Zwängen. Denn wenn man seitens der Zentralbank künftige Inflation prognostizieren würde, bekäme man diese in kurzer Zeit gehäuft, weil alle Wirtschaftssubjekte sich noch schnell die aktuell verträglichen Preise durch vorgezogene Käufe sichern wollten.

Deshalb sollte man all die Prognosen für 2022 mit Vorsicht genießen, viele sprechen von einer Normalisierung der Wirtschaft im neuen Jahr mit normaleren Wirtschaftsdaten. Aber wer kennt schon die „Unknown Unknowns“, die in kürzester Zeit alles über den Haufen werfen können?

Eine boomende Wirtschaft, durch all die aufgestauten Nachholeffekte, oder doch Stagflation durch eine nicht einzufangende Inflation?



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