Folgen Sie uns

Indizes

Aktienmärkte: „The Week After“ – geht die Talfahrt weiter?

Es sieht nicht gut aus für die Aktienmärkte, nach den rasant steigenden Infektionszahlen in den letzten Tagen. Reicht der Rettungsversuch der Notenbanken?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Eine turbulente Börsenwoche  – vor allem für die Aktienmärkte – liegt hinter uns, die selbst hart gesottene Börsianer ins Schwitzen brachte. Das Wochenende konnten Viele zum Nachdenken nutzen, doch zu welchem Ergebnis werden die Investoren gekommen sein? Oder anders ausgedrückt: Was setzt sich durch, die Hoffnung auf eine Bodenbildung angesichts der konzertierten Aktionen weltweit oder ein weiterer Rückgang durch die immer brutaler werdenden Auswirkungen der weltweiten Beeinträchtigung durch COVID-19?

Aktienmärkte: Das Kursdebakel im Überblick

Der weltgrößte Aktienindex, der S&P 500 sowIe der Technologieindex Nasdaq beendeten die Woche mit einem Minus von 14 Prozent. Der Dow Jones verlor sogar 16 Prozent. Es war die schlechteste Handelswoche für die Aktienmärkte seit 2008. So ziemlich für die meisten Börsen weltweit, auch der deutsche Leitindex DAX hat in der letzten Woche um 20 Prozent nachgegeben. Insgesamt haben sich schon 17 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung weltweit seit dem Hoch von 89 Billionen Dollar vor gerade mal drei Wochen in Luft aufgelöst.

Dass die Kursverluste der Aktienmärkte  nicht noch deutlicher ausgefallen sind, dafür sorgte eine wundersame Entwicklung am Freitag. Dass man nach dieser Woche vor den freien Börsentagen vorsichtig werden würde, hatte ich noch am Vormittag gemutmaßt. Das US-Angstbarometer Fear&Greed stand mit nur einem Punkt auf dem Maximum, viele Investoren hatten sich mit Shortpositionen bis „zur Halskrause“ abgesichert und es stand zu erwarten, dass Regierungen und Notenbanken über das Wochenende gewaltige Rettungspakete schnüren würden. Eine riesige Short Squeeze lag in der Luft und sie wurde bereits am Freitag Realität.

Der Dow Jones, der im Mittagshandel noch rund fünf Prozent im Minus gelegen hatte, schloss am Freitag schließlich unglaubliche 9,4 Prozent ins Plus, fast genauso viel der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq, die beide um 9,3 Prozent nach oben schossen. Der über 20 Billionen Dollar schwere S&P 500 schnellte in nur 25 Minuten sieben Prozent nach oben, es wurde der beste Handelstag in 12 Jahren. Auslöser dafür war die Ausrufung des nationalen Notstandes durch US-Präsident Trump. Wobei einmal mehr die These bestätigt wurde, dass sich die größten Rallys in Bärenmärkten ereignen, 2008 ist dafür beispielgebend.

Aber: Die amerikanischen Aktienmärkte haben den 11-jährigen Aufschwung in der letzten Woche beendet und sind in eine Baisse eingetreten. Der letzte und maßgebliche Auslöser Covid-19 versetzt Regierungen und Zentralbanken weltweit in extremen Zugzwang und zu gemeinsamen Aktionen, die sich lawinenartig in Gang gesetzt haben.

Die Maßnahmen von Regierungen und Notenbanken

Deshalb sind für die absonderlichen (aber höchstwahrscheinlich nicht dauerhaften) Kurssteigerungen am Freitag der weltweiten Aktienmärkte die monetären und fiskalischen Maßnahmen von Staaten und Notenbanken verantwortlich, die in etwa mit dem korrespondieren, was die Vorstandschefs amerikanischer Geldinstitute am Donnerstag beim Treffen im Weißen Haus mit Donald Trump gefordert haben. Und dies ereignet sich in Riesenschritten rund um den Globus.

Zuallererst setzen die Notenbanken auf der ganzen Welt ihre Maßnahmen zur Unterstützung ihrer eigenen Finanzsysteme fort. Begonnen hatte das ganz große Spektakel mit der Notzinssenkung der Federal Reserve um 50 Basispunkte und den Stützungsmaßnahmen für das Bankensystem durch die Europäische Zentralbank, über das schon ausführlich berichtet wurde. Gestern Abend dann der nächste Schritt der Fed mit der 1%-Senkung, dem Beginn einer neue QE-Runde sowie den Swap-Agreements mit anderen Notenbanken.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Nationen wollen sich am heutigen Montag in einer Videokonferenz austauschen. Wird dies alles helfen, oder noch mehr Panik verbreiten? Übrigens gratulierte US-Präsident umgehend der US-Notenbank zu diesem extremen Schritt.

Die Maßnahmen anderer Notenbanken

Die People’s Bank of China folgte mit der Ankündigung den Mindestreservesatz für ausgewählte Banken senken zu wollen. In einer Höhe von etwa 550 Milliarden Yuan (79 Milliarden Dollar), die an Finanzmitteln freigesetzt werden sollen. Dies geschah in großer zeitlicher Nähe zu der Aktion der Reserve Bank of Australia, die 8,8 Milliarden Dollar in den lokalen Repo-Markt pumpte.

Die norwegische Zentralbank senkte ihren Leitzinssatz um 50 Basispunkte, die benachbarte schwedische Riksbank versprach den Banken neue Kredite in Höhe von bis zu 500 Milliarden Kronen (51 Milliarden Dollar) zu gewähren.

Fiskalischer Stimulus – rettet das die Aktienmärkte?

Zum monetären Stimulus hinzu kommen noch die fiskalpolitischen Maßnahmen, die aber immer etwas länger in der Umsetzung brauchen, schließlich gibt es die nationalen Gesetzgebungsverfahren. Diese benötigte US-Präsident Trump nicht, als er am Freitag den nationalen Notstand infolge Covid-19 erklärt hat. Damit sollen den US-Bundesstaaten und den Kommunen Mittel in Höhe von 50 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden, um die Verbreitung der Virusinfektion einzudämmen. Die Aktienmärkte vor allem der USA stiegen daraufhin impulsiv an.

Dazu gesellte sich noch die Hoffnung auf ein großes Fiskalpaket, welches man in den nächsten Tagen schnüren möchte. So geschen bereits ein paar Stunden später, als die Mehrheitsführerin im demokratisch geführten Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, signalisierte, sie habe sich mit den Republikanern auf ein Stimuluspaket geeinigt, welches noch in der Nacht zum Samstag von ihrer Kammer verabschiedet wurde.

Selbst in Deutschland ist plötzlich extremer Aktionismus seitens der Regierungsvertreter spürbar. Finanzminister Olaf Scholz rückt von der schwarzen Null im Haushalt ab: Es werde ein Konjunkturprogramm kommen, wenn nötig, und die Bundesregierung wolle den Unternehmen mit unbegrenzten Kreditprogrammen helfen. Über einen deutlich erhöhten Garantierahmen bei der Staatsbank KfW könnte eine halbe Billion Euro zur Verfügung gestellt werden, verkündete der deutsche Wirtschaftsminister. Das Ganze solle zunächst mit 20 Milliarden Euro für die KfW starten.

Aber was noch bedeutsamer ist: In Brüssel werden Überlegungen getätigt, ob man die Schuldenobergrenze zur Abfederung der wirtschaftlichen Probleme in den Mitgliedsstaaten nicht temporär aussetzen könne. Für Italien praktisch ein „fait acommpli“.

Aktienmärkte und die die Ausbreitung von Covid-19

Was schossen die Infektionszahlen über das Wochenende in die Höhe! Kein Wunder, denn schließlich sind bereits weit über 100 Staaten von der Virusinfektion betroffen. Die Zahlen rauschen nach oben, in Tausenderschritten und im Stundentakt. Aktuell: Gesamt 169.904 Fälle, 6520 Tote, bei 77.776 Gesundeten.

Europa schattet sich ab. Grenzschließungen in Österreich, Polen, Tschechien, Dänemark und seit gestern auch in Deutschland, sind die Folge.

Ein verzweifelter Versuch, da sich das Virus schon um den ganzen Globus verteilt hat.

Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer – auch für die Aktienmärkte.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Seiten: 1 2

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Rüdiger Born: Die aktuelle Lage am verkürzten US-Handelstag

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Ich melde mich im folgenden Video mit einem kurzen Überblick zur aktuellen Marktlage. Denken Sie an den heute verkürzten Handelstag in den USA!

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Nikkei 225: Das Comeback des japanischen Leitindex

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Nikkei 225 – trotz explodierender Schulden

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Hatte es der Großinvestor Warren Buffett geahnt, oder war er sogar ein kleiner Auslöser dafür: Nämlich die Stärke des japanischen Sammelindex Nikkei 225, inmitten der Corona-Krise und bei explodierenden Staatsschulden. Dieser bemüht sich nach Kräften, endlich das Trauma des Immobilien-Crashs von 1989 zu neutralisieren, der Index kletterte jüngst auf ein fast 30-Jahreshoch.

Der japanische Index – auf dem Weg zu alten Höhen?

Immer wieder wird von Aktienpessimisten Japan als Negativbeispiel angeführt. Der unheimliche Aktien-Boom in den 1980-er-Jahren, verbunden mit der Immobilienblase (Hans-Werner Sinn: Für Tokyo hätte man ganz Kanada kaufen können!) führte zu abstrusen Börsenbewertungen:

 

Die Mutter aller Index-Fahnenstangencharts (bis zur Corona-Krise):

Die Aktienmärkte - hier der Nikkei

Der Höchststand des Nikkei 225 vom 29. Dezember 1989 lag auf Schlusskursbasis bei 38.913 Punkten, dann erfolgte ein Absturz ohnegleichen mit vielen erratischen Schwankungen und einem Tief am Ende der Finanzkrise von 7054 Punkten.

Aber wer hat im Jahr 1989 all sein Geld in den Nikkei 225 investiert und nicht vorher und danach? Im Übrigen hätte ein monatlicher Sparplan auf den Index über viele Jahre eine gewaltige Rendite gebracht, durch den Cost-Average-Effekt, nur muss der Index irgendwann einmal kräftig anziehen, dann schießt der Wert mit all den billig erworbenen Anteilen kräftig in die Höhe. So wie es beim Nikkei 225 schon seit geraumer Zeit aufwärts geht.

Ein Vergleich der Marktperformance:

Seit dem Corona-Tief:

S&P 500: plus 60 Prozent
Dax: plus 52 Prozent
Nikkei: plus 50 Prozent

Seit dem Tief in der Finanzkrise 2009:

S&P 500: plus 436 Prozent
Dax: plus 362 Prozent
Nikkei: plus 364 Prozent
Jetzt ist der Index noch weiter gestiegen und erreichte gestern 26.537 Punkte.

Wobei hier wieder einmal festzustellen ist, dass bei unserem Dax als Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet wurden, anders als bei den international üblichen Kursindizes. Was im Jahresvergleich nicht viel ausmacht, verzerrt das Bild bei einem 11-Jahreszeitraum durch den Zinseszinseffekt doch sehr deutlich.

Was also fast nach einem Gleichlauf aussieht, wird im 3-Monatsvergleich nach dem Einstieg von Warren Buffett deutlicher, Japan fiel im Oktober nicht mehr so stark und erholte sich stärker.

S&P 500: plus 4 Prozent
Dax: plus 1 Prozent
Nikkei: plus 13 Prozent

Die Entwicklung der Wirtschaft

Dass die Börse in Japan so stark gestiegen ist, liegt zum einen natürlich an der Bank of Japan, die bereits 53 Prozent der japanischen Staatsanleihen in ihren Büchern hält und immer wieder ETFs auf den Aktienmarkt erwirbt.

Der Nikkei 225 mit seinen über 12 Billionen Euro Marktkapitalisierung hat natürlich noch andere Investoren.

Aber vonseiten der Wirtschaft gibt es auch einige Signale der Hoffnung.

Doch zunächst zum Einstieg von Warren Buffett. Seine Gesellschaft Berkshire Hathaway kaufte im Herbst etwas mehr als fünf Prozent der Aktien der fünf großen japanischen Handelshäuser, die jahrzehntelang Japans Außenhandel bestimmt haben. Für uns relativ unbekannte Namen wie Itochu, Marubeni, Mitsubishi, Mitsui und Sumitomo. Und seine Gesellschaft sei bereit, den Einsatz auf bis zu 9,9 Prozent zu erhöhen.

Japan ist verglichen mit den USA erheblich preiswerter. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des Dow Jones liegt bei 2,9, jenes des Nikkei 225 hingegen nur mit bei 1,1.

Japans Wirtschaft erholt sich derzeit von einer Rezession, die schon im vierten Quartal 2019 begonnen hatte. Japans Konsumenten erhöhten ihre Ausgaben im Sommer um 4,7 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt stieg im dritten Quartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent, 2,5 Prozent stärker als von Analysten erwartet wurde.

Hinzu kommt, dass die XXVII. Olympischen Sommerspiele in Tokyo doch vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden sollen, wie IOC-Präsident Dr. Thomas Bach bei seinem letzen Besuch in Japan angekündigt hat.

Ein Schub durch das Freihandelsabkommen RCEP

Das vor knapp zwei Wochen abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP, abgekürzt für Regional Comprehensive Economic Partnership, zwischen 15 Ländern Ostasiens und Ozeaniens, gab der Börse einen weiteren Kick. Japan erhält dadurch erstmals bevorzugten Zugang zu China und Südkorea. Die Annäherung der drei Länder gilt als historischer Vorgang. Das Abkommen wird als Wegbereiter für ein künftiges asiatisches Wirtschaftswachstum gesehen, auch zu einer Zeit, in der sich die Region ohnehin aufgrund der Eindämmung der Pandemie konjunkturell besser als der Rest der Welt entwickelt.

Fazit

Was kann man aus der diesjährigen Entwicklung des Nikkei für Lehren ziehen? Staatsschulden, selbst in astronomischer Höhe (über 250 % zum Bruttoinlandsprodukt), führen nicht zwangsläufig zum Einbruch. Nämlich dann, wenn die Bürger an die Stabilität der eigenen Währung glauben und genügend Sparvermögen bilden und natürlich von der Funktionsfähigkeit der eigenen Notenbank überzeugt sind, die viele der Staatssschulden in ihren Büchern hält. Das Vertrauen in das Geld ist Grundvoraussetzung für die Schuldentragfähigkeit.

Dann sollte die eigene Währung eine gewisse Stabilität aufweisen, damit die Exportwirtschaft nicht unter die Räder gerät, aber auch ausländische Produkte für die Bürger erschwinglich bleiben. Ganz besonders wichtig ist natürlich die Stabilität des Geldes im Hinblick auf die Inflation. In Japan lag die Teuerungsrate über 20 Jahre gerade mal bei 0,5 Prozent per annum. Aber aus dieser Argumentation könnte man auch schlussfolgern, dass es dann krachen wird, wenn auch nur einer der drei Faktor nicht mehr gegeben ist, insbesondere wenn die Inflation zu galoppieren beginnt. Inflation, das Thema der nächsten Jahre nach der epochalen Geldschwemme des Corona-Jahres 2020?

 

Der Nikkei in Japan mit zuletzt starker Entwicklung

weiterlesen

Indizes

Dax mit 40 Aktien – ist die Reform wirklich eine Wende?

33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform – ändert sich dadurch seine Bedeutung in der weltweiten Börsenszene? Zweifel sind angebracht!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

33 Jahre nach Einführung des Dax 30 kommt im nächsten Jahr eine Reform des deutschen Leitindex, unter anderem mit einer Erweiterung auf 40 Werte. Anstoß war der Skandal um Wirecard, seiner Insolvenz und seinem wochenlangen Verbleib im Index, weil es eben den Regeln so entsprach. Aber wird diese Indexaufstockung wirklich eine gravierende Änderung seiner Bedeutung in der großen Börsenszene einleiten? Zweifel sind angebracht, denn ein Alleinstellungsmerkmal des deutschen Index bleibt bestehen.

Dax 30, der Underperformer unter den großen Börsenindizes

Das Grundproblem unseres Leitindex ist zunächst einmal seine Grundkonstruktion. Es handelt sich bei ihm – im Gegensatz zu den anderen großen internationalen Indizes – um einen Performanceindex, bei dem die jährlichen Dividendenausschüttungen miteingerechnet werden. Der Dax steht in dieser Berechnung mit 13300 Punkten (Stand 26. November) weniger als vier Prozent unter seinem Allzeithoch vom Februar diesen Jahres. In einer Kalkulation als internationaler Kursindex (ohne Dividenden) liegt er mit 5751 Punkten, sogar noch fast 10 Prozent tiefer als bei seinem Hoch vom März 2000 mit 6266 Punkten. Der Dax hatte 15 Jahre gebraucht, bis er dieses Hoch wieder erreichen konnte (2015), seither rennt er immer wieder dagegen an.

Zum Vergleich der S&P 500: Jahreshoch des Jahres 2000 – 1527 Punkte, Jahreshoch 2020 – 3642 Punkte. Und dabei wurde sogar der Extremwert in der Internet-Bubble als Vergleich herangezogen.

Dax 30, das Leichtgewicht unter den Indizes

Das nächste Thema ist die Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Mit seinen aktuellen 1,2 Billionen Euro Marktbewertung liegt er nur im Mittelfeld der großen Indizes, obwohl er eigentlich die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt repräsentieren sollte. Zum Vergleich der S&P 500, der es umgerechnet bereits auf sagenhafte 27,2 Billionen Euro bringt, auch der japanische Nikkei 225 liegt im zweistelligen Billionenbereich.

Aber selbst kleinere europäischen Volkswirtschaften haben größere Marktkapitalisierungen. FTSE 100 (Großbritannien) 1,92 Billionen Euro, CAC 40 (Frankreich) 1,76 Billionen Euro, die erheblich kleinere Schweiz liegt mit ihrem SMI und 1,15 Billionen Marktkapitalisierung fast gleichauf.

Was bringt die Aufstockung auf 40 Titel?

Zuerst würde man sich den internationalen Indizes bei der Zahl der im Index gelisteten Aktien annähern. Nicht dem S&P mit seinen 500 Titeln, aber Großbritannien (100) und vor allem Frankreich (40). In der Marktkapitalisierung würde man aus jetziger Sicht auf gut 1,35 Billionen Euro steigen, wenn man potenzielle Aufsteiger aus dem MDax hinzu addiert. Die drei größten Titel aus der zweiten Reihe sind derzeit Airbus (25,4 Bio. €), Symrise (13,2 Bio. €) und Zalando (11,3 Bio. €), wobei beim marktschweren Flugzeugbauer schon wieder ein Fragezeichen steht, wegen seines ausländischen Firmensitzes.

Weitere Regeländerungen

Darüber wurde bei FMW schon berichtet deshalb nur kurz die Änderungen: Künftige Dax-Neulinge müssen vor ihrer Aufnahme einen operativen Gewinn in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen. Neuaufnahmen wie die von Delivery Hero wären künftig nicht mehr möglich. Eine Konsequenz aus dem Wirecard-Skandal ist, dass ab März 2021 Firmen nach einer 30-tägigen Warnfrist aus dem Index ausgeschlossen werden können, wenn sie ihre testierten Geschäftsberichte und vierteljährlichen Quartalsmitteilungen nicht fristgerecht veröffentlichen. Außerdem überprüft die deutsche Börse zweimal im Jahr die Aufstellung im Dax. Es geht dann um die Marktkapitalisierung der Unternehmen und nicht mehr um den Börsenumsatz. Der Nachweis einer Mindestliquidität wird ausreichen.

Fazit

Bei allen Bemühungen um eine Steigerung der Attraktivität des deutschen Leitindex bleibt das Grundproblem – die Akzeptanz der Aktie für die Kapitalanlage. Nur 15 Prozent der Deutschen besitzen direkt oder über Fonds Aktien, über 50 Prozent des Dax befinden sich in ausländischen Händen. Zum Vergleich: 2,4 Billionen Euro liegen in Deutschland auf unverzinslichen Konten, das Zweifache der Marktkapitalisierung des deutschen Leitindex. Was mit diesem Geld in Zukunft geschehen wird, in einer sich wahrscheinlich noch verstärkenden „finanziellen Repression“ (Inflation?) ist ziemlich absehbar. Ein Umdenken täte Not, etwas im Stile des norwegischen Staatsfonds.

An der Grundproblematik wird auch eine Erweiterung des DAX auf 40 Werte nichts ändern. Wie hatte Warren Buffett schon vor Jahren Kritikern der „gefährlichen“ Aktienanlage entgegnet: „„Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497 Punkte.“

Was ändert sich durch die Reform des Dax?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage