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Indizes

Aktienrückkäufe: Entgleist der Kapitalismus?

Über das „Financial Engineering“ der amerikanischen Finanzmafia, sorry: Finanzindustrie..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Sie waren seit der Finanzkrise im Jahr 2009 der große Treiber für die Aktienkursentwicklung in den USA: die Aktienrückkäufe der Unternehmen. Es sind die Aktienrückkäufe, die maßgeblich die Gewinne der Firmen nach oben pushen durch eine stetige Reduzierung des Aktienangebotes (Free Float). Das ist ein unglaublicher geldwerter Vorteil für Vorstände und Aktionäre, insbesondere dann, wenn man auf die richtigen Buyback-Könige gesetzt hat. Mit Hilfe der Aktienrückkäufe konnten sich die großen US-Indizes seit dem Konjunkurtief schließlich vervierfachen..

Effekte und Dimension der Aktienrückkäufe

Es gibt einen interessanten langfristigen Vergleich zwischen der Entwicklung des S&P 500 und einem Spezialindex, dem S&P 500 Buyback-Index, in dem die 100 Indexwerte mit den umfangreichsten Aktienrückkäufern enthalten sind. Ergebnis:

Seit dem Jahr 2000 stieg der S&P 500 um 100 Prozent, der S&P Buyback Index hingegen legte um sagenhafte 600 Prozent zu.

Änderungen in der Steuergesetzgebung haben zu Beginn des neuen Jahrtausends einen unglaublichen Boom in den Vereinigten Staaten ausgelöst. Während sich das Gesamtvolumen der Aktienückkäufe zwischen 1999 und 2004 noch zwischen 100 und 200 Milliarden US-Dollar bewegte, so gaben die S&P-500-Firmen 2007 bereits 600 Milliarden US-Dollar für den Erwerb eigener Aktien aus. Die Finanzkrise unterbrach diese Rückkauf-Orgie, um anschließend sich bis zum Jahr 2018 noch einmal gewaltig zu steigern.

Hierzu noch einmal ein paar Zahlen:

Das Rückkaufvolumen hat sich von 2009 tendenziell gesteigert und im Jahr 2018, als Folge der Steuerreform die Billionengrenze (alle 3000 großen Aktien in den USA betreffend) überstiegen, insgesamt über fünf Billionen Dollar. Ein Wahnsinn, wenn man die Gesamtmarktkapitalisierung des S&P 500 von gut 22 Billionen Dollar betrachtet – alle deutschen Aktien kosten dagegen nicht einmal die Hälfte der Rückkaufsumme.

Die Rangliste der Aktienückkäufe führt Apple mit 239 Milliarden Dollar seit 2009 an, 2018 allein betrug die Summe 74,2 Milliarden – und die Orgie ist noch nicht vorbei. Jetzt werden diese Buybacks aber nicht einmal mehr vom Cashflow des ehemaligen Renditekönigs gedeckt.
Die US-Unternehmen investieren nicht mehr so stark in die unternehmerische Zukunft als in das eigene Wertpapier, zur stetigen Renditeverbesserung und zum Wohle der Klientel.

Die US-Politik hat das Problem erkannt, insbesondere die Demokraten, aber wer hat die Kraft sich gegen die Wall Street zu stemmen?

Die USA, ein Vorbild im Financial Engineering? Schlimmer noch, das Ganze macht international auch noch Schule.

Jetzt hat die Entwicklung auch in Europa Einzug gehalten, die Ankündigungen der Dax-Unternehmen deuten auf eine gewaltige Steigerungsrate hin. Und erst recht in Japan. Nach den Daten von Aspoma Asset Management sind die dortigen Aktienrückkäufe 2019 um 164 Prozent zum Vorjahr gestiegen. Kein Wunder, dass im Land der Dauerniedrigzinsen die Aktienkurse trotz heftigen konjunkturellen Gegenwinds steigen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Seiten: 1 2

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    19. November 2019 12:07 at 12:07

    Und es ist doch in Summe völlig absurd das daraus ein Index steigt?!?!? Natürlich wird die einzelne Aktie mehr Wert weil Unternehmen durch Anzahl Aktien besser ausfällt (werden diese Aktien eigentlich vernichtet oder was passiert Mit den Rückgekaiften Paketen? Bleiben diese als Vermögenswert in den Bilanzen der Unternehmen?) Aber das Unternehmen selbst bleibt ja gleich viel Wert….und das sollte doch Entscheidend für einen Index sein?!?!?

    Es zeigt einmal mehr wo wir stehen…jeder „Buchungstrick„ der möglich wird genutzt um Joe Sixpack & Michels zu täuschen und vorzugaukeln die Märkte steigen obwohl eigentlich gar nichts passiert….Neben dem das seit 2009 Notenbanken & Staatsfonds ingesamt auch ganz wesentliche Anteile der Weltaltien halten, und diese treten auch nicht mehr wirklich als Verkäufer am Markt auf, sondern nur als Käufer, siehe SNB oder BOJ und bald wohl auch EZB und dann FED…

  2. Avatar

    Torsten

    19. November 2019 12:42 at 12:42

    Wenn es noch nur eine frei handelbare Aktie von Apple gäbe und Apple einen Konzerngewinn von 100 Dollar bei 200 Mrd Dollar Umsatz!! meldet wäre eine Rally möglich.
    Und für die Boni der Vorstände wurde man einen Kredit aufnehmen müssen!

  3. Avatar

    Marko

    19. November 2019 13:11 at 13:11

    „Sie waren seit der Finanzkrise im Jahr 2009 der große Treiber für die Aktienkursentwicklung in den USA: die Aktienrückkäufe der Unternehmen. – und die Orgie ist noch nicht vorbei. “

    Aktienrückkäufe usw, von mir aus, was ist dann mit Anleihenkäufen der Notenbanken, nicht existent ?

    Und Anleihekäufe haben mit dem Markt bzw. NULL zu tun, weil : das wird akzeptiert ! – Weil, so denkt man als „Bär“.

    die Notenbanken haben , gezwungenermaßen durch Lehman, Marktmanipulationen betreiben müssen, und dies in einer ganz, ganz anderen Liga, als irgendwelche 08/15 Aktienrückkäufe… – Und : das wisst Ihr doch !

    aber , ich weiß, das ist ne Bären-Seite… Ich mag Euch, liebe Bären … ;) :D

    • Avatar

      Savestrax

      20. November 2019 00:23 at 00:23

      Die Notenbanken haben nicht erst seit Lehmann gezwungenermaßen Marktmanipulation betreiben müssen.

      Aber was soll der Verweis auf die Anleihen? Im Artikel geht es lediglich um die Aktienrückkäufe.
      Der Kommentar suggeriert Sinneszweifel am Artikel. Dabei stellt der Artikel die Aktienrückkäufe in der Bedeutung weder über noch unter andere Themen.

  4. Avatar

    Beobachter

    19. November 2019 13:52 at 13:52

    Ein Kenner hat es einmal geschrieben: AKTINRÜCKKÄUFE SIND NUR SINNVOLL WENN SIE UNTERBEWERTET SIND.Alles andere ist firmenschädigend.Es ist ein Aushöhlen der eigenen Firma.Welche US-Aktien sind denn noch unterbewertet? Warum hält Buffett soviel Bargeld? Wenn die Aktienorgie weiter läuft , wird auch diese wie jede andere Orgie mit einem Kater enden. Also nicht J.Powell ist der Feind Amerikas, es sind die kurzfristig denkenden Manager die Amerika demolieren. DT erreicht mit der Aktientreiberei genau das Gegenteil seines Wahlversprechens.
    Heute sollte gemäss Zeitung DT bei der Anhörung eines hohen Militärs stark belastet werden, natürlich wieder ein Grund für neue Idioten-Markt Hochs.

  5. Avatar

    Wolfgang M.

    19. November 2019 13:56 at 13:56

    @Marko. Was ziehen Sie da für Rückschlüsse. Natürlich haben die Notenbanken das Zinsniveau durch die Anleihekäufe verzerrt und manipuliert. Aber was haben diese jetzt direkt mit den Aktienrückkäufen zu tun. Diese laufen seit Ende der 90-er Jahre, als man die Regularien änderte. Klar konnte man sich mit niedrigen Zinsen verschulden, aber Apple hatte die opulenten Rückkäufe aus dem Cashflow über Jahre finanziert (durch ihre anfangs gigantische Gewinnmarge). Warum bezeichnen Sie mich als Bären? Habe ich nicht seit Monaten vor Short-Investments gewarnt. Ich beleuchte stets beide Seiten. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Sie meine Artikel nur überfliegen und auf Schlüsselworte reagieren. Haben Sie einen Lehman-Algorithmus intus. Nix für ungut.😀

  6. Pingback: Aktuelles vom 19.11.2019 – Teil 2! | das-bewegt-die-welt.de

  7. Avatar

    Prognosti

    19. November 2019 19:38 at 19:38

    Wenn Alle davon reden ,könnte der Höhepunkt der Aktienrückkäufe bald erreicht sein. Ist es Zufall, dass gerade heute am CH- Fernsehen in der Tagesschau ein sehr negativer Bericht über das Gebahren der Manager gesendet wurde. Der Mainstream wird die Politik zwingen die Selbsbedienung der Manager zu verhindern.

    • Avatar

      Savestrax

      20. November 2019 00:28 at 00:28

      Gibt es einen Index, der die großen amerikanischen Titel abbildet und nicht alleinig auf den Kurs abzielt?

      Wenn ein Unternehmen Mrd. ausgibt um Aktien zurück zu kaufen, steigt dadurch ja nicht der Wert des Unternehmens. Dieser sinkt eher, da cash aus dem Unternehmen fließt.
      Ein aussagekräftiger Index dürfte deshalb eigentlich eher nicht steigen.
      Gibt es so einen Index?

      • Avatar

        Wolfgang M.

        20. November 2019 07:15 at 07:15

        @Savestrax. Hallo, ist mir nicht bekannt. Es gibt bei den Indizes, egal ob Kurs- oder Performanceindex, meines Wissens nach nur die Berechnung nach der Marktkapitalisierung, also nach dem Aktienkurs und der Stückzahl. Die Indizes können entweder preisgewichtet oder kapitalisierungsgewichtet sein – wie zum Beispiel Dow Jones im Vergleich zum S&P 500. Der Kurs wird natürlich bei Reduzierung der Aktienstückzahl nach oben gehoben, unabhängig vom Cashflow.
        Grüße

  8. Avatar

    Torsten

    20. November 2019 08:18 at 08:18

    Breaking news!

    Apple ist 10% unterbewertet sagt Morgen Stanley!

    Kursziel 295 Dollar!

    Quelle: CNBC

    ? Welche Aktie ist eigentlich nicht unterbewertet am US Markt? :)

  9. Avatar

    Prognosti

    20. November 2019 10:09 at 10:09

    Da müsste man annehmen ,dass die M.Stanley Hellseher auch wissen wie sich der Handelskrieg u.die Produkte der Firma in vielleicht rezessiver Wirtschaft entwickeln.Da diese Leute etwas wissen was sonst niemand weiss, sind auch die horrenden Saläre dieser Genies gerechtfertigt! Solche Prognosen sind sehr oft auch KONTRAINDIKATOREN, vor allem die goldigen Sachsmänner haben in dieser Beziehung einen guten Ruf.

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